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Kategorie: Wirtschaftswahn  

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Dienstag, 12. Juni 2007

Telefondienstleistungen

Ich lese alle Nase lang über solche Aktivitäten. Erst kürzlich hat die Zeit Online mit einer neuen Geschichte von Günter Wallraff aufgetrumpft, in der er von seinen Erfahrungen als Mitarbeiter in einem so genannten „Call Center“ berichtet. Ach ja, und Anrufe dieser Art bekomme ich selbst natürlich auch immer häufiger. Immerhin nicht so viele wie manch anderer, aber es nimmt für mich bereits spürbar zu, wenn mittlerweile mindestens ein „nicht erwünschter Werbeanruf“ („Cold Call“ oder „Kaltakquise“) pro Monat hier durchbimmelt. (Die Anrufe, die auf den drei nicht durchgeschalteten Rufnummern in der Telefonanlage versumpfen, kriege ich schon gar nicht mit, ich weiß also nicht, wie viele da schon ankamen.)

Auch schon vor Wallraffs Undercover-Bericht hat sich im Heise-Forum nach einem Bericht über Tele2 in der ZDF-Sendung WISO jemand als Call-Center-Mitarbeiter geoutet und verraten, welche Tricks man da beigebracht bekommt.

Naja, und jetzt hat ein Berliner, der sich für so einen Job anwerben ließ, schon nach kurzer Zeit derartige Gewissensbisse gekriegt, dass er sich an Spreeblick wandte und ein sehr ausführliches Interview gab. Er arbeitet(e?) nach eigenen Angaben für die Firma „Primacall“, die bereits negativ aufgefallen war und nach Klage der Verbraucherzentrale Berlin eine Unterlassungserklärung abgab.

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Freitag, 8. Juni 2007

Auslaufmodell

Habt ihr das auch schon mal gehabt? Da habt ihr lange Zeit verschiedene Produkte einer Art ausprobiert, bis ihr dann endlich genau das gefunden habt, das die wenigsten Nachteile hat oder sogar genau auf eure Bedürfnisse passt. Beispiele könnte ich eine Menge nennen.

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Dienstag, 5. Juni 2007

Das Neueste und Modernste

Ich lese gerade einen Artikel über Programmiertechniken, verfasst von meinem Lieblingsautor, was solche technischen Publikationen angeht. Er schreibt darin:

The idea that the newest and latest technology must, by definition, be the best solution to a problem is prevalent in our industry. This idea is wrong.*

Manchmal wünschte ich mir, es würden viel mehr Leute aus meinem näheren und auch weiteren Umfeld Dan Applemans Abhandlungen lesen und, vor allem auch, ihren Sinn verstehen.

*) Die Vorstellung, dass die neueste und modernste Technologie per Definition die beste Lösung zu einem Problem ist, ist in unserer Branche weit verbreitet. Diese Vorstellung ist falsch.

Samstag, 26. Mai 2007

So spart man beim Tanken

Ich wunder mich ja schon. In unserem Land geht in Hamburger Briefpostzentren und Bremer Universitäten die Rechtsstaatlichkeit übern Jordan, und die Deutschen regen sich über zu hohe Benzinpreise auf.

Dabei habe ich überhaupt kein Problem mit steigenden Benzinpreisen. Ich habe sogar einen Trick, wie ich die Spritkosten für mich auf einem konstanten Level halten kann. Soll ich ihn euch verraten? Na gut, aber nur, weil ihr so gute und treue Leser meines Blogs seid: Ich tanke einfach immer nur für 50 Euro. Da kann mich die Mineralölindustrie mal. Ätsch.

Donnerstag, 3. Mai 2007

Griff ins Klo

Das Urheberrecht treibt zuweilen bizarre Blüten. Erst recht, wenn ein Kopierschutz im Spiel ist, der auf Geheimhaltung beruht. Dass solche geheimen Informationen nicht lange diesen Status behalten, hätten die Bonzen der MAFIA („Music and Film Industry Association“™) schon beim Thema DVD bemerken müssen, als schon nach kurzer Zeit der so genannte CSS-Schlüssel wild kursierte, der zum Verschlüsseln von DVD-Inhalten in der Format-Spezifikation festgeschrieben wurde.

Zurzeit will die Industrie, die uns mit so tollen Werbebotschaften wie „Raubkopierer sind Verbrecher“ bedenkt, die man auf handelsüblichen DVD-Playern nicht überspringen kann, und die kackfrech und fälschlicherweise suggerieren, ein Gelegenheits-Konsument von illegal kopierten Inhalten bekäme grundsätzlich fünf Jahre schwedische Gardinen, uns ein neues Format aufschwatzen. HD sei Dank, diesem tollen neuen Hype, der seit der letzten Fußball-WM (oh, sorry, ich muss ja „FIFA WM 2006™“ schreiben, sonst riskier ich ne Abmahnung) um sich gegriffen hat wie die Pest im Mittelalter (und das, wo doch noch kaum ein Gerät wirklich „Full HD“ beherrscht). Meine jüngsten Feldforschungen haben gezeigt, dass der ortsansässige Blödmarkt nicht ein echtes HD-Gerät in der Ausstellung hatte. Alle hatten nur lächerliche 768 Zeilen. Dabei weiß doch jedes Kind, dass HD unter 1080 Bildzeilen gar nicht erst anfängt.

So fehlt mir auch ein bisschen der Vergleich, denn wenn ich vor so einem 768-Zeilen-LCD-Frühstückstablett stehe, fällt es mir sehr schwer bis gar unmöglich, irgendeinen Unterschied zu der Brillanz meiner 100-Hertz-80-Zentimenter-Röhre, gefüttert mit einem Original-DVD-RGB-Strom, zu erkennen. Dass da jetzt die so genannten HD DVDs oder auch die BluRay-Discs der handelsüblichen DVD das Wasser abgraben sollen, bereitet mir daher ein bisschen Bauchschmerzen, bedeutet das Ganze doch, dass ich auf absehbare Zeit meinen Film-Nachschub nur noch auf HD-Medien bekomme, für die ich ein neues Abspielgerät brauchen werde (das ich zu dem Zeitpunkt garantiert noch nicht für 30 Euro beim nächsten Supermarkt kaufen kann), und die auch nicht für fünf bis zehn Euro verramscht werden, nachdem sie sechs Monate lang für 25 Euro keiner haben wollte.

Gerade die HD DVD hat da aber so einige Problemchen, was ihren Kopierschutz angeht. Der ist nämlich schon geknackt, noch bevor sich das Format am Markt überhaupt richtig bemerkbar gemacht hat. Aber nicht alles, was laut Gesetz böse ist, ist schlecht. Man denke an die vielen PC-Besitzer, die sich von Windows frei gemacht haben und einem Apfel nichts abgewinnen können oder aus irgendwelchen anderen Gründen bei Linux gelandet sind. Linux ist nämlich ein Betriebssystem, dessen Programmcode per Definition offen ist. Jeder kann ihn lesen. Jeder – naja, sagen wir fast jeder – kann daran mitschreiben. Und aus diesem Grund darf der Schlüssel, mit dem HD DVDs auf Computern abspielbar gemacht werden können, in Linux nicht hineinprogrammiert werden. Nicht offiziell zumindest.

Es gibt allerdings ein paar Tools für Linux, die können trotzdem HD DVDs dekodieren. Man muss sie nur mit besagtem Schlüssel füttern. Nur… wie kommt man da ran? Dazu gibt’s doch das Internet.

Dort gibt’s auch einen Dienst namens „Digg“. Zumindest gibt es ihn noch. Dort kann man nach einem einfachen Schema, ganz nach Web-2.0-Manier, Links auf besonders lesenswerte Seiten mit einem Kommentar melden. Besonders häufig genannte Adressen erscheinen dann bei Digg.com auf der ersten Seite. So eine Art Sammelstelle für die beliebtesten Bookmarks, wenn man so will. Dort tauchte eben jener HD-DVD-Schlüssel auf, und das gefiel den Filmemachern gar nicht. Also drohten sie mit juristischen Konsequenzen, falls Digg.com die entsprechenden Einträge nicht entferne. Also gab Digg.com klein bei und machte, was Gott die MAFIA ihnen sagte.

Das wiederum gefiel den Nutzern von Digg.com überhaupt nicht. Link-Zensur, wo käme man denn da hin? Es brach eine Welle der Entrüstung los. Und damit ist wirklich eine Welle gemeint. Eine Welle, die sich in Form von einer Schwemme von Links manifestierte, die entsprechenden Code beinhaltete. Der Fall machte die Runde durch etliche Blogs und Foren, wo als Reaktion ebenfalls fleißig Kommentare auftauchten, die diesen Code enthielten. Mittlerweile gibt es wohl kaum eine Stelle im Netz, wo die aus 16 Hexadezimalzahlen bestehende Ziffernfolge nicht zu bestaunen wäre. (Na gut, hier vielleicht, aber ich bin auch ein Schiss-Hase.) Selbst digg.com hat sich mittlerweile dem Willen seiner Nutzer gebeugt und das Löschen solcher Einträge mittlerweile eingestellt, ganz nach dem Motto: Wir haben verstanden. Wir können zwar dabei draufgehen, aber das isses uns wert.

Mit ihrer Bann-Aktion hat die Content-Industrie sich also selbst ins Knie gefickt. Statt ihr eigentliches Ziel zu erreichen, den Code möglichst im ewigen Datennirvana verschwinden zu lassen, ist er nun für jeden halbwegs intelligenten Internet-Benutzer maximal zwei Klicks vom nächsten Einwahlknoten entfernt aufzufinden.

Aber vielleicht war das ja Absicht? So ganz nach dem Motto: Auch schlechte Publicity ist immerhin Publicity. Und irgendwie muss man ja dem Konkurrenten BluRay den Schneid abkaufen. Oder?

Donnerstag, 26. April 2007

Bahnbrechend

Sigmar Gabriel will den Umweltschutz fördern und zu diesem Zweck das Bahnfahren billiger machen. Klingt ja schonmal erstrebenswert. Müssen nur noch die Züge pünktlicher fahren.

(Kleiner thematischer Exkurs: Als ich vor knapp zwei Wochen seit langer Zeit mal wieder Bahn gefahren bin, hatte jeder der Züge auf meiner Strecke 10 bis 15 Minuten Verspätung, teilweise weil der Anschlusszug auf den vorherigen warten musste. Nur die S-Bahn am Ende, für die ich eine Umsteigezeit von 8 Minuten gehabt hätte, die natürlich nicht. Dafür fuhr die nächste aber schon nach 30 Minuten wieder. Hurra!)

Zurück zu Gabriel, der sich auch schon überlegt haben will, wie die Fahrkarten günstiger werden sollen: Er erlässt ihnen einfach einen Teil der Mehrwertsteuer. Das geht ganz einfach, indem er bestimmt, dass das Bahnfahren im Fernverkehr (das heißt auf Strecken, die länger als 50 km sind) demnächst nur noch mit dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz besteuert werden soll. Statt 19 Prozent also nur noch 7 Prozent.

Hartmut Mehdorn hat dann auch gleich ein Statement dazu abgegeben. Er will diese Ersparnis voll an die Kunden weiterreichen. Dadurch wird eine Fahrkarte ab 50 km effektiv um ziemlich genau 10 Prozent billiger. Nicht so der Brüller, um Autofahrer auf die Schiene zu locken, aber immerhin.

Allein, ich denke da schon wieder an das Kleingedruckte: Morgen jubiliert die Bahn in der Werbung, dass das Bahnfahren 10 Prozent billiger wird, und dafür geistert dann Ende dieses und Ende nächsten Jahres ungehört durch die Presse, dass aus irgendwelchen nicht nachvollziehbaren Gründen die Preise um jeweils 5,6 Prozent erhöht werden müssten.

Schade eigentlich.

Mittwoch, 7. März 2007

Wiederauferstehung

Es gibt wahr gewordene Prognosen, die wagte selbst ich nicht aufzustellen.

Kaum, dass die letzte Schicht in Kamp-Lintfort und an den anderen Standorten gelaufen ist und die ehemaligen Siemens-Mitarbeiter jetzt – wenn überhaupt – anderen Beschäftigungen nachgehen, kündigt der Mobilfunkkonzern, dessen Name noch immer durch unsere Hirnwindungen nachhallt, die Entwicklung von vierzehn neuen, hochwertigen, technisch fortgeschrittenen Handy-Modellen an.

Gleichzeitig jammert der Marketingchef Jerry Wang, der auch für BenQ Mobile verantwortlich war, dass die Pleite der deutschen Tochtergesellschaft den Konzern arg gebeutelt und zurückgeworfen habe. Eine Tüte Mitleid…

Sagt mal, hat der Kerl sie eigentlich noch alle? Wickelt mal eben die Handy-Produktion eines deutschen Unternehmens ab und verkündet, nachdem der letzte bei Ex-Siemens-Mobile das Licht ausgemacht hat, dass noch tollere, bessere, schönere Handys entwickelt werden sollen – aber eben nicht in Deutschland. Und erwartet womöglich auch noch, die dann in diesem unseren Land an den Mann bringen zu können?

Das Problem wird sein – und diese Prognose wiederum wage ich –, dass der Arsch damit auch noch erfolgreich sein wird. Es wird einfach zu viele Deppen geben (nicht zu vergessen den Faktor „Technik-geiler Teenager“), die das ganze Siemens-BenQ-Theater innert weniger Wochen komplett vergessen haben und zwei Tage später mit einem tollen, neuen, coolen BenQ-Handy durch die Gegend rennen.

Wenn solchen Leuten ein ehemals bei Siemens beschäftigter Hartz-IV-Empfänger dann die Fresse poliert, könnte ich sogar Verständnis dafür aufbringen…

Samstag, 24. Februar 2007

Von Softwarepatenten und Stellenstreichungen

Es war einmal vor fünfundzwanzig Jahren, da begann ein Forschungsinstitut in Erlangen sich Gedanken darüber zu machen, wie man digitale Musikdaten auf einen Bruchteil seiner ursprünglichen Menge eindampfen kann. Auf der Basis eines psychoakustischen Modells, das im Grunde besagt, dass der Mensch in einem Töne-Mix bestimmte Frequenzen nicht mehr unterscheiden bzw. heraushören kann, werden eben solche Akustik-Informationen einfach aus der Musikdatei gelöscht und diese somit speicherplatzsparender gemacht. Die Rede ist hier vom mittlerweile auf der ganzen Welt verbreiteten und bekannten Format „MP3“, das seit 1992 als „Mpeg 1, Layer 3“ festgeschrieben ist und am 14. Juli 1995 seine namensgebende Dateiendung bekam.

Viele Computer- und Softwarehersteller setzten seither auf dieses Format, das vom Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen in Zusammenarbeit mit den AT&T Bell Labs entwickelt wurde und das Musikdateien auf zehn bis zwanzig Prozent (je nach verwendeter Bitrate) der Größe ihrer Rohdaten eindampfen kann.

Im Jahr 1996 wurde die Bell Laboratories von AT&T abgestoßen und in Lucent Technologies umgewandelt. Zehn Jahre später, am 1. Dezember 2006, fusionierte Lucent mit seinem französischen Mitbewerber Alcatel. Die beiden firmieren fortan gemeinsam unter dem Namen Alcatel-Lucent. So kam die Firma Alcatel-Lucent in den „Besitz“ einiger Patente aus den Beständen der Bell Labs, die Bestandteil des MP3-Codecs sind. Naja, und was macht man, wenn man plötzlich rechtmäßiger Inhaber von Patenten ist, die weltweit erfolgreich genutzt werden? Korrekt, man klagt Lizenzzahlungen ein.

Im Patentstreit, der zum Schluss ausschließlich mit Microsoft ausgetragen wurde, erging vor wenigen Tagen vor einem US-Gericht ein Urteil: Microsoft muss an Alcatel-Lucent rückwirkend Patentgebühren in der Gesamthöhe von 1,52 Milliarden Dollar (das sind umgerechnet circa 1,15 Milliarden Euro) nachzahlen. Und das, obwohl Microsoft nach eigener Überzeugung die Technik ausreichend durch Zahlung von 16 Millionen Dollar (laut einem Spiegel-Online-Artikel) an das Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen lizenziert habe.

Dieser Fall zeigt sehr detailreich das Problem sogenannter Software-Patente. Diese beziehen sich im Gegensatz zu den „normalen“ Patenten nicht auf eine technische Erfindung, sondern beinhalten meist nur Ideen für Problemlösungen. Das wäre so, als hätte in der Steinzeit jemand gesagt: „Um schneller vorwärts zu kommen oder Gegenstände besser transportieren zu können braucht man was rollendes“, und diese Idee zum (Software-)Patent angemeldet. Dann wäre der tatsächliche Erfinder des Rades, der nicht nur vage formuliert sondern direkt eine „echte“ Erfindung gemacht hat, ganz schön gekniffen gewesen.

Gestern dann kam die Meldung, Alcatel-Lucent wolle nach Angaben der IG Metall in Deutschland 867 Stellen streichen. 464 davon in Stuttgart und 303 in Nürnberg, plus ein paar nicht näher bezifferte an drei weiteren Standorten. Mensch, dabei wäre das so einfach gewesen: Von den gerade erst zugesprochenen 1,52 Milliarden Dollar hätte man doch jedem dieser zu entlassenden Mitarbeiter für (im Schnitt wohl bis zur Rente noch zu arbeitenden) 40 Jahre ein Jahreseinkommen von 33.160 Euro sichern können.

Ach ja, nicht nur der Heise-Verlag berichtet in seinem Newsticker davon. Auch im Ticker von Tagesschau.de gab es eine kurze Meldung dazu. Wie das aber unsinnigerweise bei Tagesschau.de so üblich ist, werden dort nicht nur eigene redaktionelle Beiträge aufgenommen, sondern auch solche der einzelnen Sendeanstalten, die auf deren eigenen Webseiten schon veröffentlicht wurden. So auch in diesem Fall. Man setzte einfach einen Link auf die entsprechende Meldung des SWR und glaubte, damit der Informationspflicht Genüge getan zu haben.

Beim SWR ist aber nur die Rede von 450 Stellen, die wegfallen sollen. Na klar, die reden ja auch nur vom Stuttgarter Standort. Die anderen betroffenen Standorte sind für das SWR-Sendegebiet irrelevant. Und damit auch für Tagesschau.de. Was habe ich letztens noch von der Tagesschau.de-Redaktion für eine Mail erhalten, nachdem ich mich über das Fehlen der Meldung über die Polizei-Datenpanne in Hessen in der 20-Uhr-Fernsehausgabe beschwert hatte: „Diese Meldung ist nicht von bundesweitem Interesse.“ Und darüber entscheidet ein Hamburger Redakteur, ja? Interessant…

Mittwoch, 21. Februar 2007

Pack schlägt sich

Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. Und sollte einer aus dem Reigen mit dem Ausstieg drohen oder den Kodex verraten, wird kurzer Prozess gemacht. Ganz einfach. Das war schon vor neunzig Jahren in Chicago so, erfreut sich immer noch großer Beliebtheit in Sizilien und – macht neuerdings auch vor der Wirtschaft nicht halt.

Seit Jahr und Tag jammert die Musik- und Filmindustrie (Music And Film Industry Association – MAFIA™) über rückläufige Umsätze und die bösen bösen Raubkopierer, die es wagen sich Tonnen von MP3s auf den heimischen PC zu laden statt die schnöde Mucke für teuer Geld im CD-Shop oder heimischen Blödmarkt zu erstehen. Es wird von Umsatzeinbußen berichtet jenseits von Gut und Böse, getreu dem Motto: Alles was auf privaten PCs an „extern gespeicherten Sicherheitskopien“ lagert, hätte ohne den Status einer Kopie den Musikbossen fetten Reibach beschert.

Dabei ist nicht jeder MP3-Liebhaber wirklich böse. Viele möchten einfach nur ihre Lieblingsmusik gerne unterwegs hören. Und da sind Disc- oder gar Walkman einfach überaltert. MP3-Player lautet das Zauberwort. CDs, die nicht dem Standard entsprechen und somit auf einer Vielzahl von Stand-alone-Geräten den Dienst versagen, nur um das Kopieren der Musik zu erschweren, schüren nicht gerade Liebesausbrüche bei der Kundschaft.

Aber statt dass die Musikbonzen sich endlich mal auf neue Vertriebwege besinnen, sitzen sie fleißig weiter im Tal der Jammerlappen und schimpfen auf alles, was „Nero“ oder „Tauschbörse“ schneller anklicken als aussprechen kann.

Tatsächlich gibt es den einen oder anderen Music-Shop im Internet, wo man aktuelle Mainstream-Musik in digitaler Form kaufen und legal auf den heimischen PC holen kann. Allein, das ganze hat einen kleinen Haken: Damit die Musikkonzerne – allen voran die vier größten Sony-BMG, Universal, Warner und EMI – überhaupt grünes Licht für die Vermarktung ihrer „Software“ auf solchen Marktplätzen geben, fordern sie strenge Restriktionen. Diese manifestierten in Form des so genannten „DRM“ (Digital Restrictions Rights Management), welches dem Käufer solcher Musik gestattet, das Musikstück genau x Mal oder maximal bis Datum y bzw. ausschließlich auf Gerät z abzuspielen.

Findige User sind mittlerweile dazu übergegangen, z.B. die im iTunes-Shop von Apple gekauften Songs gemäß DRM-Erlaubnis ein Mal auf CD zu brennen und diese dann wieder zu rippen und in MP3s (ohne DRM) zu konvertieren – damit sie das Lied endlich auch im Auto oder im Wohnzimmer statt nur auf dem iPod oder im Arbeitszimmer hören können. Kundenfreundlichkeit sieht anders aus.

Das hat jetzt auch Apples Big Boss Steve Jobs erkannt. Das heißt… erkannt hat er es vielleicht sogar schon viel früher, aber jetzt ist er damit an die Öffentlichkeit gegangen. Er plädiert in einem Artikel namens „Gedanken zu Musik“ („Thoughts on music“) dafür, das Rechtemanagement namens DRM zu Grabe zu tragen und die Musik ohne jegliche Restriktionen im allgemein geliebten MP3- und vielleicht noch dem zusätzlich recht weit verbreiteten OGG-Format zu verkaufen.

Recht hat der Mann, denn wer ein bestimmtes Lied unbedingt für Umme haben will, der kriegt es auch, wenn es legal nur mit Kunden-Gängelung zu haben wäre. Würde diese Gängelung aber wegfallen, wären viel mehr Kunden bereit, auch wieder Geld für ihre Musik auszugeben. Ich übrigens auch. Irgendwie nachvollziehbar, oder? Aber ob die Musikindustrie das auch kapiert?

Tatsächlich… zwei Tage später geisterte eine Meldung durch den Ticker, dass der Musikriese EMI tatsächlich die DRM-Geschichte noch einmal überdenken und gegebenenfalls auf Online-Verkäufe ohne Kopierschutz umschwenken will. Es tut richtig gut zu lesen, dass es Menschen gibt, die auch mal anfangen ihr Hirn zu benutzen und die Kunden ihrer geführten Unternehmen nicht als raubkopierendes Dummvieh ansehen.

Aber wie war das noch gleich? Pack schlägt sicht, Pack verträgt sich, und spurt einer nicht, wird er kaltgestellt. Tschüss, EMI.

Sonntag, 4. Februar 2007

Perfect World

Vor kurzem durfte ich hier noch darüber lamentieren, wie die Deutsche Wirtschaft mit erpresserisch anmutenden Methoden versucht, Druck auf die EU-Kommission auszuüben.

Aber wie wir heute erfahren durften, kann die Gegenseite das genauso: Unser lieber toller Wirtschaftsminister, Abgesandter und bajuwarischer Botschafter in Berlin, Michael Glos, steht den Herren Automobil-Konzern-Vorständen in nichts nach. Es ist wirklich genau das gleiche Spiel. Diesmal nur in die andere Richtung an EADS gerichtet:

Wenn ihr hier massiv Arbeitsplätze abbaut, dann stornieren wir zur Strafe unsere bei euch noch offenen Aufträge für Eurofighter und vergeben keine neuen mehr. Basta!

Jawoll ja! Mit gleicher Münze zurück zahlen! So ist es recht. Auge um Auge. Zahn um Zahn. Besonders lachen musste ich bei Glos‘ Bemerkung, es handele sich bei der Drohung um keine Drohung, sondern um eine Tatsache. Das erinnerte mich spontan an den Film „Perfect World“ mit Kevin Costner…

Der eigentliche Clou an der ganzen Sache aber steckt mal wieder im Detail: Wenn unsere politische Führung so mir-nichts-dir-nichts den Auftrag über X Eurofighter zu 75 Mio. Euro das Stück canceln kann, wieso hat sie das dann nicht im Sinne unseres in den letzten sieben Jahren nun wirklich genügend belasteten Bundeshaushalts schon längst ohne besonderen Anlass getan? Ach, dann hat man kein Druckmittel mehr, womit man andere erpressen kann? Na, das ist natürlich was Anderes.

Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: