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Kategorie: Medienschelte  

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Dienstag, 16. Januar 2007

Willkommen im Informationszeitalter

Ich fange diesen Beitrag gleich mal mit einer indiskreten Frage an: Bist du zufällig vor ca. einem Jahr mal von der Polizei kontrolliert worden? Hattest du zufällig dabei ein bisschen oder auch ein bisschen mehr Alkohol intus? Oder vielleicht ne kleine Dröhnung Shit? Oder warst du ohne Führerschein oder gar ohne Aufenthaltserlaubnis unterwegs und bist dabei aufgefallen? Hast du vielleicht einen ganzen Batzen unversteuerter Zigaretten bei dir gehabt, als die Polizei dich schnappte? Alles nicht? Ehrlich? Na, dann ist ja gut!

Moment, ich schau noch mal kurz nach, ob du auch wirklich die Wahrheit sagst… Hmmm… na gut, wenn ich mal gnädigerweise annehme, dass du auch wirklich der bist, der du vorgibst zu sein, so tauchst du zumindest nicht in den Akten der Hessischen Polizei von Anfang Februar 2006 auf. Aber das will ja nix heißen…

Woher ich die kenne, wo ich doch gar kein Polizeibeamter bin? Tja… die Polizei, dein Freund und Helfer. Die war so freundlich, und hat die Datei gleich öffentlich ins Internet gestellt. Da kann – bzw. konnte – jeder auf 13 Seiten nachlesen, wer so vor ungefähr einem Jahr mit den schon beschriebenen Delikten im Straßenverkehr im Süden Hessens im Darmstädter Raum aufgefallen ist. Samt Autokennzeichen, Namen (inklusive die der Beifahrer!), Geburtsdatum, vollständiger Adresse, begangenes Delikt, evtl. schon vorhandene Vorstrafen oder Vorhandensein auf irgendwelchen Fahndungslisten.

Am Montag war einem Kölner Rechtsanwalt bei einer Recherche mit Google zufällig das Dokument in der Trefferliste aufgefallen und entsprechend groß war die Überraschung als er bemerkte, was da schon seit Februar 2006 für jeden frei zugänglich und sogar in Google indexiert im Internet auf Abruf wartete. Nachdem das Dokument vom Webserver der Hessischen Polizei alsbald gelöscht wurde, konnte der verantwortliche Leiter des Präsidialbüros Südhessen, Karlheinz Treusch, bis heute Nachmittag nur tatenlos zusehen, wie die im Google-Cache gespeicherte HTML-Version des PDF-Dokuments weiterhin abrufbar war und jeder, der aktuell über diese peinliche informiert war und in diversen Internet-Foren und Chats sich mit anderen darüber austauschte, diese Kopie des kompletten Dokuments abrufen und privat speichern, bzw. im Falle ganz gemeiner Zeitgenossen auf anderen meist ausländischen Servern weiterveröffentlichen konnte. Sogar in den Peer-to-Peer-Netzwerken („Internet-Tauschbörsen“) sollen schon Kopien des Dokuments gesichtet worden sein.

Was soll ich dazu sagen? Ich kann nur hoffen, dass du nicht zu den geschätzt 60 Personen (41 Polizeiberichte, bei denen teilweise auch Beifahrer aufgeführt wurden) gehörst, deren Adresse in diesem Dokument steht. Mittlerweile ist der Google-Cache entfernt worden, einen funktionierenden Link auf eine Kopie zu finden, dürfte daher im Vergleich zu heute Nachmittag ungleich schwerer geworden sein – unmöglich ist es aber mit Sicherheit nicht.

Probiert doch einfach mal in Google eine Suche nach der Wendung (Um Google nicht zu verwirren, habe ich hier den Text nicht als Text, sondern als Grafik gesetzt). Ich glaube nicht, dass es lange dauert, bis die ersten Kopien von der Google-Suche erfasst und mit diesem Suchbegriff auffindbar sein werden.

Aber warum erzähle ich den ganzen Mist eigentlich? Immerhin sind das doch alles Straftäter, Kriminelle, deren Daten da jeder einsehen kann. Uns kann doch nichts passieren, wir haben doch nichts zu verbergen. Oder?

Ich erzähle es hauptsächlich, um euch ein Gefühl dafür zu vermitteln, wie der Staat mit kritischen, personenbezogenen Daten umgeht. Natürlich, das war ein Fehler. Menschen machen Fehler, so etwas kann schon mal passieren. Aber sagt das nicht mir, sagt das bitte Herrn Schäuble, der uns seine in der Bevölkerung mit großer Mehrheit befürwortete Anti-Terror-Datei aufschwatzen konnte und seit Beginn der deutschen EU-Ratspräsidentschaft auch schon massiv Werbung dafür in der gesamten EU macht.

Ich erzähle es also hauptsächlich, damit die Schafe da draußen, die sich von der „fortwährend zunehmenden Terrorgefahr“, die von unserem Bundesinnenminister ausgeht propagiert wird, einlullen lassen, endlich aufwachen!

Ach ja, eine klitzekleine Anmerkung wollte ich dann doch noch loswerden. Weder „heute“, noch die „Tagesschau“, weder „heute-journal“, noch die „Tagesthemen“ haben auch nur ein Wort über diesen Vorfall verloren. Als zwischen 12:00 Uhr und 13:00 Uhr heute Mittag die Nachrichtenticker im Internet aufgrund dieser Neuigkeit heiß liefen, berichtete zwar hr-online – die Webseite des Hessischen Rundfunks – halbwegs ausführlich von dem Vorfall, aber auf tagesschau.de, der eigentlichen Hauptanlaufstelle für Leute, die sich mit Nachrichten aus dem Internet auf dem Laufenden halten wollen, schaffte man es bis nach 16:00 Uhr, also ganze vier Stunden(!), das Thema totzuschweigen. Klingelt’s langsam?

Donnerstag, 11. Januar 2007

Tja, das kommt davon…

… wenn man den Mund nicht voll genug bekommen kann. Dann kriegt man eben gar nix!

Was waren wir alle überrascht, als im Juni des letzten Jahres die ARD mit einem Paukenschlag verkündete, Sabine Christiansen wolle dieses Jahr ihren Polittalk im Ersten aufgeben und den Staffelstab an Günther Jauch weiterreichen. Hat die ARD es damit also doch wieder geschafft, dachte ich mir da so, mich am Sonntag abend wieder vor ihr Programm zu locken.

Bestandteil dieser Meldung waren auch schon die ersten großen Bekundungen, dass Jauch auch weiterhin für RTL arbeiten dürfe. Dass sie dabei nicht konkret gesagt haben, welche Arbeit sie damit meinten, hätte einen ja schon stutzig machen können…

So gingen dann bisher gute sechs Monate ins Land und immer wieder schwappte ein Informationsbröckchen in die aktuelle Berichterstattung, und jedes Mal ging es um irgendwelche Sanktionen, die die ARD dem neuen Lieblingsmoderator und zweiten großen Zugpferd nebst Harald Schmidt aber auferlegen will: Keine Werbeverträge für Bier mehr hier, keine Werbung für Lotterien mehr da, dann passt irgendeinem die Quizsendung nicht, die dem Ansehen von „seriösem Journalismus“ schaden könnte, dann ist man trotz drastisch gestiegener GEZ-Einnahmen nicht bereit, für gute Arbeit auch gut zu bezahlen, und am Ende hat man Bauchschmerzen, dass Herr Jauch mit Stern-TV beim Konkurrenzsender ebenfalls sehr erfolgreich ist.

Ich glaube, die ARD wusste gar nicht so recht, was sie eigentlich wollte. Und das ist auch kein Wunder, wenn man genauer hinsieht. Denn ARD – das ist nicht irgend so ein Fernsehsender, der einfach nur seinem Grundversorgungsauftrag gemäß dem Rundfunkstaatsvertrag nachkommt. ARD ist ein Zusammenschluss aus vielen kleinen Klitschen und ein paar großen (WDR, NDR, BR). Alle wollen was zu sagen haben, alle wollen ihre Seilschaften durchpauken, keiner will sich den Teil des Ruders, den er schon erklommen hat, wieder aus der Hand nehmen lassen. Bis zum Abschied. (Apropos: Tschüss, Herr Pleitgen, schönen Gruß von Herrn Roth!)

Auf Spiegel Online ist denn auch zu lesen, es habe gar nicht an den Werbeverträgen, an „Wer wird Millionär?“, an den Gagenforderungen oder gar an „Stern-TV“ gelegen. Zumindest nicht direkt. Aus- und auflösendes Element soll letzten Endes der Umstand gewesen sein, dass Günther Jauch sich genau diesen Sesselpupsern hätte unterordnen, sich von denen in die redaktionelle Arbeit der Sendung hätte reinreden lassen müssen.

Ich muss es einmal klar und in aller Deutlichkeit sagen: Herr Jauch, ich bewundere Sie. Die sympathische, ja teilweise fast naive Art, mit der Sie auf Ihre Mitmenschen, Gesprächspartner und Kandidaten zu- und mit ihnen umgehen, beeindruckt mich immer wieder aufs Neue. Die ARD hat das mit ihrem jeden Abend aus der Glotze triefenden Jörg Pilawa (ist das deren einziger Show-Moderator?) in den letzten 10 Jahren nicht geschafft. Herzlichen Glückwunsch! Ja, dazu auch.

Freitag, 5. Januar 2007

Eins Live alias 1Live

Mein Ex-Lieblingsradiosender hat sich mit dem heutigen Tage gewandelt.

Warum „Ex“? Nun, es ist nicht die erste Verwandlung dieses ersten Hörfunkprogramms des Westdeutschen Rundfunks. Hieß der Sender früher einmal WDR1 und rangelte noch mit dem großen Bruder WDR2 mit gemeinsamen verwischenden Strukturen und Überschneidungen (und zwar nicht nur in Randbereichen) beim Zielpublikum, habe ich seitdem so ca. vier „Relaunchs“ (so nennt man mediale Neustarts) des Senders mitgemacht.

Zunächst wurde das Programm verjüngt. Das war der Punkt, ab dem ich als Mitglied der Hauptzielgruppe diesen Sender zu meinem Lieblingssender erkor. Jede Sendung hatte einen Namen (z.B. „Riff, der Wellenbrecher“), manchmal (bzw. insbesondere bei der „Schlagerrallye“ oder „London Calling“) konnte man sogar Musik mitschneiden – das Pendant unserer Generation zu heutigen Internet-Tauschbörsen. Zum Sendeschema gehörte auch eine vierstündige Info-Sendung am Vormittag mit mehr Wortbeiträgen und weniger Musik und Comedy. Der Name der Sendung war „WDR1 - 1 Live“.

Dann – ich glaube, das war am 1. April 1995, aber kein Aprilscherz – wurde der Sender erneut umgekrempelt. Ab jetzt wurde der Name der morgendlichen Info-Sendung zum Motto des gesamten Programms, das sich fortan komplett „Eins Live“ (im Logo pfiffig abgekürzt mit „L1VE“) nannte. Einige liebgewonnene Sendungen fielen weg, andere kamen hinzu. Es gab neue Comedy-Reihen (u.a. die erste Radio-Soap „Eins Live Ponyhof“ oder die genialen „Eins Live Retter“), und Jürgen Domian, bis dahin noch nicht homosexuell geoutet und noch „ganz normaler“ Radiomoderator, startete mit seiner Nachtfalken-Sendung und wollte fortan nur noch „Domian“ genannt werden. Vor allem in der Musikauswahl mit dem typischen 90er-Sound („Umtz-umtz-umtz“) entsprach der neue Sender noch mehr meinem Geschmack.

Mit dem Jahrtausendwechsel kam der Niedergang. Ein Komiker(?)-Duo, das sich selbst „Onkel Fisch“ nennt, begann, den Sender mit unlustigen Spots, von denen es behauptet, es sei Comedy, zu infiltrieren. Gleichzeitig wandelte sich die bevorzugt gesendete Musik in Richtung nächste Generation, die weniger auf Umtz-umtz denn mehr auf Hey-Jo-Masafacka Frankfurter-Würstchen-Rap steht. Aber ich blieb hartnäckig dabei, schließlich muss auch ein Onkel-Fisch mal ertrinken und die Deutschrap-Welle würde auch irgendwann mal dem Techno in die ewigen Jagdgründe folgen.

Dann kam der nächste „Relaunch“. Ein neues Sounddesign und vor allem ein neues Programmschema. Plötzlich hießen die Sendungen wie die Uhrzeit, zu der sie ausgestrahlt wurden. Nur „Domian“ und der „Lauschangriff“ behielten ihre Namen und Sendeplätze. Altgeliebte Moderatoren wie Felix Parbs, Michael Gantenberg, Steffi Neu und andere waren schon längst zu WDR2 gewechselt oder hatten dem WDR komplett den Rücken gekehrt. Die Comedy-Sparte auf Eins Live bestand im Grunde nur noch aus so seltsamen Sendungen wie „Grillstube Saloniki“, „Satan“ oder „Der kleine junge Mann von nebenan“ und vielen (örgs) weiteren, allesamt von „Onkel Fisch“, die ich derart hassen gelernt habe, dass die Änderung im Sendeschema mich endgültig zum Stammhörer von WDR2 machte.

Jetzt weiß ich seit einigen Tagen, dass Eins Live ab dem heutigen Tage nicht mehr „Eins Live“ heißen wird, sondern „1Live“, womit jetzt sogar die Pfiffige Idee mit der I-ersetzenden 1 im Logo wieder im Nirvana verschwindet – schade eigentlich. Das Programmschema wird mal wieder komplett umgebaut, es gibt neue Moderatoren, die Sendungen haben aber weiterhin keine eigenen Namen (bis auf „Domian“ und das den „Lauschangriff“ ersetzende „Plan B“), das bedeutet: Jetzt heißen die Programme nicht mehr wie ihre Sendezeit, sondern wie ihr(e) Moderator(en).

Moderatoren? Plural? Oh ja, noch so ein Schwachsinn, der sich durch unsere Republik gefressen hat und jetzt auch beim WDR angekommen zu sein scheint: Zwei Moderatoren in einer Sendung, die sich gegenseitig ins Wort fallen, sich Stichwörter für flache Kalauer an den Kopf knallen und bei Dialogen mit Hörern am Telefon diese zu zweit auf einen Einzelnen in Grund und Boden quatschen. Private Hörfunksender wie FFH oder FFN höre ich aus eben diesem Grund schon Ewigkeiten und grundsätzlich nicht mehr. Und wenn ich eine solche Doppel-Moderatoren-Sendung auf meinen Fahrten durch Deutschland trotzdem noch zu hören bekomme, ändere ich mittlerweile fluchtartig die Frequenz oder schalte gleich auf CD um.

Langer Rede kurzer Sinn: Wäre Eins Live nicht schon vor Jahren bei mir in Ungnade gefallen – jetzt wäre es das. Schade, denn ich hatte mir von dem angekündigten Re-Design erhofft, in Zukunft wieder einen Sender mehr regelmäßig einschalten zu können.

Aber immerhin: Onkel Fisch scheint – wenn ich die neue 1Live-Homepage richtig interpretiere – endlich und endgültig untergegangen zu sein. Denn das war wirklich Folter!

Mittwoch, 3. Januar 2007

Das Glas ist halb voll

Tun wir mal mathematisch: Gegeben sei ein Trinkglas. Der Inhalt des Glases bestehe zu fünfzig Prozent aus Atemluft und zu fünfzig Prozent aus dem Lieblingsgetränk. Jetzt gibt es – ihr kennt das sicherlich schon – folgende Fallunterscheidung aus der Welt der Psychologie: Es gibt solche, die von dem Glas behaupten, es sei halb voll, und solche, für die wäre das Glas halb leer. Je nachdem, welche Formulierung man bevorzugt, wird man eher als Optimist oder eher als Pessimist eingestuft. (Was muss man eigentlich sagen, damit man als Realist gilt?)

Heute geisterte mal wieder die regelmäßige Meldung über die Arbeitsmarkt-Daten durch die Medien. Haben dabei vor noch nicht allzu langer Zeit die Halb-Leer-Typen die Oberhand gehabt, die die aktuelle Lage mit einer Meldung wie „Schon wieder mehr als 4 Millionen Arbeitslose!“ kommentiert hätten, habe ich heute fast ausnahmslos solche Meldungen gehört und gelesen, die sogar ausnahmsweise mal die Millionen bis auf drei(!) Nachkommastellen genau angaben und gleichzeitig nicht müde wurden, darauf hinzuweisen, dass die achttausend Arbeitslosen, die über der Viermillionenmarke residieren, nur daher kommen, dass es nur zwölftausend mehr wären als im letzten Monat. Klingt wie ein „Das Glas ist halb voll“-Typ, nicht wahr?

Also, ich finde diesen einem überall entgegen schlagenden Zweckoptimismus extrem auffallend. Aber warum nur diese positive Darstellung auf Biegen und Brechen, wo noch vor wenigen Monaten jedes Blatt und jeder Sender in das Sprachrohr einer imaginären Opposition geblasen hätte?

Vielleicht, um das zarte Wirtschafts- und Arbeitsmarkt-Konjunkturpflänzchen nicht gleich wieder zu zerreden zertrampeln? Oder steckt mehr dahinter? Sind die Medien vielleicht doch nicht so ganz unabhängig und überparteilich wie sie es einem gerne glauben machen möchten? Ist denen daran gelegen, dass diese Große Koalition nicht gleich wieder schlecht gemacht wird? Will man mit derart positiven Meldungen von dem ablenken, was eine Brigitte Zypries mit ihren Hacker-, Softwarepatent- und Urheberrechtsgesetzen, ein Wolfgang Schäuble mit seinen die Grundrechte abschaffenden und die Verfassung missachtenden Gesetzen oder eine Ulla Schmidt mit ihrer mit der heißen Nadel gestrickten und völlig unausgegorenen Gesundheitsreform anrichten?

Wie sagt Fritz Eckenga in seiner Assauer-Satire immer so schön? „Da kannze in der nächsten Halbzeitpause mal ne Viertelstunde drüber nachdenken. Viertelstunde? Schaffst du schon!“

Dienstag, 2. Januar 2007

Bei ARD und ZDF reihern Sie in die ersten Sitze

Na, heute schon den Fernseher an gehabt? Ach, du hast gar keinen Fernseher? Naja, macht nichts. Kann ich verstehen, bei den horrenden GEZ-Gebühren und den laschen Inhalten. Aber das Radio läuft doch bestimmt irgendwo? Ach, auch nicht? Medienkonsum-Verweigerer also? Nur, damit die GEZ-Abzocker keinen Cent von dir zu Gesicht bekommen? Naja, Rundfunk-Abstinenz kann auch was Feines sein.

Ach so, du bist am Arbeitsplatz und hast dort gar kein Fernsehen oder Radio zur Verfügung? Na, dann ist doch alles klar. Wer kuckt auch schon beim Arbeiten fern? Okay, es gibt Leute, die können während der Arbeit Radio hören, aber die meisten können es nicht — aus vielfältigen Gründen.

Ach ja, bevor ich es vergesse und dich wieder in Ruhe lass: Ich hätte gerne fünf Euro zweiundfünfzig von dir. Wofür? Na, GEZ-Gebühr natürlich! Oder dachtest du, als Medien-Asket oder Büro-Hengst um die Rundfunkgebühren herum zu kommen? Ha! Da hast du aber die Rechnung ohne die GEZ-Mafia gemacht! Wusstest du denn nicht, dass man im Besitz eines „neuartigen Rundfunkempfangsgeräts“ seit gestern ebenfalls Gebühren, wenn auch nur die für Radioempfang, zahlen muss?

Wie, du hast kein solches Gerät? Na, das weiß ich aber besser. Alleine schon die Tatsache, dass du diesen Text hier liest, beweist, dass deine Schutzbehauptung unwahr ist, denn jeder internetfähige PC oder Handy zählt als Rundfunkempfangsgerät (neuartig). Ja, ich weiß, ich verstehe das auch nicht so genau. Ich hab mit meinem PC auch noch keinen Rundfunk empfangen können.

Du armer Kerl bist auch noch Freiberufler oder Selbstständig? Ja, dumm gelaufen, dass man als Gewerbetreiber gesetzlich dazu verpflichtet ist, seine Steuererklärung nur noch per Internet abgeben zu können. Das so zwangsläufig notwendige Internet hat sich dann sehr schnell als GEZ-Gebührenfalle entpuppt. Und im beruflich genutzten, häuslichen Arbeitszimmer, das dir das Finanzamt schon lange nicht mehr anerkennt und das sich daher nicht mehr von der Steuer absetzen lässt, ist auch noch mit einem Radio bestückt, damit du den Kasten in der Küche nicht immer auf volle Pulle drehen musst? Na, wie praktisch. Dann kannst du mir ja gleich nochmal fünf Euro zweinundfünfzig geben, schließlich zählt das im Sinne des Rundfunkstaatsvertrags als zusätzlicher Firmenstandort.

Kein Gegenwert, sagst du? Na komm! Guck doch mal hier oder hier oder hier. Da ist doch jede Menge schönes Zeugs. Manchmal kriegt man da sogar Live-Inhalte. Du wolltest das gar nicht? Die Infrastruktur haben wir gar nicht selbst finanziert, sondern sind selbst nur Nutznießer? Dein Internettarif erlaubt dir von den Kosten her gar nicht, ständig Radio-Streams abzurufen, weil geschäftlich genutzte Flatrates nicht zu haben oder unbezahlbar sind? Das ist uns doch sowas von scheißegal!

Aber weißt du was: Wir kommen dir entgegen. Wir schaffen das vielleicht bald wieder ab und denken uns ein neues Gebührenmodell aus. Vielleicht ist das sogar fairer, einfacher, durchsichtiger. Aber glaub bloß nicht, du kämst dann billiger weg! Sooo einfach geht das nicht.

Sonntag, 17. Dezember 2006

Meine erste Auszeichnung

Ihr haltet es nicht für möglich. Da habe ich es nach 37 Jahren erbärmlicher Existenz auf diesem Planeten doch tatsächlich geschafft, den Titel „Person des Jahres“ verliehen zu bekommen. Und das nicht einfach von irgendeinem Hanswurst, der irgendwo in Oberammergau bei Tante Resi im Keller zur Untermiete wohnt. Nein, das berühmte New Yorker „Time Magazine“ hat mir diesen Titel verliehen.

Hmm, da muss ich mir wohl noch eine schöne Dankesrede einfallen lassen. Mal sehen. Also, ich danke meiner Mama und meinem Papa, dass sie mich in diese Welt gesetzt und (fast) immer gut behütet haben. Ich danke meiner Oma für ihre Nudel-Milch-Suppe, die ich bis heute nicht nachgebaut bekommen habe. Ich danke meiner anderen Oma für die vielen tollen Stunden beim Weihnachtsplätzchen-Backen. Ich danke meinem Opa für die Märklin-Digital-Grundausstattung, die ich mangels passender Loks nie in Betrieb genommen habe und die jetzt noch im Keller verrottet. Ich danke meinem anderen Opa für die vielen Wege zur Bude „umme Ecke“. („Hier, 2 Mark, hol mal ne Schachtel HB.“) Vor allem aber danke ich meiner lieben Frau und meinen drei Kindern, die mich so manches Mal von meinem PC und somit vom Internet wegzerren mussten, dem ich ja diesen ach so tollen Preis verdanke. Vielen Dank!

Naja, ich muss es ja zugeben: Ich bin wohl nicht der einzige, obwohl das „YOU“, das da groß auf der Titelseite und auf der „Time“-Webseite prangt, irgendwie so gar nicht nach Plural aussehen will. Aber vielleicht bilde ich mir das ja auch nur ein. Ist halt blöd, wenn in einer Sprache so ein Pronomen im Singular wie im Plural heißt.

Na gut, dann sind da wohl noch ein paar weitere Knilche, die ebenfalls diesen Preis gewonnen haben. Ist er deshalb weniger wert? Immerhin habe ich ja trotzdem seit über zehn Jahren aktiv an der Gestaltung des Internet mitgewirkt. (Schließlich soll das ja der Grund für den Preis „Person of the Year“ sein.) Ja, okay, ich habe erst vor drei Monaten mit meinem Blog angefangen, da waren andere viel viel früher dran und haben auch schon eine viel größere Leserschaft, da purzeln die Kommentare nur so in die Beiträge rein, während bei mir – bis auf eine Ausnahme – bisher Ebbe ist. Wird vielleicht noch. Jetzt, da ich doch Preisträger bin!

Aber, wenn ich mir das recht überlege… Ich glaube, ich lehne den Preis doch lieber ab. Warum? Hey, alle Menschen, die innerhalb der letzten 12 Monate im Internet waren und irgendwas damit zu schaffen haben, haben neben mir diesen Preis ebenfalls verliehen bekommen. Also auch die einschlägig bekannten Anwälte, die hierzulande Hinz und Kunz mit Abmahnwellen überrollen. Also auch die Politiker, die auch noch Dinge für und über das Internet erfinden oder in Gesetze pressen wollen, von denen sie nicht den blassesten Schimmer haben. Also auch die Pappnasen, die sich einen feuchten Kehricht um Medienkompetenz und Sicherheit im Netz scheren, und deren Rechner mittlerweile unwissentlich Mitglied in mindestens 17 Botnetzen sind, die tagtäglich dazu genutzt werden, uns „Preisträger“ mit Penisverlängerungs-, Viagrabeschaffungs-, Geldgewinnungs- und Hohlbirnenvergrößerungs-Mails zu bombardieren. (Ich hab grad mal nachgesehen: Ich hatte heute den Tag über 621 Spam-Mails in meinem Postfach, und seit ich mit dem Schreiben dieses Beitrag begonnen habe, sind 22 weitere dazu gekommen, 43 davon sind leider wieder durch meinen Spam-Filter gerutscht.)

Ich soll also mit diesen Torfnasen zusammen einen Preis verliehen bekommen? Nein danke. Dann verzichte ich lieber.

Freitag, 1. Dezember 2006

Lektorat neu zu besetzen

In der Redaktion von Tagesschau.de ist die Stelle des Lektors zurzeit vakant. Interessierte Bewerber schicken bitte aussagefähige und vollständige Bewerbungsunterlagen an die im Impressum angegebene Adresse.

Oder wie, wenn nicht durch nicht vorhandene Lektoren, würdet ihr das hier erklären:

bild4.gif

(rote Markierung von mir)

Montag, 30. Oktober 2006

Schädelich

Naja, das ist jetzt schon ein paar Tage älter, trotzdem möchte ich dazu auch noch meinen Senf abgeben. Es geht um die komplexbewehrten Soldaten, die unseren Staat in Afghanistan vertraten und meinten, dort mit einem skelettierten Totenschädel ein Fotoshooting in anrüchigen Posen machen zu müssen.

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Mittwoch, 11. Oktober 2006

Abends halb Zehn in Deutschland

Abends halb Zehn in Deutschland. In der Flimmerkiste läuft weitestgehend Mist, also divergiert die Familie von der Wohnzimmer-Glotze in die einzelnen Lieblingräume: Papa fährt schonmal den Rechner hoch und Mama schnappt sich Shorty, um ihm im Schlafzimmer stillenderweise die Gutenachtmahlzeit zu verabreichen. Nebenher will sie noch „Einsatz in 4 Wänden“ sehen. Nunja, sie findet’s halt interessant.

Da läuft plötzlich eine Schrift (darum heißt die wohl Laufschrift) durch’s Bild: Kleinflugzeug stürzt in New Yorker Hochhaus — mehr Informationen gäbe es gegen 21:38 auf dem Sender. (Nur nochmal zur Info: „Einsatz in 4 Wänden“ läuft auf RTL.) Da es bis dahin noch knappe acht Minuten sind, die angesichts der Tragweite einer solchen Nachricht eigentlich viel zu lange dauern, zappt der besorgte Bildungsbürger auf die öffentlich-rechtlichen Kanäle, damit er sich dort umfassend über die aktuelle Lage informieren kann. Denkt er zumindest.

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Mittwoch, 13. September 2006

GEZ noch?

Hurra! ARD und ZDF haben sich geeinigt, für Internet-fähige PCs ab 01.01.2007 „nur noch“ fünf Euro zweiundfünfzig haben zu wollen, statt der siebzehn Euro drei, die der Gebühr für TV-Gucker entsprechen. Die lieben Herren GEZ-Schnüffler, die bisher hauptsächlich Privatpersonen traktiert und teilweise unberechtigt bedroht haben, werden sich freuen, haben sie doch ab Januar gleich noch einmal so viel zu tun — so schafft man Arbeitsplätze! —, denn nun dürfen Sie auch noch die Unternehmer — insbesondere die freischaffenden, die gerade in der IT-Branche nicht gerade selten anzutreffen sind — belangen.

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