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Kategorie: Medienschelte  

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Sonntag, 10. Juni 2007

Schlag den Arby

Irgendwie ist dieses Wochenende ein ganz Komisches. Ich komm kaum zu was, ich glaube, ich habe mir irgendwie etwas zu viel vorgenommen. Ab und zu darf ich dann aber auch mal an den Rechner und dabei fällt mir was auf. Die Zugriffe auf meine Seite haben schlagartig zugenommen, aber bei den aktuellen Beiträgen in meinem Blog ändern die Besucherzähler sich nicht.

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Sonntag, 20. Mai 2007

Killerfernsehen

„Killerspiele“ waren gestern. Der wahre Horror ist jetzt Killerfernsehen!

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Montag, 14. Mai 2007

Och, Schmiddi

Ich ärgere mich immer noch ein bisschen. Dabei ist das schon Jahre her. Damals. Als ein kleiner Kerl namens Herbert Feuerstein mit so nem komischen Typen, der aussah, als könnte er seinen Friseur verklagen, im WDR-Fernsehen auftrat. Da habe ich nämlich glatt gepennt und die meisten der Folgen von „Schmidteinander“ sind ungesehen an mir vorüber gerauscht. Zum Glück habe ich die Blütezeit der Sendung noch erlebt, bevor sie ins Erste wechselte und dort dann irgendwann baden ging.

Schmidt dachte, im Privatfernsehen ohne Feuerstein auszukommen, aber irgendwie zündete es für meinen Geschmack nicht mehr so richtig. Erst, als er dann seine zynische Ader entdeckte und sie von Stichwortgebern (der bekannteste sitzt mittlerweile mit auf der Bühne) pflegen ließ, gewann Harald Schmidt wieder an unterhalterischen Qualitäten.

Doch irgendwann brachen die Quoten ein, Schmidt gönnte sich eine schöpferische Pause und erstand wie Phoenix aus der Asche im Ersten wieder auf. Nur diesmal mit Andrack statt mit Feuerstein. Wanderstiefel statt Spartakus.

Ich habe an ihn geglaubt. Hab zu Beginn der schmidtgeschichtlichen Neuzeit keine Sendung verpasst… bis er anfing, doch wieder Gäste einzuladen. Nicht, weil ich seine Gäste nicht mochte, sondern weil mein „Idol“ seine eigenen Prinzipien über Bord warf. Er sagte zu Beginn seines zweiten ARD-Frühlings klar und deutlich: Keine Gäste in der Show. Hat wohl nicht geklappt.

Nichtsdestotrotz lese ich noch ab und zu seine bissigen Sprüche, wenn sie nach der Sendung auf wdr.de veröffentlicht werden. Ab und zu verirre ich mich sogar mal wieder vor den Fernseher oder zappe nicht weiter, wenn ich mal zufällig Harry auf der Mattscheibe erblicke. Und das sogar, obwohl Dirty Harry einem saublöden Schwein seine Stimme lieh und damit einem unter mündigen Konsumenten umstrittenen Elektronik-„Fach“-Markt Schützenhilfe leistete.

Wie schlimm es um Harald Schmidt tatsächlich bestellt ist, musste ich jetzt auf Spiegel Online lesen. Nicht nur, dass er nach der Sommerpause von zwei auf ein Mal pro Woche abgespeckt wird… Nein, jetzt muss er sich seine Sendung auch noch teilen. Und zwar sowohl vor der Kamera als auch im Namen.

Aber warum nur ausgerechnet diesen unflätigen Oliver Pocher? Findet den etwa irgend jemand witzig? Naja, auch egal. Dann gucke ich halt in Zukunft im Ersten nur noch Tagesschau und die Wiederholungen von Professor Grzimek.

Dienstag, 24. April 2007

Gummibärchen

Wenn ich mit meinen Kindern im Supermarkt unterwegs bin, haben die da so eine ganz eigene Strategie entwickelt.

Angenommen, sie haben sich Gummibärchen in den Kopf gesetzt. Dann fragen die mich nicht: „Papa, krieg ich bitte Gummibärchen?“ Die sagen: „Papa, ich will Süßes! Und zwar das und das und das und das und das und das…“, und zeigen dabei auf verschiedene Stellen im Supermarktregal.

Ich bin dann genervt und versuche sie runter zu handeln, am Ende kommen wir dann bei einer Tüte Gummibärchen und zwei Schokoriegeln raus. Die Kleinen sind zufrieden, haben sie doch mehr bekommen als sie tatsächlich wollten, und ich bin zufrieden, weil ich nicht das komplette Kindergeld eines Monats für Süßigkeiten ausgeben muss.

Aber irgendwie merke ich dann – meist, wenn die Tüte Bärchen schon alle ist – dass ich irgendwie übers Ohr gehauen wurde.

Sollte mir mal zu denken geben…

Update 25.04.: Die Redakteure von Tagesschau.de können es einfach nicht lassen. Nach der Veröffentlichung ihrer Meldungen über deren RSS-Feed ändern sie fleißig weiter an ihren Artikeln herum und ändern sie teilweise vollständig (!) ab. Dass mein Link darauf abzielte, dass der Bundestag gestern in Bezug auf die zentrale Speicherung der Fingerabdruckdaten zurückgerudert ist, kann man dem jetzt sich dahinter verbergenden Artikel nicht mehr ansehen. Darum habe ich mich zu diesem Zusatz genötigt gesehen und zusätzlich das Tag „Medienschelte“ hinzugefügt.

Montag, 23. April 2007

Die Sache mit dem Glashaus

Lustig. Da berichtet die Redaktion von Tagesschau.de in ihrer Glosse „Die schönsten Schlusslichter“ von einem Strafgefangenen aus den USA, der sich von einem Kumpel mit Hilfe eines Fax-Geräts in einem Gemüseladen hat „frei faxen“ lassen, und amüsiert sich in diesem Zusammenhang darüber, dass den Gefängnisbeamten die vielen Rechtschreibfehler des Dokuments („typisch für Gerichtsanweisungen“) nicht aufgefallen seien.

Wohlgemerkt: Es ging um die Rechtschreibfehler in dem nicht näher zitierten Fax. Nicht um den Bericht auf Tagesschau.de. In dem sind mir jedenfalls ganze sechs (in Worten: 6!) Fehler aufgefallen. Und der Text hatte gerade mal 235 Wörter (wenn ich mich nicht verzählt habe).

  • […] so mancher Strafgefangener […]
  • […] eine entsprechende Karte […]
  • Da störte es auch nicht, […]
  • […] trug nämlich nicht die den Briefkopf des Gerichts […]
  • […] hinderte die Beamten jedoch nicht, […]
  • […] Rousse im Haus seiner Mutter […] (hieß an anderer Stelle noch Rousse)

Donnerstag, 19. April 2007

Hysterie

Politiker haben mir etwas voraus. Sie reden viel, benutzen hochtrabende Formulierungen, sagen aber wenig. Oder man versteht es nicht. Das kommt vermutlich in den meisten Fällen daher, dass Politiker unter anderem auch Juristen sind. Und Juristen reden so gut wie nie Klartext.

(Wenn Juristen mal die Dinge beim Namen nennen, dann höchstens in einem Gespräch mit einem Mandanten, dem ein Strafprozess bevorsteht, bei dem ihm fünf Jahre Freiheitsentzug oder mehr drohen – aber auch das wird sich in absehbarer Zukunft ändern, nachdem gestern das Bundeskabinett die neue Vorratsdatenspeicherung beschlossen hat.)

Und während allenthalben im Netz, allen voran den Newstickern und der Blogosphäre, bei Berichten über die offenkundigen Begehrlichkeiten unseres Bundesministers des Inneren, Dr. Wolfgang Schäuble, schon offen Parallelen zum Niedergang der Weimarer Republik gezogen und Begriffe wie „Stasi 2.0“ etabliert werden, wird in den (in der heutigen Zeit noch) relevanten Massenmedien wie Tageszeitungen, Boulevardblättern und TV-Nachrichtensendungen die Thematik entweder totgeschwiegen, auf eine kurze Formulierung in einem Nebensatz reduziert Schäuble Stasi 2.0(„Schäubles Pläne“ ohne konkretere Informationen) oder andere politische Mandatsträger dazu mit erschreckend gemäßigten Aussagen zitiert. Desinformation par excellence.

Wenn ich dann im Radio zu dem ganzen Schmonz, der mir in diesen Tagen wieder einige graue Haare mehr eingebracht hat, lediglich höre, der „Koalitionspartner werfe Schäuble Verbreitung von Hysterie“ vor, anstatt dass endlich mal im Klartext dem Bürger vor Augen geführt wird, dass unser Innenminister unseren Rechtsstaat abschaffen will und demnach eigentlich dem Verfassungsschutz überstellt gehört (dem er schizophrenerweise selbst übergeordnet ist), dann könnte ich gar nicht so viel essen wie ich kotzen möchte.

Update 20:50 Uhr: Nicht zu glauben. Die Tagesschau (ich meine tatsächlich die Fernsehfassung) hat heute doch noch über Schäubles Irrwege berichtet, und das umfangreicher und mit kritischeren Untertönen, als ich es mir für gestern beispielsweise erhofft hatte. Warum die Tagesschau-Redaktion aber meinte, mit diesem Thema bis heute warten zu können, nachdem doch schon seit vielen Wochen der Topf vor sich hin brodelt und schon gestern erneut was „übergeschwappt“ ist, ist mir ein Rätsel. Vielleicht hat die Tagesschau ja auch nur die Sensibilität der Bürger unterschätzt?

Dienstag, 17. April 2007

Aus der Unmündigkeit raus. Nicht rein.

Spreeblick prangert heute an, auf welche Weise die Medien den Blick für die wichtigen Dinge im Leben verblenden und stattdessen päpstliche Geburtstage feiern, nobelpreiswünschende Altbundeskanzler verehren oder royalistische Beziehungsbeendigungen ausposaunen. Es fällt mir schwer, dem etwas hinzuzufügen.

Dienstag, 13. März 2007

Tautologisches Oxymoron

Hab ich gerade auf tagesschau.de gelesen: „Peking will Todesstrafe humaner gestalten.

Na klar

Hat sich jemand die Nummer von dem Laster gemerkt, gegen den der Urheber dieser Aussage gerannt sein muss?

Update: Na, sowas! Liest hier etwa ein Tagesschau-Redakteur mit oder gibt es noch andere, die den Wahnsinn in der Überschrift entdeckt haben? Seit voraussichtlich 16:23 Uhr (letzter Änderungsstand des Artikels auf tagesschau.de) lautet die Überschrift nicht mehr wie von mir angegeben, sondern nur noch: „China will häufiger Gnade zeigen“. Danke.

Samstag, 24. Februar 2007

Von Softwarepatenten und Stellenstreichungen

Es war einmal vor fünfundzwanzig Jahren, da begann ein Forschungsinstitut in Erlangen sich Gedanken darüber zu machen, wie man digitale Musikdaten auf einen Bruchteil seiner ursprünglichen Menge eindampfen kann. Auf der Basis eines psychoakustischen Modells, das im Grunde besagt, dass der Mensch in einem Töne-Mix bestimmte Frequenzen nicht mehr unterscheiden bzw. heraushören kann, werden eben solche Akustik-Informationen einfach aus der Musikdatei gelöscht und diese somit speicherplatzsparender gemacht. Die Rede ist hier vom mittlerweile auf der ganzen Welt verbreiteten und bekannten Format „MP3“, das seit 1992 als „Mpeg 1, Layer 3“ festgeschrieben ist und am 14. Juli 1995 seine namensgebende Dateiendung bekam.

Viele Computer- und Softwarehersteller setzten seither auf dieses Format, das vom Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen in Zusammenarbeit mit den AT&T Bell Labs entwickelt wurde und das Musikdateien auf zehn bis zwanzig Prozent (je nach verwendeter Bitrate) der Größe ihrer Rohdaten eindampfen kann.

Im Jahr 1996 wurde die Bell Laboratories von AT&T abgestoßen und in Lucent Technologies umgewandelt. Zehn Jahre später, am 1. Dezember 2006, fusionierte Lucent mit seinem französischen Mitbewerber Alcatel. Die beiden firmieren fortan gemeinsam unter dem Namen Alcatel-Lucent. So kam die Firma Alcatel-Lucent in den „Besitz“ einiger Patente aus den Beständen der Bell Labs, die Bestandteil des MP3-Codecs sind. Naja, und was macht man, wenn man plötzlich rechtmäßiger Inhaber von Patenten ist, die weltweit erfolgreich genutzt werden? Korrekt, man klagt Lizenzzahlungen ein.

Im Patentstreit, der zum Schluss ausschließlich mit Microsoft ausgetragen wurde, erging vor wenigen Tagen vor einem US-Gericht ein Urteil: Microsoft muss an Alcatel-Lucent rückwirkend Patentgebühren in der Gesamthöhe von 1,52 Milliarden Dollar (das sind umgerechnet circa 1,15 Milliarden Euro) nachzahlen. Und das, obwohl Microsoft nach eigener Überzeugung die Technik ausreichend durch Zahlung von 16 Millionen Dollar (laut einem Spiegel-Online-Artikel) an das Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen lizenziert habe.

Dieser Fall zeigt sehr detailreich das Problem sogenannter Software-Patente. Diese beziehen sich im Gegensatz zu den „normalen“ Patenten nicht auf eine technische Erfindung, sondern beinhalten meist nur Ideen für Problemlösungen. Das wäre so, als hätte in der Steinzeit jemand gesagt: „Um schneller vorwärts zu kommen oder Gegenstände besser transportieren zu können braucht man was rollendes“, und diese Idee zum (Software-)Patent angemeldet. Dann wäre der tatsächliche Erfinder des Rades, der nicht nur vage formuliert sondern direkt eine „echte“ Erfindung gemacht hat, ganz schön gekniffen gewesen.

Gestern dann kam die Meldung, Alcatel-Lucent wolle nach Angaben der IG Metall in Deutschland 867 Stellen streichen. 464 davon in Stuttgart und 303 in Nürnberg, plus ein paar nicht näher bezifferte an drei weiteren Standorten. Mensch, dabei wäre das so einfach gewesen: Von den gerade erst zugesprochenen 1,52 Milliarden Dollar hätte man doch jedem dieser zu entlassenden Mitarbeiter für (im Schnitt wohl bis zur Rente noch zu arbeitenden) 40 Jahre ein Jahreseinkommen von 33.160 Euro sichern können.

Ach ja, nicht nur der Heise-Verlag berichtet in seinem Newsticker davon. Auch im Ticker von Tagesschau.de gab es eine kurze Meldung dazu. Wie das aber unsinnigerweise bei Tagesschau.de so üblich ist, werden dort nicht nur eigene redaktionelle Beiträge aufgenommen, sondern auch solche der einzelnen Sendeanstalten, die auf deren eigenen Webseiten schon veröffentlicht wurden. So auch in diesem Fall. Man setzte einfach einen Link auf die entsprechende Meldung des SWR und glaubte, damit der Informationspflicht Genüge getan zu haben.

Beim SWR ist aber nur die Rede von 450 Stellen, die wegfallen sollen. Na klar, die reden ja auch nur vom Stuttgarter Standort. Die anderen betroffenen Standorte sind für das SWR-Sendegebiet irrelevant. Und damit auch für Tagesschau.de. Was habe ich letztens noch von der Tagesschau.de-Redaktion für eine Mail erhalten, nachdem ich mich über das Fehlen der Meldung über die Polizei-Datenpanne in Hessen in der 20-Uhr-Fernsehausgabe beschwert hatte: „Diese Meldung ist nicht von bundesweitem Interesse.“ Und darüber entscheidet ein Hamburger Redakteur, ja? Interessant…

Freitag, 23. Februar 2007

Über Nacht berühmt

Es geht um ein brisantes Thema. Darum müsst ihr mir verzeihen, wenn es jetzt etwas ausführlicher wird, denn ich möchte vermeiden, falsch verstanden zu werden. Ich hoffe nur, es gelingt mir.

Es ist jetzt ungefähr elf Jahre her. Ende ’95, Anfang ’96 entdeckte mein damaliges Vierzehn-Vierer-Modem das Internet. Keine Ahnung, was man da außer E-Mail und WWW noch so alles anstellen kann (und das wissen viele Möchtegern-Internet-Experten bis heute nicht), nutzte ich das Angebot meines Zugangs-Anbieters („Provider“), ein vorab mit nützlichen Programmen ausgestattetes Software-Paket herunterzuladen. Darin enthalten war ein Programm namens „mIRC“, damals noch Freeware, aber ich hatte keine Ahnung, wozu das gut sein sollte.

Damals war ich noch naiver, da habe ich sowas „einfach mal eben installiert“ und ausprobiert. Meine Überraschung war groß, dass sich dahinter ein in Echtzeit ablaufender textbasierter Chat – der so genannte „Internet Relay Chat“ (IRC) – verbarg, der es mir ermöglichte, mit Leuten rund um den Globus zu „chatten“. Für jemanden, der Ähnliches zwar schon kannte, aber nur aus einer Mailbox (damals hatte das Wort noch eine andere Bedeutung und nichts mit Handys zu tun), die maximal 20 gleichzeitige Telefon- bzw. Modem-Verbindungen zuließ, war das eine Offenbarung.

Irgendwie landete ich dort in dem Channel „#muenchen“ (heutzutage reden die DAUs nur noch von „Chat-Rooms“), der fortan mein Stamm-Channel wurde. Viele neue, nette Leute lernte ich dort kennen. Und ich lernte, dass im Internet Relay Chat gebaggert wird, dass sich die Balken biegen. Da nimmt man es mit der Wahrheit auch nicht immer so genau. Und ja, ich oute mich, auch ich habe versucht, mit dem einen oder anderen vermeintlichen oder real existierenden Mädel im Chat anzubandeln. Da man im IRC eigentlich nie mit seinem echten Namen unterwegs ist, sondern ausschließlich mit Pseudonym (bei dem höchstens mal eine angefügte „17“ o.ä. auf das Alter schließen lassen soll), traut man sich unter dem Deckmantel dieser vermeintlichen Anonymität schonmal Dinge, die man sonst nicht täte. Das war mal erfolgreich, mal auch nicht.

Ist man dabei mit jemandem in engeren Kontakt gekommen, d.h. hat man nicht nur im öffentlichen Channel, sondern auch per so genannter „private message“ Nettigkeiten ausgetauscht, blüht langsam aber sicher auch der Wunsch nach Visuellem auf. Platt gesagt: Man will was zum Gucken, will wissen, wie der oder die andere aussieht. Dürfte heute nicht anders sein als früher. Dabei kann man auch schonmal Wünsche äußern, wie zum Beispiel dem nach „mehr Haut auf dem Bild“ – um es mal vorsichtig auszudrücken. Viele sind selbstbewusst genug, sich nicht auf so etwas einzulassen. Einige wenige sind noch selbstbewusster und machen es bewusst trotzdem. Es soll wohl auch Unerfahrenere geben, die in ihrer grenzenlosen Naivität gleich Nacktfotos von sich anfertigen und sich was-auch-immer davon erhoffen.

Genau das ist vermutlich vor zwei Jahren einem damals 11-jährigen Mädchen aus dem Kreis Gütersloh widerfahren. Sie chattete mit einem Unbekannten, von dem bisher weder Alter, Einwahlpunkt oder gar der Name, noch das Geschlecht bekannt sind. Dieser Unbekannte forderte – vermutlich aus Jux, so ist das nach meiner IRC-Erfahrung nämlich meistens – das Mädchen auf, Fotos von sich bei sexuellen Handlungen anzufertigen. Sie fiel drauf rein und schickte sieben Fotos an die ihr unbekannte Person. Das Unheil nahm seinen Lauf.

Der Unbekannte verteilte die Fotos: an Freunde, Bekannte, im Internet. Arschloch. Sorry, das musste mal raus. Jedenfalls kam es wie es kommen musste, als Strafverfolger kürzlich auf die Bilder vermutlich auf irgendeiner Webseite aufmerksam wurden und stante pede einen Fall von Kindsmissbrauch und Kinderpornographie witterten. Da von den Bildern nicht einmal bekannt war, wer darauf zu sehen war, nutzte man die Macht der Medien: Im Januar dieses Jahres wurde eines der Fotos in der Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ gezeigt und um Aufklärung über die Identität des Mädchens gebeten, nicht ohne den Hinweis, es ginge um einen „schweren Fall von Kindesmissbrauch“. Die Mutter der heute 13-Jährigen sah die Sendung zufällig und fiel aus allen Wolken. Das Mädchen selbst aber wohl auch. Hatte sie doch bis zu diesem Zeitpunkt nicht einmal gewusst, was ihre unbedachte und – ich möchte das hier noch einmal betonen – freiwillige Handlung für Konsequenzen nach sich ziehen würde.

Fahndung erfolgreich“ meint die Polizei dann auch ganz lapidar, nachdem endlich klar wurde, worum es sich eigentlich handelte. Und spricht im selben Atemzug weiterhin von einem „schweren Fall von Kinderpornographie“. Dass die Beamten und die Redakteure das Mädchen damit dem Spott einer ganzen Nation („Die mit den Nacktfotos, du weißt schon“) ausgesetzt haben, wird tunlichst verschwiegen oder heruntergespielt. Ganz zu schweigen davon, dass mit Selbstauslöser angefertigte Nacktfotos mit „schwerem sexuellen Missbrauch Minderjähriger“ nicht das Geringste zu tun haben.

Heute bin ich zufällig in die neueste Folge von „Aktenzeichen XY ungelöst“ reingezappt (ja, glaubt’s mir, das war wirklich reiner Zufall), als der Fall aus der vergangenen Sendung erneut in einer Kurzmeldung über den „erfolgreichen“ Verlauf der Fahndung erwähnt wurde. In einer bestürzenden Art und Weise hat der Moderator nach wie vor davon gesprochen, dass das Mädchen

„von einem skrupellosen Pädophilen missbraucht“ (Original-Zitat Rudi Cerne)

wurde. Und das zu einem Zeitpunkt, zu dem die sich selbst informierenden Internet-Rechercheure schon längst wussten, dass hier keinesfalls von sexuellem Missbrauch oder gar Skrupellosigkeit die Rede sein konnte.

Ob der „Täter“ zudem ein pädophiler Familienvater oder nur ein notgeiler Heranwachsender war, das weiß noch überhaupt niemand – auch die Ermittlungsbeamten nicht. Ihn dann derart öffentlich in eine solche Schublade zu stecken, die ihn dem Zorn aller berufsbetroffenen Pädophilen-Hasser aussetzt, dürfte nicht gerade dazu beitragen, dass er sich selbst zu erkennen gibt und die Sache zu einem guten Ende hin aufklärt, falls es sich um einen jugendlichen Scherzkeks handeln sollte, wie derzeit von mir vermutet.

Und ich will und muss noch einmal klar stellen: Ich will nicht ausschließen, dass der unbekannte Chatpartner nicht vielleicht doch ein „skrupelloser Pädophiler“ ist, aber das geht aus dem aktuellen Fall so überhaupt nicht hervor, und keines der öffentlich bekannt gewordenen Indizien lässt diese Schlussfolgerung zwangsläufig zu. Und ja, ich finde es verabscheuungswürdig, wenn jemand derart das Vertrauen anderer missbraucht und zugesandte Nacktbilder, noch dazu solche in intimen Posen, an Unbeteiligte weitergibt und sogar im Internet verbreitet. Aber wenn ich hier nach öffentlicher Aktenlage eine Straftat erkennen kann, dann nur die der Verletzung des Rechts am eigenen Bild.

Übrigens: Dass die Erziehungsbeauftragten (also allen voran die Eltern des Mädchens aber auch die Lehrer) es nicht geschafft haben, dem Mädel ein Mindestmaß an Medienkompetenz zu vermitteln, damit es eben nicht Nacktfotos von sich an unbekannte Personen weitergibt – davon war und ist – natürlich – mal wieder nicht die Rede. Und das ist in meinen Augen, auch wenn es am Ende dieses Beitrags mehr wie eine unwichtige Randbemerkung aussieht, der wichtigste Aspekt dieser ganzen Geschichte.

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