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Kategorie: Kurz angemerkt  

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Mittwoch, 9. Mai 2007

Bombenfahrt [Update]

Stellt euch vor, ihr seid auf der Autobahn unterwegs. Einfach so. Vor euch taucht ein Auto mit Anhänger auf. Ihr überholt und seht, dass da auf der Ladefläche des Anhängers irgendetwas verzurrt ist, was die Form von etwas hat, was der gemeine Mensch sich unter einer Fliegerbombe oder ähnlichem vorstellt. Quizfrage: Was tut ihr?

Mit dieser Frage sahen sich nach einem Bericht im Lokalteil meiner Zeitungslektüre (daher kann ich keinen Link liefern) gestern Nachmittag wohl mehrere Autofahrer auf der Autobahn 43 konfrontiert. Sie beantworteten sie für sich, indem sie bei der Autobahnpolizei anriefen und meldeten, jemand würde auf einem Anhänger offen eine Bombe transportieren. Der Terror ist halt mitten unter uns.

Jetzt mal ganz ehrlich? Glaubt wirklich irgend jemand, ein Terrorist würde eine Bombe bauen und diese auf einem offenen(!) Anhänger festzurren, um damit auf einer der meist befahrenen Autobahnen Deutschlands zu seinem Unterschlupf oder gar zum geplanten Anschlagsort fahren? Wie krank muss man sein?

Die Auflösung des ganzen ist übrigens ganz einfach: Der Fahrer aus Bochum hatte im Norden Deutschlands ganz legal einen ausrangierten Zusatztank eines Kampfjets erstanden und wollte daraus zu Hause „einen Blumenkübel oder eine Seifenkiste“ basteln. Oder möglicherweise eine Bombe?

Nachtrag: Ich hab doch noch ein paar Links gefunden (spät, ich weiß, aber immerhin), und zwar beim WDR und den ShortNews.

Donnerstag, 3. Mai 2007

Griff ins Klo

Das Urheberrecht treibt zuweilen bizarre Blüten. Erst recht, wenn ein Kopierschutz im Spiel ist, der auf Geheimhaltung beruht. Dass solche geheimen Informationen nicht lange diesen Status behalten, hätten die Bonzen der MAFIA („Music and Film Industry Association“™) schon beim Thema DVD bemerken müssen, als schon nach kurzer Zeit der so genannte CSS-Schlüssel wild kursierte, der zum Verschlüsseln von DVD-Inhalten in der Format-Spezifikation festgeschrieben wurde.

Zurzeit will die Industrie, die uns mit so tollen Werbebotschaften wie „Raubkopierer sind Verbrecher“ bedenkt, die man auf handelsüblichen DVD-Playern nicht überspringen kann, und die kackfrech und fälschlicherweise suggerieren, ein Gelegenheits-Konsument von illegal kopierten Inhalten bekäme grundsätzlich fünf Jahre schwedische Gardinen, uns ein neues Format aufschwatzen. HD sei Dank, diesem tollen neuen Hype, der seit der letzten Fußball-WM (oh, sorry, ich muss ja „FIFA WM 2006™“ schreiben, sonst riskier ich ne Abmahnung) um sich gegriffen hat wie die Pest im Mittelalter (und das, wo doch noch kaum ein Gerät wirklich „Full HD“ beherrscht). Meine jüngsten Feldforschungen haben gezeigt, dass der ortsansässige Blödmarkt nicht ein echtes HD-Gerät in der Ausstellung hatte. Alle hatten nur lächerliche 768 Zeilen. Dabei weiß doch jedes Kind, dass HD unter 1080 Bildzeilen gar nicht erst anfängt.

So fehlt mir auch ein bisschen der Vergleich, denn wenn ich vor so einem 768-Zeilen-LCD-Frühstückstablett stehe, fällt es mir sehr schwer bis gar unmöglich, irgendeinen Unterschied zu der Brillanz meiner 100-Hertz-80-Zentimenter-Röhre, gefüttert mit einem Original-DVD-RGB-Strom, zu erkennen. Dass da jetzt die so genannten HD DVDs oder auch die BluRay-Discs der handelsüblichen DVD das Wasser abgraben sollen, bereitet mir daher ein bisschen Bauchschmerzen, bedeutet das Ganze doch, dass ich auf absehbare Zeit meinen Film-Nachschub nur noch auf HD-Medien bekomme, für die ich ein neues Abspielgerät brauchen werde (das ich zu dem Zeitpunkt garantiert noch nicht für 30 Euro beim nächsten Supermarkt kaufen kann), und die auch nicht für fünf bis zehn Euro verramscht werden, nachdem sie sechs Monate lang für 25 Euro keiner haben wollte.

Gerade die HD DVD hat da aber so einige Problemchen, was ihren Kopierschutz angeht. Der ist nämlich schon geknackt, noch bevor sich das Format am Markt überhaupt richtig bemerkbar gemacht hat. Aber nicht alles, was laut Gesetz böse ist, ist schlecht. Man denke an die vielen PC-Besitzer, die sich von Windows frei gemacht haben und einem Apfel nichts abgewinnen können oder aus irgendwelchen anderen Gründen bei Linux gelandet sind. Linux ist nämlich ein Betriebssystem, dessen Programmcode per Definition offen ist. Jeder kann ihn lesen. Jeder – naja, sagen wir fast jeder – kann daran mitschreiben. Und aus diesem Grund darf der Schlüssel, mit dem HD DVDs auf Computern abspielbar gemacht werden können, in Linux nicht hineinprogrammiert werden. Nicht offiziell zumindest.

Es gibt allerdings ein paar Tools für Linux, die können trotzdem HD DVDs dekodieren. Man muss sie nur mit besagtem Schlüssel füttern. Nur… wie kommt man da ran? Dazu gibt’s doch das Internet.

Dort gibt’s auch einen Dienst namens „Digg“. Zumindest gibt es ihn noch. Dort kann man nach einem einfachen Schema, ganz nach Web-2.0-Manier, Links auf besonders lesenswerte Seiten mit einem Kommentar melden. Besonders häufig genannte Adressen erscheinen dann bei Digg.com auf der ersten Seite. So eine Art Sammelstelle für die beliebtesten Bookmarks, wenn man so will. Dort tauchte eben jener HD-DVD-Schlüssel auf, und das gefiel den Filmemachern gar nicht. Also drohten sie mit juristischen Konsequenzen, falls Digg.com die entsprechenden Einträge nicht entferne. Also gab Digg.com klein bei und machte, was Gott die MAFIA ihnen sagte.

Das wiederum gefiel den Nutzern von Digg.com überhaupt nicht. Link-Zensur, wo käme man denn da hin? Es brach eine Welle der Entrüstung los. Und damit ist wirklich eine Welle gemeint. Eine Welle, die sich in Form von einer Schwemme von Links manifestierte, die entsprechenden Code beinhaltete. Der Fall machte die Runde durch etliche Blogs und Foren, wo als Reaktion ebenfalls fleißig Kommentare auftauchten, die diesen Code enthielten. Mittlerweile gibt es wohl kaum eine Stelle im Netz, wo die aus 16 Hexadezimalzahlen bestehende Ziffernfolge nicht zu bestaunen wäre. (Na gut, hier vielleicht, aber ich bin auch ein Schiss-Hase.) Selbst digg.com hat sich mittlerweile dem Willen seiner Nutzer gebeugt und das Löschen solcher Einträge mittlerweile eingestellt, ganz nach dem Motto: Wir haben verstanden. Wir können zwar dabei draufgehen, aber das isses uns wert.

Mit ihrer Bann-Aktion hat die Content-Industrie sich also selbst ins Knie gefickt. Statt ihr eigentliches Ziel zu erreichen, den Code möglichst im ewigen Datennirvana verschwinden zu lassen, ist er nun für jeden halbwegs intelligenten Internet-Benutzer maximal zwei Klicks vom nächsten Einwahlknoten entfernt aufzufinden.

Aber vielleicht war das ja Absicht? So ganz nach dem Motto: Auch schlechte Publicity ist immerhin Publicity. Und irgendwie muss man ja dem Konkurrenten BluRay den Schneid abkaufen. Oder?

Sonntag, 29. April 2007

SINA-Boxen

Jaja, da macht man mal ein paar Tage „blau“ und kommt erst nachträglich dazu, die ganzen Feeds abzugrasen, die man so abonniert hat, schon entdeckt man mit zwei Tagen Verspätung einen Kommentar zum Thema Online-Durchsuchungen bei Spreeblick:

Die nächste Frage, wo wollen sie denn überhaupt mit den ganzen Daten? Hier, Freund von mir ist CTO [Technischer Direktor, Anm.] bei einem der größeren ISPs [Internet Service Provider, Anm.] in Deutschland, der mailte mir das neulich:

„Aus diesem Sektor gibts nur Bullshit [Bullenscheiße, Anm.]. Schon die Vorratsdatenhaltung ist, mal angenommen sie sei legitim oder von uns gewollt, rein technisch kaum handhabbar. Die Datenmengen sind einfach zu gross.

Den Rest dieses Kommentars, den ihr euch unbedingt durchlesen solltet, findet ihr dann hier.

Montag, 23. April 2007

Parade-Stadt

Essen auf der Love-Parade hat noch nie etwas entgegen gestanden. Hab ich auch schon gemacht. Auch wenn mein letzter Besuch auf der Parade nun schon zehn Jahre her ist. Aber Love-Parade in Essen?

Meine Güte, was wäre das damals geil gewesen: Eine Love-Parade in unmittelbarer Nachbarschaft. Nicht mehr über 500 Kilometer reisen, um einen Nachmittag und eine Nacht lang auf der größten Party der Welt abzutanzen. Einfach in den Bus steigen, 3 Euro für eine Fahrkarte lösen und zwanzig Minuten später die wummernden Bässe um die Ohren dröhnen lassen. Und wenn die Nacht dann zu Ende ist, einfach die drei Schritte nach Hause zurück stolpern und im eigenen kuscheligen Bettchen schlafen.

Das Ruhrgebiet hat das Zeug dazu, keine Frage. Was ich mich heute nur frage, da ich das Thema etwas unemotionaler betrachten kann: Wo soll die Parade eigentlich stattfinden? Der WDR berichtet über die Bedingungen an die Bewerberstädte:

Alle Bewerber-Städte für die Love Parade müssen bestimmte Kriterien erfüllen, dazu gehören eine ausgeprägte Clubkultur, eine repräsentative Strecke und ein Platz für die traditionelle Abschlusskundgebung. Genauso wichtig sind eine belastbare Infrastruktur, genügend Übernachtungsmöglichkeiten und ein Einzugsgebiet von einer Million Menschen.

Das sieht schlecht aus. Für Essen. Clubkultur? Wäre mir neu, dass Essen so etwas hätte. In Bochum gibt’s den einen oder anderen Club, auch in Dortmund hab ich schon von dem einen oder anderen gehört. In Essen gab’s – zumindest zu meinen Rave-Zeiten – eine Disco namens „Modell Traumwelt“. Das war’s auch schon. Repräsentative Strecke? So eine Prachtallee wie die Straße des 17. Juni gibt’s in Essen nicht. Eigentlich nirgends im Ruhrgebiet. Man könnte höchstens den Ruhrschnellweg (A 40) nehmen. Aber dafür einen kompletten Samstag die Hauptverkehrsader des Potts lahmlegen? Unmöglich issas nich, aber hart an der Grenze… Kniffliger wird da der Platz für die Abschlusskundgebung. Wenn ich im Ruhrpott nach Ersatz für die Siegessäule suche, fallen mir die im Vergleich mickrigen Örtlichkeiten „Schalker Kreisel“ oder der Friedensplatz in Dortmund ein. Das ist weit weg von Essen. Zumindest nach Ruhrpott-Maßstäben. In Essen kann man vielleicht höchstens den Baldeneysee vorübergehend trockenlegen. Belastbare Infrastruktur und genügend Übernachtungsmöglichkeiten werden verlangt. Ähem. Erstens hat Berlin sowas selbst nicht, und zweitens hat das Ruhrgebiet während der WM ja wohl bewiesen, was es diesbezüglich drauf hat. (Und wer nach der Kulturhauptstadt-Entscheidung Essen immer noch losgelöst vom Ruhrgebiet sieht, dem ist eh nicht mehr zu helfen.)

Naja, und was die Million angeht: Die schaffen wir lockerst! Seien wir doch mal ehrlich: Der Pott als Einheit kann Berlin sowohl flächen- als auch einwohnermäßig locker in die Tasche stecken.

Trotzdem glaube ich jetzt schon zu wissen: Essen und Love-Parade werden wohl auch in Zukunft nur in Form von Würstchen beim Raven zusammenkommen. Es fehlt einfach die passende Straße samt Platz für solch ein Event. Nicht traurig sein, Essen.

Mittwoch, 18. April 2007

Amtseid

Aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie:

Der Amtseid ist der verfassungsmäßige Eid nach Artikel 56 des deutschen Grundgesetzes, den der Bundespräsident, der Bundeskanzler und die Bundesminister bei ihrem Amtsantritt leisten. […]

Der Amtseid lautet:

„Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.“

Der Eid kann auch ohne religiöse Beteuerung geleistet werden. (Art. 56 Satz 2 GG)

Auch Herr Dr. Wolfgang Schäuble hat diesen Amtseid geschworen. Darf man gegen ihn jetzt Anzeige erstatten? Wenn ja, eher wegen Meineids oder doch eher wegen Hochverrats?

Montag, 16. April 2007

Killerspiel, next Level

Heißa, wieder ist ein Spinner ausgerastet. Nach letzten Eilmeldungen sind in den USA in einem Wohnheim der Universität von Blacksburg im Bundesstaat Virginia mindestens 20 Menschen bei einem Amoklauf ums Leben gekommen.

Nach unbestätigten Gerüchten haben die Polizisten als erstes den PC des mutmaßlichen Täters beschlagnahmt und ich würde mich nicht wundern, wenn sie auf seiner Festplatte Killerspiele wie „Super Mario Bros.“, „Pacman“, „Die Sims 2“, „Anno 1703“ und „Pong“ gefunden hätten. „Counterstrike“ und Konsorten war bestimmt auch darauf, aber das hat ja jeder Student auf seinem Rechner…

Oder könnten die Politiker und die Medien gerade die letzte, unbedeutende Tatsache mal wieder zum Anlass nehmen, gegen das erneut zu wettern, was hierzulande als „Killerspiele“ tituliert wird?

Freitag, 13. April 2007

Paraskavedekatriaphobie

Ich muss es ja zugeben. Ich war heute Morgen auch schon wieder in der Gefahr, einfach im Bett liegen zu bleiben und den Tag zu verschlafen. Das lag aber eher daran, dass ich mal wieder viel zu wenig Schlaf bekommen habe. Jaja, ich weiß, das ist wirklich unverantwortlich gegenüber meinem Körper, ihm jeden Tag nur ca. vier, maximal fünf Stunden Schlaf zu gönnen…

Dabei war es mir gar nicht bewusst, und ich habe erst beim Abgrasen der Newsticker bemerkt, dass heute mal wieder ein Freitag, der Dreizehnte ist.

Wäre mir das von Anfang an bewusst gewesen, hätte ich mir beim Aufstehen natürlich erstmal den Zeh angehauen, die Morgentoilette wäre deutlich neben die Keramik gegangen und die Zahnpastatube wäre mir bestimmt geplatzt. Aber nichts davon ist passiert, wahrscheinlich lief mir auch einfach nur keine schwarze Katze von links unter einer Leiter durch über den Weg.

Dabei haben Auswertungen von Unfalldaten ergeben, dass sich statistisch an einem Freitag, dem Dreizehnten, nicht mehr Unfälle ereignen als an anderen Tagen, wie z.B. an einem Freitag, dem Sechsten, Freitag, dem Zwanzigsten, Donnerstag, dem Zwölften oder Samstag, dem Vierzehnten.

Laut Wikipedia wiederholt sich der Gregorianische Kalender alle 400 Jahre. In solch einer 400-Jahres-Periode gibt es genau 688 Freitage, die auf den Dreizehnten eines Monats fallen. Keine andere Wochen-/Monatstag-Kombination gibt es häufiger. Allerdings gibt es andere Wochen-/Monatstag-Kombinationen, die ebenfalls 688 Mal in 400 Jahren auftreten.

Ebenfalls laut Wikipedia ist die seltenste Kombination in solch einem Zyklus die aus Mittwoch und dem Einunddreißigsten, die nämlich nur 398 Mal vorkommt. Und diesen Status muss der Mittwoch, der Einunddreißigste, mit keinem anderen Tag teilen. Sollte dann also nicht dieser Tag irgendwie besonders gewürdigt werden? Muss es immer der Dreizehnte auf einem Freitag sein?

Andererseits… Wenn man schonmal damit angefangen hat, wieso wieder aufhören? Es könnte ja sonst passieren, dass all die Menschen da draußen, die an Paraskavedekatriaphobie leiden, keinen Grund mehr haben, endlich mal vernünftig auszuschlafen…

Mittwoch, 11. April 2007

Unter keinen Umständen

Auf gar keinen Fall solltet Ihr diese Animation im Vollbildmodus auf eurem Laptop ablaufen lassen, während Ihr in öffentlichen Verkehrsmitteln wie U-Bahnen, Zügen oder Flugzeugen unterwegs seid und andere Personen einen Blick auf euer Display erhaschen können…

Samstag, 7. April 2007

Cannabis im Klimawandel

Auf was für schräge Gedanken man kommt, wenn man tagespolitische Nachrichtenmeldungen im Kopf zu einer Kausalkette verknüpft…

Erst wird der Weltklimabericht vorgelegt, in dem von steigenden Temperaturen, schmelzenden Polkappen und abbrechenden Eissschelfen sowie über die Ufer tretenden Flussmündungen die Rede ist. Dann wird heute in den Radionachrichten des WDR gemeldet, dass in NRW immer mehr Drogen – allen voran die Hanfpflanze Cannabis – angebaut würden. Allein in 2006 habe man in NRW 57 professionell geführte Cannabis-Plantagen entdeckt, die überwiegend von Drogenproduzenten aus den Niederlanden betrieben wurden.

Dann schlussfolgert der Analytische Denker messerscharf: Na, ist doch die logische Konsequenz. Aufgrund des derzeitigen Klimawandels werden – Holland in Not – die Niederlande in nicht allzu ferner Zukunft dem Meer des gnädigen Vergessens anheim fallen, also müssen die dortigen Großgrundbesitzer mit ihren Latifundien ins „Hinterland“ ausweichen. Also nix, worüber man sich wundern müsste…

Donnerstag, 5. April 2007

Oberhausener Unterwelt

Neunundzwanzig Kilometer von unserem Zuhause entfernt, genauer in Oberhausen-Tackenberg, bebte gestern die Erde. So stark, dass Wände wackelten und Möbel durch die Zimmer tanzten. Die Polizei, von besorgten Bürgern informiert, räumte sofort alle Häuser der betroffenen Siedlung.

Dann begann die Ursachenforschung: Ein Erdbeben wurde schnell ausgeschlossen. Dafür soll das betroffene Gebiet einfach „zu klein“ gewesen sein. Blieben noch Bergschäden, immerhin ist in unmittelbarer Nähe die Zeche Prosper-Haniel, aber auch das kam am Ende nicht in Frage, da unter der Siedlung schon lange keine Kohle mehr abgebaut worden sein soll.

Und dann war da noch die Spedition, die wenige Meter entfernt auf ihrem Grundstück für sogenannte Erdverdichtungsarbeiten eine Ramme eingesetzt hatte. Irgendwie naheliegend, dass man diese Erdarbeiten als mutmaßliche Ursache für die Vibrationen weiter untersucht… allein, man findet nichts. Eigens angerückte Seismographen der Deutschen Montantechnologie haben mit einem Messgerät die Arbeit der Ramme genau beobachtet, konnten aber keinen Zusammenhang feststellen. Weitere Alternativen boten sich als Ursache nicht an, so dass der Tag mit der Meldung „Die Experten stehen vor einem Rätsel“ geschlossen wurde.

Heute dann gegen Nachmittag die Meldung im Radio: Es soll wohl doch die Ramme gewesen sein. Jetzt ist plötzlich nur noch von einem „Gutachter“ die Rede, der doch einen Zusammenhang zwischen Ramme und Beben entdeckt haben will. Zugegeben, jeder klar denkende Mensch muss einfach diesen Zusammenhang herstellen, aber dafür sind dann ja auch Spezialisten (von wegen „Gutachter“) mit Messgeräten angerückt. Und die moderne deutsche Messtechnik soll hier so eklatant versagt haben? Wenn wollen die jetzt eigentlich an der Nase herumführen?

Wenn ich eines in den fünf Jahren unter meinem vorletzten Chef gelernt habe, dann dies: Alles hat eine Ursache, und solange die nicht gefunden ist, wird keine Ruhe gegeben. Und es dürfte klar sein, dass diese Regel gerade im öffentlichen Bereich mehr denn je gilt. Es kann und darf schließlich nicht sein, dass irgendwas passiert, und niemand kann sagen, was es war. So gesehen war der Zustand, in dem die Nachrichtenhörer und -leser – und insbesondere die Oberhausener – gestern Abend schlafen gegangen sind, ein unhaltbarer.

Also wird mal eben ein Gutachter aus dem Hut gezaubert, der einem Wünschelrutengänger gleich die Messgeräte der Montanindustrie Lügen straft und kurzerhand behauptet, es sei doch die Ramme gewesen. Nicht einmal eine Stunde später wird dann noch schnell die Meldung hinterhergeschoben, dass die Spedition aber dennoch nicht für die Kosten des Einsatzes – Polizei, Feuerwehr, Messtechniker und vor allem der Gutachter wollen auch bezahlt werden – aufzukommen braucht, immerhin seien die Vibrationen ja weit unterhalb irgendeines Grenzwertes gewesen und somit könne man niemandem einen Vorwurf machen.

Ich hab ehrlich gesagt auch keine Ahnung, was letztlich der Grund für die Vibrationen war. Aber ich sage das wenigstens und kann das auch guten Gewissens so im Raum stehen lassen. Ich muss mir nicht irgendwelche fadenscheinigen Begründungen aus den Fingern saugen, die vor allem deshalb so kompliziert zu formulieren sind, weil man ungeschickterweise erst 24 Stunden zuvor die präsentierte Lösung komplett ausgeschlossen hatte.

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