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Kategorie: Kristallkugel  

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Montag, 17. Dezember 2007

(K)ein bisschen reifer

Ich muss nochmal auf dem Fall „Marco W.“ herumhacken. Da schreibt heute das WAZ-Portal „DerWesten.de“ über die Exklusiv-Berichterstattung durch RTL:

Marco indes hofft nach seiner Entlassung aus türkischer Haft auf ein möglichst ruhiges, normales Leben. In einem RTL-Interview antwortete der 17-Jährige […]

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Donnerstag, 12. Juli 2007

Pauli-Power

Ende Mai hatte ich noch gefrotzelt, dass es im Machtpoker um die Vergabe des bald frei werdenden Postens des CSU-Vorsitzes eventuell auch eine weibliche Kandidatin neben den „üblichen Verdächtigen“ Huber und Seehofer geben könnte.

Meine Trefferquote beim Blick in die Kristallkugel ist heute wieder einmal ein paar Prozentpunkte nach oben gegangen, denn der Bayerische Rundfunk weiß heute zu berichten, dass Gabriele Pauli tatsächlich für September die Kandidatur für den Parteivorsitz angekündigt hat.

Das wird ein interessanter Parteitag…

Freitag, 25. Mai 2007

Das Wettrennen

Das ist doch mal ein toller Werbegag: Die offiziell ab 10. Juni regelmäßig befahrenen Hochgeschwindigkeitsstrecken von Frankfurt beziehungsweise Stuttgart nach Paris sollen heute effektvoll eingeweiht werden.

Auf der nördlichen Strecke, die in Frankfurt beginnt, sollen zukünftig ICE-Züge in zwei Drittel der bisherigen Zeit nach Paris rasen, auf der südlichen Strecke, die in Stuttgart beginnt und sich in Lothringen mit der nördlichen vereinigt, verkehren zukünftig TGVs der französischen Staatsbahn.

Dazu starten zunächst in Frankfurt der erste ICE und kurze Zeit später ein TGV in Stuttgart (jetzt, da ich das schreibe, sind sie wohl schon gestartet), und zwar so, dass nach einem Bericht heute Morgen auf WDR 2 beide zeitgleich in Paris ankommen.

Zeitgleich? Na, dann kann der TGV-Führer sich ja schonmal nen lauen Vormittag machen. Immerhin muss er unterwegs eine halbe Stunde Pause machen, denn der ICE wird – wie immer – die übliche Verspätung haben.

Samstag, 19. Mai 2007

Ich hab das nicht gewusst

Ehrlich! Als ich mich vor ein paar Tagen über Harald Schmidts Zukunft ausließ, die anscheinend nur noch im Duett mit Oliver Pocher stattfinden soll, beendete ich meinen Beitrag mit den Worten:

Dann gucke ich halt in Zukunft im Ersten nur noch Tagesschau und die Wiederholungen von Professor Grzimek.

Ich schwöre Stein und Bein: Ich wusste da aber noch nicht, dass die ARD die Reihe „Ein Platz für Tiere“ im digitalen Kanal EinsFestival wiederholen will. Wird mir aber wahrscheinlich sowieso keine Sau glauben…

Donnerstag, 26. April 2007

Bahnbrechend

Sigmar Gabriel will den Umweltschutz fördern und zu diesem Zweck das Bahnfahren billiger machen. Klingt ja schonmal erstrebenswert. Müssen nur noch die Züge pünktlicher fahren.

(Kleiner thematischer Exkurs: Als ich vor knapp zwei Wochen seit langer Zeit mal wieder Bahn gefahren bin, hatte jeder der Züge auf meiner Strecke 10 bis 15 Minuten Verspätung, teilweise weil der Anschlusszug auf den vorherigen warten musste. Nur die S-Bahn am Ende, für die ich eine Umsteigezeit von 8 Minuten gehabt hätte, die natürlich nicht. Dafür fuhr die nächste aber schon nach 30 Minuten wieder. Hurra!)

Zurück zu Gabriel, der sich auch schon überlegt haben will, wie die Fahrkarten günstiger werden sollen: Er erlässt ihnen einfach einen Teil der Mehrwertsteuer. Das geht ganz einfach, indem er bestimmt, dass das Bahnfahren im Fernverkehr (das heißt auf Strecken, die länger als 50 km sind) demnächst nur noch mit dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz besteuert werden soll. Statt 19 Prozent also nur noch 7 Prozent.

Hartmut Mehdorn hat dann auch gleich ein Statement dazu abgegeben. Er will diese Ersparnis voll an die Kunden weiterreichen. Dadurch wird eine Fahrkarte ab 50 km effektiv um ziemlich genau 10 Prozent billiger. Nicht so der Brüller, um Autofahrer auf die Schiene zu locken, aber immerhin.

Allein, ich denke da schon wieder an das Kleingedruckte: Morgen jubiliert die Bahn in der Werbung, dass das Bahnfahren 10 Prozent billiger wird, und dafür geistert dann Ende dieses und Ende nächsten Jahres ungehört durch die Presse, dass aus irgendwelchen nicht nachvollziehbaren Gründen die Preise um jeweils 5,6 Prozent erhöht werden müssten.

Schade eigentlich.

Montag, 23. April 2007

Parade-Stadt

Essen auf der Love-Parade hat noch nie etwas entgegen gestanden. Hab ich auch schon gemacht. Auch wenn mein letzter Besuch auf der Parade nun schon zehn Jahre her ist. Aber Love-Parade in Essen?

Meine Güte, was wäre das damals geil gewesen: Eine Love-Parade in unmittelbarer Nachbarschaft. Nicht mehr über 500 Kilometer reisen, um einen Nachmittag und eine Nacht lang auf der größten Party der Welt abzutanzen. Einfach in den Bus steigen, 3 Euro für eine Fahrkarte lösen und zwanzig Minuten später die wummernden Bässe um die Ohren dröhnen lassen. Und wenn die Nacht dann zu Ende ist, einfach die drei Schritte nach Hause zurück stolpern und im eigenen kuscheligen Bettchen schlafen.

Das Ruhrgebiet hat das Zeug dazu, keine Frage. Was ich mich heute nur frage, da ich das Thema etwas unemotionaler betrachten kann: Wo soll die Parade eigentlich stattfinden? Der WDR berichtet über die Bedingungen an die Bewerberstädte:

Alle Bewerber-Städte für die Love Parade müssen bestimmte Kriterien erfüllen, dazu gehören eine ausgeprägte Clubkultur, eine repräsentative Strecke und ein Platz für die traditionelle Abschlusskundgebung. Genauso wichtig sind eine belastbare Infrastruktur, genügend Übernachtungsmöglichkeiten und ein Einzugsgebiet von einer Million Menschen.

Das sieht schlecht aus. Für Essen. Clubkultur? Wäre mir neu, dass Essen so etwas hätte. In Bochum gibt’s den einen oder anderen Club, auch in Dortmund hab ich schon von dem einen oder anderen gehört. In Essen gab’s – zumindest zu meinen Rave-Zeiten – eine Disco namens „Modell Traumwelt“. Das war’s auch schon. Repräsentative Strecke? So eine Prachtallee wie die Straße des 17. Juni gibt’s in Essen nicht. Eigentlich nirgends im Ruhrgebiet. Man könnte höchstens den Ruhrschnellweg (A 40) nehmen. Aber dafür einen kompletten Samstag die Hauptverkehrsader des Potts lahmlegen? Unmöglich issas nich, aber hart an der Grenze… Kniffliger wird da der Platz für die Abschlusskundgebung. Wenn ich im Ruhrpott nach Ersatz für die Siegessäule suche, fallen mir die im Vergleich mickrigen Örtlichkeiten „Schalker Kreisel“ oder der Friedensplatz in Dortmund ein. Das ist weit weg von Essen. Zumindest nach Ruhrpott-Maßstäben. In Essen kann man vielleicht höchstens den Baldeneysee vorübergehend trockenlegen. Belastbare Infrastruktur und genügend Übernachtungsmöglichkeiten werden verlangt. Ähem. Erstens hat Berlin sowas selbst nicht, und zweitens hat das Ruhrgebiet während der WM ja wohl bewiesen, was es diesbezüglich drauf hat. (Und wer nach der Kulturhauptstadt-Entscheidung Essen immer noch losgelöst vom Ruhrgebiet sieht, dem ist eh nicht mehr zu helfen.)

Naja, und was die Million angeht: Die schaffen wir lockerst! Seien wir doch mal ehrlich: Der Pott als Einheit kann Berlin sowohl flächen- als auch einwohnermäßig locker in die Tasche stecken.

Trotzdem glaube ich jetzt schon zu wissen: Essen und Love-Parade werden wohl auch in Zukunft nur in Form von Würstchen beim Raven zusammenkommen. Es fehlt einfach die passende Straße samt Platz für solch ein Event. Nicht traurig sein, Essen.

Samstag, 7. April 2007

Wirbelstürme

Ich weiß ja nicht – noch(?) ist meine Leserschaft scheinbar nicht groß genug, um hier regelmäßige Kommentare auf meine Beiträge zu erhalten – ob meine bisherigen Kommentare zu dem Tornado-Einsatz und der Entführung der beiden Deutschen im Irak klar genug waren, darum hier jetzt eine klitzekleine Klarstellung diesbezüglich:

Am 19. April, vielleicht schon am 18. April, wenn das Bundesverfassungsgericht über die Klage der Linksfraktion, die in Form eines Eilantrags zwar abgelehnt wurde, aber immer noch einer Entscheidung harrt, ein Urteil fällt, ob die Tornado-Kampfjets in Afghanistan deren Meinung nach rechtmäßig operieren dürfen oder ob sie vielleicht doch wieder zurück gepfiffen werden müssen, weil deren Einsatzbefehl gegen unsere Verfassung verstößt – spätestens dann werden wir beziehungsweise die Medien erfahren, ob die Geiseln frei sind, oder ob sie von den islamistischen Geiselnehmern hingerichtet wurden.

Ich kann den Charakter der Meldung sogar schon vorhersagen, er ist lediglich abhängig von der verfassungsgerichtlichen Entscheidung: Sagen die Verfassungrichter, der Einsatz der Bundeswehr-Kampfjets ist verfassungswidrig und geben sie die Klage der Linksfraktion (der scheinbar einzigen Opposition, die noch einen Arsch in der Hose hat) statt, sind die Geiseln frei oder so gut wie. Dürfen nach Meinung der Verfassungsrichter aber die Tornados in Afghanistan bleiben, sind die Geiseln tot.

Mittwoch, 21. März 2007

Sturm-Opfer

Dem Bundesverfassungsgericht liegt ein neuer Eilantrag gegen die Entsendung von „Tornado“-Kampfflugzeugen nach Afghanistan vor. Antragsteller ist diesmal die Links-Fraktion des Bundestags, nachdem die letzte Klage aus formalen Gründen abgelehnt worden war. Das Gericht will nun zügig eine Entscheidung finden, denn vorher dürfen die Kampfjets aufgrund des Eilantrags nicht entsendet werden.

Das Schicksal der im Irak entführten deutschen Geiseln ist noch immer unklar. Bereits gestern lief das von den Entführern gestellte Ultimatum ab. Soweit die offizielle Darstellung.

Eigentlich ist es doch sehr naheliegend, diese beiden Meldungen in einen kausalen Zusammenhang zu bringen. Einen ersten Ansatz dazu habe ich sogar bereits geliefert, wenn auch nicht so offensichtlich.

Es dauert jedenfalls nicht mehr lange, bis wir von den Entführern im Irak wieder hören werden. Noch sind die Geiseln am Leben. Da bin ich relativ sicher. Wenn das Bundesverfassungsgericht seine Entscheidung bekannt gegeben hat, dann erst beginnt die neue Runde, deren Ausgang unklar ist, oder, um es mal deutlicher zu sagen, deren Ausgang sozusagen in den Händen der Verfassungsrichter liegt.

Und ich glaube, unsere Regierung weiß das. Sie sagt uns das nur nicht. Zu unserem eigenen „Schutz“. Sonst wäre Deutschland erpressbar.

Mittwoch, 28. Februar 2007

Rechnung ohne den Winter gemacht

Wie wir gestern alle erfahren durfte, hat der Klimawandel sich uns mal wieder eiskalt (äh… falsche Wortwahl) in Erinnerung gerufen. Die globale Erwärmung macht mittlerweile nicht einmal vor unserem Winter halt.

Seit 1901 werden in Deutschland die Wetterdaten notiert und archiviert. Und in der ganzen Zeit gab es keinen wärmeren Winter als den diesjährigen. Rekord. Goldmedaille, sozusagen. Oder doch eher die Goldene Zitrone?

Die Leute fangen schon an, sich auf Frühling einzustellen. Ich indes habe noch nicht vergessen, dass ein Winter auch durchaus nochmal im März oder April zuschlagen kann. Was an sich erstmal nichts Dramatisches wäre. Wenn da nicht die Tatsache im Raum stünde, dass aufgrund der warmen Witterung die meisten Zugvögel schon wieder da sind (sofern sie überhaupt weg waren), die ersten Krokusse und weitere Blumen aus dem Erdreich schießen und sich wundern („Nanu, kein Schnee, durch den ich brechen kann?“), sowie die ersten Bäume schon Knospen treiben und sich voller Vorfreude viel früher als sonst auf den nahenden Frühling vorbereiten.

Und jetzt kommt mein Blick in die Glaskugel: Der Winter ist nicht weg. Er lauert um die Ecke, bis er mit seinem unbarmherzigen Einbruch größtmöglichen Schaden anrichten kann. Dann bricht er hervor und beschert und auch in den Tiefebenen eine mindestens 5 Tage haltende geschlossene Schneedecke – in ländlichen Gebieten und in Höhenlagen entsprechend länger.

Ich geb den Winter nicht auf. Er packt’s noch in dieser Saison. Ich weiß nur nicht, ob ich ihm die Daumen drücken soll oder nicht. Meine Kinder würd’s freuen, wenn wir demnächst doch noch mal Schlitten fahren könnten. Was ein solcher Wetterumschwung aber für unsere Land- und Forstwirtschaft oder für unsere Tierwelt bedeutet, das kann ich nicht abschätzen. Mir schwant nur nichts Gutes. Wir sollten uns schonmal seelisch auf diesbezügliche Katastrophenmeldungen vorbereiten. Sagt mir mein großer Zeh.

Freitag, 23. Februar 2007

Über Nacht berühmt

Es geht um ein brisantes Thema. Darum müsst ihr mir verzeihen, wenn es jetzt etwas ausführlicher wird, denn ich möchte vermeiden, falsch verstanden zu werden. Ich hoffe nur, es gelingt mir.

Es ist jetzt ungefähr elf Jahre her. Ende ’95, Anfang ’96 entdeckte mein damaliges Vierzehn-Vierer-Modem das Internet. Keine Ahnung, was man da außer E-Mail und WWW noch so alles anstellen kann (und das wissen viele Möchtegern-Internet-Experten bis heute nicht), nutzte ich das Angebot meines Zugangs-Anbieters („Provider“), ein vorab mit nützlichen Programmen ausgestattetes Software-Paket herunterzuladen. Darin enthalten war ein Programm namens „mIRC“, damals noch Freeware, aber ich hatte keine Ahnung, wozu das gut sein sollte.

Damals war ich noch naiver, da habe ich sowas „einfach mal eben installiert“ und ausprobiert. Meine Überraschung war groß, dass sich dahinter ein in Echtzeit ablaufender textbasierter Chat – der so genannte „Internet Relay Chat“ (IRC) – verbarg, der es mir ermöglichte, mit Leuten rund um den Globus zu „chatten“. Für jemanden, der Ähnliches zwar schon kannte, aber nur aus einer Mailbox (damals hatte das Wort noch eine andere Bedeutung und nichts mit Handys zu tun), die maximal 20 gleichzeitige Telefon- bzw. Modem-Verbindungen zuließ, war das eine Offenbarung.

Irgendwie landete ich dort in dem Channel „#muenchen“ (heutzutage reden die DAUs nur noch von „Chat-Rooms“), der fortan mein Stamm-Channel wurde. Viele neue, nette Leute lernte ich dort kennen. Und ich lernte, dass im Internet Relay Chat gebaggert wird, dass sich die Balken biegen. Da nimmt man es mit der Wahrheit auch nicht immer so genau. Und ja, ich oute mich, auch ich habe versucht, mit dem einen oder anderen vermeintlichen oder real existierenden Mädel im Chat anzubandeln. Da man im IRC eigentlich nie mit seinem echten Namen unterwegs ist, sondern ausschließlich mit Pseudonym (bei dem höchstens mal eine angefügte „17“ o.ä. auf das Alter schließen lassen soll), traut man sich unter dem Deckmantel dieser vermeintlichen Anonymität schonmal Dinge, die man sonst nicht täte. Das war mal erfolgreich, mal auch nicht.

Ist man dabei mit jemandem in engeren Kontakt gekommen, d.h. hat man nicht nur im öffentlichen Channel, sondern auch per so genannter „private message“ Nettigkeiten ausgetauscht, blüht langsam aber sicher auch der Wunsch nach Visuellem auf. Platt gesagt: Man will was zum Gucken, will wissen, wie der oder die andere aussieht. Dürfte heute nicht anders sein als früher. Dabei kann man auch schonmal Wünsche äußern, wie zum Beispiel dem nach „mehr Haut auf dem Bild“ – um es mal vorsichtig auszudrücken. Viele sind selbstbewusst genug, sich nicht auf so etwas einzulassen. Einige wenige sind noch selbstbewusster und machen es bewusst trotzdem. Es soll wohl auch Unerfahrenere geben, die in ihrer grenzenlosen Naivität gleich Nacktfotos von sich anfertigen und sich was-auch-immer davon erhoffen.

Genau das ist vermutlich vor zwei Jahren einem damals 11-jährigen Mädchen aus dem Kreis Gütersloh widerfahren. Sie chattete mit einem Unbekannten, von dem bisher weder Alter, Einwahlpunkt oder gar der Name, noch das Geschlecht bekannt sind. Dieser Unbekannte forderte – vermutlich aus Jux, so ist das nach meiner IRC-Erfahrung nämlich meistens – das Mädchen auf, Fotos von sich bei sexuellen Handlungen anzufertigen. Sie fiel drauf rein und schickte sieben Fotos an die ihr unbekannte Person. Das Unheil nahm seinen Lauf.

Der Unbekannte verteilte die Fotos: an Freunde, Bekannte, im Internet. Arschloch. Sorry, das musste mal raus. Jedenfalls kam es wie es kommen musste, als Strafverfolger kürzlich auf die Bilder vermutlich auf irgendeiner Webseite aufmerksam wurden und stante pede einen Fall von Kindsmissbrauch und Kinderpornographie witterten. Da von den Bildern nicht einmal bekannt war, wer darauf zu sehen war, nutzte man die Macht der Medien: Im Januar dieses Jahres wurde eines der Fotos in der Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ gezeigt und um Aufklärung über die Identität des Mädchens gebeten, nicht ohne den Hinweis, es ginge um einen „schweren Fall von Kindesmissbrauch“. Die Mutter der heute 13-Jährigen sah die Sendung zufällig und fiel aus allen Wolken. Das Mädchen selbst aber wohl auch. Hatte sie doch bis zu diesem Zeitpunkt nicht einmal gewusst, was ihre unbedachte und – ich möchte das hier noch einmal betonen – freiwillige Handlung für Konsequenzen nach sich ziehen würde.

Fahndung erfolgreich“ meint die Polizei dann auch ganz lapidar, nachdem endlich klar wurde, worum es sich eigentlich handelte. Und spricht im selben Atemzug weiterhin von einem „schweren Fall von Kinderpornographie“. Dass die Beamten und die Redakteure das Mädchen damit dem Spott einer ganzen Nation („Die mit den Nacktfotos, du weißt schon“) ausgesetzt haben, wird tunlichst verschwiegen oder heruntergespielt. Ganz zu schweigen davon, dass mit Selbstauslöser angefertigte Nacktfotos mit „schwerem sexuellen Missbrauch Minderjähriger“ nicht das Geringste zu tun haben.

Heute bin ich zufällig in die neueste Folge von „Aktenzeichen XY ungelöst“ reingezappt (ja, glaubt’s mir, das war wirklich reiner Zufall), als der Fall aus der vergangenen Sendung erneut in einer Kurzmeldung über den „erfolgreichen“ Verlauf der Fahndung erwähnt wurde. In einer bestürzenden Art und Weise hat der Moderator nach wie vor davon gesprochen, dass das Mädchen

„von einem skrupellosen Pädophilen missbraucht“ (Original-Zitat Rudi Cerne)

wurde. Und das zu einem Zeitpunkt, zu dem die sich selbst informierenden Internet-Rechercheure schon längst wussten, dass hier keinesfalls von sexuellem Missbrauch oder gar Skrupellosigkeit die Rede sein konnte.

Ob der „Täter“ zudem ein pädophiler Familienvater oder nur ein notgeiler Heranwachsender war, das weiß noch überhaupt niemand – auch die Ermittlungsbeamten nicht. Ihn dann derart öffentlich in eine solche Schublade zu stecken, die ihn dem Zorn aller berufsbetroffenen Pädophilen-Hasser aussetzt, dürfte nicht gerade dazu beitragen, dass er sich selbst zu erkennen gibt und die Sache zu einem guten Ende hin aufklärt, falls es sich um einen jugendlichen Scherzkeks handeln sollte, wie derzeit von mir vermutet.

Und ich will und muss noch einmal klar stellen: Ich will nicht ausschließen, dass der unbekannte Chatpartner nicht vielleicht doch ein „skrupelloser Pädophiler“ ist, aber das geht aus dem aktuellen Fall so überhaupt nicht hervor, und keines der öffentlich bekannt gewordenen Indizien lässt diese Schlussfolgerung zwangsläufig zu. Und ja, ich finde es verabscheuungswürdig, wenn jemand derart das Vertrauen anderer missbraucht und zugesandte Nacktbilder, noch dazu solche in intimen Posen, an Unbeteiligte weitergibt und sogar im Internet verbreitet. Aber wenn ich hier nach öffentlicher Aktenlage eine Straftat erkennen kann, dann nur die der Verletzung des Rechts am eigenen Bild.

Übrigens: Dass die Erziehungsbeauftragten (also allen voran die Eltern des Mädchens aber auch die Lehrer) es nicht geschafft haben, dem Mädel ein Mindestmaß an Medienkompetenz zu vermitteln, damit es eben nicht Nacktfotos von sich an unbekannte Personen weitergibt – davon war und ist – natürlich – mal wieder nicht die Rede. Und das ist in meinen Augen, auch wenn es am Ende dieses Beitrags mehr wie eine unwichtige Randbemerkung aussieht, der wichtigste Aspekt dieser ganzen Geschichte.

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