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Kategorie: Das muss weh tun  

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Mittwoch, 16. Mai 2007

Beschränkt beschrankt

200 Bahnübergänge bereiten der Deutschen Bahn momentan Kopfzerbrechen. So viele Übergänge bundesweit sind nämlich mit den Schranken eines bestimmten Typs ausgerüstet worden, zu denen auch acht in Bonn gehören. Und zwei von diesen sind letzte Woche unangenehm aufgefallen. Oder besser: aufgegangen.

Nichts genaues weiß man nicht, aber da steckt anscheinend irgendwo ein Fehlerteufelchen in der Konstruktion, der dazu führt, dass die Schranken sich manchmal schon wieder heben, noch bevor der Zug den Übergang komplett passiert respektive verlassen hat.

Die Bahnsprecherin Bettina Bader betont ausdrücklich, dass es ausschließlich ein Problem mit einem verfrühten Öffnungsimpuls gebe. Es bestehe also keinerlei Gefahr, dass eine Schranke sich verspätet oder womöglich gar nicht schließen würde. Also suchen sie mit dem Hersteller der Anlagen nach dem Fehler und versuchen ihn so schnell wie möglich zu beheben. Na, dann ist ja alles klar.

Weit gefehlt! Die meisten der betroffenen Übergänge werden jetzt einfach geschlossen. Schotten dicht, kein Durchkommen – außer für den Zug vielleicht. Einige wenige – vermutlich solche an besonders verkehrsreichen Stellen oder solchen, für die es keine Ausweichstrecken gibt – werden nicht gänzlich gesperrt, dafür darf dann ein Streckenposten den Übergang für die Dauer der Durchfahrt zusätzlich mit rot-weißem Flatterband absichern.

Coole Aktion, das! Und so sicher! Wer weiß, wie viele bekloppte Autofahrer sonst auf die Idee kämen, sich kurz nach dem Öffnen der Schranke noch schnell zwischen dem vorletzten und letzten Waggon des Zuges durchzuquetschen, weil sie sonst den Termin beim Chef, beim Kunden oder bei der Geliebten nicht halten könnten.

Freitag, 4. Mai 2007

Sprachtest im Landtag

Na, kanner denn schon sprechen, der Kleine?

Jugendminister Armin Laschet (CDU) sagte, er sei stolz, dass NRW als erstes Bundesland verbindliche Sprachtests eingeführt habe. […] Laschet verteidigte den Test und betonte, dass bislang noch kein Kind durchgefallen sei.

Ja, wie jetzt? Kind? Dürfen denn schon Kinder in den Landtag von Nordrhein-Westfalen? Na, dann wundert mich nix mehr. Oder wie würdet ihr diese Überschrift der Nachrichtenmeldung auf wdr.de verstehen?

Sprachtests im Landtag

Freitag, 20. April 2007

Cogito ergo sum

Wenn irgendwelche Wissenschaftler was ganz tolles neu erfinden, das irgendwie die menschlichen Moralvorstellungen berühren könnte, wie zum Beispiel Atombomben, biologische oder chemische Waffen, dann kommt von den jeweiligen Erfindern immer die Rechtfertigung: „Wenn ich es nicht erfunden/erforscht hätte, hätte es früher oder später ein anderer getan.“

Andererseits frage ich mich immer wieder: Wo kriegen diese Hohlbirnen eigentlich immer ihre Ideen her? Selbst ausdenken kann sich ein Mensch, der sich die Folgen seines Schaffens nicht mal im geringsten auszumalen vermag, so etwas doch nicht. Ich glaube, in den meisten Fällen dienen Gedankenspiele von Managern, Militärs und Romanautoren als Vorlage. Insbesondere letztere haben, vor allem wenn sie sich zum Science-Fiction-Genre zugehörig fühlen, ein unwiderbringliches Gespür dafür, Dinge und Ideen zu formulieren, die, einem Blick in die Zukunft gleich, auch tatsächlich umgesetzt werden. Ich wette, das fing nicht erst mit Jules Vernes Reise zum Mond an und hörte mitnichten mit Orwells Visionen über das Jahr 1984 (bei denen er sich nur um ca. zwanzig Jahre vertan zu haben scheint) auf.

Und wenn ich den erwische, der die Idee hatte, Verbrecher anhand ihrer Gedanken zu erkennen, dem werde ich… äh… ich glaube, ich sollte jetzt nicht weiterschreiben und ganz schnell an eine Blumenwiese denken.

„Wenn es eine hypothetische Möglichkeit gäbe, einen Terroristen an seiner Gehirnaktivität zu erkennen, können wir uns dann dagegen sperren, solche Verfahren einzusetzen?“ (John-Dylan Haynes, Erfinder eines ersten Gedankenmuster-Erkennungs-Geräts)

Und… bitte, bitte, sagt dem Schäuble nix von diesen neuen Möglichkeiten, sonst haben wir morgen direkt die nächste Schlagzeile zum Thema technische Möglichkeiten, Terrorismus, Augenhöhe, Privatsphäre und Unschuldsvermutung.

Sonntag, 8. April 2007

Eier im Staub

Ostern. Ist das nicht im Christentum das Fest, wo der Weihnachtsmann als Hase wiedergeboren wird?

Ja ja, mit den Osterbräuchen und den Religionen ist das so eine Sache. Die einen feiern Jesu Wiederauferstehung, indem sie den ganzen Tag in wirren Prozessionen durch andalusische Dörfer ziehen und dabei Madonnen-Statuen verehren wie Michael Jackson kleine Jungs. Die anderen fröhnen heidnischen Gelüsten, verstecken ihre Eier unter jenen Sträuchern, unter denen die Kinder, die sie suchen sollen, selbst entstanden sind, oder stecken riesige Scheiterhaufen in Brand, nennen das ganze Osterfeuer, und verraten dabei nicht, dass das nur die Gartenabfälle sind, die nach dem Winter beim Frühjahrsputz im Klein-, Schreber- oder heimischen Garten angefallen sind. (Dieses Jahr kommen noch die ca. 15 Millionen Festmeter Brennholz aus dem Sauerland dazu – hei, was für ein Feuerchen!)

Dabei könnten die Osterfeuer bald der Vergangenheit angehören. Das Zauberwort heißt: Feinstaub. Nachdem also die rauchenden Autofahrer („sechfache Überschreitung der Feinstaubgrenzwerte selbst bei offenen Fenster…“) auf die Abschussliste gesetzt wurden und bald Geschichte sein werden (ich will nicht wissen, wie oft meine Mutter mit mir als Steppke im Fond im Auto geraucht hat, ich muss mittlerweile ein wahrer Feinstaubbeutel sein, zumal ich diese Tradition auch noch fortgesetzt hatte), müssen demnächst die Osterfeuer dran glauben.

Und wenn wir die endlich aus dieser christlichen Welt verbannt haben, sind die anderen heidnischen Bräuche wie Martinsfeuer, Sonnenwendfeiern oder Silvesterfeuerwerke an der Reihe. Damit die Madonnen-Prozessionen auch hierzulande wieder ungetrübt ihre Kreuzgänge durch die Ortschaften antreten können, ohne gleich dem unchristlichen Feinstaub von vier Passivrauchern ausgesetzt zu sein.

Freitag, 16. März 2007

Always Coca-Cola

Stellt euch vor, ihr geht zum Bäcker und wollt Mohnkuchen kaufen. Gibt’s aber nicht mehr. Nicht unter diesem Namen. Heißt jetzt anders. Vielleicht „Kuchen mit schwarzen Streuseln drin“ oder so. Naja, wohl eher nicht. Wahrscheinlicher wäre irgendein bezugloser Name ähnlich dem „Bienenstich“. Aber wie komme ich auf so eine Idee?

Nun, Mohnkuchen beinhaltet ja Mohn, und der stammt von der Mohnblume. Aus der Mohnblume wird aber auch Opium gewonnen, das ja bekanntlich als Rauschmittel auch die Grundlage für beispielsweise Heroin darstellt. Daher unterliegen Mohnpflanzen in Deutschland einer besonderen Aufsicht. Vollständig verboten sind sie nicht, bedürfen aber einer Genehmigung und sind nur in solchen Sorten erlaubt, die besonders wenig Morphine enthalten.

Tja, und jetzt stellt euch vor, dass ausländische Mohnbauern unseren Bäckern einfach verböten, weiterhin Mohn als Wortbestandteil ihres Kuchens zu verwenden, weil die Bäcker ja nichts dagegen unternommen hätten, dass auch hierzulande andere Mohnsorten angebaut werden dürften. Und das zudem auf der Basis eines in ihrem eigenen – fiktiven – Land angestrengten Gesetzes, das den Mohn zu einem Kulturgut des Landes erhebt und unter besonderen Schutz stellt, der die weltweite Verwendung des Pflanzennamens in Produkten zu einer markenrechtlichen Angelegenheit macht.

Der Arby kommt ja auf bekloppte Ideen, könnte man da denken. Naja, ausgedacht habe ich mir das ganze Szenario schon. Es besteht keinerlei Gefahr für unseren geliebten Mohnkuchen. Ganz so kreativ war ich dann aber doch nicht, denn ein ähnliches Szenario spielt sich gerade auf einem verwandten Gebiet, nämlich dem der Koka-Pflanze ab.

Bolivianische Bauern wollen nämlich jetzt der Marke Coca-Cola die weitere Verwendung des Wortes „Coca“ in ihrem Namen untersagen, weil diese dem schlechten Image der Koka-Pflanze nicht entgegen gewirkt habe.

Also, wirklich. Wie bekloppt ist das denn? Ich glaube, die Bolivianer haben echt ein bisschen zu viel von ihren Pflanzen genascht, anders kann ich mir diesen Schwachsinn nicht erklären. Oder sind die vielleicht von Pepsi bestochen worden? Hey, wer weiß das schon?

Und zum Abschluss noch ein kleines Lied:

The stars will always shine,
the birds will always sing,
as long as there is thirst
there’s always the real thing.
Coca-Cola
is always the One.
whenever there is fun,
there’s always Coca-Cola.

Donnerstag, 15. März 2007

Physik-Nachhilfe

Der diese Saison ausgefallene Winter hat nun endgültig bei den Menschen die Alarmglocken schrillen lassen. So vergeht mittlerweile kaum mehr ein Tag, an dem die Worte Klimawandel und Energiesparen nicht in den Medien auftauchen.

So veröffentlicht der WDR auf seiner Homepage ein Interview mit dem Wuppertaler Klimaforscher Dr. Claus Barthel, der ein wenig über Stromfresser im Haushalt referiert. Eingeleitet wird das Interview mit einem Absatz, der in seinem Abschluss die Behauptung in den Raum stellt,

Ein durchschnittlich ausgestatteter Computer verbraucht im Normalbetrieb gut 200 Watt Strom pro Stunde.

Ich frage mich jetzt, wer hat denn da in Physik nicht aufgepasst? Oder kann man auf technische Themen Redakteure ansetzen, die selbst keine Affinität zur Technik haben und demnach in der Schule Physik bei erstbester Gelegenheit abgewählt hatten?

Hier eine kleine Korrektur: Leistung wird in Watt angegeben und ist definiert als Energie pro Zeit. Ein Watt entspricht dabei 1 Joule pro Sekunde. Ein durchschnittlich ausgestatteter Computer hat im Normalbetrieb demnach eine Wirkleistung von 200 Watt, er nimmt also in einer Stunde 720 Kilojoule (kJ) Energie auf. Wenn man diesen Computer dann eine Stunde lang eingeschaltet gelassen hat, hat er er demnach durchschnittlich 200 Wattstunden (Wh) Strom verbraucht, was übrigens 0,2 Kilowattstunden (kWh) entspricht, von denen eine bei den Energieversorgern im Schnitt 14 Cent kostet. Eine Stunde Computerbetrieb kostet also ungefähr 3 Cent.

Oder, um es kurz und knapp zu sagen: Watt pro Stunde ist eine Größenangabe, die keinerlei Sinn ergibt.

Update (16:46 Uhr): Auch wdr.de ist lernfähig. Die entsprechende Passage des Beitrags wurde mittlerweile komplett umformuliert.

Mittwoch, 14. März 2007

Toleranski

Ich kann mich an meinen Sexualkundeunterricht in der Schule kaum erinnern. Das mag in erster Linie daran liegen, dass ich im außerschulischen Leben einfach viel mehr zu diesem Thema „gelernt“ habe als mir meine Biologie-Lehrer jemals hätten beibringen können. Ich erinnere mich jedoch, dass AIDS während meiner Schulzeit gerade ein Thema wurde und vor allem während der Oberstufenzeit das Safer-Sex-Konzept in den Vordergrund gerückt wurde.

Es gab bei weitem nicht so viele Homosexuelle wie heute… Nein, falsch. Es gab bei weitem nicht so viele, die sich als Homosexuelle geoutet haben, wie heute. Aber in dieser Zeit wurde ein Großteil dessen eingeläutet, was uns heute einen offeneren Umgang mit der Thematik ermöglicht, so dass auch gestandene Politiker sich öffentlich zu ihrer „Andersartigkeit“ bekennen können, ohne dabei gleich ihre Karriere aufgeben zu müssen. Ich finde das gut.

Roman Giertych nicht. Roman Giertych ist Bildungsminister in Polen. Und es ist ihm ein dermaßen großer Dorn im Auge, dass es so etwas wie gleichgeschlechtliche Liebe (insbesondere die auf körperlicher Ebene) gibt, dass er sich in den letzten Tagen in sein stilles Kämmerlein gesetzt und ein Gesetz aufgeschrieben hat, das den Homosexuellen – zumindest denen im Staatsdienst – den Garaus machen soll.

Wenn auf einem Plakat einer AIDS-Aufklärungskampagne zwei Männer zu sehen sind, die sich küssen, sprich Herr Giertych von „homosexueller Propaganda“. Sieht das polnische Familienbild in Gefahr, welches doch laut polnischer Verfassung vom Staat geschützt werden soll, und sich selbst aus diesem Grund in der Pflicht, das Thema Homosexualität vor allem aus den Schulen zu verbannen, wo die leicht zu beeinflussenden Jugendlichen für „homosexuelle Agitation anfällig sein könnten“. „Hier haben wir die Anleitung dafür, wie Homosexuelle Sex treiben.“ Der Unterton ist deutlich herauszulesen; als sei es das Widerlichste der Welt, auf einer Stufe mit Raub, Vergewaltigung oder gar Mord.

Wird Giertych sich durchsetzen können – und nach polnischen Beobachtern spricht vieles für die erforderliche Mehrheit im polnischen Parlament – werden in Zukunft an den Schulen alle Publikationen und sämtliches Aufklärungsmaterial über homosexuelle Beziehungen unter Strafe gestellt. Lehrer, die versuchen, ihre Schüler gesundheitlich aufzuklären und dabei auch Homosexualität thematisieren, sollen entlassen werden dürfen. (Warum nicht gleich gehängt?) Als könne man Homosexualität komplett auslöschen, wenn man sie wegtabuisiert.

Das wird aber nicht funktionieren. Das sagt allein der gesunde Menschenverstand. Genausowenig wie Gesetze Straftaten verhindern, wird er Polen mit seinen Ideen komplett heterosexuell machen können – auch, wenn das jetzt ein ziemlich beknackter Vergleich ist. Er wird es aber schaffen, dass homosexuell veranlagte Jugendliche mit ihren Problemen zukünftig alleine dastehen werden. Aufklärung Fehlanzeige. Aufzeigen gesundheitlicher Risiken Fehlanzeige.

Während hierzulande gerade in diesen Tagen wieder vermehrt das Thema AIDS-Aufklärung in den Fokus rückt und demnächst wieder vermehrt in die Öffentlichkeit getragen werden soll, plant Polen den Schritt in das Mittelalter. Ich bin mal gespannt, was die polnischen Politiker sagen, wenn die doch ach so schutzbedürftigen polnischen Familien mittel- bis langfristig ausgedünnt werden, weil Familienväter mit homo- oder bisexueller Neigung dem HIV-Virus wie die Fliegen zum Opfer fallen.

Wenn Giertych bei diesem Thema im selben Atemzug davon spricht, er sei für Toleranz, wirkt das ganze nur noch wie absurdes Kasperletheater. Aber seit dem deutsch-polnischen Kartoffel-Eklat wundert mich bei dem Staat jenseits der Oder überhaupt nichts mehr…

Sonntag, 4. März 2007

Das Nadelöhr

Ihr erinnert euch vielleicht noch an meinen Beitrag über die vorgeschriebene Fahrtrichtung in einer Baustelle, die in die Baugrube führen würde, falls man sich daran hielte? Ich weiß ja nicht, wer genau für die Planung von solchen Baustellen verantwortlich ist (Bauleiter? Bauaufsicht? Ordnungsamt? …), aber wer auch immer das macht, hat an genau dieser Baustelle erneut sein Händchen für grenzenlose Schwachsinnigkeit bewiesen.

Ich erläutere mal etwas näher die Topographie dieser Stelle: Wir haben hier an dieser Stelle eine vierspurige Straße ohne Mittelstreifen, wobei die beiden mittleren Spuren mit Straßenbahngleisen versehen sind und durch einfache Sperrstreifen dem Autoverkehr vorenthalten werden. In besagter Kurve, wo man nun nicht mehr geradeaus in die Spielstraße abzweigen kann, wozu man aber gemäß der Beschilderung eigentlich verpflichtet wäre, verengt sich das ganze nun auf zwei Spuren. Aus jeweils einer Straßenbahnspur und einer Autospur wird eine gemeinsam genutzte Fahrspur – und das für beide Richtungen. Dieses Verjüngungsgeraffel ist dabei nicht vor, sondern ziemlich genau in der Kurve. Die endgültige zweispurige Straßenbreite ist also streng genommen erst hinter dem Ende der Kurve.

Nun geht es Baustellenmäßig an dieser Stelle demnächst in die richtig heiße Phase (die Straßenbahn soll komplett saniert und runderneuert werden), und erste, nein… zweite Vorboten sind jetzt die ersten Baustellen auf der anderen Straßenseite, unter anderem auch in dieser Kurve, direkt gegenüber dem schon seit einem halben Jahr bestehenden Loch. Es wird also enger. Fragt sich nur: Enger als was? Enger als vier oder enger als zwei Spuren?

Die aufgestellte Baustellenampel offenbart: Es wird scheinbar so eng, dass man nur noch in einer Richtung zur selben Zeit die Stelle passieren kann. Als ich jedoch bei meinem ersten Kontakt mit dieser neuen Situation vor Ort dort lang fahre, sehe ich verwundert, dass erstens die Ampel für die Gegenrichtung keine fünf Meter weiter steht, und zweitens der Abstand zwischen mir und dem linken (ja, tatsächlich näher als sonst gerückten) Straßenrand locker für einen Linienbus ausreichte. (Und ich fahre keinen Fiat Panda oder Smart.)

Nun, es ist nicht gerade so, dass ich jetzt nachts deswegen nicht mehr schlafen könnte, aber immer, wenn ich fortan diese Stelle mit dem Auto passiere, frage ich mich doch, was für ein krankes Hirn sich solch einen Unsinn ausdenkt. Oder wurde unsere Stadt klammheimlich in Schilda umbenannt?

Montag, 12. Februar 2007

Déjà-vu auf Sächsisch

Ich wusste schon genau, warum ich in meinem Beitrag über die italienischen Hirnamputierten, die es zu verantworten haben, dass der italienische Fußball jetzt weitestgehend vor leeren Stadion-Rängen stattfindet, nicht mit dem schadenfrohen Zeigefinger in Richtung mediterranen Stiefel gezeigt habe. Es war so klar wie der winterliche strahlende Himmel, dass Gleiches durchaus auch in unseren Landen passieren könnte und früher oder später passieren wird. Traurig genug.

Klar war mir allerdings nicht, dass es so schnell passieren würde. Kaum, dass der italienische Fußball nicht mehr Tagesthema in der internationalen Presse ist, fühlten sich deutsche Hooligans aus Leipzig dazu berufen, es ihrerseits den italienischen Gesinnungsgenossen gleichzutun und im Rahmen eines Ligaspiels des 1. FC Lokomotive Leipzig gegen Erzgebirge Aue am vergangenen Wochenende das Umfeld des Leipziger Stadions in Kriegsgebiet zu verwandeln.

Schlimmer noch: Wären es doch nur die Hooligans gewesen. Aber wie mittlerweile berichtet wird, haben auch „normale“ Fans in die Treibjagd der Hooligans auf zunächst die Busse der Gästefans und später die sie schützenden Polizeibeamten mit lautstarken Hassparolen eingestimmt. Und schon wieder wird damit das Bild des rechtsradikalen Ex-DDRlers im Rest der Republik gefördert und gefestigt. Bärendienst! Super.

Noch haben sich einschlägige Personen unserer Bundesregierung nicht zu diesem Vorfall geäußert – zumindest habe ich bisher noch nichts diesbezüglich lesen können. Aber ich wette, es dauert nicht lange, bis unser prominentester Rollstuhlfahrer schärfere Gesetze und umfassendere Überwachungsmaßnahmen vor dem Hintergrund der Leipziger Kriege fordert.

Angenehm war es für mich dann aber, zu erfahren, dass es doch noch intelligente Wesen in diesem Staat gibt, die die Problematik zunächst einmal an anderer Stelle suchen und auch finden. So hat sich Professor Gunther Pilz, Sport-Soziologe an der Uni Hannover, heute auf WDR 2 zu dem Thema geäußert.

Androhung von Strafen bringen nur bedingt etwas, es muss mehr Geld und Arbeit in die Prävention, wie Ausbildung von Fan-Beauftragten und Fan-Projekte, gesteckt werden, so Prof. Pilz […]

Er prangerte in dem Gespräch gleichsam an, dass gerade im Osten Deutschlands, wo der Anteil rechtsradikaler Fußballfans überdurchschnittlich hoch ist, die finanziellen Mittel für die Fan-Betreuung zunehmend gestrichen werden.

Ist das wahr? Da „drüben“ (die Mauer im Kopf ist noch lange nicht weg) hauen sich die Neofaschisten gegenseitig und im Kampf mit der Polizei die Schädel ein und gleichzeitig stellen die Vereine die finanzielle Förderung von nachweislich dem entgegen wirkenden Maßnahmen ein? Bärendienst! Super.

Donnerstag, 1. Februar 2007

Tunnelblick

Die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten ist eine Gerade. Hab ich aus dem Mathe-Unterricht behalten. Auf den Bereich des Straßenbaus angewendet bedeutet das so viel wie: Wenn für die kürzeste Verbindung was im Weg liegt, kann man einen Tunnel… äh, ja was denn nun… bauen? Oder graben?

Straßentunnel begegnen einem vorzugsweise in hügeligem Gelände. Zum Beispiel in den südlicheren Gerfilden unserer Republik. Unter nem Kilometer läuft da nix. Aber auch hier in Nordrhein-Westfalen sollen schon so manche Straßentunnel gesichtet worden sein. Sogar im Ruhrgebiet. Durch den auf der A40 in Bochum-Grumme auf der Höhe der Abfahrt Ruhrstadion fahre ich jeden Tag mindestens ein, meist auch zwei Mal.

Herne, oder gar Wanne-Eickel, wo ich wohne, hat keinen Tunnel. Bis auf die Kohlehalden in der Nähe des Kraftwerks und der Abraumhalde an der Wakefieldstraße gibt’s hier ja auch keine Berge. Einen großen Bahnhof hat Wanne-Eickel dafür. Der galt zusammen mit der Güterabfertigung so in den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts sogar als der größte Bahnhof Europas. Entsprechend großflächig ist im Bahnhofsbereich daher auch das Schienennetz. Ihr versteht nur Bahnhof? Wo ich doch eigentlich von Tunneln schreiben wollte?

Da gab es vor kurzem auf der A40 eine kleine Baustelle. Genau in oben erwähntem Tunnel. Nichts Großartiges. Die Fahrspuren wurden ein wenig verengt, damit der Seitenstreifen im Tunnel sicherheitshalber breit genug ist für die Arbeiten, die dort durchgeführt wurden. Um nämlich die Sicherheit in Tunneln zu verbessern, hat das Land NRW eine Reihe von Tunneln auserkoren, die umgerüstet werden sollen. Im Rahmen dieser Umbauarbeiten wurde Leuchtzeichen und Notruftelefone installiert. Zumindest ist es das, was man nach Abschluss der Arbeiten am deutlichsten an Neuem erkennen konnte.

tunnel226a.jpgNaja, und dann fahre ich kürzlich so in Wanne-Eickel die Dorstener Straße entlang und komme unter der Brücke durch, die unweit vom Hauptbahnhof noch ein paar Ausläufer der Rangiergleise über die Straße führt und entsprechend breit ist. Die Seitenwände der Unterführung sind vor kurzem neu dekoriert worden. Ihr habt’s erraten: Mit Sicherheitsleuchten, wie man sie aus Tunneln kennt. Ein entsprechender Artikel in der Lokalzeitung gibt dann letzte Gewissheit: Das Ding wird tatsächlich als Tunnel geführt!

tunnel226.jpgDas muss man sich mal vorstellen: Eine hundert Meter breite Unterführung (in Worten: 100!) ist von irgendeinem beamteten Sesselpupser als Tunnel klassifiziert worden – wahrscheinlich, weil irgendeine bekloppte Richtlinie dazu führt, dass alle Straßen mit Deckel, die länger sind als achtundneunzig Komma vier-sieben-sechs Meter, eben als Tunnel zu gelten haben. Die Folge: Der Unterbau der Brücke (was anderes ist das in meinen Augen nicht) muss jetzt entsprechend der EU-Sicherheitsvorschriften, die nach diversen Tunnelunglücken immer wieder verschärft worden sind, umgebaut und an eine Tunnel-Leitzentrale, die jetzt in Hamm sitzt, angeschlossen werden.

Auch ne Möglichkeit, Steuergelder zu verbraten. Aber dafür fühle ich mich jetzt super-sicher und behütet, wenn ich mit meinem Auto innerhalb von 6,1 Sekunden diesen Tunnel passiere.

Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: