Im Lokalteil meiner Tageszeitung wird heute von einer erfolgreichen Sicherstellung von Schmuggelware berichtet*. Acht Millionen Glimmstängel, das sind vermutlich 400.000 Schachteln beziehungsweise 40.000 Stangen Zigaretten, konnten sichergestellt, und zwei „Lagerarbeiter“, die laut Zeitung „Inder mit britischem Pass“ sein sollen, festgenommen werden. Herzlichen Glückwunsch.
Es wird aber auch gleichzeitig erwähnt, dass unser Ruhrgebiet zunehmend zu einem Umschlagplatz für Schmuggelware wird. Immerhin habe das Zollfahndungsamt Essen dieses Jahr bisher schon so viele Schmuggel-Kippen beschlagnahmt wie im kompletten Jahr zuvor. Schlussfolgerung also: Es muss was dagegen unternommen werden.
Aber doch nicht so:
Die Ermittler des Zolls gehen davon aus, dass es sich bei den festgenommenen Briten nicht um Einzeltäter handelt. „Solche Geschäfte brauchen eine ganz bestimmte Logistik. So wie sich der Sachverhalt darstellt, stecken wahrscheinlich ganz andere Leute dahinter“, sagte [der Sprecher des zuständigen Zollfahndungsamtes Essen,] Schulze.
Dann war das ja richtig ausgefuchst vom Zoll, die erfolgreiche Aushebung von zwei Botenjungen an die große Glocke zu hängen und in der Zeitung (und im Internet) zu veröffentlichen. Denn die „ganz anderen Leute“, die „dahinter stecken“ sollen, lesen die WAZ bestimmt nicht und sind demzufolge jetzt auch gar nicht gewarnt.
Du meine Güte, da werden viel belanglosere Dinge von den Ermittlungsbehörden unter Verweis auf laufende Ermittlungsverfahren totgeschwiegen, und hier wird ein Fahndungserfolg an die große Glocke gehängt, der gar keiner ist, denn die Drahtzieher laufen schließlich immer noch frei herum und suchen sich jetzt einfach eine neue Lagerhalle und neue indische Briten.
*) Ich spare mir den Link auf die Meldung im Netz, weil die in drei Tagen eh wieder verschwunden sein wird. Das Meldungsarchiv der WAZ, insbesondere der Lokalredaktionen, ist wirklich nur was für Masochisten.