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Freitag, 8. Dezember 2006

Pressemitteilung Nr. 105/02

Beckstein: „Killerspiel-Verbote ohne Sicherheitswert, die legale Computerspieler diffamieren“

„Der Entwurf aus den Ländern zum geplanten Killerspiel-Verbot ist unübersichtlich, in Teilen sogar unverständlich und enthält unvertretbare Belastungen für Computerspieler, Sportschützen und Programmierer sowie für Behörden. Vor allem lässt sich damit nicht die Innere Sicherheit erkennbar verbessern. Dieses pauschale Misstrauen gegenüber legalen Computerspielen, insbesondere von Strategie- und Kriegsspielen, ist vollkommen verfehlt und absolut inakzeptabel. Gerade illegale und auch legale Schusswaffen haben doch eine immer größere Bedeutung bei Straftaten, sind also das weit größere Problem für die Innere Sicherheit. Vor allem für den Missbrauch von (zum Teil auch legalen) Schusswaffen insbesondere durch Jugendliche gibt es ein ganzes Bündel anderer Ursachen als sogenannte Killerspiele. Dazu zählt etwa der unkontrollierte Zugang zu Waffenschränken der Eltern und die Beschäftigung mit sogenannten Schützenfesten, die in lebensverachtender Weise Todeshandlungen an Tieren simulieren. Bayern wird deshalb die Neuregelung zum Killerspiel-Verbot in der derzeitigen Planung ablehnen,“ kritisiert Bayerns Innenminister Dr. Günther Beckstein die Gesetzesplanung.

Der Entwurf der Länder zum Verbot der Killerspiele bestand zwar hauptsächlich aus bayerischen Forderungen wie etwa die, dass eine strafrechtliche Erlaubnis bei gewaltverherrlichender Darstelleung nicht mehr erteilt wird oder den künftig erforderlichen Altersnachweis beim Kauf von Computerspielen sowie schärfere Regelungen für die sichere Aufbewahrung von Software allgemein. Als zwingend notwendige Änderungen des Länderentwurfes nannte Beckstein unter anderem:

  • Das neu vorgesehene Verbot von First-Person-Shootern muss unterbleiben. Es stellt aus bayerischer Sicht eine sachlich nicht gerechtfertigte Verschärfung dar. Die Bestimmung würde Unfrieden in die Spieleszene tragen und insgesamt der Spieler-Community schweren Schaden zufügen.
  • Auch die neu eingeführte zusätzliche Prüfung des Bedürfnisses für alle in Besitz eines Clanspielers befindlichen Computerspiele bei einem Antrag auf Erwerb eines weiteren Spiels ist sicherheitsrechtlich unnötig und bedeutet für alle Beteiligten einen unvertretbaren Mehraufwand.
  • Computerspieler müssen auch künftig Programme erwerben und besitzen dürfen, die nach dem Schulrecht zum Unterricht nicht zugelassen sind. Es handelt sich dabei um Spiele, die aufgrund ihrer geringeren pädagogischen Wirkung zwar nicht zum Lernen, aber bisher unproblematisch zum Zeitvertreib und Abreagieren verwendet wurden.
  • Zur Reduzierung unnötiger Belastungen für den Computerbesitzer und auch für die Verwaltung ist es weiterhin notwendig, etwa auf die obligatorische periodische Überprüfung des Bedürfnisses 3 und 6 Jahre nach Erteilung spielerechtlicher Erlaubnisse zu verzichten, das Mindestalter für den Umgang mit geprüften Lernprogrammen von 10 auf etwa 4 Jahre zu senken sowie erleichterte Regelungen für Angestellte der IT-Branche zur Inbetriebnahme eines Internetzugangs im Zusammenhang mit öffentlichen Veranstaltungen zu schaffen.

Naja, oder so ähnlich.

Mittwoch, 29. November 2006

Dihydrogenmonoxid

Umfragen sind eine feine Sache. Statistiken auch. Man kennt ja die Lebensweisheit „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“. Im Grunde besagt diese Weisheit nur, dass man die Ergebnisse statistischer Erhebungen immer korrekt aber doch den eigenen Interessen entgegenkommend präsentieren kann.

Umfragen verhalten sich da ganz ähnlich. Eigentlich sind Umfragen sogar noch schöner, weil man da nicht gezwungen ist, harte Fakten auszuwerten und in eine dem eigenen Ansinnen genehme Form zu bringen, sondern man hat die direkte Möglichkeit, schon bei der Fragestellung eine Meinung zu bilden, die dann nur noch abgerufen und aufgeschrieben werden muss.

Beispiel gefällig? Stellt euch vor, ihr macht einen Einkaufsbummel und plötzlich steht ein Mensch mit Klemmbrett vor euch und stellt euch, nachdem er sich vorgestellt und erzählt hat, was er macht, folgende Frage: „Unsere Umwelt is durchsetzt von Dihydrogenmonoxid. Wo man nur hinsieht, überall findet man dieses Zeug. Selbst in Babynahrung kann es nachgewiesen werden. Jeder Mensch nimmt täglich beträchtliche Mengen davon zu sich. Sind Sie für ein Verbot von Dihydrogenmonoxid?

Mal ganz ehrlich: Was würdet ihr antworten? Okay, wenn ich schon derart auf der Lauer liegend nachfrage, werdet ihr natürlich sofort stutzig, aber mal ganz objektiv betrachtet, tendiert doch wohl jeder Nicht-Chemiker sofort dazu, ein solches Verbot zu befürworten. Und wie verhielte sich das ganze, wenn man in obiger Frage einfach nur das Wort Dihydrogenmonoxid durch Wasser ersetzte? Na klar, kein Mensch würde Wasser verbieten wollen.

Jetzt dürft ihr drei Mal raten, was Dihydrogenmonoxid für eine chemische Verbindung ist… aber die ersten beiden Male zählen nicht!

Anderes Thema… Am 23. und 24. November, also drei Tage nach dem Amoklauf des Sebastian B. in Emsdetten, der eigentlich kein Amoklauf war, hat das Forschungsinstitut Forsa im Auftrag des Stern eine Umfrage durchgeführt. Die Befragten sollten angeben, ob ihrer Meinung nach „‚Killerspiele‘, wie sie auch der Amokläufer von Emsdetten nutzte, für die zunehmende Gewalt an Schulen mitverantwortlich sind“. Ich denke, man kann sich an seinen zehn Fingern abzählen, wie das Ergebnis ausgefallen ist. Darum wiederhole ich diesen Schwachsinn hier auch nicht — der geht eh schon wieder viel zu medienwirksam durch die Presse.

Ich bin mir aber sicher: Frage anders formuliert, zeitlich anderer Zusammenhang — und schon sähe das Ergebnis komplett anders aus.

Geht doch mal in die nächste Fußgängerzone, greift euch wahllos ein paar Leute heraus, die euch über den Weg laufen und stellt ihnen folgende Frage: „Sind Sie der Meinung, dass Computerspiele, bei denen Geiseln aus der Gewalt von Terroristen befreit werden müssen, die Sozialkompetenz von Oberstufen-Schülern fördern und bei deren Aggressionsabbau mithelfen können?“ Ich wette, auch hier würden 72 Prozent der Befragten mit „Ja“ antworten. Das ist ja ein Ding…

Ich wiederhole es aber gerne noch einmal: Wann fangen die Leute (und allen voran die Medien!) endlich an, sich mit den Ursachen des Emsdettener Amoklaufs statt mit den Symptomen zu beschäftigen? Hat irgendwer von denen, die lautstark das Verbot von „Killerspielen“ fordern, eigentlich schonmal Sebastian B.s Abschiedsbrief gelesen?

Montag, 27. November 2006

Frühstücksfleisch

Von Heise Online:

Europa leidet immer noch unter illegalen Online-Aktivitäten aus EU-Mitgliedsstaaten und Drittländern, obwohl geltende EU-Vorschriften Spam verbieten. Zu diesem Fazit kommt die EU-Kommission in einer Mitteilung […]

Ach!

Mittwoch, 22. November 2006

R.A.C.H.E.

Ist euch eigentlich bei der ganzen Diskussion um die so genannten First-Person-Shooter (von Politikern derzeit gerne als „Killerspiele“ tituliert) etwas aufgefallen? Noch am Anfang der Woche, als die Ereignisse noch frisch waren und das Entsetzen groß, wurden in den Medien beispielhaft kurze Auszüge aus seinem im Internet veröffentlichten Abschiedsbrief gebracht. Sehr kurze Ausschnitte, denn Sebastian B, der Amokläufer von Emsdetten, hatte viel mehr zu sagen als die beiden kurzen Sätze, die in den meisten Artikeln zitiert wurden.

Schon am Montag wollte ich mir eigentlich ein genaueres Bild machen und begab mich auf die Suche nach diesem Brief. Gefunden hatte ich nichts. Mittlerweile habe ich erfahren, dass seine Videos und der Brief wohl schon gelöscht waren. Warum?

Diese Frage stellen sich mittlerweile immer mehr. Selbst Bild.de (die Online-Ausgabe der Bild) hat in der Zwischenzeit zumindest Auszüge aus diesem Text veröffentlicht — dummerweise mit redaktionell hinzugefügten Hervorhebungen, um mal wieder Meinungen zu bilden. Eine vollständige Version habe ich mittlerweile auch gefunden. Angeblich rekonstruiert von Bekannten und/oder Verwandten, die nach der Löschaktion den Text noch in Caches diverser Suchmaschinen gefunden haben. Auch die Videos sollen bei YouTube wieder verfügbar sein.

Tut mir einen Gefallen. Lest euch seinen Brief durch. Er zeigt nämlich vor allem, dass Sebastian B. kein „hirnloser Prolet“ war. Vieles von dem, was man da liest, ist richtig. Dummerweise sind die Schlussfolgerungen, der er daraus zieht, völlig falsch — was letztlich auch seine Tat von Montag belegt. Aber man kann ein bisschen verstehen, wenn auch nicht gutheißen, wie es so weit kommen konnte.

Also bitte: Nicht einfach den Brief löschen und totschweigen, sondern lesen und darüber reden. Und vielleicht werden dann auch die Killer-Spiel-Gegner in der Diskussion wieder etwas sachlicher.

Dienstag, 21. November 2006

Verbietet Brot

Ein kleiner Nachtrag zum vorangegangenen Beitrag.

Neueste Studien haben gezeigt, dass 85 Prozent aller Amokläufer innerhalb der letzten zwei Stunden vor ihrer Tat Mischbrot gegessen haben. Der Verband der Nudelesser fordert daher das sofortige Herstellungs- und Verbreitungsverbot von Roggen- und Vollkornbrot. Das ist Schwachsinn? Na, dann passt mal auf…

Denn jetzt werden nicht nur unkonkret und pauschal die Killer-Spiele verteufelt, sondern es gibt erste Vorstöße, sie tatsächlich verbieten zu lassen. Und das nur, weil Millionen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen diese auf ihren PCs haben. Zu dumm für diese Spiele, dass Amokläufer sie zufällig auch auf ihren PCs haben. Aber das schrieb ich ja bereits.

Der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (42) will jetzt mit einer Bundesratsinitiative ein Herstellungs- und Verbreitungsverbot von gewaltverherrlichenden Computerspielen erreichen. Zudem will er die USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle) durch staatliche Aufsichtsbehörden ersetzt wissen. Alles klar, Uwe. Kriech bitte in dein Loch zurück, aus dem du gekommen bist.

Denn was für ein Heuchler Herr Schünemann ist, wird vielleicht etwas deutlicher offenbar, wenn man sich auf der Seite des niedersächsischen Innenministeriums folgende Passage genauer ansieht:

schunemann.gif

Mitglied im Sportschützen-Club? Oh-oh… Ein Wunder, dass Herr Schünemann noch nicht ausgerastet und Amok gelaufen ist. Immerhin hätte er sogar schon eine Waffe, im Gegensatz zu den Millionen Jugendlichen, die ja nur in virtuellen Welten rumballern. Obwohl, wenn ich mir so ansehe, was er gerade vorhat — vielleicht ist er ja kurz davor…

Dienstag, 21. November 2006

Alles nur ein (Killer-)Spiel?

Schon isses wieder passiert. Ein Jugendlicher rennt, nachdem er jahrelangem Mobbing durch Mitschüler und womöglich auch Lehrer ausgesetzt war, mit Gewehren und Bomben bewaffnet sowie einen Sprengstoffgürtel tragend in seine ehemalige Schule und will aus lauter Frust über sein perspektivloses Leben „Rache“ üben. Besonders zynisch könnte man dazu anmerken: Bis hierhin ganz normal.

Denn die Art und Weise, wie jemand mit solchem Konfliktpotenzial umgeht, ist von Mensch zu Mensch verschieden und in meinen Augen zudem stark abhängig von Veranlagung und Erziehung. Und wenn das Wort schon gefallen ist: Erziehung ist nicht — auch wenn mancher Lehrer das heutzutage gerne predigt, um jegliche Verantwortung auf andere abwälzen zu können — ausschließlich Sache der Eltern. Immerhin verbringt ein Kind oder ein Jugendlicher ein Gutteil seiner Zeit außerhalb des Einflussbereichs seiner Eltern beziehungsweise im Einflussbereich der Pädagogen. Ach ja, das Wort Pädagogen sagt’s ja eigentlich auch schon. Das heißt nämlich, wörtlich übersetzt, Erzieher.

Einen weiteren Teil seiner Zeit kann ein Schüler aber auch zu Hause am Computer verbringen. Dabei liegt es in der Natur der Sache, dass die Möglichkeiten dort, bezogen auf die Frage, was man da überhaupt alles anstellen kann, zunächst einmal unbegrenzt scheinen. Und in Bezug auf den aktuellen Fall des Zivilversagers aus Emsdetten, der in seiner ehemaligen Realschule zahlreiche Personen verletzt, aber gottlob niemanden getötet hat, gab es ja auch mannigfaltige Möglichkeiten, die er genutzt hatte. Hmmm…

Da wäre zum einen der Begriff „Killer-Spiel“, der deswegen mal wieder durch die Medien geistert und eine neuerliche Diskussion aufgeworfen hat. Das ach so böse „Doom“ und das abgrundtiefböse „Counterstrike“ sollen plötzlich dafür verantwortlich sein, dass ein Halbstarker ausflippt und um sich ballert. Wer sagt denn, dass der Typ nicht auch jeden Tag Nachrichten geguckt und dort gesehen hat, wie Tausende von westlichen Soldaten die Menschenrechte teils unschuldiger Iraker oder Afghanen missachten? Wer sagt denn, dass er nicht jeden Tag die Hassparolen in der „Bild“ gelesen hat? Nein, im Zweifel sind’s immer die bösen™ Computerspiele und Gewaltvideos. Dass die eigene Gesellschaft grundsätzlich Mitschuld trägt an derartigen Problemen, darauf kommt irgendwie keiner. Das ganze Problem auf die „Killer-Spiele“ abzuwälzen ist jedenfalls zu einfach und keinesfalls ausreichend, eigentlich sogar genau der falsche Weg.

Außerdem, die Spiele „Doom“ oder „Counterstrike“ oder wie sie alle heißen (es gibt noch zig andere Titel, nur mal so nebenbei — ich kenne sie selbst nicht alle) sind bestimmt nicht nur 50 oder 100 Mal verkauft worden, auch nicht, wenn man sich nur auf Deutschland beschränkte. Es handelt sich hier um Auflagen von mehreren Hunderttausend, wenn nicht gar Millionen. Huch, da steh ich ja auch auf der Liste. Nach der Logik derer, die jetzt wieder laut nach dem Verbot solcher Spiele rufen, müssten die alle potenzielle Serienmörder, Amokläufer oder Selbstmordattentäter sein. Ich geh mal eben meine Schrotflinte absägen…

Nur, um das noch mal klarzustellen: Da rennt einer mit Waffen und Sprengstoff, deren Besitz an sich schon verboten ist, aus lauter Frust und Hass in eine Schule und ballert umher, und nur weil er zufällig — wie Millionen anderer Kiddies auch — ein paar Ballerspiele auf dem Computer hat, sind natürlich wieder die Killerspiele schuld. Leute, der Typ hat mit realen Waffen und realem Sprengstoff auf reale Menschen geschossen, hat reale Videos in einem realen Wald gedreht und mit realer Montur auf realen Fotos posiert. Hat von den Pappnasen, die jetzt wieder das Verbot dieser so genannten Killer-Spiele fordern, auch nur einer mal darüber nachgedacht, woher der Typ diese realen Gegenstände eigentlich alle hatte? Die haben bestimmt der Counterstrike-Schachtel als Gimmick beigelegen…

Zum anderen will mir gerade eine andere Sache einfach nicht aus dem Schädel. Da war doch dieser gar allzu üble Terroranschlag vor gut fünf Jahren in… wie hieß die Stadt noch gleich?… Ach ja, New York glaube ich, war’s. Mann, was hat sich seitdem unsere Welt verändert. Aber das wurde damals ja schon prophezeit. Auch bei uns wurde viel gegen den Terror unternommen. Erst Schily, und jetzt Schäuble, sorgen praktisch jeden Tag aufs Neue dafür, dass neue Gesetze erlassen werden, die unseren Staat noch sicherer machen sollen.

Mal ganz davon abgesehen, dass es nicht einmal geholfen hat, trotz Rundum-Kamera-Überwachung und trotz glasklarer Aufzeichnung der Attentäter auf Video die Beinahe-Anschläge mit Kofferbomben auf Regional-Express-Züge in Nordrhein-Westfalen zu verhindern. Lediglich die Aufklärung wurde durch die massive Einschränkung unserer Bürgerrechte um ein paar Tage verkürzt. (Oder glaubt ihr, die Polizeibehörden hätten die Täter nicht auch ohne die Maßnahmen gefasst, die seit dem 11. September 2001 vom Innenministerium eingeführt wurden?) Der Amoklauf gestern fand ebenfalls trotzdem statt.

Hat nicht Herr Schäuble selbst vor kurzem noch gesagt, er will das Internet (das ist ja auch ach so böse™!) und alle daran angeschlossenen Rechner stärker überwachen? Es hätte nicht einmal einer 132 Millionen Euro teuren Überwachungssoftware bedurft, die frei zugänglichen Webseiten ausfindig zu machen, auf denen Sebastian B. — der Emsdettener Amokläufer — in Videos Tötungen unter freiem Himmel inszeniert und auf Fotos in Kampfkleidung posiert, von den Ankündigigungen seiner gestrigen Tat in Textform ganz zu schweigen! Hat irgendeine von Schäubles Maßnahmen oder die seines Vorgängers dazu beigetragen, den gestrigen Vorfall nicht stattfinden zu lassen?

Lasst’s gut sein… das war ‚ne rhetorische Frage…

Mittwoch, 15. November 2006

Zypressenalarm (schon wieder!)

Da dachte ich doch bis vor ein paar Minuten, mich in meinen Weblog mit stinkenden Fluggästen auseinanderzusetzen würde für heute ausreichen, doch weit gefehlt! Jetzt muss ich mich doch auch noch über stinkende Bundesjustizministerinnen auslassen!

Vorratsdatenspeicherung, kennt ihr doch? Kennt ihr nicht? Keine Ahnung? Irgendjemand? Könnte daran liegen, dass der deutsche Michel sich, wie eigentlich bekannt, nicht (mehr) um die kriminellen Machenschaften der Staatsführung schert.

Also nochmal zum Mitlesen: Hinter dem Begriff „Vorratsdatenspeicherung“ verbirgt sich die Absicht, Internetdienstanbieter (neudeutsch: Provider) dazu zu verpflichten, sämtliche Verbindungsdaten (also auch solche, die zum Beispiel aufgrund einer Pauschalabrechnung, neudeutsch: Flatrate, gar nicht erfasst werden müssten) für drei, sechs oder sogar besser für zwölf Monate (warum nicht gleich 20 Jahre?) zu speichern und beliebigen Behörden (nicht mehr nur dem Verfassungsschutz und mit entsprechenden Sicherungsmechanismen wie Genehmigungen) auf Anfrage zur Verfügung zur stellen. Selbst der Privatwirtschaft soll der Zugriff auf die so verdachtsunabhängig erhobenen Verbindungsdaten gewährt werden. Allein was das für Folgen haben kann, will ich hier jetzt nicht breittreten…

Unsere allseits geliebte Bundeszypries lässt aber auch keine Gelegenheit aus, ihre Inkompetenz unter Beweis zu stellen. Jetzt ist nämlich der „Referentenentwurf zur Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung“ allgemein verfügbar, und dem ist laut Heise Online zu entnehmen, dass auch sogenannte Anonymisierungsdienste, also Dienste, die es jemandem ermöglichten, sich trotz Vorratsdatenspeicherung halbwegs anonym im Netz der Netze zu bewegen, als Internetdienstanbieter einzustufen seien (was ich zugegebenermaßen tatsächlich auch so sehe) und sie demzufolge ebenfalls sämtliche Verbindungsdaten wie ein normaler Zugangsanbieter zu speichern und abrufbar zu halten haben (was ich wiederum für hanebüchen halte).

Und dann E-Mails: Die Frau wünscht sich doch tatsächlich, dass E-Mail-Konten in Zukunft nur noch nach Identifizierung durch Vorlage eines Personalausweises (und am besten nur noch in beschränkter Zahl — jeder nur ein Kreuz — oder wie?) herausgegeben werden sollen. Dienste wie zum Beispiel von Web.de mit kostenlosen Mail-Adressen werden dann voraussichtlich der Vergangenheit angehören. Mal eben schnell eine neue Mail-Adresse bei irgendeinem Dienstleister einrichten ist dann nicht mehr. Dafür gehört dann jede Mail-Adresse einem staatlich geprüften Personalausweisinhaber. Toll.

Mal ganz ehrlich: Die Motivation dieser Frau mag ja redlich sein (was ich persönlich aber nicht glaube, dazu hängt sie meiner Meinung nach zu sehr an der Nabelschnur der Musikindustrie-Lobby), aber Ahnung von der Thematik hat die Frau nicht im Geringsten.

Wann lernt die Frau endlich, dass das Internet an der deutschen Grenze nicht zu Ende ist und die Daten dort nicht wie Schiffe vom Rand unserer Erdscheibe einfach runterfallen?

Für mich bedeutet es letzten Endes (neudeutsch: am Ende des Tages — was für ein bescheuerter Anglizismus), dass ich mir meine anonymen E-Mail-Konten bei Bedarf eben bei nicht-deutschen Dienstleistern (gibt’s Hotmail noch?) einrichten werde. (Da ich selbst Besitzer meiner Namensdomain bin, zu dem auch ein durch mich konfigurierbarer Mailserver gehört, habe ich sowieso beliebig viele — aber eben nicht anonyme — E-Mail-Adressen.) Und sollte ich mal einen Dienst benötigen, der mein Surfverhalten oder meine sonstigen Zugriffe im Internet anonymisieren soll, nutze ich halt ebenfalls entsprechende Angebote im restlichen Teil der Welt.

Dort ist die Welt zwar bei weitem auch nicht in Ordnung, aber dort gibt’s zumindest keine Brigitte Zypries — und das ist doch schon mal was…

Freitag, 27. Oktober 2006

Minority Report

Kennt jemand diesen Film (siehe Überschrift)? Jaja, ich weiß, da spielt dieser Scientologen-Schwachmat Tom Cruise die Hauptrolle. Trotzdem habe ich ihn mir mal angesehen und fand ihn so schlecht nicht. Zumindest vom Thema her. Kennt ihr nicht? Na gut, kurze Inhaltsangabe.

Der Film spielt im Jahr 2054. Mit der Hilfe übernatürlicher Wesen kann eine staatlich eingerichtete Stelle Verbrechen im Vorhinein beobachten, die erst noch begangen werden, und so den oder die Täter dingfest machen, bevor er oder sie letztendlich zuschlagen kann. Besagter Scientologe spielt nun den gescheiterten Polizisten John Anderton, der als Chefermittler in besagter Abteilung derartige Verbrechen verhindert. Bis plötzlich eines Tages dieses „Vorwarnsystem“ einen Mord anzeigt, den Anderton selbst begehen werden wird. Soviel zur Thematik…

Anderes Thema.

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Donnerstag, 12. Oktober 2006

Alltäglich

So schön kann ich nicht reimen, aber ich fand das Gedicht so klasse, dass ich es mit Erlaubnis des Urhebers mit dem Nick „HelpDesk“ gerne hierher kopiere. Gefunden habe ich es im Heise News-Forum.

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Mittwoch, 4. Oktober 2006

Ergänzung zum Computerstrafrecht

In Ergänzung zu meinem Beitrag über den Gesetzentwurf zu Computersabotage und Datenspionage möchte ich auf die Forderungen aufmerksam machen, die der Chaos Computer Club vor ein paar Tagen zu der Thematik aufgestellt hat.

Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: