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Donnerstag, 17. Mai 2007

Da muss ich doch glatt…

…meine alten Rave- und Techno-CDs aus dem Regal kramen, mich damit schonmal „in Stimmung hören“ und die Anti-Falten-Creme auftragen.

Das hätte es zu meinen Zeiten™ nicht gegeben: Die Love Parade findet in diesem und den nächsten vier Jahren tatsächlich im Ruhrpott, quasi bei mir vor der Haustür, statt. Dieses Jahr in Essen, nächstes Jahr in Dortmund, und dann folgen noch Bochum, Duisburg und Gelsenkirchen, wobei für die letztgenannten drei noch keine Strecke fest steht. In Duisburg kenne ich mich nicht aus (aus meiner Sicht ist das schon mehr Niederrhein als Ruhrpott, wenn da nicht die Hochöfen in Ruhrort wären), aber für Bochum und Gelsenkirchen hätte ich direkt Vorschläge.

In Bochum könnte man die Königsallee oder die Uni-Straße entlangraven. Die „Kö“ hätte den Vorteil, dass man bei einem Zug von Süden nach Norden in Richtung Innenstadt direkt am Bermuda-Dreieck (wie viele Nicht-Bochumer kennen das eigentlich noch nicht?) raus käme. Am wahrscheinlichsten wären aber wohl die Essener Straße und die Alleestraße. Da drängt sich die Abschlusskundgebung auf dem Gelände der Jahrhunderthalle geradezu auf.

In Gelsenkirchen bleibt eigentlich nur eine der beiden Achsen im Umfeld der Schalker Arena, das heißt die Willy-Brandt-Allee (West-Ost) oder die Kurt-Schumacher-Straße (Nord-Süd), mit der Abschlusskundgebung im alten Parkstadion.

Wie auch immer… ich kann jetzt nur noch hoffen, dass ich am 25. August von meinem Chef nicht zu Wochenendarbeit genötigt werde. Gibt’s RMB eigentlich noch? Die Musik fand ich immer noch am besten.

Mittwoch, 9. Mai 2007

Bombenfahrt [Update]

Stellt euch vor, ihr seid auf der Autobahn unterwegs. Einfach so. Vor euch taucht ein Auto mit Anhänger auf. Ihr überholt und seht, dass da auf der Ladefläche des Anhängers irgendetwas verzurrt ist, was die Form von etwas hat, was der gemeine Mensch sich unter einer Fliegerbombe oder ähnlichem vorstellt. Quizfrage: Was tut ihr?

Mit dieser Frage sahen sich nach einem Bericht im Lokalteil meiner Zeitungslektüre (daher kann ich keinen Link liefern) gestern Nachmittag wohl mehrere Autofahrer auf der Autobahn 43 konfrontiert. Sie beantworteten sie für sich, indem sie bei der Autobahnpolizei anriefen und meldeten, jemand würde auf einem Anhänger offen eine Bombe transportieren. Der Terror ist halt mitten unter uns.

Jetzt mal ganz ehrlich? Glaubt wirklich irgend jemand, ein Terrorist würde eine Bombe bauen und diese auf einem offenen(!) Anhänger festzurren, um damit auf einer der meist befahrenen Autobahnen Deutschlands zu seinem Unterschlupf oder gar zum geplanten Anschlagsort fahren? Wie krank muss man sein?

Die Auflösung des ganzen ist übrigens ganz einfach: Der Fahrer aus Bochum hatte im Norden Deutschlands ganz legal einen ausrangierten Zusatztank eines Kampfjets erstanden und wollte daraus zu Hause „einen Blumenkübel oder eine Seifenkiste“ basteln. Oder möglicherweise eine Bombe?

Nachtrag: Ich hab doch noch ein paar Links gefunden (spät, ich weiß, aber immerhin), und zwar beim WDR und den ShortNews.

Dienstag, 1. Mai 2007

Gegen Terror-Ehen

Das Thema Überwachung wird immer abstruser und kaum einer merkt’s. Nach einem Bericht auf Heise Online hat das Oberverwaltungsgericht Hamburg am 25. April die Video- und GPS-Überwachung eines Ehepaares für unzulässig erklärt, die die Hamburger Ausländerbehörde anordnen ließ, um eine mögliche Schein-Ehe aufzudecken.

Das Gericht sah dabei eindeutig die Artikel 1 und 2 unseres Grundgesetzes (Allgemeines Persönlichkeitsrecht, Recht auf informationelle Selbstbestimmung (Datenschutz)) verletzt.

Merkt ihr was? Verfassungswidrige Ermittlungsmethoden, angetrieben durch den immer mehr um sich greifenden und von 70 Prozent der Bundesbürger, die ja angeblich nix zu verbergen haben*, befürworteten Überwachungswahn, der uns doch angeblich vor dem Terror dieser Welt schützen soll.

Vielleicht habe ich ja gepennt, als in der Schule im Politikunterricht erklärt wurde, warum eine nicht nachzuweisende Schein-Ehe ein Akt des Terrors sein soll. Wer weiß das schon so genau?

*) Dazu muss ich dann doch gleich wieder ein Anekdötchen erzählen, das mir vor kurzem widerfahren ist. Ich werde auch Persönlichkeitsrechte wahren und keinen Namen nennen, obwohl ich genau weiß, dass die Person, um die es hier geht, garantiert nie in dieses Blog stolpern wird – und wenn doch, wird derjenige nach dem zweiten Artikel den Browser wieder fluchtartig schließen (so viel zum Thema Zielgruppenproblematik).

Über unsere Tochter haben wir eine andere kleine Familie kennengelernt (was ja zwangsläufig so kommt) bei der ich letzte Woche wieder kurz zu Besuch war, weil meine Tochter dort länger zu Besuch war und abgeholt werden sollte. Während ich also wartete, während meine Tochter sich Schuhe und Jacke anzog, was erfahrungsgemäß schonmal dauern kann, unterhielten wir uns so über unsere Jobs und nebenher lief im Fernsehen irgend so eine Privatsender-Nachrichtensendung. Von dort schwemmten plötzlich Bilder ins Wohnzimmer mit Hundertschaften von Polizisten, die in Baden-Württemberg Straßensperren errichteten und mit der Waffe im Anschlag oder der Hand am Halfter Fahrzeugführer auf der Suche nach dem Mörder dieser bedauernswerten jungen Bereitschaftspolizistin überprüften.

Ohne zu dieser Geschichte mit dem Polizistinnenmord jetzt eine Meinung manifestieren zu wollen, ließ ich geistesabwesend eine Bemerkung über diese Übermacht von P10s fallen, woraufhin aus Richtung des Vaters der Spruch kam: „Ich hab kein Problem damit, wenn es unserer Sicherheit dient.“ Da war es, das Stichwort. Wie ein pawlowscher Reflex entwich mir dann: „Und du hast doch bestimmt auch nichts zu verbergen?“ Das war ein Fehler.

Ich durfte mir einen Fünf-Minuten-Monolog über seine untadelige Vergangenheit anhören. Ein leeres polizeiliches Führungszeugnis (hab ich auch, aber ich weiß auch, wieviel das wert ist), keine Leiche im Keller, nie Steuerhinterziehung, immer lieb und brav. Wie gesagt: Ich wollte nur meine Tochter abholen und hatte gar kein Bock auf Grundsatzdiskussionen. Ich merkte nur kurz an, dass es ja am Ende gar nicht seine Entscheidung sei, ob er was zu verbergen habe, aber das war zu tiefgründig für ihn. Ich erntete nur Staatshörigkeit par excellence. Also forcierte ich den Aufbruch und ließ das Thema auf sich beruhen.

Ich habe ihn in diesem Zusammenhang nicht auf sein DVD-Regal aufmerksam gemacht, aus dem mich schätzungsweise 90 Prozent selbstgespritzte Tinten-Cover-Rücken anblitzten. Ich bin einfach nicht schlagfertig genug. Andererseits, ich hätte schon gerne mal wieder gesehen, wie ein Gesicht weiß wird, wenn ich mit einem Wink auf dieses Regal von Schäubles Online-Durchsuchung anfange. Aber wahrscheinlich hätte er den Zusammenhang nicht einmal kapiert.

Mittwoch, 18. April 2007

Grenzgänger

Willkommen in meinem neuen Blog. Ich bin jetzt öfter hier.

Neu? Bei über 170 Beiträgen, die bisher schon existieren?

Eigentlich ist das schnell erklärt. Vor etwas mehr als einem halben Jahr rang ich mich endlich dazu durch, dem allgemeinen Blog-Hype nachzugeben und meldete mich bei einem Dienst namens „Blogger“ an. Das war eine feine Sache. Ich konnte plötzlich Dinge, die konnte ich bis dato noch nicht. Das heißt, ich hätte es vielleicht schon gekonnt, immerhin adminstriere ich meinen Server hier schon seit fast zehn Jahren und bin immerhin für jeden Inhalt selbst verantwortlich. Aber es wäre nicht so komfortabel gewesen, „mal eben“ einen Kommentar über tagesaktuelle Ereignisse in die Netzwelt hinaus zu lassen.

Mit der Zeit wuchsen die Ansprüche. Die Vorlage wollte ein wenig aufgemotzt werden, manche Funktionalität offenbarte früher oder später ein paar Schwächen. Wenn man dann andere Tools wie Wordpress kennenlernt, werden Begehrlichkeiten geweckt. Wenn man dazu noch feststellt, dass ein Tool wie Wordpress diese Begehrlichkeiten befriedigen kann, ein „Null-acht-fuffzehn-Blog“ auf Wordpress.com aber nur einen Bruchteil des gewünschten Funktionsumfangs bietet, ist das streckenweise schon frustrierend.

Zum Glück habe ich meinen eigenen Server. Zum Glück kann der PHP und zum Glück hat der eine MSSQL-Datenbank. Ach shit… Wordpress kann mit MSSQL nix anfangen, das braucht MySQL. Wenn man einmal versucht, den Wordpress-Quelltext von MySQL an MSSQL anzupassen (ja, ich weiß, wie bekloppt muss man sein?), lernt man, wie unterschiedlich diese beiden Datenbanken insbesondere in der Unterstützung durch PHP doch sind. Ich hab das Vorhaben also sehr schnell (nach nicht einmal zwei Stunden) wieder aufgegeben.

Also noch schnell den Tarif gewechselt, damit auch MySQL zur Verfügung steht und dann ausgiebig getestet, wie gut Wordpress und der „Microsoft Internet Information Server“ IIS sich vertragen. Das war bei meinem Hoster gar kein Problem, ich kann sogar eigene Permalinks nutzen. Nur einen kleinen Fehler im Wordpress-Source, dessen offizielle Korrektur nun schon auf Version 2.3 verschoben wurde, musste ich ausbessern, sonst hättet ihr euch im Kategorien- und Monats-Archiv dumm und dämlich blättern können.

Ich hab dann nur noch mal eben schnell die Vorlage aus Blogger an Wordpress-Verhältnisse angepasst, ein wenig getunt und aufgemotzt (hat auch brutto nur gute zwei Monate gedauert) und die ganzen Beiträge aus meinem Blogger-Blog in dieses hier übertragen. Dabei habe ich auch peinlich genau auf gleiche Veröffentlichungsdaten und -zeiten geachtet. Nur die Permalinks sind nicht identisch. Aber fast.

Was ist neu? Zunächst mal kann man nun viel komfortabler im Archiv stöbern. Die Suchfunktion ist auch wesentlich besser. Offensichtlich habe ich rechts nun ebenfalls eine Sidebar. Die beiden Seitenspalten sind thematisch voneinander getrennt: Links die Links, rechts die Blog-Navigation. Ich hoffe, das ist eingängig. Ab sofort werden Trackbacks unterstützt. Das „All rights reserved“ habe ich durch eine Creative-Commons-Lizenz ersetzt. Jeder kann nun meine Artikel nicht nur kommentieren (das ging vorher schon), sondern auch bewerten. Tut das auch mal, mich interessiert selbst, wann ich in fremden Augen gut drauf war und wann nicht. Technorati scheint von diesem Blog auch endlich Pings anzunehmen. (Bei Blogger hat man da scheinbar nur Probleme, die Erfahrung haben auch andere schon gemacht.)

An alle, die selbst auch mit Wordpress bloggen: Nein, das Theme habe ich nicht aus dem Themebrowser. Ich hab mir das wirklich selbst gebastelt, auf der Basis der alten und häufig nachgebesserten Blogger-Vorlage namens „Script“. Auch das eine oder andere Plugin habe ich mir auf der Basis vorhandener etwas optimiert. Eine Liste aller genutzten Plugins werde ich aber, entgegen der scheinbar üblichen Gepflogenheiten, wohl nicht veröffentlichen.

Ach ja, wenn ihr noch Fragen habt: Fragt! Ich les hier nämlich in Zukunft auch regelmäßig mit und kann dann eure Fragen beantworten

Sonntag, 15. April 2007

Freiheit statt Angst


by ueberwachungsopfer

Seit mehreren Wochen hatte ich jetzt dieses Banner fest in mein Blog eingebaut, das auf die Informationsseite des Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung verwies, auf der für die Demonstration gegen den Überwachungswahn Werbung gemacht wurde, die gestern in Frankfurt am Main stattgefunden hat.

Ich habe diesmal auch den Arsch vom Sofa hoch bekommen und habe mich trotz des wunderschönen Wetters in den Tross der ungefähr zweitausend (in Worten: 2000) Demonstranten eingereiht. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich an einer derartigen Veranstaltung teilgenommen habe. Mein erstes öffentliches Fotoalbum habe ich dann auch gleich diesem Ereignis gewidmet.

tv-bild.jpgWirklich damit gerechnet, dass ein Bericht über diese Demo in der Tagesschau käme, hatte ich ehrlich gesagt nicht. Diesmal nicht. Dass diese Demo aber nicht die letzte sein würde, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Umso positiver hat es mich überrascht, dass zumindest das Hessen Fernsehen in seinen Nachrichten darüber berichtete. (Und ich lauf auch noch groß durch’s Bild.)

Die Frage, die sich nur im Nachhinein stellt ist die nach dem Erfolg der Aktion. Hat das Ganze etwas gebracht? Natürlich haben wir in Schäuble keine Gewissensbisse hervorgerufen, er hat nach dem „lächerlich“ kleinen Aufmarsch von nur zweitausend Menschen garantiert nicht einmal schlecht geträumt. (Die Polizei will gar nur tausend gezählt haben, ich habe aber den Lindwurm auf der Mainzer Straße gesehen - das müssen wesentlich mehr als tausend gewesen sein.)

Was also sollte das Ganze dann überhaupt? Ziel ist es in erster Linie, die Bevölkerung wachzurütteln. Es gibt leider immer noch viel zu viele, die den Standpunkt vertreten, sie hätten doch nichts zu verbergen, und der Staat wisse schon was er tue, es sei doch nur zu unserer Sicherheit, usw. Bla Bla. Obwohl ich sogar diese Argumente schon kenne und mich im Austausch mit Gleichgesinnten auf deren Erwiderung eingestellt und ein paar passende Gegenargumente gesammelt hatte, war es mir zum Beispiel nicht einmal möglich, meine Schwiegermutter davon zu überzeugen, wie fatal ihre Einstellung (sie hat genau diesen Spruch „Ich habe nichts zu verbergen“ gebracht) sein kann. Ich hatte sogar das Beispiel mit dem Polizisten gebracht, der – analog zur geheimen Online-Durchsuchung – heimlich in ihr Wohnzimmer eindringen und aufgrund einer nicht eindeutigen Kennzeichnung ihre geheimen Tagebücher lesen würde. „Wenn das zu meiner Sicherheit ist und er damit nicht bei den Nachbarn hausieren geht…“, war ihre Antwort. Meine Frau sagte mir später, ich hätte die falsche Taktik gewählt: Ich hätte genau mit diesen Nachbarn kommen müssen, also z.B. einen Beamten ins Feld führen, der die Nachbarn nach ihr ausfragt. Beim nächsten Mal dann…

Nicht nur meine Schwiegermutter zeigte mir, wie schwierig es ist, bei dieser Thematik ein offenes Ohr bei denjenigen zu finden, die mit Datenschutz, informationellem Selbstbestimmungsrecht und Datensammelwut des Staats so eigentlich gar nichts direkt zu tun haben. Letzten Endes sind es doch nur die „bekloppten paranoiden Datenschützer“, die immer wieder phantomgleich durch die Medien geistern und von irgendwelchen unsichtbaren Gefahren schwadronieren, die einfach nur lächerlich, zu weit hergeholt oder im Angesicht der erklärten Ziele hinnehmbar klingen.

plakat.jpg

Gerade auf dieser Demo mitten in Frankfurt, wo scheinbar jede Woche irgendwelche „Spinner“ für irgendeinen „Quatsch“ eine Parade abhalten (so kommt es bei denen, die in der Frankfurter „Zeil“ einfach nur ihre Einkäufe erledigen wollen, zumindest an), wurde wieder deutlich, dass das Heranführen der „Ahnungslosen“ an die Thematik alles andere als einfach ist. Während auf der einen Seite die Überwachungsbefürworter allenthalben von Terrorgefahr, Kriminalitätsbekämpfung und Kinderpornos (in heutigen Tagen das Killerschlagwort schlechthin) zu lamentieren brauchen, ist von den Überwachungsgegnern nicht „mal eben“ an der Peripherie des Demonstationszuges interessierten Passanten mit drei Sätzen zu erklären, warum Datenschutz so wichtig ist, und warum geheime Online-Durchsuchungen und Fingerabdrücke in funkenden Pässen der falsche Weg sind, weil sie in einen totalitären Staat führen.

Vor diesem Hintergrund ist auf der Demo auch einiges schief gelaufen. In den Foren der entsprechenden Bürgerrechtsbewegungen oder auf Heise Online wird zur Zeit schon fleißigst Manöverkritik geübt. Hauptsächlicher Kritikpunkt sind die unzureichende technische Anlage, die nicht einmal annähernd in der Lage war, die Masse an Teilnehmern ausreichend zu beschallen. Zusätzliche Schwächen in der logistischen Organisation taten ihre Übriges, wenn die halbwegs funktionierende Beschallungsanlage in einem Anhänger irgendwo den Weg durch die Absperrpoller der Fußgängerzone sucht und die Redner an der Hauptwache sich mit Megaphonen begnügen müssen, welche es nicht einmal schaffen, in vierter Reihe oder noch weiter entfernt stehende Demonstrationsteilnehmer – geschweige denn zufällig anwesende Passanten – mit verständlichem Schall zu versorgen.

„Freiheit statt Angst“

Vor der Paulskirche angekommen fallen mir die Unmengen an Sonnenanbetern an, die auf dem Platz gegenüber der Kirche in Massen ihre Eisbecher genießen und verwundert dreinblicken, was da denn jetzt wieder für eine Demonstration im Gange ist. Ein beherzter Griff in die Kiste mit den Informationszetteln und diese auf den dortigen Tischen verteilt hätte eine nicht unbeträchtliche Menge an Menschen für unsere Problematik gewinnen können. Antwort eines der Zettelträger: Da haben wir wohl zu wenige drucken lassen, vielleicht kann ja mal jemand Kopien anfertigen. Ach nee, schon gut, bis die Kopien fertig sind, liegt Frankfurt schon im Bett…

Wie gesagt. Ich habe mir von der Demo nicht versprochen, dass Schäuble einlenkt und sagt: „Oh, stimmt, ihr habt ja recht!“ Meiner Meinung war das Ziel, „unser“ Anliegen zu „eurem“ Anliegen zu machen. Also im Grunde dafür zu sorgen, dass bei der nächsten Demo nicht mehr zweitausend Menschen mitlaufen, sondern fünftausend. Dort wollen wir dann erreichen, dass bei der darauf folgenden Demo zwanzigtausend Menschen für ihre Bürgerrechte auf die Straße gehen. Bis irgendwann auch die Massenmedien wie die Tagesschau, die heute-Sendung, die privaten Sender, die großen Tageszeitungen und und und nicht mehr die Augen verschließen und lieber über irgendwelche Putin-Gegner in Moskau berichten können.

Denn wenn dieses Ziel erreicht ist, dann haben wir endlich die Chance, mit unserem Anliegen in den Köpfen der „bundesdeutschen Bevölkerung“ anzukommen. Und dann können wir endlich anfangen, gegen diesen Überwachungsstaat und den Weg in die Diktatur etwas zu unternehmen.

Nur meine zwei Cent…

Donnerstag, 8. März 2007

Wer klopft denn da?

Stellt euch ein Bürogebäude vor. Zwei Stockwerke übereinander, in L-Form, langgezogen. Im „Innenraum“ dieses Ls ein großer Parkplatz. Am Rand dieses Parkplatz eine urige Fichte, die direkt an der Außenmauer steht und dort pro Stockwerk je zwei Fenster verdeckt. Hinter den Fenstern in der oberen Etage sitze ich, dort ist derzeit mein Arbeitsplatz.

Das Arbeiten in dieser Umgebung ist sehr angenehm. Die Fichte strahlt eine gewisse Ruhe aus, die auch auf das Innere des Büros einwirkt. Sie schirmt vor zu starker Sonneneinstrahlung ab und sorgt vor allem auch im Sommer für ein etwas ausgeglicheneres Klima.

Seit ungefähr zwei Wochen wird diese Ruhe gestört. In regelmäßigen Abständen taucht unerwarteter Besuch auf, der von außen an die Scheibe klopft. Anfangs war das wirklich sehr irritierend. Ich war es bisher nicht gewohnt, dass von dieser Seite des Raumes her Geräusche auf mich einwirken. Vor allem nicht im Winter, wenn die Fenster die meiste Zeit geschlossen sind. Man kann das Geräusch am besten mit einem Fingernagel vergleichen, der auf einen Porzellanteller klopft.

Jedes Mal, wenn ich dieses Geräusch vernehme, geht der Kopf unwillkürlich zur Seite, um die Ursache auszumachen. Obwohl ich mittlerweile schon längst die Ursache kenne. Wie ein Reflex.

Ich will auch nicht weiter um den heißen Brei herum reden: Wer da ständig an die Scheibe klopft, ist ein kleiner Vogel. Ich bin zwar kein Ornithologe, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass das eine Meise sein muss. Ich hätte jetzt sogar behauptet, das wäre eine Schwarzkopfmeise, da sie dem entsprechenden Bild auf Wikipedia verdammt ähnlich sieht (bis auf einen weißen Streifen, den das Tier Stinktier-artig auf dem Scheitel trägt). Dummerweise behauptet Wikipedia, dass Schwarzkopfmeisen in Kanada und den USA beheimatet wären, was nun nicht gerade in der näheren Nachbarschaft liegt. Muss also was anderes sein. (Gibt’s sowas wie „Stinktiermeisen“?)

Jedenfalls hüpft das Viech die meiste Zeit fröhlich auf Höhe meines Fensters in dieser Tanne herum (könnte es eine Tannenmeise sein?) und kommt mehrmals am Tag auf einen kleinen Plausch vorbei, pickt mit dem Schnabel gegen die Scheibe und schwirrt nach mehrmaligem Klopfen wieder ab, weil ich ungastfreundlicher Blödmann einfach nicht aufmache. Als wir letzte Tage mal zu Lüftungszwecken das Fenster komplett offen hatten, ist die Meise wohl sogar kurz durchs Büro und sofort wieder raus geschwirrt. Zumindest hatte ich da kurz einen Schatten über mir gehört.

Vermutlich hat das Viech in dem Baum seine diesjährige Sommerresidenz eingerichtet. Ich hab’s auch schon in Begleitung eines seiner Artgenossen durch die Äste hüpfen sehen. Na, das wird ja spaßig. Vor allem, wenn im Sommer dann das Fenster den ganzen Tag offen steht. Ich hoffe nur, dass der Piepmatz bei einem seiner Rundflüge dann nicht auf meine Unterlagen, den Bildschirm oder die Tastatur kackt.

Sonntag, 4. März 2007

Das Nadelöhr

Ihr erinnert euch vielleicht noch an meinen Beitrag über die vorgeschriebene Fahrtrichtung in einer Baustelle, die in die Baugrube führen würde, falls man sich daran hielte? Ich weiß ja nicht, wer genau für die Planung von solchen Baustellen verantwortlich ist (Bauleiter? Bauaufsicht? Ordnungsamt? …), aber wer auch immer das macht, hat an genau dieser Baustelle erneut sein Händchen für grenzenlose Schwachsinnigkeit bewiesen.

Ich erläutere mal etwas näher die Topographie dieser Stelle: Wir haben hier an dieser Stelle eine vierspurige Straße ohne Mittelstreifen, wobei die beiden mittleren Spuren mit Straßenbahngleisen versehen sind und durch einfache Sperrstreifen dem Autoverkehr vorenthalten werden. In besagter Kurve, wo man nun nicht mehr geradeaus in die Spielstraße abzweigen kann, wozu man aber gemäß der Beschilderung eigentlich verpflichtet wäre, verengt sich das ganze nun auf zwei Spuren. Aus jeweils einer Straßenbahnspur und einer Autospur wird eine gemeinsam genutzte Fahrspur – und das für beide Richtungen. Dieses Verjüngungsgeraffel ist dabei nicht vor, sondern ziemlich genau in der Kurve. Die endgültige zweispurige Straßenbreite ist also streng genommen erst hinter dem Ende der Kurve.

Nun geht es Baustellenmäßig an dieser Stelle demnächst in die richtig heiße Phase (die Straßenbahn soll komplett saniert und runderneuert werden), und erste, nein… zweite Vorboten sind jetzt die ersten Baustellen auf der anderen Straßenseite, unter anderem auch in dieser Kurve, direkt gegenüber dem schon seit einem halben Jahr bestehenden Loch. Es wird also enger. Fragt sich nur: Enger als was? Enger als vier oder enger als zwei Spuren?

Die aufgestellte Baustellenampel offenbart: Es wird scheinbar so eng, dass man nur noch in einer Richtung zur selben Zeit die Stelle passieren kann. Als ich jedoch bei meinem ersten Kontakt mit dieser neuen Situation vor Ort dort lang fahre, sehe ich verwundert, dass erstens die Ampel für die Gegenrichtung keine fünf Meter weiter steht, und zweitens der Abstand zwischen mir und dem linken (ja, tatsächlich näher als sonst gerückten) Straßenrand locker für einen Linienbus ausreichte. (Und ich fahre keinen Fiat Panda oder Smart.)

Nun, es ist nicht gerade so, dass ich jetzt nachts deswegen nicht mehr schlafen könnte, aber immer, wenn ich fortan diese Stelle mit dem Auto passiere, frage ich mich doch, was für ein krankes Hirn sich solch einen Unsinn ausdenkt. Oder wurde unsere Stadt klammheimlich in Schilda umbenannt?

Freitag, 2. März 2007

Möchten Sie Windows löschen?

Seit gestern spinnt mein Arbeitsplatz-PC. Na super.

Obwohl der Papierkorb, also dieses verzeichnisbasierte Hilfskonstrukt für gelöschte aber physikalisch dennoch weiterhin vorhandene Dateien, leer ist, zeigt das Symbol auf dem Desktop immer noch eine nicht leere Tonne an. Windows meint also, da wäre noch was. Gebe ich nun dem Papierkorb über sein Kontextmenü den Befehl „Papiekorb leeren“, ist scheinbar eine Datei oder ein Ordner namens Windows darin. Die daraus resultierende Meldung klingt entsprechend radikal:

windel.gif

Dabei ist es aber in der Tat egal, ob ich „Ja“ oder „Nein“ anklicke, dieses doofe Windows will sich einfach nicht löschen lassen. Der Papierkorb zeigt weiterhin dieses Piktogramm für „nicht leer“ an. Das Recycler-Verzeichnis jedoch ist leer - laut Explorer, der explizite Anweisung hat, alle Dateien anzuzeigen, sich aber auch nicht immer daran hält.

Also gehe ich mit einem anderen Datei-Explorer, dem TotalCommander, der Sache auf den Grund. In der Tat, im Recycler-Ordner befindet sich noch was. Zum einen eine desktop.ini, die da aber grundsätzlich liegt und den Explorer eben davon abhalten soll, mir uneingeschränkt zu gehorchen. Zum anderen eine Datei „Info2“, die sich nicht löschen lässt und wenn man es doch versucht, sich wundersam vermehrt, indem neue Untervezeichnisse wie z.B. „DC5“ und ähnliche entstehen.

Tja, ich bin ratlos. Ich habe aber OpenOffice im Verdacht. Ich hatte nämlich gestern den Installer für OpenOffice 2.1.0 gestartet, das Setup aber nach dem ersten Dialog wieder abgebrochen. Und davor hatte sich mein Papierkorb noch nicht so zickig verhalten. Soll ich jetzt Windows löschen oder nicht?

Nachtrag: Mittlerweile habe ich den Papierkorb tatsächlich leer bekommen. Ich hatte noch ein bisschen mit dem TotalCommander experimentiert und zwischendurch nochmal „Papierkorb leeren“ gefordert. Daraufhin war er dann auch „richtig“ leer. Komisch. Die Datei „Info2“ im Recycler-Ordner ist aber weiterhin da, scheint also auch nur eine Windows-eigene Steuerdatei für die Verwaltung des Papierkorbs zu sein. Nur, wo kam nur dieses ominöse „Windows“ her, das da gelöscht werden sollte?

Montag, 26. Februar 2007

Ihr Kinderlein kommet

Familienpolitik. Ein ewiger Zankapfel. Und ich verstehe einfach nicht, warum. Weil gewisse Politiker der Meinung sind, der Grundtenor einer Partei müsse gewahrt bleiben, darf die Familienministerin aus den eigenen Reihen keine Initiativen ergreifen, die einer Sozialdemokratin würdig wären? Weil irgendwelche katholischen Priester und obendrein noch ein Bischof Meisner plötzlich kritisieren, was die katholische Kirche selbst jahrelang gepredigt und verteidigt hat? Weil die Sozialdemokraten plötzlich nicht mehr wissen, wie sie gegen solch eine Ministerin innerkoalitionäre Opposition betreiben sollen, um sich für den nächsten Bundestagswahlkampf in günstige Ausreißer-Position zu bringen?

Insbesondere das von Kurt Beck heute in Berlin vorgestellte Konzept zur Finanzierung der Betreuung von Unter-3-Jährigen erntete wieder massive Kritik, das unter anderem vorsieht, zum einen Eltern von mittlerweile erwachsenen Kindern, für die sie kein Kindergeld mehr erhalten, das Ehegattensplitting wegzukürzen (Na, die werden sich bedanken!), obwohl sie sechsstellige Geldbeträge in die Erziehung ihrer Kinder investiert haben, zum anderen Eltern, deren Kinder schon zur Schule gehen, das Kindergeld nicht zu erhöhen (also indirekt zu kürzen), obwohl sie anderweitig aufgrund des Kindesalters gar nicht mehr in den Genuss der damit finanzierten Vorteile kommen können.

Vor diesem Hintergrund konnte ich heute morgen nur noch schäl grinsen und den Kopf vor den nächsten Laternenpfahl donnern, als wir erfahren haben, dass der Kindergarten, bei dem wir unsere jetzt gut zweieinhalbjährige Tochter für dieses Jahr angemeldet hatten, eben dieses Jahr keine neuen Kinder aufnimmt. Dabei bringt mich sowohl die Begründung für dieses Vorgehen als auch der Umstand, auf welchem Wege wir das erfahren haben, so richtig in Kotzstimmung.

Begründung: Dieses Jahr stellt der Kindergarten zum ersten Mal Krippenplätze bereit, also Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren. Diese Betreuung ist zugegebenermaßen aufwändiger als die von Drei- bis Sechsjährigen, da viele von ihnen noch nicht richtig sprechen können und meist noch alle vier Stunden die Windel gewechselt bekommen müssen. Da also acht Krippenplätze eingerichtet wurden, könne der Kindergarten insgesamt nur zehn Kinder weniger als normalerweise aufnehmen. Da zum anderen aber der Kindergarten eh schon überbelegt sei, habe man sich entschlossen, dieses Jahr ausschließlich Krippenplätze anzubieten.

Na, prima! Und unsere Tochter fällt genau durch das Raster (letztes Jahr wäre sie ein Krippenkind gewesen, dieses Jahr gibt’s für sie wegen der Krippenkinder keinen Platz). Geht’s noch? Dass eine Ausweitung der Krippenbetreuung gleichzeitig eine Einschränkung der normalen Kindergartenbetreuung nach sich ziehen würde, davon hat doch wohl keiner was gesagt!

Tja, und dann noch die Art und Weise, wie wir von dieser tollen Entscheidung der Kindergartenleitung erfahren haben: Hieß es bei der schriftlichen Anmeldung, zu der wir uns sogar noch persönlich in die Räumlichkeiten des Kindergartens bemüht hatten, dass wir Anfang Februar dieses Jahres die Entscheidung mitgeteilt bekämen, ob unsere Tochter angenommen würde oder nicht, blieb eine entsprechende Mitteilung jedoch bis heute aus. Während alle Mütter aus dem Bekanntenkreis mittlerweile schon über den Verbleib ihres Prä-Kindergarten-Kindes bescheid wussten, saßen wir langsam aber sicher auf heißen Kohlen und wollten auch endlich Gewissheit haben.

Wir riefen heute also an und mussten so telefonisch von dem für uns familiären und indirekt auch finanziellen Desaster erfahren. Auf die Nachfrage, warum man uns das nicht schon längst mitgeteilt habe, kam die lapidare Antwort, man verschicke grundsätzlich keine Absagen. Wir hätten nur bei einer Zuteilung eines Platzes ein Schreiben des Kindergartens bekommen. Wie bekloppt ist das denn? Familienfreundlich sieht anders aus!

Und während ich mich damals noch bei meiner Großen gefragt habe, warum alle so ein Bohei um die Kindergartenplätze machten, weil ihre Anmeldung (allerdings in einem anderen Kindergarten, weil wir noch in einem anderen Stadtteil wohnten) überhaupt kein Problem war, habe ich mittlerweile gelernt, warum manche Eltern ihre Sprösslinge fast schon vor der Geburt und dann gleichzeitig bei sechs oder sieben Kindertageseinrichtungen anmelden. Wir haben das nicht getan, und jetzt dürfen wir bei den weiteren (auch im räumlichen Sinne) Kindergärten in der Nähe als Bittsteller an die Tür klopfen und hoffen, dass wir unsere Tochter – und nächstes Jahr unseren dann zwei Jahre alten Sohn, ich sag nur: Kinderkrippe – dort noch unterbringen können.

Sonntag, 25. Februar 2007

Zielgruppenproblem

Da gibt es so ein Blog im Netz, da wird annähernd tagesaktuell auf allem rumgehackt, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Freie Meinungsäußerung nennt der Schreiber das wohl. Die Themen sind vielfältig: Ein bisschen Politik hier, ein bisschen Medienschelte da. Dabei nimmt er genauso auf bundesweit interessante Themen bezug, wie auch auf lokal angehauchte oder gar weltweite.

Seinen Beiträgen merkt man deutlich an, dass er sich interessenmäßig eher so in Richtung Computer und IT einordnen lässt – soll ja nicht ungewöhnlich sein. Bei Leuten, die im Internet ein Blog führen, scheint das eher die Regel als die Ausnahme.

Und so nutzt er auch so manche Gelegenheit, seine Leser (wieviele auch immer das sein mögen) über aktuelle Meldungen aus dem IT-Bereich zu informieren. Freilich nicht ohne auch seinen persönlichen Kommentar dazu abzugeben, der in den meisten Fällen… nun, sagen wir mal: etwas deutlich ausfällt. Von Diplomatie hat der Typ scheinbar noch nie was gehört.

Und genau da liegt der Hase im Pfeffer. Beim Lesen seiner Beiträge wird man das Gefühl nicht los, dass die in vielen Fällen genau an die Zielgruppe gerichtet sind, die er darin nach Strich und Faden und besten rhetorisch möglichen Mitteln verunglimpft. Ziemlich bekloppt, wenn ihr mich fragt. Denn wie soll man seine Zielgruppe erreichen, wenn man sie in jedem dritten Satz vor den Kopf stößt?

Klingt schizophren, nicht wahr? Vielleicht ist der Autor das auch. Ich kann das nicht beurteilen. Nicht, weil ich ihn nicht kenne, sondern eher im Gegenteil: Ich rede von mir selbst.

Ja, mir ist das irgendwie aufgefallen, dass eine Reihe meiner Beiträge auf eine Art und Weise verfasst ist, die insbesondere den Nicht-Computer-Spezis und Internet-Laien die Technik und die damit verbundenen Problematiken des Alltags und der Rechtsprechung ein wenig transparenter machen will. Wollte ich für andere Nerds schreiben, bräuchte ich nicht zu erklären, wie das MP3-Format entstanden ist, wie es zu Cybersex im IRC kommen kann oder was ein Politiker eigentlich meint, wenn er von einem „Killerspiel“ redet. Denn aufgrund meiner Technik- und IT-Affinität rede ich vielen meiner Branchenkollegen automatisch nach dem Mund, und bräuchte denen gegenüber erst gar nicht meine Meinung kundzutun.

Stattdessen beschwere ich mich beispielsweise über Spambot-Netze, die uns tagtäglich mit unerwünschtem Werbedreck zumailen (durchschnittlich über neunzig Prozent der empfangenen Mails sind Spam, also unerwünschter Werbedreck oder Trojaner- bzw. Viren-verseuchter Müll), und mache gleichzeitig diejenigen sehr konfrontativ dafür mitverantwortlich, für deren Verständnis ich so manchen Beitrag mit etwas ausführlicheren Erklärungen anreichere. Oder kurz gesagt: Ich beleidige meine Zielgruppe.

Stellt sich nur die Frage: Warum mache ich das? Oder sollte ich lieber damit aufhören?

Als ich für mich über diese Fragen sinnierte, fiel mir spontan Till Eulenspiegel ein. Der hat seine Zeitgenossen auch ziemlich an der Nase herum- und vorgeführt. Und war dafür verständlicherweise auch nicht sehr beliebt. Genauso könnte ich argumentieren: Ich versuche, mit meinen konfrontativen Ausführungen zu Computer-DAUs (DAU = dümmster anzunehmender User) oder Staats-hörigen Bundesschafen dem Leser einen Spiegel hinzuhalten. In der Hoffnung, dass er nicht nur sich selbst darin erkennt, sondern vor allem sieht, welch hässliche Fratze (im übertragenen Sinne, wohlgemerkt!) ihm da entgegen blickt, sollte er sich wiedererkennen.

Und dass so etwas wirken kann, beweist schon die Tatsache, dass die Figur des Till Eulenspiegel uns nicht unbekannt ist. Hätte er durch dieses sein Verhalten nicht irgend etwas bei den Menschen bewirkt, wäre sein Name nicht überliefert worden. Da bin ich mir sicher.

Ob ich mit meinen Ausführungen etwas bewirken kann? Natürlich hoffe ich das, sonst würde ich es ja nicht tun. Aber ich bin auch kein Till Eulenspiegel. So viel weiß ich dann auch noch. Nichtsdestotrotz – oder gerade deshalb – werde ich so weiterbloggen wie bisher. Konfrontativ, vor den Kopf stoßend, polemisierend. Es ist meine Chance, Frust über Dinge abzulassen, die ich scheinbar nicht ändern kann, aber gleichzeitig eure Chance, von den Erfahrungen eines Computer-Freaks zu profitieren, der manche Dinge eures Alltags interessenbedingt aus einer etwas anderen Perspektive wahrnehmen kann. Und da normalerweise jeder Blogger schreibt, damit andere das lesen, hoffe ich auch, ihr nutzt eure.

Ein Blick in den Spiegel kann nie schaden, um eine erweiterte Sichtweise von den Grundmechanismen des Lebens oder unserer Gesellschaft zu erhalten. Dies war meiner.

Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: