Freitag, 18. Januar 2008
Solidarität
Ich wohne ja mitten im Ruhrgebiet. Ja, Wanne-Eickel, um genau zu sein, diese nicht mehr eigenständige weil jetzt zu Herne gehörende Stadt, deren Name neben dem von Castrop-Rauxel (das liegt genau an der gegenüberliegenden Stadtgrenze Alt-Hernes) am häufigsten als Synonym für den Ruhrpott herhalten muss. Von hier bis Bochum-Riemke sind das schätzungsweise drei Luftlinienkilometer. Und als hätte man als in Bochum geborener Wanne-Eickeler diese ungeschriebene Verpflichtung, fahren wir einen Opel und nutzen Handys der Marke Nokia.
Ich muss jedoch zugeben, dass das nicht ganz die Situation wiedergibt, denn eigentlich ist mein Nokia-Gerät noch ein „5110“ (das ist irgendwann vor meiner Geburt mal verkauft worden) und lebt nur deshalb noch, weil es in einer fest eingebauten Freisprecheinrichtung steckt. Aber meine Frau hat noch ein recht aktuelles Gerät. Sofern man noch von aktuell reden kann, wenn das Teil schon zwei Jahre alt und bei Anschaffung schon nicht mehr Stand der Technik war.
Womit wir beim Punkt sind: „Zwei Jahre“ bedeutet, es steht eine Vertragsverlängerung samt obligatorischem Modellwechsel an. Tja, was soll ich sagen? Muss ich es noch sagen? Ich weiß jedenfalls seit Dienstag, welcher Marke das neue Gerät nicht sein wird.
Süß auch die Herren Politiker, zum Beispiel der Herr Seehofer, wie auf Tagesschau.de zu lesen:
Aus „Protest gegen die Pläne“ gab der Minister sein Handy des finnischen Herstellers ab. „Aus Solidarität mit den Arbeitnehmern muss man solche Signale setzen.“
Na klar, setzen wir alle zusammen solche Signale. Also klinkt sich auch der Opelsche Betriebsratsvorsitzende Einenkel in die Diskussion ein und sagt:
Bei einem Aktionstag der Nokia-Beschäftigten werden die 2300 Mitarbeiter nicht allein sein: Die Belegschaft von Opel, über 6000 Kollegen, wird dann zu ihnen stoßen. Das sicherte Rainer Einenkel, Betriebsratsvorsitzender der Bochumer Opelwerke, am Mittwoch zu. Und bekräftigte der WAZ gegenüber: „Dann werden wir keine Autos bauen. Wir werden da sein, wo unser Platz ist: am Werkstor von Nokia, bei den Kollegen.“
Wobei ich mich spontan frage: Was soll das bringen? Okay, als diese Frage in mir keimte, hatte ich nicht mehr gewusst (oder verdrängt), dass wohl die Nokia-Belegschaft damals, als es um die Schließung des Bochumer Opel-Werks ging, ebenfalls solidarisch mit auf die Straße gegangen ist. Trotzdem halte ich das für verkehrt. Schließlich ist schon seit Dienstag, spätestens aber seit gestern mehr als offensichtlich, dass das Schicksal des Bochumer Nokia-Werks unumstößlich ist. Bei Opel sah das damals zumindest aus meiner Sicht noch anders aus.
Da haben die Opelaner mit Müh und Not und schmerzhaftem Aderlass es endlich geschafft, dass der Produktionsstandort Bochum über das Jahr 2010 hinaus erstmal gesichert ist, und jetzt wollen die aus falsch verstandener Solidarität für eine Sache eben dieses Ergebnis wieder gefährden, weil sie für eine Sache auf die Straße wollen, für die ihr Arbeitgeber überhaupt nicht verantwortlich ist? Sorry, kann ich nicht nachvollziehen …
Wir haben doch noch die Politiker. Die zeigen sich doch schon solidarisch und geben demnächst ihre Nokia-Handys für die anderer Hersteller ab. Ich hab gehört, BenQ könnte ein paar schicke Geräte im Angebot haben …





