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Archiv: Juni 2007  

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Dienstag, 12. Juni 2007

Telefondienstleistungen

Ich lese alle Nase lang über solche Aktivitäten. Erst kürzlich hat die Zeit Online mit einer neuen Geschichte von Günter Wallraff aufgetrumpft, in der er von seinen Erfahrungen als Mitarbeiter in einem so genannten „Call Center“ berichtet. Ach ja, und Anrufe dieser Art bekomme ich selbst natürlich auch immer häufiger. Immerhin nicht so viele wie manch anderer, aber es nimmt für mich bereits spürbar zu, wenn mittlerweile mindestens ein „nicht erwünschter Werbeanruf“ („Cold Call“ oder „Kaltakquise“) pro Monat hier durchbimmelt. (Die Anrufe, die auf den drei nicht durchgeschalteten Rufnummern in der Telefonanlage versumpfen, kriege ich schon gar nicht mit, ich weiß also nicht, wie viele da schon ankamen.)

Auch schon vor Wallraffs Undercover-Bericht hat sich im Heise-Forum nach einem Bericht über Tele2 in der ZDF-Sendung WISO jemand als Call-Center-Mitarbeiter geoutet und verraten, welche Tricks man da beigebracht bekommt.

Naja, und jetzt hat ein Berliner, der sich für so einen Job anwerben ließ, schon nach kurzer Zeit derartige Gewissensbisse gekriegt, dass er sich an Spreeblick wandte und ein sehr ausführliches Interview gab. Er arbeitet(e?) nach eigenen Angaben für die Firma „Primacall“, die bereits negativ aufgefallen war und nach Klage der Verbraucherzentrale Berlin eine Unterlassungserklärung abgab.

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Dienstag, 12. Juni 2007

Persilschein

Ein halbes Jahr ist das jetzt her, wenn ich dem Artikel im Lokalteil meiner heutigen WAZ glauben darf, da hat ein Autofahrer, der in derselben Stadt wohnt wie ich, mehrere Unfälle hintereinander auf der Autobahn gebaut und Unfallflucht begangen. In Amtsdeutsch heißt das dann „zweifache Fahrerflucht in Verbindung mit fahrlässiger Körperverletzung“.

Der Zeitungsartikel heute handelt denn auch nicht von dem Unfall, sondern dem Urteil, das das Amtsgericht am Freitag in diesem Fall fand. (Ob es sich um das Amtsgericht Herne oder Herne-Wanne handelt, geht aus dem Artikel leider nicht hervor, ebensowenig wie eine Erläuterung, warum die Volonteuse ihn nicht schon für die Samstagsausgabe fertigstellen konnte. Faulfieber, Frau Steineshoff? Oder hat die Rechtschreibkorrektur von Winword Probleme bereitet?)

Jedenfalls schien es gar nicht mehr darum zu gehen, ob der Fahrer nun wirklich der Unfallverursacher war. Das war mehr oder weniger klar. Die Frage, die den Richter letztendlich beschäftigte, war: Ist der Mann überhaupt schuldfähig?

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Montag, 11. Juni 2007

Schäääääuuuuuble!

Bereits am Freitag wurde bekannt (und heute stehts auf Heise), dass der Web-Server unter der Adresse www.angela-merkel.de von Unbekannten gehackt wurde, die dort ein Programm installieren und starten konnten. Das Programm war wohl so eine Art Proxy für den Internet Relay Chat (IRC), der es ermöglichte, dass Benutzer dieses Proxys sich im IRC als User des Rechner angela-merkel.de ausgeben konnten.

Da ich selbst lange Zeit im IRC unterwegs war, kann ich mir ungefähr vorstellen was in so einem Channel los ist, wenn ihn jemand mit der Kennung „ich@busen.von.angela-merkel.de“ betritt, die zudem noch als „echt“ authentifiziert ist.

Ich kann mir aber auch vorstellen, was im Kanzlerinnenamt los war, als unsere Bundesheldin am Freitag von diesen Späßen auf „ihrem“ Webserver erfuhr:

„Schääääuuuuble! Sofort in mein Büro! Mit Notizblock und Bleistift! Sofort gegen diese Spinnereien vorgehen, mit aller Härte! Aber Zackig! Null Toleranz! Weggerollt!“

„Tschuldigung, Frau Merkel. Das war der Bundestrojaner. Soll nie wieder vorkommen!“

Montag, 11. Juni 2007

Werbeproblem

„US-Reiseindustrie will mit neuen Webseiten Besucherrückgang stoppen“ (dpa-Meldung, gefunden auf Heise Online am 3.2.2007):

Mit neuen internationalen Internetseiten will die US-Reiseindustrie den Rückgang bei den Besucherzahlen aus Übersee stoppen. […] Die Zahl der Touristen aus Übersee ist nach TIA-Angaben seit den Anschlägen am 11. September 2001 um 17 Prozent gesunken. Wieder mehr Urlauber aus dem Ausland zu gewinnen, werde auch helfen, das Image der USA insgesamt zu verbessern, […]

Keine Chance, Jungs. Siehe dazu eine Meldung auf Heise Online von gestern:

Der US-amerikanische Minister für Homeland Security, Michael Chertoff, hat schärfere Einreisebestimmungen für Europäer angekündigt. […] Reisende ohne Visum müssten sich danach 48 Stunden vor Abflug in den USA online registrieren und einen Fragebogen ausfüllen. Zur Begründung nannte Chertoff die drohende Gefahr durch islamistische Extremisten in Europa. […]

Ich hoffe nur, mein Chef verlangt nie eine Geschäftsreise in die USA von mir. Es könnte mich den Job kosten.

Sonntag, 10. Juni 2007

G8 Nachlese

Eigentlich wollte ich an diesem Wochenende ein richtig schönes Essay über den am Freitag beendeten G8-Gipfel schreiben. Wahrscheinlich ist zu dieser Thematik dem einen oder anderen schon aufgefallen, dass ich mich verdächtig zurückgehalten habe. Was die Globalisierung angeht, vertrete ich momentan weniger konträre Standpunkte als bei dem, was derzeit unsere innere Sicherheit und die Sieben-Meilen-Schritte in Richtung Polizeistaat betrifft. Aber sinnigerweise sind wir dann doch schon wieder beim richtigen Thema.

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Sonntag, 10. Juni 2007

Schlag den Arby

Irgendwie ist dieses Wochenende ein ganz Komisches. Ich komm kaum zu was, ich glaube, ich habe mir irgendwie etwas zu viel vorgenommen. Ab und zu darf ich dann aber auch mal an den Rechner und dabei fällt mir was auf. Die Zugriffe auf meine Seite haben schlagartig zugenommen, aber bei den aktuellen Beiträgen in meinem Blog ändern die Besucherzähler sich nicht.

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Freitag, 8. Juni 2007

Auslaufmodell

Habt ihr das auch schon mal gehabt? Da habt ihr lange Zeit verschiedene Produkte einer Art ausprobiert, bis ihr dann endlich genau das gefunden habt, das die wenigsten Nachteile hat oder sogar genau auf eure Bedürfnisse passt. Beispiele könnte ich eine Menge nennen.

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Donnerstag, 7. Juni 2007

Sicherheitshinweis

Die Phisher, also böse Menschen™, die mit fingierten Mails Leute dazu bringen wollen, sicherheitsrelevante Kontoinformationen preiszugeben, versuchen es immer wieder. Und jedes Mal werden die Methoden ausgeklügelter und idiotensicherer.

Konnte man vor Jahresfrist eine Phishing-Mail noch problemlos daran erkennen, dass der Text scheinbar aus irgendeiner nichtromanischen Sprache maschinell ins Deutsche übersetzt worden war, oder aus der Feder von Osteuropäern stammte, die Deutsch vor zwanzig Jahren mal für einen kurzen Moment in der Schule gelernt hatten, sind mir mittlerweile schon entsprechende Mails untergekommen, die in der Tat mit (halbwegs) perfektem Deutsch daher kamen.

Trotzdem hatten die Betrügereien noch (aus Sicht der dunklen Seite der Macht) ein großes Manko: Man konnte sie allein schon dadurch innert weniger Sekunden entlarven, dass relativ unverblümt um die Eingabe mehrerer Transaktionsnummern (TANs) auf einer Webseite gebeten wurde, für die der passende Browserlink sinnigerweise gleich mitgeliefert wurde.

Heute durfte ich auf Heise Online lesen, dass es noch ausgefuchster geht. Den vorläufigen Höhepunkt bildet eine derzeit laufende Aktion, die sich vornehmlich gegen Benutzer des Online-Zahlungssystems Paypal richtet, das in der Tat vor kurzem eine Banklizenz erhielt, zu Ebay gehört und daher auch vorzugsweise dort eingesetzt beziehungsweise genutzt wird.

In der E-Mail erläutern die Schädlingsbastler, dass Paypal jetzt eine Banklizenz erhalten hätte. Um die Sicherheit des Online-Bankings mit Paypal zu erhöhen, habe man daher die Sicherung von Transaktionen mit TANs eingeführt. Um solche TANs zu erhalten, müsse man den TAN-Generator aus dem Anhang ausführen, die Aktivierung der Software erfolge im Anschluss bei der nächsten Paypal-Anmeldung. Die E-Mail enthält eine recht detaillierte Anleitung, wie das Programm zu bedienen sei.

Ja, ich muss zugeben, das hat was. Eine derartige Mail habe ich zwar noch nicht erhalten, aber sollte der Text sogar in korrektem Deutsch verfasst sein, dann ist durchaus ein gewisses Gefährdungspotential gegeben – vor allem, wenn ich daran denke, wieviele Merkbefreite auf Ebay unterwegs sind.

Als besonderen Serice darum von mir jetzt der immer noch allgemein gültige Tipp, wie man sich wirksam vor derartigen Betrügereien schützen kann. Ist nicht einmal viel, zwei goldene Regeln reichen:

  • Bei geplanten Online-Aktivitäten, die mit Geld zu tun haben (Homebanking, Online-Käufe, Spenden) niemals einem Link in einer Mail folgen, um auf die entsprechende Seite der Bank, des Shops oder des Spendenempfängers zu kommen. Zu den genutzten Diensten, das gilt erst recht und insbesondere für die eigene Bank, sollte man, wenn man schon schreibfaul ist, ein entsprechendes Lesezeichen in seinem Browser nutzen. (Universeller kann man diese Regel auch bei sonstigen Aktivitäten anwenden, bei denen die Ausweisung als Benutzer, z. B. durch ein Passwort, notwendig ist.)
  • Unaufgefordert per Mail zugesandte Programme oder Dokumente niemals öffnen oder starten, schon gar nicht, wenn man den Absender nicht kennt, ohne sich nicht telefonisch oder auf anderweitig gesichertem Kommunikationsweg (verschlüsselte Mails beispielsweise) davon zu überzeugen, ob der Anhang wirklich vom angegebenen Absender stammt und keinen Schadcode enthält.

Mit entsprechend gesundem Menschenverstand sollte man aber schon von ganz alleine auf diese einfachen Verhaltensmaßregeln kommen. Leider hat den in diesem Land nicht jeder, wie man auch an diversen prominenten Beispielen immer wieder sehen kann.

Mittwoch, 6. Juni 2007

Hirnschmuggel

Im Lokalteil meiner Tageszeitung wird heute von einer erfolgreichen Sicherstellung von Schmuggelware berichtet*. Acht Millionen Glimmstängel, das sind vermutlich 400.000 Schachteln beziehungsweise 40.000 Stangen Zigaretten, konnten sichergestellt, und zwei „Lagerarbeiter“, die laut Zeitung „Inder mit britischem Pass“ sein sollen, festgenommen werden. Herzlichen Glückwunsch.

Es wird aber auch gleichzeitig erwähnt, dass unser Ruhrgebiet zunehmend zu einem Umschlagplatz für Schmuggelware wird. Immerhin habe das Zollfahndungsamt Essen dieses Jahr bisher schon so viele Schmuggel-Kippen beschlagnahmt wie im kompletten Jahr zuvor. Schlussfolgerung also: Es muss was dagegen unternommen werden.

Aber doch nicht so:

Die Ermittler des Zolls gehen davon aus, dass es sich bei den festgenommenen Briten nicht um Einzeltäter handelt. „Solche Geschäfte brauchen eine ganz bestimmte Logistik. So wie sich der Sachverhalt darstellt, stecken wahrscheinlich ganz andere Leute dahinter“, sagte [der Sprecher des zuständigen Zollfahndungsamtes Essen,] Schulze.

Dann war das ja richtig ausgefuchst vom Zoll, die erfolgreiche Aushebung von zwei Botenjungen an die große Glocke zu hängen und in der Zeitung (und im Internet) zu veröffentlichen. Denn die „ganz anderen Leute“, die „dahinter stecken“ sollen, lesen die WAZ bestimmt nicht und sind demzufolge jetzt auch gar nicht gewarnt.

Du meine Güte, da werden viel belanglosere Dinge von den Ermittlungsbehörden unter Verweis auf laufende Ermittlungsverfahren totgeschwiegen, und hier wird ein Fahndungserfolg an die große Glocke gehängt, der gar keiner ist, denn die Drahtzieher laufen schließlich immer noch frei herum und suchen sich jetzt einfach eine neue Lagerhalle und neue indische Briten.

*) Ich spare mir den Link auf die Meldung im Netz, weil die in drei Tagen eh wieder verschwunden sein wird. Das Meldungsarchiv der WAZ, insbesondere der Lokalredaktionen, ist wirklich nur was für Masochisten.

Dienstag, 5. Juni 2007

Sagt mal…

Sagt mal, ihr bescheuerten Politiker, habt ihr im Vorfeld des G8-Gipfels mit euren Schikanen gegen Globalisierungsgegner, Razzien in Bremer Unis, schizophrenen Aussagen, die Dienstanweisungen widersprechen, dem Sammeln von Geruchsproben nach alter Stasi-Manier, Missachtungen des Postgeheimnisses und kackfrechen Lügen vor versammelter Presse sowie schließlich dem Aufstacheln gewaltbereiter Autonomer und einer zweifelhaften „Deeskalationsstrategie“, die diesen Namen nicht verdient, nicht schon genug angerichtet?

Scheinbar nicht, sonst würdet ihr diesen Scheiß echt endlich mal lassen.

In der Debatte über den Umgang mit gewalttätigen Demonstranten redet nur noch die Polizei von Deeskalation. Politiker von SPD und Union sprechen sich dafür aus, die Gangart der Polizei zu verschärfen. In der Diskussion ist der Einsatz von Gummigeschossen und der Anti-Terror-Einheit GSG 9.

Aber scheinbar habt ihr gar kein Interesse daran, dass die noch ausstehenden Proteste und Kundgebungen in Mecklenburg endlich mal ohne Gewalt ablaufen.

Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: