Letzten Montag lief in der ZDF-Reihe „Das kleine Fernsehspiel“ ein Film von David Dietl zum Thema „Agenda 2020 – Wie werden wir leben?“. Der Titel des Films: „Auf Nummer Sicher?“ Leider lief dieser erst sehr spät, nämlich nach Mitternacht, aber auch wenn man mutmaßen möchte, dass das Methode gewesen sein könnte, habe ich mir doch sagen lassen, dass „Das kleine Fernsehspiel“ wohl auf diesem Sendeplatz unabhängig vom Thema seinen Stammplatz haben soll.
Der Film handelt von einer Auftragsjournalistin und alleinerziehenden Mutter, die nach langer Zeit mal wieder einen Auftrag bekommt, in dem es darum geht, einen Werbefilm für die RFID-Lobby zu produzieren. Doch während ihrer Recherchen passieren Dinge, die sie das Hobby ihres Vaters, in der Stasi-Geschichte herumzustochern, neu bewerten lässt, und die sie dazu veranlassen, selbstständiger über die Gefahren eines Überwachungsstaates und die Wege dahin nachzudenken.
Gestern habe ich mir die Aufzeichnung von Montag angesehen und bin erschüttert. Nicht, weil mir die Inhalte, um die es in diesem Film geht, so neu wären. Das sind sie nämlich nicht. Sondern weil der Regisseur es erstaunlich gut geschafft hat, die ganzen Argumente gegen die zunehmende Überwachung so in einem Film zu verpacken, dass auch Zuschauer ohne entsprechendes Hintergrundwissen auf spannende Weise für die Thematik sensibilisiert werden.
Ich kann euch nur den Tipp geben: Sollte dieser Film jemals irgendwo wiederholt werden, schaut ihn euch an! Ich habe mich immer gefragt, wie man auf jenes Totschlagargument der Vollpfosten antworten soll, die von sich behaupten, sie hätten ja „nichts zu verbergen“. Dieser Film selbst liefert nicht die Antwort, er ist sie. Das macht das ganze für mich natürlich nicht einfacher, denn ich kann schlecht Kopien des Films auf VHS oder DVD mit mir rumschleppen, und jedem, der mir gegenüber behauptet, Schäubles Wahnsinn diene doch nur unserer Sicherheit, als Antwort ein Exemplar in die Hand drücken und sagen: „Hier! Anschauen!“
Nichtsdestotrotz habe ich es kürzlich bei einer Betriebsveranstaltung geschafft, einen Kollegen nach diesem Spruch so mit Argumenten zuzuschütten, dass er mit den Worten: „Oh, ich muss ja schon los!“ das Weite gesucht hatte. Die Scheuklappen, die bei seinem überstürzten Aufbruch hinter ihm her wehten, waren nicht zu übersehen. Meine Strategie in dieser Argumentation war es, aufzuzeigen, dass die Behauptung, wer nichts zu verbergen habe, der habe auch nichts zu befürchten, ja impliziere, dass man dem Staat bedingungslos vertrauen könne. Als ich dann aufzeigte, wie leicht man in der Bürokratie Opfer von Verwechslungen werden kann, und dazu noch einmal in Erinnerung rief, dass das BKA trotz eines Urteils des Bundesgerichtshofs weiterhin Online-Durchsuchungen durchführte, gab mein Gesprächspartner auf oben beschriebene Weise auf. Ich werte das als Erfolg, denn so oder so hat er sich gedanklich mit dem Thema mehr auseinandersetzen müssen als einfach nur ein gedankenloses „Ich hab nix zu verbergen“ dahinzuplappern. Aber ich schweife ab…
Zwei Dinge haben mir an dem Film nicht gefallen, und das will ich hier, da ich Werbung für ihn mache, gesondert anmerken. Zum einen – und das muss ich verraten, sorry – kommt darin ein Mann vor, der aus dem Jahr 2020 stammend durch die Zeit gereist ist. Scheinbar hat der Autor keine andere Möglichkeit gesehen, die Protagonistin zu ihrer gedanklichen Kehrtwende zu motivieren, als einen utopischen Zeitreisenden einzubauen, der glaubhaft aufzeigt, wohin uns die Einführung von biometrischen Pässen und zentralen Bürgerdateien bringen wird.
Zum anderen wird an mehreren Stellen behauptet, die implantierbaren RFID-Chips enthielten gleichzeitig GPS-Module zur satellitengestützten Lokalisierung. Das ist – zumindest nach heutigem Stand der Technik – Humbug. Das bedeutet nicht, dass man heutzutage nicht geortet werden kann, aber das geschieht nicht über RFID. Das geschieht über das Handy, das mittlerweile so gut wie jeder eingeschaltet mit sich herumschleppt.
Diese beiden Punkte – Zeitreisen und GPS per RFID – könnten bewirken, dass ein Zuschauer die Glaubwürdigkeit auch der restlichen Fakten des Films in Frage stellt. Und das wäre kontraproduktiv.
Schön auch ein Zitat des Innenpolitikers der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Dr. Hans-Peter Uhl, das in den Film übernommen wurde und von dem ich bis gestern nicht wusste, dass und von wem es ausgesprochen wurde. Da mich das aber derart vom Hocker gerissen hat, muss ich das hier thematisieren, obwohl es schon ein Jahr alt ist. Heise berichtete am 28. Juni letzten Jahres im Zusammenhang mit einem Datenschutzsymposium:
Oppositionspolitikerinnen zeigten sich auf dem Datenschutzsymposium äußerst skeptisch gegenüber der Regelung für die ePässe und den geplanten Ausweitungen im Bereich der Personalausweise. „Ich möchte bei internationalen Reisen nicht, dass in Staaten ohne Schutzgarantien mein Fingerabdruck ausgelesen wird und ich jede Möglichkeit verliere zu erfahren, was damit passiert“, betonte die innenpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Silke Stokar. […] Uhl begegnete den Sorgen Stokars vor dem unerwünschten Auslesen der Passdaten auf Reisen dagegen mit der Aufforderung: „Dann bleiben Sie halt zu Hause.“
So viel also zum Thema Reisefreiheit und Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung. Ich könnte kotzen. Echt.