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Archiv: März 2007  

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Montag, 5. März 2007

MP3s sind nicht illegal

Schon wieder Thema Vorratsdatenspeicherung. Gemäß einem kürzlich vorgestellten Gesetzentwurf, der jetzt noch durch den Bundesrat muss, sollen die Internet-Zugangsanbieter unter anderem gesetzlich dazu verpflichtet werden, die Verkehrsdaten von Online-Diensten (also welche IP-Adresse man bei der Einwahl vom Provider zugewiesen bekommen, oder welche E-Mails man empfangen oder versandt hat) über einen festgesetzten Zeitraum speichern. Diese Daten sollen zur angeblichen Sicherung von Eigentums- und Urheberrechten leichter abgefragt werden dürfen.

Heute hat sich der Rechtsausschuss des Bundesrats mit dieser Thematik beschäftigt und dabei unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass ihm die geplante Regelung nicht weit genug geht.

So fordern die Rechtsstaatverächter und In-Schäubles-Fußstapfen-Treter eine deutliche Verschärfung der Vorlage. Die Hansel wünschen zum Beispiel, dass der Richtervorbehalt bei Auskunftsansprüchen Dritter (gemeint sind hier so „Institutionen“ wie z.B. die Musikindustrie) wegfällt.

Ja… noch mal gaaaanz laaaangsaaaam zum Mitlesen: Jeder popelige auf maximalen Gewinn ausgerichtete Musikverlag soll nach diesen Wünschen ohne die ausdrückliche Genehmigung eines den Rechtsstaat sichernden Amtsrichters von den Providern Auskunft darüber verlangen (und bekommen!) dürfen, welchem Benutzer welche IP-Adresse zu einer bestimmten Zeit zugeteilt war. Nur, weil diese auf maximalen Gewinn ausgerichtete Firma behauptet, dass unter einer bestimmten IP-Adresse angeblich eine das Urheberrecht verletzende MP3-Datei in einer Tauschbörse aufzufinden war.

Ob die Datei wirklich da war, ob die vielleicht nur „Madonna.mp3“ hieß, weil dort jemand ein selbst gehaltenes und aufgezeichnetes Referat über Madonnen-Statuen abgelegt hat, ob die IP-Adresse vielleicht nur geraten war (und der User seine selbstgekaufte CD nur als MP3 archiviert aber gar nicht im Internet angeboten hat) oder ob bei der Übermittlung der IP-Nummer an den Provider ein unglücklicher Zahlendreher passiert ist – eine den ganzen Trubel kontrollierende Instanz in Form eines Richters soll jetzt auch noch gänzlich weg fallen.

Nur, damit wir uns klar verstehen: Selbst wenn die Forderungen des Bundesrats nicht umgesetzt würden, wäre dieses Gesetz immer noch hochgradig änderungsbedürftig. Sonst könnte noch jemand auf die Idee kommen, mit diesem bundesrätischen Ablenkungsmanöver die Hemmschwelle für das, was man dem Verbraucher aufbürden kann, noch weiter zu senken, damit er am Ende mit „nur“ dem, was Brigitte Zypries sich schon an Gemeinheiten hat einfallen lassen, doch wieder zufrieden ist.

In dem Entwurf enthalten ist zwar eine Regelung, die die Gebühren für die Abmahnung nicht-geschäftsmäßiger Verstöße auf 50 Euro deckeln soll, aber es fehlt definitiv noch die – im ursprünglichen Entwurf noch vorhandene – Bagatellklausel, die geringfügige Urheberrechtsverstöße duldet und dem Familienvater mit 10 illegal beschafften MP3-Dateien auf der Platte zivil- und strafrechtliche Konsequenzen in Form von 4-stelligen Euro-Beträgen erspart.

Hauptsächlich wird die Forderung vom Bundesrat damit begründet, dass schon heute eine unverhältnismässig hohe Zahl an Urheberrechtsverstößen bei den Gerichten für eine Erlahmung des sonstigen Tagesgeschäfts sorge und mit einer außerordentlichen Zunahme nach Inkrafttreten dieses Gesetzes zu erwarten sei. Das könnte man den Gerichten nicht zumuten.

Soso, warum schafft man dann einfach den Rechtsstaat ab, statt die Gesetze mal wieder Grundgesetzkonform zu formulieren und dafür diejenigen Urheberrechtsverletzer zu jagen, die der Musikindustrie wirklich Schaden zufügen, indem sie – teilweise mit satten pekuniären Gewinnen – digital kopierte Musik in großem Stil und Mafia-ähnlich vertreiben?

Sich selbst hat die Musikindustrie mit dieser außerordentlich erfolgreichen Lobby-Arbeit jedenfalls mehr geschadet als genutzt. Ich habe in den letzten sechs Jahren ganze zwei Musik-CDs gekauft – im Radio läuft genug Mainstream-Mucke. Und wenn sich da nicht bald was an diesem Konsumenten-schädlichen Verhalten ändert, wird meine nächste CD mindestens weitere zwei Jahre oder länger auf mich im Laden warten müssen.

Sonntag, 4. März 2007

Das Nadelöhr

Ihr erinnert euch vielleicht noch an meinen Beitrag über die vorgeschriebene Fahrtrichtung in einer Baustelle, die in die Baugrube führen würde, falls man sich daran hielte? Ich weiß ja nicht, wer genau für die Planung von solchen Baustellen verantwortlich ist (Bauleiter? Bauaufsicht? Ordnungsamt? …), aber wer auch immer das macht, hat an genau dieser Baustelle erneut sein Händchen für grenzenlose Schwachsinnigkeit bewiesen.

Ich erläutere mal etwas näher die Topographie dieser Stelle: Wir haben hier an dieser Stelle eine vierspurige Straße ohne Mittelstreifen, wobei die beiden mittleren Spuren mit Straßenbahngleisen versehen sind und durch einfache Sperrstreifen dem Autoverkehr vorenthalten werden. In besagter Kurve, wo man nun nicht mehr geradeaus in die Spielstraße abzweigen kann, wozu man aber gemäß der Beschilderung eigentlich verpflichtet wäre, verengt sich das ganze nun auf zwei Spuren. Aus jeweils einer Straßenbahnspur und einer Autospur wird eine gemeinsam genutzte Fahrspur – und das für beide Richtungen. Dieses Verjüngungsgeraffel ist dabei nicht vor, sondern ziemlich genau in der Kurve. Die endgültige zweispurige Straßenbreite ist also streng genommen erst hinter dem Ende der Kurve.

Nun geht es Baustellenmäßig an dieser Stelle demnächst in die richtig heiße Phase (die Straßenbahn soll komplett saniert und runderneuert werden), und erste, nein… zweite Vorboten sind jetzt die ersten Baustellen auf der anderen Straßenseite, unter anderem auch in dieser Kurve, direkt gegenüber dem schon seit einem halben Jahr bestehenden Loch. Es wird also enger. Fragt sich nur: Enger als was? Enger als vier oder enger als zwei Spuren?

Die aufgestellte Baustellenampel offenbart: Es wird scheinbar so eng, dass man nur noch in einer Richtung zur selben Zeit die Stelle passieren kann. Als ich jedoch bei meinem ersten Kontakt mit dieser neuen Situation vor Ort dort lang fahre, sehe ich verwundert, dass erstens die Ampel für die Gegenrichtung keine fünf Meter weiter steht, und zweitens der Abstand zwischen mir und dem linken (ja, tatsächlich näher als sonst gerückten) Straßenrand locker für einen Linienbus ausreichte. (Und ich fahre keinen Fiat Panda oder Smart.)

Nun, es ist nicht gerade so, dass ich jetzt nachts deswegen nicht mehr schlafen könnte, aber immer, wenn ich fortan diese Stelle mit dem Auto passiere, frage ich mich doch, was für ein krankes Hirn sich solch einen Unsinn ausdenkt. Oder wurde unsere Stadt klammheimlich in Schilda umbenannt?

Freitag, 2. März 2007

Möchten Sie Windows löschen?

Seit gestern spinnt mein Arbeitsplatz-PC. Na super.

Obwohl der Papierkorb, also dieses verzeichnisbasierte Hilfskonstrukt für gelöschte aber physikalisch dennoch weiterhin vorhandene Dateien, leer ist, zeigt das Symbol auf dem Desktop immer noch eine nicht leere Tonne an. Windows meint also, da wäre noch was. Gebe ich nun dem Papierkorb über sein Kontextmenü den Befehl „Papiekorb leeren“, ist scheinbar eine Datei oder ein Ordner namens Windows darin. Die daraus resultierende Meldung klingt entsprechend radikal:

windel.gif

Dabei ist es aber in der Tat egal, ob ich „Ja“ oder „Nein“ anklicke, dieses doofe Windows will sich einfach nicht löschen lassen. Der Papierkorb zeigt weiterhin dieses Piktogramm für „nicht leer“ an. Das Recycler-Verzeichnis jedoch ist leer - laut Explorer, der explizite Anweisung hat, alle Dateien anzuzeigen, sich aber auch nicht immer daran hält.

Also gehe ich mit einem anderen Datei-Explorer, dem TotalCommander, der Sache auf den Grund. In der Tat, im Recycler-Ordner befindet sich noch was. Zum einen eine desktop.ini, die da aber grundsätzlich liegt und den Explorer eben davon abhalten soll, mir uneingeschränkt zu gehorchen. Zum anderen eine Datei „Info2“, die sich nicht löschen lässt und wenn man es doch versucht, sich wundersam vermehrt, indem neue Untervezeichnisse wie z.B. „DC5“ und ähnliche entstehen.

Tja, ich bin ratlos. Ich habe aber OpenOffice im Verdacht. Ich hatte nämlich gestern den Installer für OpenOffice 2.1.0 gestartet, das Setup aber nach dem ersten Dialog wieder abgebrochen. Und davor hatte sich mein Papierkorb noch nicht so zickig verhalten. Soll ich jetzt Windows löschen oder nicht?

Nachtrag: Mittlerweile habe ich den Papierkorb tatsächlich leer bekommen. Ich hatte noch ein bisschen mit dem TotalCommander experimentiert und zwischendurch nochmal „Papierkorb leeren“ gefordert. Daraufhin war er dann auch „richtig“ leer. Komisch. Die Datei „Info2“ im Recycler-Ordner ist aber weiterhin da, scheint also auch nur eine Windows-eigene Steuerdatei für die Verwaltung des Papierkorbs zu sein. Nur, wo kam nur dieses ominöse „Windows“ her, das da gelöscht werden sollte?

Donnerstag, 1. März 2007

Ein großer Schritt für Deutschland

Deutschland will zum Mond. Pruuuuuuust!

Als ich das zuerst im Radio gehört und jetzt auch noch bei Heise gelesen habe, dachte ich, ich hätte mich im Monat geirrt, dass heute gar nicht der erste März, sondern schon April sei. Aber weit gefehlt! Die meinen das ernst!

In ungefähr sechs Jahren soll schon eine unbemannte Sonde mit deutschen Hoheitszeichen um den Erdtrabanten kreisen und ihn mit Radarstrahlen vermessen und kartographieren. Irgendwann später sollen wertvolle Rohstoffe ausgebeutet werden, die es auf der Erde nicht oder nur in geringen Mengen gibt.

Damit reiht Deutschland sich jetzt also in die Mond-fahrenden oder Mond-fahren-wollenden Nationen ein und steht jetzt gleich neben den USA, Russland, China, Japan, Indien und Großbritannien. Vielleicht kommt Monaco ja auch noch dazu, wer weiß das schon? (Obwohl, Japan hat schon wieder aufgegeben – kein Wunder bei dem Getümmel da oben im Orbit.)

Passen würde es ja zum derzeitigen Gebaren Good ol‘ Germanys. Wenn wir im Rahmen unserer Anti-Terror-Gesetze auf das Vierte Reich zumarschieren, darf auch der Status als Raumfahrtnation nicht mehr fehlen. Dementsprechend wohlwollend sind die Reaktionen in Berlin. Das Wettrennen mit den anderen Nationen ist damit quasi eröffnet.

Ich meine, andererseits: Das wäre schon eine Chance. Wer als zweiter Erster den Mond betritt, hat fast die Gelegenheit, ein zweiter Armstrong zu werden. Immerhin sind die ersten Mondlandungen mittlerweile so alt und angestaubt, dass das eh keinen mehr interessiert. Und Russland muss seine erste bemannte Mondlandung auch noch nachholen. (Die USA nach Ansicht so mancher Verschwörungstheoretiker ebenfalls.) Aber jetzt wird alles größer, besser, schöner… und teurer.

300 Millionen Euro soll das Projekt mindestens kosten. Wer’s glaubt! Am Ende ist es sicherlich – meine Kristallkugel hat diese Tage Hochkonjunktur – 1 Millarde. Um wieviel teurer es zudem wird, wenn wir anfangen sollten, dort Rohstoffe abzubauen, steht sprichwörtlich in den Sternen. Wer soll das ganze denn bezahlen? Die Mehrwertsteuererhöhung? Dann haben wir bald endgültig Mondpreise in den Läden, wie?

Aber wenn das wirklich alles so toll und schön läuft, wie die Raumfahrtfuzzis sich das vorstellen, dann wird die Deutsche Bemannte Raumfahrt nicht mehr lange auf sich warten lassen. Ich wüsste auch schon, wer als erstes mitfliegen darf. Mit einem Mal wird das Märchen vom kleinen Häwelmann wahr. Allerdings gibt’s dann kein Rückflugticket.

Apropos: Hat jemand von euch eigentlich Grund und Boden auf dem Mond? Soll ja so manche Aktion gegeben haben, wo man Mond-Grundstücke kaufen oder gewinnen konnte. Dabei kann das gar kein Privateigentum sein. Schließlich gehört der komplette Mond schon meiner Heimatstadt. Wie hieß es doch schon vor den ersten Weltraumflügen so schön? Nichts ist so schön wie der Mond von Wanne-Eickel…

Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: