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Archiv: März 2007  

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Freitag, 16. März 2007

Always Coca-Cola

Stellt euch vor, ihr geht zum Bäcker und wollt Mohnkuchen kaufen. Gibt’s aber nicht mehr. Nicht unter diesem Namen. Heißt jetzt anders. Vielleicht „Kuchen mit schwarzen Streuseln drin“ oder so. Naja, wohl eher nicht. Wahrscheinlicher wäre irgendein bezugloser Name ähnlich dem „Bienenstich“. Aber wie komme ich auf so eine Idee?

Nun, Mohnkuchen beinhaltet ja Mohn, und der stammt von der Mohnblume. Aus der Mohnblume wird aber auch Opium gewonnen, das ja bekanntlich als Rauschmittel auch die Grundlage für beispielsweise Heroin darstellt. Daher unterliegen Mohnpflanzen in Deutschland einer besonderen Aufsicht. Vollständig verboten sind sie nicht, bedürfen aber einer Genehmigung und sind nur in solchen Sorten erlaubt, die besonders wenig Morphine enthalten.

Tja, und jetzt stellt euch vor, dass ausländische Mohnbauern unseren Bäckern einfach verböten, weiterhin Mohn als Wortbestandteil ihres Kuchens zu verwenden, weil die Bäcker ja nichts dagegen unternommen hätten, dass auch hierzulande andere Mohnsorten angebaut werden dürften. Und das zudem auf der Basis eines in ihrem eigenen – fiktiven – Land angestrengten Gesetzes, das den Mohn zu einem Kulturgut des Landes erhebt und unter besonderen Schutz stellt, der die weltweite Verwendung des Pflanzennamens in Produkten zu einer markenrechtlichen Angelegenheit macht.

Der Arby kommt ja auf bekloppte Ideen, könnte man da denken. Naja, ausgedacht habe ich mir das ganze Szenario schon. Es besteht keinerlei Gefahr für unseren geliebten Mohnkuchen. Ganz so kreativ war ich dann aber doch nicht, denn ein ähnliches Szenario spielt sich gerade auf einem verwandten Gebiet, nämlich dem der Koka-Pflanze ab.

Bolivianische Bauern wollen nämlich jetzt der Marke Coca-Cola die weitere Verwendung des Wortes „Coca“ in ihrem Namen untersagen, weil diese dem schlechten Image der Koka-Pflanze nicht entgegen gewirkt habe.

Also, wirklich. Wie bekloppt ist das denn? Ich glaube, die Bolivianer haben echt ein bisschen zu viel von ihren Pflanzen genascht, anders kann ich mir diesen Schwachsinn nicht erklären. Oder sind die vielleicht von Pepsi bestochen worden? Hey, wer weiß das schon?

Und zum Abschluss noch ein kleines Lied:

The stars will always shine,
the birds will always sing,
as long as there is thirst
there’s always the real thing.
Coca-Cola
is always the One.
whenever there is fun,
there’s always Coca-Cola.

Donnerstag, 15. März 2007

Physik-Nachhilfe

Der diese Saison ausgefallene Winter hat nun endgültig bei den Menschen die Alarmglocken schrillen lassen. So vergeht mittlerweile kaum mehr ein Tag, an dem die Worte Klimawandel und Energiesparen nicht in den Medien auftauchen.

So veröffentlicht der WDR auf seiner Homepage ein Interview mit dem Wuppertaler Klimaforscher Dr. Claus Barthel, der ein wenig über Stromfresser im Haushalt referiert. Eingeleitet wird das Interview mit einem Absatz, der in seinem Abschluss die Behauptung in den Raum stellt,

Ein durchschnittlich ausgestatteter Computer verbraucht im Normalbetrieb gut 200 Watt Strom pro Stunde.

Ich frage mich jetzt, wer hat denn da in Physik nicht aufgepasst? Oder kann man auf technische Themen Redakteure ansetzen, die selbst keine Affinität zur Technik haben und demnach in der Schule Physik bei erstbester Gelegenheit abgewählt hatten?

Hier eine kleine Korrektur: Leistung wird in Watt angegeben und ist definiert als Energie pro Zeit. Ein Watt entspricht dabei 1 Joule pro Sekunde. Ein durchschnittlich ausgestatteter Computer hat im Normalbetrieb demnach eine Wirkleistung von 200 Watt, er nimmt also in einer Stunde 720 Kilojoule (kJ) Energie auf. Wenn man diesen Computer dann eine Stunde lang eingeschaltet gelassen hat, hat er er demnach durchschnittlich 200 Wattstunden (Wh) Strom verbraucht, was übrigens 0,2 Kilowattstunden (kWh) entspricht, von denen eine bei den Energieversorgern im Schnitt 14 Cent kostet. Eine Stunde Computerbetrieb kostet also ungefähr 3 Cent.

Oder, um es kurz und knapp zu sagen: Watt pro Stunde ist eine Größenangabe, die keinerlei Sinn ergibt.

Update (16:46 Uhr): Auch wdr.de ist lernfähig. Die entsprechende Passage des Beitrags wurde mittlerweile komplett umformuliert.

Mittwoch, 14. März 2007

Toleranski

Ich kann mich an meinen Sexualkundeunterricht in der Schule kaum erinnern. Das mag in erster Linie daran liegen, dass ich im außerschulischen Leben einfach viel mehr zu diesem Thema „gelernt“ habe als mir meine Biologie-Lehrer jemals hätten beibringen können. Ich erinnere mich jedoch, dass AIDS während meiner Schulzeit gerade ein Thema wurde und vor allem während der Oberstufenzeit das Safer-Sex-Konzept in den Vordergrund gerückt wurde.

Es gab bei weitem nicht so viele Homosexuelle wie heute… Nein, falsch. Es gab bei weitem nicht so viele, die sich als Homosexuelle geoutet haben, wie heute. Aber in dieser Zeit wurde ein Großteil dessen eingeläutet, was uns heute einen offeneren Umgang mit der Thematik ermöglicht, so dass auch gestandene Politiker sich öffentlich zu ihrer „Andersartigkeit“ bekennen können, ohne dabei gleich ihre Karriere aufgeben zu müssen. Ich finde das gut.

Roman Giertych nicht. Roman Giertych ist Bildungsminister in Polen. Und es ist ihm ein dermaßen großer Dorn im Auge, dass es so etwas wie gleichgeschlechtliche Liebe (insbesondere die auf körperlicher Ebene) gibt, dass er sich in den letzten Tagen in sein stilles Kämmerlein gesetzt und ein Gesetz aufgeschrieben hat, das den Homosexuellen – zumindest denen im Staatsdienst – den Garaus machen soll.

Wenn auf einem Plakat einer AIDS-Aufklärungskampagne zwei Männer zu sehen sind, die sich küssen, sprich Herr Giertych von „homosexueller Propaganda“. Sieht das polnische Familienbild in Gefahr, welches doch laut polnischer Verfassung vom Staat geschützt werden soll, und sich selbst aus diesem Grund in der Pflicht, das Thema Homosexualität vor allem aus den Schulen zu verbannen, wo die leicht zu beeinflussenden Jugendlichen für „homosexuelle Agitation anfällig sein könnten“. „Hier haben wir die Anleitung dafür, wie Homosexuelle Sex treiben.“ Der Unterton ist deutlich herauszulesen; als sei es das Widerlichste der Welt, auf einer Stufe mit Raub, Vergewaltigung oder gar Mord.

Wird Giertych sich durchsetzen können – und nach polnischen Beobachtern spricht vieles für die erforderliche Mehrheit im polnischen Parlament – werden in Zukunft an den Schulen alle Publikationen und sämtliches Aufklärungsmaterial über homosexuelle Beziehungen unter Strafe gestellt. Lehrer, die versuchen, ihre Schüler gesundheitlich aufzuklären und dabei auch Homosexualität thematisieren, sollen entlassen werden dürfen. (Warum nicht gleich gehängt?) Als könne man Homosexualität komplett auslöschen, wenn man sie wegtabuisiert.

Das wird aber nicht funktionieren. Das sagt allein der gesunde Menschenverstand. Genausowenig wie Gesetze Straftaten verhindern, wird er Polen mit seinen Ideen komplett heterosexuell machen können – auch, wenn das jetzt ein ziemlich beknackter Vergleich ist. Er wird es aber schaffen, dass homosexuell veranlagte Jugendliche mit ihren Problemen zukünftig alleine dastehen werden. Aufklärung Fehlanzeige. Aufzeigen gesundheitlicher Risiken Fehlanzeige.

Während hierzulande gerade in diesen Tagen wieder vermehrt das Thema AIDS-Aufklärung in den Fokus rückt und demnächst wieder vermehrt in die Öffentlichkeit getragen werden soll, plant Polen den Schritt in das Mittelalter. Ich bin mal gespannt, was die polnischen Politiker sagen, wenn die doch ach so schutzbedürftigen polnischen Familien mittel- bis langfristig ausgedünnt werden, weil Familienväter mit homo- oder bisexueller Neigung dem HIV-Virus wie die Fliegen zum Opfer fallen.

Wenn Giertych bei diesem Thema im selben Atemzug davon spricht, er sei für Toleranz, wirkt das ganze nur noch wie absurdes Kasperletheater. Aber seit dem deutsch-polnischen Kartoffel-Eklat wundert mich bei dem Staat jenseits der Oder überhaupt nichts mehr…

Dienstag, 13. März 2007

Tolles Ergebnis

Wiesbaden hat übrigens vor zwei Tagen gewählt. Weil ich übers Wochenende kaum an den PC gekommen bin und wenn, dann was anderes vor hatte, ist das hier ein wenig unter gegangen, obwohl ich doch noch gerne einen kurzen Kommentar dazu loswerden wollte.

Erinnert ihr euch an Wiesbaden? Da ging es doch vor zwei Monaten hoch her, als die SPD es tatsächlich vergessen hatte, ihren Oberbürgermeister-Kandidaten (Ernst-Ewald Roth, nur falls es noch irgend jemanden interessieren sollte) rechtzeitig zu nominieren. Tja, diese Oberbürgermeister-Wahl, die war jetzt am Sonntag.

Am Ende gab es ja so viele strahlende Gesichter. Helmut Müller (CDU) legte ein Traum-Ergebnis von 65,6 Prozent hin und wird neuer Wiesbadener OB. Und die Kandidatin der Grünen, Rita Thies, erstmal! 25,8 Prozent! Das ist weit jenseits der Grenze, ab der man schon von einem „zweistelligen Ergebnis“ sprechen kann. Das reicht schon fast an die Ergebnisse des SPD-Bundesverbands in schlechten Zeiten™ heran, überflügelt gar diejenigen so mancher SPD-Landes- oder Kommunalverbände. Die Linken und die Bürgerrechtler wurden nur noch irgendwo „jott weh deh“ notiert und müssen sich auch in den offiziellen Pressemitteilungen einen gemeinsamen Absatz der Ergebnisverkündung teilen. Und die SPD? Die liegt noch scheintot in der Ecke vom letzten Frust-Besäufnis. Was soll’s… Bei der nächsten Wahl ist auch noch ein Tag…

Allerdings bleiben auch die negativen Stimmen nicht aus. So wird mal wieder angemerkt, dass die Wahlbeteiligung schon wieder gesunken ist, auf einen neues Rekord-Tief von 26,9 Prozent. (Hey, merkt ihr was? Das sind anteilsmäßig so viele Wähler wie von diesen anteilsmäßig ihre Stimme der Grünen-Politikerin gegeben haben. Netter Zufall!) Zudem gaben mit 8,9 Prozent ungewöhnlich viele Wähler eine ungültige Stimme ab. (Ja, lieber Leser, das geht. Das ist auch keine Ordnungswidrigkeit, man muss dafür kein Bußgeld bezahlen und man kommt dafür auch nicht in den Knast zu den Raubkinderkopiermörderfickerterroristen.)

Begründet wird das mal wieder mit Politik-Verdrossenheit, dem schönen Wetter, dem Fernsehprogramm von letztem Jahr, dem Kinoprogramm vom Cinemaxx in Mainz und irgendwo auf den hinteren Rängen wird auch mal erwähnt, dass vielleicht auch die Geschichte mit dem fehlenden SPD-Kandidaten eine klitzekleine Rolle gespielt haben könnte.

Vor allem der Herr Müller wurde nicht müde anzumerken, dass die niedrige Wahlbeteiligung ja nicht ungewöhnlich sei. Er wolle festgestellt wissen, dass die Wahlbeteiligung in den Großstädten ja insgesamt sinke. Ja, nee, is klar, Herr Müller. Da kriegt die Bembelbirne sozusagen einen Freifahrtschein par excellence auf dem Silbertablett und anstatt brav „Danke“ in Richtung Wiesbadener SPD zu sagen, klopft der Kerl noch kluge Sprüche, die wir eh bei jeder Kommunal-, Landtags- und Bundestagswahl zu hören kriegen.

Wann ist in Wiesbaden eigentlich die nächste OB-Wahl, dass man den Typen wieder auf die Straße setzen kann?

Dienstag, 13. März 2007

Tautologisches Oxymoron

Hab ich gerade auf tagesschau.de gelesen: „Peking will Todesstrafe humaner gestalten.

Na klar

Hat sich jemand die Nummer von dem Laster gemerkt, gegen den der Urheber dieser Aussage gerannt sein muss?

Update: Na, sowas! Liest hier etwa ein Tagesschau-Redakteur mit oder gibt es noch andere, die den Wahnsinn in der Überschrift entdeckt haben? Seit voraussichtlich 16:23 Uhr (letzter Änderungsstand des Artikels auf tagesschau.de) lautet die Überschrift nicht mehr wie von mir angegeben, sondern nur noch: „China will häufiger Gnade zeigen“. Danke.

Dienstag, 13. März 2007

Posthum staatenlos

Braunschweig hat einen dunklen Fleck im Geschichtsbuch. Einen braunen, sozusagen. Hier hat vor 75 Jahren ein Österreicher die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten, die er benötigte, um ein Jahr später die Macht in Deutschland an sich zu reißen und dieses Land in den Zweiten Weltkrieg zu stürzen.

Am 25. Februar 1932 wurde Adolf Hitler vom Land Braunschweig zum Landesbeamten ernannt, womit er automatisch auch die deutsche Staatsbürgerschaft erhielt. Die derzeitige niedersächsische SPD-Landtagsabgeordnete Isolde Saalmann wagte anlässlich dieses wenig rühmlichen Jubiläums den Vorstoß, Hitler rückwirkend die Staatsbürgerschaft wieder zu entziehen. Schon wieder eine Politikerin, die sich als merkbefreit outet.

Mal ganz ehrlich: Was soll das bringen? Nein, im Ernst. Lassen wir mal die ganzen rechtlichen Dinge beiseite, wie die Tatsache, dass in Deutschland niemand ausgebürgert werden kann, der danach staatenlos wäre, oder dass eine Ausbürgerung erst recht nicht nach dem Tod vorgenommen werden kann. Was soll Deutschland, was sollen die Deutschen, die Braunschweiger davon haben, wenn Adolf Hitler 62 Jahre nach seinem Tod die deutsche Staatsbürgerschaft abgesprochen bekommt?

Glaubt die Frau Saalmann, Deutschland von den Gräueln der Diktatur des Dritten Reichs reinwaschen zu können? Dass man sagen kann: Ja, da gab’s zwar so einen Hitler, aber der war ja nicht mal Deutscher, wir sind also – ja, was denn dann eigentlich? Ein Wort wie „unschuldig“ in diesem Zusammenhang zu benutzen fällt mir selbst im Konjunktiv schwer.

Ich habe gestern aus lauter Faulheit einfach eine Liste mit Berichten über das, was mich die letzten Tage bewegte oder aufregte, in mein Blog gehackt. Es ging mir mit der Auswahl hauptsächlich darum, zu zeigen, dass unser Staat sich immer mehr von der freiheitlichen Demokratie weg bewegt, von der ich bisher angenommen hatte, dass ich darin aufgewachsen wäre. Vor allem stelle ich in letzter Zeit vermehrt fest, dass gerade die Lehren, die wir aus der Nazizeit nach wie vor ziehen sollten, immer mehr verwaschen und für die aktuelle Politik an Bedeutung verlieren.

Gerade vor diesem Hintergrund ist es zusätzlich wie ein Schlag ins Gesicht, und zwar nicht nur für die Opfer und deren Hinterbliebenen, sondern auch für die „modernen“ Deutschen, die sich auch heute noch mit diesem dunklen Kapitel unserer Geschichte auseinandersetzen und es immer wieder in Erinnerung rufen, damit so etwas nicht wieder passieren kann, wenn so eine dahergelaufene Polit-Tussi befürwortet, Hitler einfach auszubürgern und imaginär abzuschieben, um sich so vielleicht einer weiteren Verantwortung entledigen zu können.

Nein! So geht das nicht. Adolf Hitler ist eine häßliche Fratze im Spiegel unserer Zeit. Die können wir nicht einfach wegradieren und so tun, als sei nichts gewesen. Und gerade heute brauchen wir sie mehr denn je, damit wir beim allmorgendlichen Blick in diesen Spiegel erkennen, in welche Richtung wir uns nicht weiter bewegen dürfen.

Montag, 12. März 2007

Fünf Tage

Ich darf ein paar Ereignisse der letzten fünf Tage mal stichpunktartig in ungefähr chronologischer Reihenfolge zusammenfassen?

Das ist eine Menge an Links und eine Menge zu lesen. Ich spare es mir daher, hier weiter irgendwas dazu zu schreiben und lasse diese Sammlung für sich selbst sprechen.

Nur eine klitzekleine Anmerkung sei mir gestattet: Ich weiß jetzt, was Schäuble meint, wenn er von anhaltend zunehmender Terrorgefahr in Deutschland spricht. Er hätte aber ruhig dazu sagen können, dass er den Terror aus Berlin meint…

Donnerstag, 8. März 2007

Wer klopft denn da?

Stellt euch ein Bürogebäude vor. Zwei Stockwerke übereinander, in L-Form, langgezogen. Im „Innenraum“ dieses Ls ein großer Parkplatz. Am Rand dieses Parkplatz eine urige Fichte, die direkt an der Außenmauer steht und dort pro Stockwerk je zwei Fenster verdeckt. Hinter den Fenstern in der oberen Etage sitze ich, dort ist derzeit mein Arbeitsplatz.

Das Arbeiten in dieser Umgebung ist sehr angenehm. Die Fichte strahlt eine gewisse Ruhe aus, die auch auf das Innere des Büros einwirkt. Sie schirmt vor zu starker Sonneneinstrahlung ab und sorgt vor allem auch im Sommer für ein etwas ausgeglicheneres Klima.

Seit ungefähr zwei Wochen wird diese Ruhe gestört. In regelmäßigen Abständen taucht unerwarteter Besuch auf, der von außen an die Scheibe klopft. Anfangs war das wirklich sehr irritierend. Ich war es bisher nicht gewohnt, dass von dieser Seite des Raumes her Geräusche auf mich einwirken. Vor allem nicht im Winter, wenn die Fenster die meiste Zeit geschlossen sind. Man kann das Geräusch am besten mit einem Fingernagel vergleichen, der auf einen Porzellanteller klopft.

Jedes Mal, wenn ich dieses Geräusch vernehme, geht der Kopf unwillkürlich zur Seite, um die Ursache auszumachen. Obwohl ich mittlerweile schon längst die Ursache kenne. Wie ein Reflex.

Ich will auch nicht weiter um den heißen Brei herum reden: Wer da ständig an die Scheibe klopft, ist ein kleiner Vogel. Ich bin zwar kein Ornithologe, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass das eine Meise sein muss. Ich hätte jetzt sogar behauptet, das wäre eine Schwarzkopfmeise, da sie dem entsprechenden Bild auf Wikipedia verdammt ähnlich sieht (bis auf einen weißen Streifen, den das Tier Stinktier-artig auf dem Scheitel trägt). Dummerweise behauptet Wikipedia, dass Schwarzkopfmeisen in Kanada und den USA beheimatet wären, was nun nicht gerade in der näheren Nachbarschaft liegt. Muss also was anderes sein. (Gibt’s sowas wie „Stinktiermeisen“?)

Jedenfalls hüpft das Viech die meiste Zeit fröhlich auf Höhe meines Fensters in dieser Tanne herum (könnte es eine Tannenmeise sein?) und kommt mehrmals am Tag auf einen kleinen Plausch vorbei, pickt mit dem Schnabel gegen die Scheibe und schwirrt nach mehrmaligem Klopfen wieder ab, weil ich ungastfreundlicher Blödmann einfach nicht aufmache. Als wir letzte Tage mal zu Lüftungszwecken das Fenster komplett offen hatten, ist die Meise wohl sogar kurz durchs Büro und sofort wieder raus geschwirrt. Zumindest hatte ich da kurz einen Schatten über mir gehört.

Vermutlich hat das Viech in dem Baum seine diesjährige Sommerresidenz eingerichtet. Ich hab’s auch schon in Begleitung eines seiner Artgenossen durch die Äste hüpfen sehen. Na, das wird ja spaßig. Vor allem, wenn im Sommer dann das Fenster den ganzen Tag offen steht. Ich hoffe nur, dass der Piepmatz bei einem seiner Rundflüge dann nicht auf meine Unterlagen, den Bildschirm oder die Tastatur kackt.

Mittwoch, 7. März 2007

Wiederauferstehung

Es gibt wahr gewordene Prognosen, die wagte selbst ich nicht aufzustellen.

Kaum, dass die letzte Schicht in Kamp-Lintfort und an den anderen Standorten gelaufen ist und die ehemaligen Siemens-Mitarbeiter jetzt – wenn überhaupt – anderen Beschäftigungen nachgehen, kündigt der Mobilfunkkonzern, dessen Name noch immer durch unsere Hirnwindungen nachhallt, die Entwicklung von vierzehn neuen, hochwertigen, technisch fortgeschrittenen Handy-Modellen an.

Gleichzeitig jammert der Marketingchef Jerry Wang, der auch für BenQ Mobile verantwortlich war, dass die Pleite der deutschen Tochtergesellschaft den Konzern arg gebeutelt und zurückgeworfen habe. Eine Tüte Mitleid…

Sagt mal, hat der Kerl sie eigentlich noch alle? Wickelt mal eben die Handy-Produktion eines deutschen Unternehmens ab und verkündet, nachdem der letzte bei Ex-Siemens-Mobile das Licht ausgemacht hat, dass noch tollere, bessere, schönere Handys entwickelt werden sollen – aber eben nicht in Deutschland. Und erwartet womöglich auch noch, die dann in diesem unseren Land an den Mann bringen zu können?

Das Problem wird sein – und diese Prognose wiederum wage ich –, dass der Arsch damit auch noch erfolgreich sein wird. Es wird einfach zu viele Deppen geben (nicht zu vergessen den Faktor „Technik-geiler Teenager“), die das ganze Siemens-BenQ-Theater innert weniger Wochen komplett vergessen haben und zwei Tage später mit einem tollen, neuen, coolen BenQ-Handy durch die Gegend rennen.

Wenn solchen Leuten ein ehemals bei Siemens beschäftigter Hartz-IV-Empfänger dann die Fresse poliert, könnte ich sogar Verständnis dafür aufbringen…

Dienstag, 6. März 2007

Unbedingt dranbleiben

Ich sag es offen heraus: Als Mitte der Achtziger Jahre die letzte größere Debatte um Datenschutz und Konsorten geführt wurde, machte ich gerade meine ersten Gehversuche mit Homecomputern (C64, CPC) und später PCs.

Jung und unerfahren (gilt das als Ausrede? ;-)), wie ich war, stand ich eher auf der Seite der anderen: Wozu Datenschutz? Ist doch nur ein Klotz am Bein. Ich hab doch nix zu verbergen. Warum hacken die alle so auf dieser Volkszählung rum? Tja, die Datenverarbeitung war noch jung, entsprechendes Verständnis war nicht weit verbreitet, und ich war vor allen Dingen auch noch jung, nämlich unter 20, und entsprechend naiv.

Wie sieht die Situation heute aus? Die EDV ist nicht mehr ganz so jung, relativ dazu gesehen das Internet aber schon. Diesbezügliches Verständnis über Technik und Abläufe ist nach wie vor nicht weit genug in die Otto-Normal-Bevölkerung vorgedrungen. (Was man vor allem auch an der „Killerspiele“-Problematik sieht.)

Demzufolge ist nicht wirklich verwunderlich, wenn die „Renaissance des Datenschutz“ mit denselben Problemen konfrontiert wird, wie damals in den Achtzigern. Erschwerend kommt die aktuelle politische Lage hinzu, die – bewusst oder unbewusst – dazu ausgenutzt wird, die Daumenschrauben beim Volk etwas stärker anzuziehen.

Heute jedenfalls bin ich aus meiner Sicht froh, dass die Datenschützer sich damals nicht haben beirren lassen und drangeblieben sind, als ich (wie bestimmt mancher andere) die Ohren auf Durchzug gestellt hatte. Nur dadurch haben wir heute ein Datenschutzgesetz, wie wir es heute (noch) haben. Auch wenn es derzeit immer mehr von den Politikern symbolisch mit Füßen getreten wird.

Dieses Datenschutzgesetz an neue Begebenheiten anzupassen (ich sehe - wieder meine alte Naivität? – keine Probleme darin, wenn ein Webserver in seinen Logs die IP-Adresse der Besucher speichert, wohl auch deshalb, weil Webserver das seit jeher so machen), ist sicherlich gut und wichtig. Nur heute stehe ich auf der anderen Seite und weiß mittlerweile, wie wichtig das Thema für unsere freiheitliche Demokratie ist.

Darum kann mein Rat an die „Kämpfer“ aus den ersten Reihen nur sein: Dranbleiben! Damit die, die wie ich ein paar Jahre brauchen, um den Nutzen zu erkennen, später wie ich heute sagen können: Wie gut, dass sie drangeblieben sind und nicht aufgegeben haben. Ich für meinen Teil versuche jedenfalls, das ganze nach besten Kräften z.B. durch verwandt- und bekanntschaftliche Mundpropaganda oder meine Blogbeiträge zu unterstützen. Und ihr hoffentlich auch.

Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: