Die „Killerspiel“-Debatte will einfach kein Ende finden. Nachdem Heise erst heute Morgen berichtete, dass die erst letzten Herbst gegründete Piratenpartei, die einen Gegenpol zu den alteingebrannten Parteistrukturen bilden will, für Samstag zu einer Demonstration gegen das Verbot von „Killerspielen“ in Berlin aufruft, ist die CDU-Landtagsfraktion in Sachsen nach einer Meldung am Nachmittag wieder auf rigorosem Verbotskurs. Also kann auch ich nicht einfach darüber hinweg sehen, sondern muss ebenfalls meine kleine unbedeutende zwei Cent werte Meinung dazu abgeben.
Wichtigster Kritikpunkt an derartigen Gesetzesinitiativen ist nicht das Verbot an sich oder die Tatsache, dass „Killerspiele“ nunmal nicht jedermanns Geschmack sind und es demzufolge Leute gibt, die solche Spiele abartig finden und nicht verstehen können, was ein Familienvater mit solch einem Spiel anfangen will, sondern der Ruf nach einem strikten Besitz-Verbot.
Während Ursula von der Leyen und NRW-Familienminister Armin Laschet erst kürzlich noch einen diesbezüglichen Kompromiss vorgeschlagen hatten, der, wenn auch nicht jeden aus der Computerszene, dann doch zumindest mich versöhnlich stimmte und überzeugen konnte, haut die Sachsen-CDU wieder voll in die Katzentoilette und fordert: „Der Besitz der so genannten Killer-Spiele muss verboten werden.“
Da frage ich mich dann: Was soll das bringen? Und ich frage euch mal wieder: Wodurch sind die Menschen bei jenen Aktionen zu Schaden gekommen, nach denen die Politik immer wieder die Debatte um ein Verbot von gewaltbetonten First-Person-Shootern aufs Neue entfacht? Waren das die Computerspiele, die die Schüler bei den Amokläufen in Emsdetten und Erfurt (und auch in vergleichbaren Fällen im Ausland) verletzt beziehungsweise gar getötet haben? Haben die Amokschützen ihre Knarren vielleicht während des Spielens aus dem Monitor ausgeschnitten?
Oder um das Kind mal mit dem Bade auszuschütten: Wenn es doch ach so pervers sein soll, wenn man als erwachsener und mündiger Bürger ein Spiel besitzt beziehungsweise installiert hat oder gar spielt, bei dem in virtuellen Welten Terroristen gejagt oder menschenähnliche Zombies oder Aliens abgeknallt werden sollen (von angeblich im Handel erhätlichen Spielen, bei denen man Punkte für die Vergewaltigung von Frauen bekommen soll, rede ich hier nicht, die gibt es nämlich nicht, das ist übelste Propaganda der populistischen Medien), warum ist es dann nach landläufiger Meinung völlig okay, dass man ohne jeglichen Nachweis einfach so bestimmte (durchaus erhebliche Schäden zufügende) Waffen kaufen kann?
Oder was ist mit Schützenvereinen, wo regelmäßig das Schießen auf Lebewesen anhand von realen Tier-Nachbildungen mit real existierenden Waffen mit durchaus nicht ungefährlicher Munition trainiert wird? Das ist demgegenüber plötzlich okay? Wo ist denn bittesehr die Grenze?
Ich will mal klarstellen: Die Schützenvereine sind mir schnurz-piep-egal. Sollen sie ihrem in meinen Augen verabscheuungswürdigen Treiben weiter fröhnen. Solange die Mitglieder und Funktionäre dafür sorgen, dass die für den Schützensport im Besitz der Mitglieder befindlichen Waffen auch wirklich nur für das verwendet werden, für das sie gedacht sind. Aber dann sollen sie auch bitte die Klappe halten, wenn es um sogenannte „Killerspiele“ geht. Denn das ist ein anderer Sport (sic!) und wenn man es genau betrachtet, ist der bei weitem ungefährlicher und unbedenklicher als jeder Schützenverein, den im Gegensatz zu letzterem braucht man für ein Computerspiel keine echte Waffen.
Und tut mir bitte einen riesengroßen Gefallen: Wenn das nächste Mal (und lang kann das nicht mehr dauern, wenn die Politik so weiter macht und die ganzen anderen Gründe für Suizide und Amokläufe, wie sie zum Beispiel der Emsdettener Täter Sebastian B. in seinem Vorab-Bekenntnis zur Sprache gebracht hat, ignoriert) jemand mit einer Knarre durch ein Einkaufszentrum, eine Schule oder ein Stadion rennt und wahllos um sich ballert, und im Nachhinein festgestellt wird, dass derjenige ein „Killerspiel“ auf seinem Computer installiert hatte, fragt nicht, welches Spiel das denn gewesen ist und ob man dieses Spiel nicht lieber hätte verbieten sollen, sondern fragt, woher der Typ denn bitteschön die Knarre hatte und wie er damit unbehelligt in das Einkaufszentrum, die Schule oder das Stadion eindringen konnte…