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Archiv: Februar 2007  

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Mittwoch, 14. Februar 2007

Null Komma Nix

125 Euro Strafe und zwei Punkte in der Verkehrssünderkartei in Flensburg – das soll in Zukunft Fahranfängern in der Probezeit blühen, wenn Sie mit geringsten Mengen an Alkohol im Blut (also jeder Wert ungleich Null Komma Null Promille) hinterm Steuer erwischt werden.

An sich keine schlechte Idee. Ich hab’s in meiner Probezeit genauso gehalten. Zumindest meistens. Ich hab nicht immer Nein gesagt, wenn ich mal bei einem geselligen Beisammensein ein Bier angeboten bekommen habe und ich wusste, das würde noch ein Stündchen oder zwei dauern, bis ich wieder das Auto bewegen würde. Aber, wie gesagt, galt und gilt immer noch bei mir in der Regel: Will ich noch fahren, beschränke ich meinen Konsum auf „Soft-Drinks“.

Ob es nun Uneinsichtigkeit ist oder der von mir genannte, allerdings dann eskalierende, Ausnahmefall, wenn jugendliche Kraftfahrzeugführer mit Blutalkoholwerten jenseits der Ein-Promille-Grenze gegen den nächsten Baum oder gar gegen unbeteiligte andere Autofahrer donnern – Verständnis kann ich für so ein Verhalten nicht aufbringen. Insofern begrüße ich den heute bekannt gewordenen Vorstoß und hoffe, dass alkoholbedingte Unfälle von Fahranfängern in Zukunft der Vergangenheit angehören werden.

Andererseits – ohne ein „Aber“ hätte der Beitrag in diesem Blog ja keine Daseinsberechtigung – frage ich mich, was wohl passiert, wenn der Apfel- oder Orangensaft nicht mehr ganz „frisch“ war, oder in die Soße beim Italiener oder Bekannten der eine oder andere „Schuss“ hineingekocht wurde. Meine Erfahrung lässt mich schaudern bei dem Gedanken, ein Polizeibeamter könnte einen Autofahrer, dessen Probezeit zwei Tage später abläuft und der aufgrund eines abgestandenen Apfelsafts mit 0,1 Promille gemessen wurde, mit 125 Euro Strafe und zwei Punkten in Flensburg „maßregeln“.

Dienstag, 13. Februar 2007

Killer-Jugendschutz

Es gibt da so ein paar Computerspiele, die sind – sagen wir mal – ein bisschen brutal. Aus meinen glorreichen Zeiten als „Aktiver“ fielen mir jetzt spontan Wolfenstein 3D, Doom (1 und 2), Duke Nukem, Heretic und Quake ein. In dieser Reihenfolge sind die Titel übrigens auch erschienen, und mit abnehmendem Alter ist die Qualität der Darstellung zunehmend besser geworden. Aktuelle Titel dieses Genres kursieren derzeit unter den Namen Doom 3, Quake 4 oder Counterstrike – ohne Anspruch auf Vollständigkeit, ich bin halt raus aus dem „laufenden Geschäft“. (Stattdessen überlege ich gerade, ob ich einen virtuellen PC mit DOS installieren soll, auf dem meine Tochter dann „The Secret of Monkey Island“ spielen kann.)

Die aktuellen Titel haben’s dabei grafisch „voll drauf“. Bei einer Rechenleistung, die heute dem mehr als 30-fachen dessen entspricht, was damals für ein halbwegs flüssiges „Doom“ nötig war, verwundert es auch nicht wirklich, wenn die Darstellung in jedweder Form von Computerspiel immer realistischer wird. Dass solche Spiele nichts für einen 12-Jährigen sind, versteht sich eigentlich von selbst.

Vor diesem Hintergrund kündigten Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen und ihr Nordrhein-Westfälischer Amtskollege Armin Laschet heute Maßnahmen an, mit denen sie Kinder und Jugendliche besser vor gewalttätigen Computerspielen, derzeit hauptsächlich geführt unter der Bezeichnung „Killerspiele“, schützen wollen.

Abgesehen davon, dass der Begriff „Killerspiel“ in diese Diskussion einfach nicht hinein gehört: Ich finde den heute bekannt gewordenen Vorschlag von Frau von der Leyen und Herrn Laschet so schlecht nicht. Gegen eine generelle Infragestellung der derzeitigen Maßstäbe, die bei der USK-Bewertung angelegt werden, ist nichts einzuwenden. Ganz im Gegensatz zu dem von verbohrten Politikern in Niedersachsen (Hallo, Herr Schünemann) oder Bayern (Grüß Gott, Herr Beckstein) geforderten Komplett-Verbot. (Anmerkungen zu diesem unsäglichen Gesetzesvorschlag siehe in diesem Blog.)

Es gibt nur einen kleinen Schönheitsfehler an der ganzen Sache (nein, eigentlich zwei, aber für den zweiten können Politiker nichts):

1) Die Initiative scheint außer Acht zu lassen, dass nicht nur „die Jugendlichen im Umgang mit Computerspielen geschult werden“ müssen (wie es im Artikel auf Heise.de steht), sondern dass vor allem die Eltern, denen die Vormundschaft, der Erziehungsauftrag und die Fürsorgepflicht obliegen, umfassender und vor allem objektiv (ich sage nur „Killerspiele“!) informiert und in ihrer Erziehungsarbeit unterstützt werden sollten. Dazu ein kleines Zitat aus einem Erfahrungsbericht im Heise-Forum:

Letztens in der Spieleabteilung eines größeren Kaufhauses: 12-Jähriger zieht „Resident Evil“ raus, mit großem „erst ab 18“-Aufkleber und himmelt damit seinen Papi an. Der war größtenteils darauf konzentriert, seine Muckis so einzusetzen, dass er mit den zehn Kilogramm Goldketten um den Hals und dem bis zum Nabel offenen Hemd das Gleichgewicht halten kann.
Erstaunlicherweise schaltet sich eine Verkäuferin ein und gibt den Hinweis: „Das Spiel ist für Kinder nicht geeignet. Das ist recht brutal, mit Zombies, und, wie man anhand des Aufklebers erkennen kann, erst ab 18 Jahren.“ Darauf der treusorgende, verantwortungsbewusste Vater: „Jaja, schon gut.“, nimmt dem Sohnemann das Spiel weg und sagt: „Das zahle ja ich dann an der Kasse, das geht schon in Ordnung.“

2) Zudem ändert ein Verbot oder eine Zugangsbeschränkung nichts an der Tatsache, dass gerade die verbotenen oder indizierten Titel erst recht in den Aufmerksamkeitsbereich von Jugendlichen rücken und dann, bei genügend großem Willen, dieses Spiel auch ausprobieren zu können, an allen gesetzlichen und elterlichen Instanzen vorbei z.B. über das „böse Internet“™ oder durch Datenträger-Tausch auf dem Schulhof beziehen können.

Wenn die Herren und Dame Politiker jetzt also denken, mit einem derartigen Gesetz endlich „Ruhe im Karton“ zu haben – dann sind sie doch wieder nur auf dem Holzweg und haben wieder einmal nichts begriffen.

Montag, 12. Februar 2007

Déjà-vu auf Sächsisch

Ich wusste schon genau, warum ich in meinem Beitrag über die italienischen Hirnamputierten, die es zu verantworten haben, dass der italienische Fußball jetzt weitestgehend vor leeren Stadion-Rängen stattfindet, nicht mit dem schadenfrohen Zeigefinger in Richtung mediterranen Stiefel gezeigt habe. Es war so klar wie der winterliche strahlende Himmel, dass Gleiches durchaus auch in unseren Landen passieren könnte und früher oder später passieren wird. Traurig genug.

Klar war mir allerdings nicht, dass es so schnell passieren würde. Kaum, dass der italienische Fußball nicht mehr Tagesthema in der internationalen Presse ist, fühlten sich deutsche Hooligans aus Leipzig dazu berufen, es ihrerseits den italienischen Gesinnungsgenossen gleichzutun und im Rahmen eines Ligaspiels des 1. FC Lokomotive Leipzig gegen Erzgebirge Aue am vergangenen Wochenende das Umfeld des Leipziger Stadions in Kriegsgebiet zu verwandeln.

Schlimmer noch: Wären es doch nur die Hooligans gewesen. Aber wie mittlerweile berichtet wird, haben auch „normale“ Fans in die Treibjagd der Hooligans auf zunächst die Busse der Gästefans und später die sie schützenden Polizeibeamten mit lautstarken Hassparolen eingestimmt. Und schon wieder wird damit das Bild des rechtsradikalen Ex-DDRlers im Rest der Republik gefördert und gefestigt. Bärendienst! Super.

Noch haben sich einschlägige Personen unserer Bundesregierung nicht zu diesem Vorfall geäußert – zumindest habe ich bisher noch nichts diesbezüglich lesen können. Aber ich wette, es dauert nicht lange, bis unser prominentester Rollstuhlfahrer schärfere Gesetze und umfassendere Überwachungsmaßnahmen vor dem Hintergrund der Leipziger Kriege fordert.

Angenehm war es für mich dann aber, zu erfahren, dass es doch noch intelligente Wesen in diesem Staat gibt, die die Problematik zunächst einmal an anderer Stelle suchen und auch finden. So hat sich Professor Gunther Pilz, Sport-Soziologe an der Uni Hannover, heute auf WDR 2 zu dem Thema geäußert.

Androhung von Strafen bringen nur bedingt etwas, es muss mehr Geld und Arbeit in die Prävention, wie Ausbildung von Fan-Beauftragten und Fan-Projekte, gesteckt werden, so Prof. Pilz […]

Er prangerte in dem Gespräch gleichsam an, dass gerade im Osten Deutschlands, wo der Anteil rechtsradikaler Fußballfans überdurchschnittlich hoch ist, die finanziellen Mittel für die Fan-Betreuung zunehmend gestrichen werden.

Ist das wahr? Da „drüben“ (die Mauer im Kopf ist noch lange nicht weg) hauen sich die Neofaschisten gegenseitig und im Kampf mit der Polizei die Schädel ein und gleichzeitig stellen die Vereine die finanzielle Förderung von nachweislich dem entgegen wirkenden Maßnahmen ein? Bärendienst! Super.

Donnerstag, 8. Februar 2007

Das Puzzle ist komplett

Ich habe gar keine Lust, großartig was zu schreiben. Nein, wirklich nicht. Ich ringe noch nach Luft. Ich versuche noch, den Gedankenstrom zu sortieren, der mir gerade durchs Hirn flattert. Der Puls sinkt immerhin langsam auf unter 200. Durchatmen. Puh…

Ich hab ja wirklich Angst gehabt. Bisher. Wenn ich hier in meinen Beiträgen behauptete (oder andere behaupten ließ), Schäuble sei ein Verfassungsfeind, war ich mir nie sicher, ob ich damit nicht gegen irgendein Gesetz verstieße. Ich hatte dazu vor kurzem erst eine nette Unterredung mit einem Anwalt. Der meinte, solange ich derartige Vorwürfe immer brav begründe, könnte ich damit wirksam einem möglichen Vorwurf der Schmähkritik entgegen wirken. Die Frage war, ob das, was ich von Schäuble bisher wußte, als Begründung für den Vorwurf der Verfassungsfeindlichkeit ausreichen könnte.

Diese Sorgen muss ich mir jetzt nicht mehr machen. Ich habe gar keine Lust, großartig was zu schreiben. Am besten folgt ihr einfach diesem Link und lest selbst. Mehr Beweise dafür, dass Dr. Wolfgang Schäuble, geb. am 18. September 1942 in Freiburg, nachweislich verstrickt in die CDU-Spendenaffäre um Waffenhändler Karlheinz Schreiber, seit 2005 zum zweiten Mal Bundesinnenminister in dieser Spitzelrepublik, die mal eine Demokratie war, einen schweren psychischen Schaden hat und in eine geschlossene Anstalt gehört, braucht man nicht mehr.

In der Tagesschau kriegt ihr so etwas jedenfalls nicht präsentiert — da bin ich mir ebenfalls ziemlich sicher.

Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit, ich geh jetzt kotzen.

Dienstag, 6. Februar 2007

Die Sendung mit dem Rollstuhl

„Das ist der Herr Schäuble. Sieht eigentlich ganz nett aus. Isser aber nich. Isn Verfassungsfeind. Der Herr Schäuble hat es sich nämlich in den Kopf gesetzt, den Bürger gläsern zu machen. Gläsern, das heißt nicht durchsichtig, sondern voll durchschaubar. So immer und überall.

Haaaaalt, sagt da der BGH, Überwachungsstaat is voll Moppelkotze, so einfach hinterrücks abhörn geht nicht.

Mist, denkt der Herr Schäuble, da hab ich aber nen schönen Strich quer durch die Rechnung gekriegt. Der muss da weg. Und wie krieg ich den weg? Genau. Mitm Radierer. Also wird mal fix übers Papier gewischt, und Ruck Zuck fertig ist der Entwurf der Grundgesetzänderung. Toll.

Haaaaalt, schrein schon wieder die Querulanten von den Bürgerrechtsvereinigungen. Was du da machst, ist Beschiss, sagen sie. Und bauen fix Barrikaden auf. Macht aber nix, denkt sich der Schäuble, ich hab ja noch n Trumpf im Ärmel. Und der Trumpf, der heißt Koalitionspartner. Der hat dem Onkel Schäuble zwar heimlich auf die Schulter geklopft, hat aber keiner gesehn. Der will eigentlich das gleiche. Aber stressfrei. Und drum gibt man nach, also wenigstens so ein bisschen. Man stellt einfach ne Pauke vor die Barrikaden, haut ein-, zweimal drauf und Rums Bums kriegt man sein Wunschkonzert. Man schlägt nämlich einen Kompromiss vor. Und zwar nen faulen. Man sagt laut ‚Jaaaa, aber…‘ und schwupps is das Gesetz da. Der Herr Schaar jubelt da ganz doll, hat er doch das Schlimmste verhindert.

Prima, denkt sich der Herr Schäuble, hab ich ja doch noch gekriegt was ich wollte. Die Auflagen, die sind zwar voll Moppelkotze, aber schaun wir mal. Vielleicht läßt sich ja 2012 was drehen. Klappt ja mit der Zweckbindung von Mautdaten momentan auch ganz doll.

Augen auf, JETZT!“

Leider ist dieser Beitrag nicht von mir, sondern von Uyaem, aber der war so schön, dass ich den mit Erlaubnis aus dem Heise-Forum herauskopiert habe.

Montag, 5. Februar 2007

Schwerer Stand

Heute ist ein komischer Tag. Da wird vom Bundesgerichtshof ein Urteil gesprochen und man weiß einfach nicht, ob man sich jetzt darüber freuen oder in Tränen ausbrechen soll. Und Schuld daran ist einer, über den ich mich noch vor kurzem wegen genau solcher Sachen, die er jetzt erneut und wie in einer Serienwiederholung skandiert, lustig gemacht habe. Aber der Reihe nach…

Der Bundesgerichtshof hat also heute die Zulässigkeit der Durchsuchung von an das Internet angeschlossenen PCs durch Bundesbehörden mit der Hilfe von so genannten „Trojanern“ eine fulminante Absage erteilt. Jippie!

Aber… Das Urteil lautet eigentlich nur, dass für dieses Vorgehen die gesetzliche Grundlage nicht gegeben ist. Naja, und wie wir alle wissen… Was macht der geneigte Gesetzgeber in Berlin, wenn er etwas durchgesetzt haben möchte, was nicht unseren Gesetzen entspricht? Genau: Er ändert einfach die Gesetze. So auch diesmal wieder. Kaum war das Urteil aus Karlsruhe verkündet, schmetterte der beliebteste Rollstuhlfahrer Deutschlands, Wolfgang Schäuble, schon in die Welt hinaus, man müsse jetzt entsprechende Gesetzesvorlagen ausarbeiten, die Online-Durchsuchungen eben doch erlauben würden.

Nur mal so zur Info, was Schäuble eigentlich will: Er will, dass irgendwelche Ermittlungsbeamten eines Rechtsstaats, der gerade dabei ist, mein Vertrauen zu verspielen, ohne mein Wissen (und ohne dass ich evtl. ungerechtfertigten Verdachtsmomenten entgegentreten und sie ggf. ausräumen kann) Zugriff auf die Festplatten meine Computers bekommen sollen. Da sind nicht nur E-Mails, Kündigungsschreiben, Prons und Bombenbauanleitungen gespeichert. Da sind persönliche und teilweise auch nicht jugendfreie Fotos, Familienvideos, unter das Betriebsgeheimnis fallende Projekte meines Arbeitgebers, Rechnungen über Mobilfunk- und Telefongebühren, Arztrechnungen, Passwörter, Liebesbriefe, und und und… Und das alles kriegt so ein Fuzzi zwangsläufig ebenfalls zu Gesicht wenn er meinen PC online durchsuchen könnte, nur weil er meint, ich habe in meinem Blog ein Mal zu oft „Bombe“ geschrieben.

Laut Deutschlandtrend hat Schäuble in der Bevölkerung immer noch eine Zustimmung von 51 Prozent! Das ist zu viel. Merkt denn Otto-Normalbürger nicht, in welche Richtung die Gemeinschaft aus Justiz- und Innenministerium unseren Rechtsstaat wegdrückt? Es ist noch gar nicht lange her, da nannte Schäuble das Internet ein „Trainingscamp für Terroristen“. Hat der sie noch alle? Bin ich etwa ein Terrorist? Weiß der gute Mann eigentlich, was „Internet“ ist?

Was ist eigentlich mit den Terroristen, die per Handy ihre Anschläge koordinieren? Oder sich per Paketpost irgendwelche Dinge zuschicken, aus denen sie dann böse Bomben bauen könnten. Was ist mit dem Haarwaschmittel, das jeder angehende Terrorist nicht nur mit ins Flugzeug nehmen könnte (wenn auch mittlerweile nur noch in Plastiktütchen), sondern in jedem beliebigen Drogerie-Markt, ja, sogar in jedem Supermarkt um die Ecke kaufen kann? Alles verbieten? Alles überwachen?

Mal ganz ehrlich: Andere sind schon für weitaus weniger Wahnvorstellungen in die Klapse eingewiesen worden und seitdem nie wieder raus gekommen. Was unser Herr Schäuble mittlerweile an Terrorgefahr sieht und wie er dem ganzen Herr zu werden gedenkt, das geht auf keine Kuhhaut mehr, und für mich steht – allerdings nicht erst seit heute – fest: Der Mann gehört abgesetzt und aufs Altenteil geschoben. Wo er im Kreis vor sich hin rollen kann.

Und wer dachte, das Ganze wäre nicht mehr steigerungsfähig, dem seien folgende kleine Anmerkungen ans Herz gelegt:

Dieter Wiefelspütz, innenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, forderte ebenfalls die Möglichkeit einer Online-Durchsuchung: „Die Online-Durchsuchung ist weder eine Hausdurchsuchung noch eine Abhörmaßnahme, sondern etwas drittes, für das wir keine klare Rechtsgrundlage haben“, sagte er gegenüber dpa. Ach! Jetzt auf einmal?

Eigentlich noch schöner die Aussage von Konrad Freiberg, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, ebenfalls die Notwendigkeit von Online-Durchsuchungen herbeiredend: „Zu den weiteren dringlichen Punkten zählt die Beseitigung der Behinderungen für eine effektive Bekämpfung des internationalen Terrorismus durch das bestehende Datenschutzrecht.(Hervorhebung von mir)

Wie wäre es, wenn wir gleich alle Grundrechte abschaffen würden, am besten gleich alle Menschenrechte? Dann kann man endlich wieder richtig auf Verbrecherjagd gehen, so wie Oma und Opa das noch nach guter alter deutscher Tradition kennengelernt haben.

Der Datenschutz hat in diesem Staat einen schweren Stand wie selten zuvor. Mittlerweile ist nicht nur dem gemeinen Pöbel der Datenschutz egal (zur Volkszählung anno 1987 war das noch anders), sondern so ziemlich jedem, der irgendein Rädchen in einer funktionierenden Demokratie darstellen sollte. Bis auf den Bundesgerichtshof vielleicht. Und hoffentlich das Bundesverfassungsgericht.

Sonntag, 4. Februar 2007

Perfect World

Vor kurzem durfte ich hier noch darüber lamentieren, wie die Deutsche Wirtschaft mit erpresserisch anmutenden Methoden versucht, Druck auf die EU-Kommission auszuüben.

Aber wie wir heute erfahren durften, kann die Gegenseite das genauso: Unser lieber toller Wirtschaftsminister, Abgesandter und bajuwarischer Botschafter in Berlin, Michael Glos, steht den Herren Automobil-Konzern-Vorständen in nichts nach. Es ist wirklich genau das gleiche Spiel. Diesmal nur in die andere Richtung an EADS gerichtet:

Wenn ihr hier massiv Arbeitsplätze abbaut, dann stornieren wir zur Strafe unsere bei euch noch offenen Aufträge für Eurofighter und vergeben keine neuen mehr. Basta!

Jawoll ja! Mit gleicher Münze zurück zahlen! So ist es recht. Auge um Auge. Zahn um Zahn. Besonders lachen musste ich bei Glos‘ Bemerkung, es handele sich bei der Drohung um keine Drohung, sondern um eine Tatsache. Das erinnerte mich spontan an den Film „Perfect World“ mit Kevin Costner…

Der eigentliche Clou an der ganzen Sache aber steckt mal wieder im Detail: Wenn unsere politische Führung so mir-nichts-dir-nichts den Auftrag über X Eurofighter zu 75 Mio. Euro das Stück canceln kann, wieso hat sie das dann nicht im Sinne unseres in den letzten sieben Jahren nun wirklich genügend belasteten Bundeshaushalts schon längst ohne besonderen Anlass getan? Ach, dann hat man kein Druckmittel mehr, womit man andere erpressen kann? Na, das ist natürlich was Anderes.

Samstag, 3. Februar 2007

Die Spinner von Catania

Und schon wieder hat es randalierende Fußballfans gegeben. Nein, falsch. Das klingt alles viel zu harmlos. Das war kein Randalieren mehr – von „Fans“ ganz zu schweigen! Das war Mord und Totschlag! Ja, sag mal, sind die noch ganz bei Sinnen?

Haben denn die Angriffe deutscher Hooligans auf Daniel Nivel vor mittlerweile achteinhalb Jahren und deren Folgen nicht schon gereicht? Nein, jetzt muss auch noch ein Polizist mit dem Leben bezahlen, weil ein paar italienische Hirnamputierte, die sich zu Unrecht Fußballfans schimpfen, mit ihrem Erbsenhirn den „Kampf auf dem Platz“ nicht von „Krieg auf der Straße“ unterscheiden können. Naja, wie denn auch mit einem IQ von knapp unter 6? Jedes Brot hat einen höheren Intelligenzquotienten, damit es irgendwann schimmeln kann. Oder, um es stilgerechter zu formulieren (denn das Ganze fand in der italienischen Stadt Catania statt): Eine Spaghetti braucht einen IQ von 9, damit die Tomatensoße an ihr haften bleibt.

Erstliga-Fußball in Italien ist jetzt erstmal abgesagt. Ob der Verantwortliche noch gefasst wird und ob die gewalttätigen Arschlöcher jemals aussterben werden… Die Hoffnung stirbt zuletzt.

P.S.: Ohne über mein Profil meine anderen bei Blogger gehosteten Weblogs gesehen zu haben: Kann man dem Titel dieses Beitrag ansehen, dass ich ein Spieler bin (Gesellschafts-, also Brett- und Kartenspieler, wohlgemerkt!)? Falls nicht, ist das vielleicht ist auch besser so, denn mit Klaus Teuber oder dem Kosmos-Verlag will ich mich hier nun wirklich nicht anlegen.

Donnerstag, 1. Februar 2007

Tunnelblick

Die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten ist eine Gerade. Hab ich aus dem Mathe-Unterricht behalten. Auf den Bereich des Straßenbaus angewendet bedeutet das so viel wie: Wenn für die kürzeste Verbindung was im Weg liegt, kann man einen Tunnel… äh, ja was denn nun… bauen? Oder graben?

Straßentunnel begegnen einem vorzugsweise in hügeligem Gelände. Zum Beispiel in den südlicheren Gerfilden unserer Republik. Unter nem Kilometer läuft da nix. Aber auch hier in Nordrhein-Westfalen sollen schon so manche Straßentunnel gesichtet worden sein. Sogar im Ruhrgebiet. Durch den auf der A40 in Bochum-Grumme auf der Höhe der Abfahrt Ruhrstadion fahre ich jeden Tag mindestens ein, meist auch zwei Mal.

Herne, oder gar Wanne-Eickel, wo ich wohne, hat keinen Tunnel. Bis auf die Kohlehalden in der Nähe des Kraftwerks und der Abraumhalde an der Wakefieldstraße gibt’s hier ja auch keine Berge. Einen großen Bahnhof hat Wanne-Eickel dafür. Der galt zusammen mit der Güterabfertigung so in den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts sogar als der größte Bahnhof Europas. Entsprechend großflächig ist im Bahnhofsbereich daher auch das Schienennetz. Ihr versteht nur Bahnhof? Wo ich doch eigentlich von Tunneln schreiben wollte?

Da gab es vor kurzem auf der A40 eine kleine Baustelle. Genau in oben erwähntem Tunnel. Nichts Großartiges. Die Fahrspuren wurden ein wenig verengt, damit der Seitenstreifen im Tunnel sicherheitshalber breit genug ist für die Arbeiten, die dort durchgeführt wurden. Um nämlich die Sicherheit in Tunneln zu verbessern, hat das Land NRW eine Reihe von Tunneln auserkoren, die umgerüstet werden sollen. Im Rahmen dieser Umbauarbeiten wurde Leuchtzeichen und Notruftelefone installiert. Zumindest ist es das, was man nach Abschluss der Arbeiten am deutlichsten an Neuem erkennen konnte.

tunnel226a.jpgNaja, und dann fahre ich kürzlich so in Wanne-Eickel die Dorstener Straße entlang und komme unter der Brücke durch, die unweit vom Hauptbahnhof noch ein paar Ausläufer der Rangiergleise über die Straße führt und entsprechend breit ist. Die Seitenwände der Unterführung sind vor kurzem neu dekoriert worden. Ihr habt’s erraten: Mit Sicherheitsleuchten, wie man sie aus Tunneln kennt. Ein entsprechender Artikel in der Lokalzeitung gibt dann letzte Gewissheit: Das Ding wird tatsächlich als Tunnel geführt!

tunnel226.jpgDas muss man sich mal vorstellen: Eine hundert Meter breite Unterführung (in Worten: 100!) ist von irgendeinem beamteten Sesselpupser als Tunnel klassifiziert worden – wahrscheinlich, weil irgendeine bekloppte Richtlinie dazu führt, dass alle Straßen mit Deckel, die länger sind als achtundneunzig Komma vier-sieben-sechs Meter, eben als Tunnel zu gelten haben. Die Folge: Der Unterbau der Brücke (was anderes ist das in meinen Augen nicht) muss jetzt entsprechend der EU-Sicherheitsvorschriften, die nach diversen Tunnelunglücken immer wieder verschärft worden sind, umgebaut und an eine Tunnel-Leitzentrale, die jetzt in Hamm sitzt, angeschlossen werden.

Auch ne Möglichkeit, Steuergelder zu verbraten. Aber dafür fühle ich mich jetzt super-sicher und behütet, wenn ich mit meinem Auto innerhalb von 6,1 Sekunden diesen Tunnel passiere.

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