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Archiv: Februar 2007  

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Mittwoch, 28. Februar 2007

Rechnung ohne den Winter gemacht

Wie wir gestern alle erfahren durfte, hat der Klimawandel sich uns mal wieder eiskalt (äh… falsche Wortwahl) in Erinnerung gerufen. Die globale Erwärmung macht mittlerweile nicht einmal vor unserem Winter halt.

Seit 1901 werden in Deutschland die Wetterdaten notiert und archiviert. Und in der ganzen Zeit gab es keinen wärmeren Winter als den diesjährigen. Rekord. Goldmedaille, sozusagen. Oder doch eher die Goldene Zitrone?

Die Leute fangen schon an, sich auf Frühling einzustellen. Ich indes habe noch nicht vergessen, dass ein Winter auch durchaus nochmal im März oder April zuschlagen kann. Was an sich erstmal nichts Dramatisches wäre. Wenn da nicht die Tatsache im Raum stünde, dass aufgrund der warmen Witterung die meisten Zugvögel schon wieder da sind (sofern sie überhaupt weg waren), die ersten Krokusse und weitere Blumen aus dem Erdreich schießen und sich wundern („Nanu, kein Schnee, durch den ich brechen kann?“), sowie die ersten Bäume schon Knospen treiben und sich voller Vorfreude viel früher als sonst auf den nahenden Frühling vorbereiten.

Und jetzt kommt mein Blick in die Glaskugel: Der Winter ist nicht weg. Er lauert um die Ecke, bis er mit seinem unbarmherzigen Einbruch größtmöglichen Schaden anrichten kann. Dann bricht er hervor und beschert und auch in den Tiefebenen eine mindestens 5 Tage haltende geschlossene Schneedecke – in ländlichen Gebieten und in Höhenlagen entsprechend länger.

Ich geb den Winter nicht auf. Er packt’s noch in dieser Saison. Ich weiß nur nicht, ob ich ihm die Daumen drücken soll oder nicht. Meine Kinder würd’s freuen, wenn wir demnächst doch noch mal Schlitten fahren könnten. Was ein solcher Wetterumschwung aber für unsere Land- und Forstwirtschaft oder für unsere Tierwelt bedeutet, das kann ich nicht abschätzen. Mir schwant nur nichts Gutes. Wir sollten uns schonmal seelisch auf diesbezügliche Katastrophenmeldungen vorbereiten. Sagt mir mein großer Zeh.

Dienstag, 27. Februar 2007

Sieg oder nicht Sieg

Das Bundesverfassungsgericht rückt in letzter Zeit immer häufiger in den Fokus der öffentlichen Berichterstattung und wird immer mehr Bestandteil der politischen Diskussionen. Auch heute wieder ging ein gesprochenes Urteil des Bundesverfassungsgerichts unübersehbar durch die Medien. Gerade die Medien. Immerhin waren in erster Linie eben die Medien von diesem Urteil betroffen.

Im April 2005 veröffentlichte die Zeitschrift „Cicero“ einen Bericht über den (mittlerweile getöteten) Terroristen al Sarkawi und zitierte darin unter anderen aus einem geheimen Dossier des Bundeskriminalamts. Die Staatsanwaltschaft sah Beihilfe zum Geheimnisverrat und durchsuchte die Redaktionsräume, womit sie der Pressefreiheit und dem Informantenschutz eine schallende Ohrfeige verpasste. „So nicht!“, erhob nun das BVerfG den Zeigefinger und strafte die Aktion ab.

Soweit schonmal okay. Das zeigt, dass die Demokratie in diesem Staat noch nicht vollständig am Boden liegt. Das gibt Hoffnung im Hinblick auf die Verfassungsbeschwerden gegen das Verfassungsschutzgesetz in NRW und der geplanten Gesetzesänderungen zur Einführung von Online-Durchsuchungen auf Bundesebene durch Innenminister Dr. Wolfgang Schäuble.

Fragt sich nur: Was hat’s gebracht? Das Gericht hat zwar brav gesagt, dass die Aktion nicht verfassungsgemäß war, aber Köpfe rollen nicht, und wenn doch welche rollen sollten, dann die von irgendwelchen Sesselpupsern in irgendeiner Behörde, die zur falschen Zeit am falschen Ort den falschen Antrag gesehen und abgenickt haben. Die tatsächlich für die widerrechtliche Durchsuchung von Redaktionsräumen verantwortlichen Personen lachen sich stattdessen ins Fäustchen.

Ein kurzer Blick auf den Kalender offenbart die Brisanz des ganzen: Im September 2005 fand die Durchsuchung statt, wurde die „Cicero“-Redaktion sozusagen mundtot gemacht. Im September 2005 fanden die letzten Bundestagswahlen statt. Schily, als damaliger Oberguru im Staat jetzt schon nicht mehr im Amt, hat jetzt – da eineinhalb Jahre später das Bundesverfassungsgericht „Das darf man nicht!“ sagt – keine Repressalien mehr zu fürchten. Nichtsdestotrotz verfehlte die damalige Durchsuchung ihre Wirkung nicht. Allein „Cicero“ kann sich für das heutige Urteil vielleicht auf die Schulter klopfen. Kaufen können sie sich jedoch nichts dafür. Und die Verunsicherung bleibt dennoch.

Vor allem, da wir ja alle wissen, was Politiker in letzter Zeit als erstes machen, wenn das höchste bundesdeutsche Gericht mit dem Zeigefinger wackelt und „Du, du, du!“ ruft: Sie kündigen Gesetzesänderungen an. Im Zweifel gar gleich Änderungen des Grundgesetzes. Sowieso scheint sich immer mehr die Taktik unter unseren Volksverarscherntretern durchzusetzen, erst einmal alles auszuprobieren, die Grenzen auszuloten. Das Verfassungsgericht oder der Bundesgerichthof werden uns schon sagen, wann wir zu weit gegangen sind und um wie viel. Dann weiß man wenigstens, wo noch Nachbesserungsbedarf bei unseren Gesetzen besteht. Und angesichts einer immer noch großen Koalition mit einer die für Grundgesetzänderungen notwendige Zwei-Drittel-Marke locker übertreffenden Regierungsmehrheit wird (nicht nur) mir Angst und Bange. Euch nicht?

Montag, 26. Februar 2007

Ihr Kinderlein kommet

Familienpolitik. Ein ewiger Zankapfel. Und ich verstehe einfach nicht, warum. Weil gewisse Politiker der Meinung sind, der Grundtenor einer Partei müsse gewahrt bleiben, darf die Familienministerin aus den eigenen Reihen keine Initiativen ergreifen, die einer Sozialdemokratin würdig wären? Weil irgendwelche katholischen Priester und obendrein noch ein Bischof Meisner plötzlich kritisieren, was die katholische Kirche selbst jahrelang gepredigt und verteidigt hat? Weil die Sozialdemokraten plötzlich nicht mehr wissen, wie sie gegen solch eine Ministerin innerkoalitionäre Opposition betreiben sollen, um sich für den nächsten Bundestagswahlkampf in günstige Ausreißer-Position zu bringen?

Insbesondere das von Kurt Beck heute in Berlin vorgestellte Konzept zur Finanzierung der Betreuung von Unter-3-Jährigen erntete wieder massive Kritik, das unter anderem vorsieht, zum einen Eltern von mittlerweile erwachsenen Kindern, für die sie kein Kindergeld mehr erhalten, das Ehegattensplitting wegzukürzen (Na, die werden sich bedanken!), obwohl sie sechsstellige Geldbeträge in die Erziehung ihrer Kinder investiert haben, zum anderen Eltern, deren Kinder schon zur Schule gehen, das Kindergeld nicht zu erhöhen (also indirekt zu kürzen), obwohl sie anderweitig aufgrund des Kindesalters gar nicht mehr in den Genuss der damit finanzierten Vorteile kommen können.

Vor diesem Hintergrund konnte ich heute morgen nur noch schäl grinsen und den Kopf vor den nächsten Laternenpfahl donnern, als wir erfahren haben, dass der Kindergarten, bei dem wir unsere jetzt gut zweieinhalbjährige Tochter für dieses Jahr angemeldet hatten, eben dieses Jahr keine neuen Kinder aufnimmt. Dabei bringt mich sowohl die Begründung für dieses Vorgehen als auch der Umstand, auf welchem Wege wir das erfahren haben, so richtig in Kotzstimmung.

Begründung: Dieses Jahr stellt der Kindergarten zum ersten Mal Krippenplätze bereit, also Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren. Diese Betreuung ist zugegebenermaßen aufwändiger als die von Drei- bis Sechsjährigen, da viele von ihnen noch nicht richtig sprechen können und meist noch alle vier Stunden die Windel gewechselt bekommen müssen. Da also acht Krippenplätze eingerichtet wurden, könne der Kindergarten insgesamt nur zehn Kinder weniger als normalerweise aufnehmen. Da zum anderen aber der Kindergarten eh schon überbelegt sei, habe man sich entschlossen, dieses Jahr ausschließlich Krippenplätze anzubieten.

Na, prima! Und unsere Tochter fällt genau durch das Raster (letztes Jahr wäre sie ein Krippenkind gewesen, dieses Jahr gibt’s für sie wegen der Krippenkinder keinen Platz). Geht’s noch? Dass eine Ausweitung der Krippenbetreuung gleichzeitig eine Einschränkung der normalen Kindergartenbetreuung nach sich ziehen würde, davon hat doch wohl keiner was gesagt!

Tja, und dann noch die Art und Weise, wie wir von dieser tollen Entscheidung der Kindergartenleitung erfahren haben: Hieß es bei der schriftlichen Anmeldung, zu der wir uns sogar noch persönlich in die Räumlichkeiten des Kindergartens bemüht hatten, dass wir Anfang Februar dieses Jahres die Entscheidung mitgeteilt bekämen, ob unsere Tochter angenommen würde oder nicht, blieb eine entsprechende Mitteilung jedoch bis heute aus. Während alle Mütter aus dem Bekanntenkreis mittlerweile schon über den Verbleib ihres Prä-Kindergarten-Kindes bescheid wussten, saßen wir langsam aber sicher auf heißen Kohlen und wollten auch endlich Gewissheit haben.

Wir riefen heute also an und mussten so telefonisch von dem für uns familiären und indirekt auch finanziellen Desaster erfahren. Auf die Nachfrage, warum man uns das nicht schon längst mitgeteilt habe, kam die lapidare Antwort, man verschicke grundsätzlich keine Absagen. Wir hätten nur bei einer Zuteilung eines Platzes ein Schreiben des Kindergartens bekommen. Wie bekloppt ist das denn? Familienfreundlich sieht anders aus!

Und während ich mich damals noch bei meiner Großen gefragt habe, warum alle so ein Bohei um die Kindergartenplätze machten, weil ihre Anmeldung (allerdings in einem anderen Kindergarten, weil wir noch in einem anderen Stadtteil wohnten) überhaupt kein Problem war, habe ich mittlerweile gelernt, warum manche Eltern ihre Sprösslinge fast schon vor der Geburt und dann gleichzeitig bei sechs oder sieben Kindertageseinrichtungen anmelden. Wir haben das nicht getan, und jetzt dürfen wir bei den weiteren (auch im räumlichen Sinne) Kindergärten in der Nähe als Bittsteller an die Tür klopfen und hoffen, dass wir unsere Tochter – und nächstes Jahr unseren dann zwei Jahre alten Sohn, ich sag nur: Kinderkrippe – dort noch unterbringen können.

Sonntag, 25. Februar 2007

Zielgruppenproblem

Da gibt es so ein Blog im Netz, da wird annähernd tagesaktuell auf allem rumgehackt, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Freie Meinungsäußerung nennt der Schreiber das wohl. Die Themen sind vielfältig: Ein bisschen Politik hier, ein bisschen Medienschelte da. Dabei nimmt er genauso auf bundesweit interessante Themen bezug, wie auch auf lokal angehauchte oder gar weltweite.

Seinen Beiträgen merkt man deutlich an, dass er sich interessenmäßig eher so in Richtung Computer und IT einordnen lässt – soll ja nicht ungewöhnlich sein. Bei Leuten, die im Internet ein Blog führen, scheint das eher die Regel als die Ausnahme.

Und so nutzt er auch so manche Gelegenheit, seine Leser (wieviele auch immer das sein mögen) über aktuelle Meldungen aus dem IT-Bereich zu informieren. Freilich nicht ohne auch seinen persönlichen Kommentar dazu abzugeben, der in den meisten Fällen… nun, sagen wir mal: etwas deutlich ausfällt. Von Diplomatie hat der Typ scheinbar noch nie was gehört.

Und genau da liegt der Hase im Pfeffer. Beim Lesen seiner Beiträge wird man das Gefühl nicht los, dass die in vielen Fällen genau an die Zielgruppe gerichtet sind, die er darin nach Strich und Faden und besten rhetorisch möglichen Mitteln verunglimpft. Ziemlich bekloppt, wenn ihr mich fragt. Denn wie soll man seine Zielgruppe erreichen, wenn man sie in jedem dritten Satz vor den Kopf stößt?

Klingt schizophren, nicht wahr? Vielleicht ist der Autor das auch. Ich kann das nicht beurteilen. Nicht, weil ich ihn nicht kenne, sondern eher im Gegenteil: Ich rede von mir selbst.

Ja, mir ist das irgendwie aufgefallen, dass eine Reihe meiner Beiträge auf eine Art und Weise verfasst ist, die insbesondere den Nicht-Computer-Spezis und Internet-Laien die Technik und die damit verbundenen Problematiken des Alltags und der Rechtsprechung ein wenig transparenter machen will. Wollte ich für andere Nerds schreiben, bräuchte ich nicht zu erklären, wie das MP3-Format entstanden ist, wie es zu Cybersex im IRC kommen kann oder was ein Politiker eigentlich meint, wenn er von einem „Killerspiel“ redet. Denn aufgrund meiner Technik- und IT-Affinität rede ich vielen meiner Branchenkollegen automatisch nach dem Mund, und bräuchte denen gegenüber erst gar nicht meine Meinung kundzutun.

Stattdessen beschwere ich mich beispielsweise über Spambot-Netze, die uns tagtäglich mit unerwünschtem Werbedreck zumailen (durchschnittlich über neunzig Prozent der empfangenen Mails sind Spam, also unerwünschter Werbedreck oder Trojaner- bzw. Viren-verseuchter Müll), und mache gleichzeitig diejenigen sehr konfrontativ dafür mitverantwortlich, für deren Verständnis ich so manchen Beitrag mit etwas ausführlicheren Erklärungen anreichere. Oder kurz gesagt: Ich beleidige meine Zielgruppe.

Stellt sich nur die Frage: Warum mache ich das? Oder sollte ich lieber damit aufhören?

Als ich für mich über diese Fragen sinnierte, fiel mir spontan Till Eulenspiegel ein. Der hat seine Zeitgenossen auch ziemlich an der Nase herum- und vorgeführt. Und war dafür verständlicherweise auch nicht sehr beliebt. Genauso könnte ich argumentieren: Ich versuche, mit meinen konfrontativen Ausführungen zu Computer-DAUs (DAU = dümmster anzunehmender User) oder Staats-hörigen Bundesschafen dem Leser einen Spiegel hinzuhalten. In der Hoffnung, dass er nicht nur sich selbst darin erkennt, sondern vor allem sieht, welch hässliche Fratze (im übertragenen Sinne, wohlgemerkt!) ihm da entgegen blickt, sollte er sich wiedererkennen.

Und dass so etwas wirken kann, beweist schon die Tatsache, dass die Figur des Till Eulenspiegel uns nicht unbekannt ist. Hätte er durch dieses sein Verhalten nicht irgend etwas bei den Menschen bewirkt, wäre sein Name nicht überliefert worden. Da bin ich mir sicher.

Ob ich mit meinen Ausführungen etwas bewirken kann? Natürlich hoffe ich das, sonst würde ich es ja nicht tun. Aber ich bin auch kein Till Eulenspiegel. So viel weiß ich dann auch noch. Nichtsdestotrotz – oder gerade deshalb – werde ich so weiterbloggen wie bisher. Konfrontativ, vor den Kopf stoßend, polemisierend. Es ist meine Chance, Frust über Dinge abzulassen, die ich scheinbar nicht ändern kann, aber gleichzeitig eure Chance, von den Erfahrungen eines Computer-Freaks zu profitieren, der manche Dinge eures Alltags interessenbedingt aus einer etwas anderen Perspektive wahrnehmen kann. Und da normalerweise jeder Blogger schreibt, damit andere das lesen, hoffe ich auch, ihr nutzt eure.

Ein Blick in den Spiegel kann nie schaden, um eine erweiterte Sichtweise von den Grundmechanismen des Lebens oder unserer Gesellschaft zu erhalten. Dies war meiner.

Samstag, 24. Februar 2007

Von Softwarepatenten und Stellenstreichungen

Es war einmal vor fünfundzwanzig Jahren, da begann ein Forschungsinstitut in Erlangen sich Gedanken darüber zu machen, wie man digitale Musikdaten auf einen Bruchteil seiner ursprünglichen Menge eindampfen kann. Auf der Basis eines psychoakustischen Modells, das im Grunde besagt, dass der Mensch in einem Töne-Mix bestimmte Frequenzen nicht mehr unterscheiden bzw. heraushören kann, werden eben solche Akustik-Informationen einfach aus der Musikdatei gelöscht und diese somit speicherplatzsparender gemacht. Die Rede ist hier vom mittlerweile auf der ganzen Welt verbreiteten und bekannten Format „MP3“, das seit 1992 als „Mpeg 1, Layer 3“ festgeschrieben ist und am 14. Juli 1995 seine namensgebende Dateiendung bekam.

Viele Computer- und Softwarehersteller setzten seither auf dieses Format, das vom Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen in Zusammenarbeit mit den AT&T Bell Labs entwickelt wurde und das Musikdateien auf zehn bis zwanzig Prozent (je nach verwendeter Bitrate) der Größe ihrer Rohdaten eindampfen kann.

Im Jahr 1996 wurde die Bell Laboratories von AT&T abgestoßen und in Lucent Technologies umgewandelt. Zehn Jahre später, am 1. Dezember 2006, fusionierte Lucent mit seinem französischen Mitbewerber Alcatel. Die beiden firmieren fortan gemeinsam unter dem Namen Alcatel-Lucent. So kam die Firma Alcatel-Lucent in den „Besitz“ einiger Patente aus den Beständen der Bell Labs, die Bestandteil des MP3-Codecs sind. Naja, und was macht man, wenn man plötzlich rechtmäßiger Inhaber von Patenten ist, die weltweit erfolgreich genutzt werden? Korrekt, man klagt Lizenzzahlungen ein.

Im Patentstreit, der zum Schluss ausschließlich mit Microsoft ausgetragen wurde, erging vor wenigen Tagen vor einem US-Gericht ein Urteil: Microsoft muss an Alcatel-Lucent rückwirkend Patentgebühren in der Gesamthöhe von 1,52 Milliarden Dollar (das sind umgerechnet circa 1,15 Milliarden Euro) nachzahlen. Und das, obwohl Microsoft nach eigener Überzeugung die Technik ausreichend durch Zahlung von 16 Millionen Dollar (laut einem Spiegel-Online-Artikel) an das Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen lizenziert habe.

Dieser Fall zeigt sehr detailreich das Problem sogenannter Software-Patente. Diese beziehen sich im Gegensatz zu den „normalen“ Patenten nicht auf eine technische Erfindung, sondern beinhalten meist nur Ideen für Problemlösungen. Das wäre so, als hätte in der Steinzeit jemand gesagt: „Um schneller vorwärts zu kommen oder Gegenstände besser transportieren zu können braucht man was rollendes“, und diese Idee zum (Software-)Patent angemeldet. Dann wäre der tatsächliche Erfinder des Rades, der nicht nur vage formuliert sondern direkt eine „echte“ Erfindung gemacht hat, ganz schön gekniffen gewesen.

Gestern dann kam die Meldung, Alcatel-Lucent wolle nach Angaben der IG Metall in Deutschland 867 Stellen streichen. 464 davon in Stuttgart und 303 in Nürnberg, plus ein paar nicht näher bezifferte an drei weiteren Standorten. Mensch, dabei wäre das so einfach gewesen: Von den gerade erst zugesprochenen 1,52 Milliarden Dollar hätte man doch jedem dieser zu entlassenden Mitarbeiter für (im Schnitt wohl bis zur Rente noch zu arbeitenden) 40 Jahre ein Jahreseinkommen von 33.160 Euro sichern können.

Ach ja, nicht nur der Heise-Verlag berichtet in seinem Newsticker davon. Auch im Ticker von Tagesschau.de gab es eine kurze Meldung dazu. Wie das aber unsinnigerweise bei Tagesschau.de so üblich ist, werden dort nicht nur eigene redaktionelle Beiträge aufgenommen, sondern auch solche der einzelnen Sendeanstalten, die auf deren eigenen Webseiten schon veröffentlicht wurden. So auch in diesem Fall. Man setzte einfach einen Link auf die entsprechende Meldung des SWR und glaubte, damit der Informationspflicht Genüge getan zu haben.

Beim SWR ist aber nur die Rede von 450 Stellen, die wegfallen sollen. Na klar, die reden ja auch nur vom Stuttgarter Standort. Die anderen betroffenen Standorte sind für das SWR-Sendegebiet irrelevant. Und damit auch für Tagesschau.de. Was habe ich letztens noch von der Tagesschau.de-Redaktion für eine Mail erhalten, nachdem ich mich über das Fehlen der Meldung über die Polizei-Datenpanne in Hessen in der 20-Uhr-Fernsehausgabe beschwert hatte: „Diese Meldung ist nicht von bundesweitem Interesse.“ Und darüber entscheidet ein Hamburger Redakteur, ja? Interessant…

Freitag, 23. Februar 2007

Über Nacht berühmt

Es geht um ein brisantes Thema. Darum müsst ihr mir verzeihen, wenn es jetzt etwas ausführlicher wird, denn ich möchte vermeiden, falsch verstanden zu werden. Ich hoffe nur, es gelingt mir.

Es ist jetzt ungefähr elf Jahre her. Ende ’95, Anfang ’96 entdeckte mein damaliges Vierzehn-Vierer-Modem das Internet. Keine Ahnung, was man da außer E-Mail und WWW noch so alles anstellen kann (und das wissen viele Möchtegern-Internet-Experten bis heute nicht), nutzte ich das Angebot meines Zugangs-Anbieters („Provider“), ein vorab mit nützlichen Programmen ausgestattetes Software-Paket herunterzuladen. Darin enthalten war ein Programm namens „mIRC“, damals noch Freeware, aber ich hatte keine Ahnung, wozu das gut sein sollte.

Damals war ich noch naiver, da habe ich sowas „einfach mal eben installiert“ und ausprobiert. Meine Überraschung war groß, dass sich dahinter ein in Echtzeit ablaufender textbasierter Chat – der so genannte „Internet Relay Chat“ (IRC) – verbarg, der es mir ermöglichte, mit Leuten rund um den Globus zu „chatten“. Für jemanden, der Ähnliches zwar schon kannte, aber nur aus einer Mailbox (damals hatte das Wort noch eine andere Bedeutung und nichts mit Handys zu tun), die maximal 20 gleichzeitige Telefon- bzw. Modem-Verbindungen zuließ, war das eine Offenbarung.

Irgendwie landete ich dort in dem Channel „#muenchen“ (heutzutage reden die DAUs nur noch von „Chat-Rooms“), der fortan mein Stamm-Channel wurde. Viele neue, nette Leute lernte ich dort kennen. Und ich lernte, dass im Internet Relay Chat gebaggert wird, dass sich die Balken biegen. Da nimmt man es mit der Wahrheit auch nicht immer so genau. Und ja, ich oute mich, auch ich habe versucht, mit dem einen oder anderen vermeintlichen oder real existierenden Mädel im Chat anzubandeln. Da man im IRC eigentlich nie mit seinem echten Namen unterwegs ist, sondern ausschließlich mit Pseudonym (bei dem höchstens mal eine angefügte „17“ o.ä. auf das Alter schließen lassen soll), traut man sich unter dem Deckmantel dieser vermeintlichen Anonymität schonmal Dinge, die man sonst nicht täte. Das war mal erfolgreich, mal auch nicht.

Ist man dabei mit jemandem in engeren Kontakt gekommen, d.h. hat man nicht nur im öffentlichen Channel, sondern auch per so genannter „private message“ Nettigkeiten ausgetauscht, blüht langsam aber sicher auch der Wunsch nach Visuellem auf. Platt gesagt: Man will was zum Gucken, will wissen, wie der oder die andere aussieht. Dürfte heute nicht anders sein als früher. Dabei kann man auch schonmal Wünsche äußern, wie zum Beispiel dem nach „mehr Haut auf dem Bild“ – um es mal vorsichtig auszudrücken. Viele sind selbstbewusst genug, sich nicht auf so etwas einzulassen. Einige wenige sind noch selbstbewusster und machen es bewusst trotzdem. Es soll wohl auch Unerfahrenere geben, die in ihrer grenzenlosen Naivität gleich Nacktfotos von sich anfertigen und sich was-auch-immer davon erhoffen.

Genau das ist vermutlich vor zwei Jahren einem damals 11-jährigen Mädchen aus dem Kreis Gütersloh widerfahren. Sie chattete mit einem Unbekannten, von dem bisher weder Alter, Einwahlpunkt oder gar der Name, noch das Geschlecht bekannt sind. Dieser Unbekannte forderte – vermutlich aus Jux, so ist das nach meiner IRC-Erfahrung nämlich meistens – das Mädchen auf, Fotos von sich bei sexuellen Handlungen anzufertigen. Sie fiel drauf rein und schickte sieben Fotos an die ihr unbekannte Person. Das Unheil nahm seinen Lauf.

Der Unbekannte verteilte die Fotos: an Freunde, Bekannte, im Internet. Arschloch. Sorry, das musste mal raus. Jedenfalls kam es wie es kommen musste, als Strafverfolger kürzlich auf die Bilder vermutlich auf irgendeiner Webseite aufmerksam wurden und stante pede einen Fall von Kindsmissbrauch und Kinderpornographie witterten. Da von den Bildern nicht einmal bekannt war, wer darauf zu sehen war, nutzte man die Macht der Medien: Im Januar dieses Jahres wurde eines der Fotos in der Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ gezeigt und um Aufklärung über die Identität des Mädchens gebeten, nicht ohne den Hinweis, es ginge um einen „schweren Fall von Kindesmissbrauch“. Die Mutter der heute 13-Jährigen sah die Sendung zufällig und fiel aus allen Wolken. Das Mädchen selbst aber wohl auch. Hatte sie doch bis zu diesem Zeitpunkt nicht einmal gewusst, was ihre unbedachte und – ich möchte das hier noch einmal betonen – freiwillige Handlung für Konsequenzen nach sich ziehen würde.

Fahndung erfolgreich“ meint die Polizei dann auch ganz lapidar, nachdem endlich klar wurde, worum es sich eigentlich handelte. Und spricht im selben Atemzug weiterhin von einem „schweren Fall von Kinderpornographie“. Dass die Beamten und die Redakteure das Mädchen damit dem Spott einer ganzen Nation („Die mit den Nacktfotos, du weißt schon“) ausgesetzt haben, wird tunlichst verschwiegen oder heruntergespielt. Ganz zu schweigen davon, dass mit Selbstauslöser angefertigte Nacktfotos mit „schwerem sexuellen Missbrauch Minderjähriger“ nicht das Geringste zu tun haben.

Heute bin ich zufällig in die neueste Folge von „Aktenzeichen XY ungelöst“ reingezappt (ja, glaubt’s mir, das war wirklich reiner Zufall), als der Fall aus der vergangenen Sendung erneut in einer Kurzmeldung über den „erfolgreichen“ Verlauf der Fahndung erwähnt wurde. In einer bestürzenden Art und Weise hat der Moderator nach wie vor davon gesprochen, dass das Mädchen

„von einem skrupellosen Pädophilen missbraucht“ (Original-Zitat Rudi Cerne)

wurde. Und das zu einem Zeitpunkt, zu dem die sich selbst informierenden Internet-Rechercheure schon längst wussten, dass hier keinesfalls von sexuellem Missbrauch oder gar Skrupellosigkeit die Rede sein konnte.

Ob der „Täter“ zudem ein pädophiler Familienvater oder nur ein notgeiler Heranwachsender war, das weiß noch überhaupt niemand – auch die Ermittlungsbeamten nicht. Ihn dann derart öffentlich in eine solche Schublade zu stecken, die ihn dem Zorn aller berufsbetroffenen Pädophilen-Hasser aussetzt, dürfte nicht gerade dazu beitragen, dass er sich selbst zu erkennen gibt und die Sache zu einem guten Ende hin aufklärt, falls es sich um einen jugendlichen Scherzkeks handeln sollte, wie derzeit von mir vermutet.

Und ich will und muss noch einmal klar stellen: Ich will nicht ausschließen, dass der unbekannte Chatpartner nicht vielleicht doch ein „skrupelloser Pädophiler“ ist, aber das geht aus dem aktuellen Fall so überhaupt nicht hervor, und keines der öffentlich bekannt gewordenen Indizien lässt diese Schlussfolgerung zwangsläufig zu. Und ja, ich finde es verabscheuungswürdig, wenn jemand derart das Vertrauen anderer missbraucht und zugesandte Nacktbilder, noch dazu solche in intimen Posen, an Unbeteiligte weitergibt und sogar im Internet verbreitet. Aber wenn ich hier nach öffentlicher Aktenlage eine Straftat erkennen kann, dann nur die der Verletzung des Rechts am eigenen Bild.

Übrigens: Dass die Erziehungsbeauftragten (also allen voran die Eltern des Mädchens aber auch die Lehrer) es nicht geschafft haben, dem Mädel ein Mindestmaß an Medienkompetenz zu vermitteln, damit es eben nicht Nacktfotos von sich an unbekannte Personen weitergibt – davon war und ist – natürlich – mal wieder nicht die Rede. Und das ist in meinen Augen, auch wenn es am Ende dieses Beitrags mehr wie eine unwichtige Randbemerkung aussieht, der wichtigste Aspekt dieser ganzen Geschichte.

Donnerstag, 22. Februar 2007

Alles Birne, oder was?

Ganz Deutschland diskutiert – wenn man den Medien Glauben schenken möchte – über den Vorschlag, wie in Australien die Verwendung herkömmlicher Glühbirnen zu verbieten und die ausschließliche Verwendung von so genannten Energiesparlampen zu forcieren.

Die Befürworter, allen voran der baden-württembergische SPD-Politiker Hermann Scheer, argumentieren damit, dass eine Komplettumstellung von Glühfaden auf Leuchtstoff den privaten Jahres-Energiebedarf um sechs Prozent senken würde, wodurch man laut Scheer ein bis zwei Atomkraftwerke einsparen könne. Doch die Partei, vor allem die Bundesregierung, wiegelt ab. Ein Glühbirnen-Verbot sei nicht durchzusetzen, da es insbesondere auch gegen EU-Recht verstieße. Scheer hält mit Unverständnis dagegen und behauptet, Energiesparlampen hätten nur noch zehn Prozent des Stromverbrauchs herkömmlicher Glühbirnen. (Was jedoch falsch ist, es sind zwanzig Prozent, aber das klingt Herrn Scheer vielleicht nicht dramatisch genug.)

Auch ich sehe jedoch erst einmal nicht viel Schlechtes darin, eine Glühlampe dort gegen eine Kompaktleuchtstofflampe auszutauschen, wo es möglich ist. In unserem Haushalt wird das schon weitestgehend praktiziert. In so gut wie jedem Raum wird das Licht bei uns ausschließlich von Energiesparlampen (oder Leuchtstoffröhren wie im Badezimmer-Spiegelschrank oder im Arbeitszimmer) gespendet – bis auf wenige Ausnahmen: Im Wohnzimmer haben wir einen Deckenfluter und Halogenstrahler, in einem der Kinderzimmer waren schon bei Einzug ebenfalls Halogenstrahler in die Decke eingelassen, die wir übernommen haben, und in der Kammer wartet eine Standleuchte mit zwei 25-Watt-Birnen auf besondere und kurzfristige Einsatzmöglichkeiten. Selbst die Haustürbeleuchtung habe ich – obwohl wir eigentlich nur zur Miete wohnen – auf eigene Kosten gegen ein Energiesparmodell ausgewechselt. Mir war halt danach.

Trotzdem bin ich gegen ein solches Verbot. Warum? Es gibt einfach Einsatzfälle, da kann man auf den klassischen Glühfaden nicht grundsätzlich verzichten. Zumindest nicht, bis nicht die jeweilige Gerätegeneration komplett veraltet und ausnahmslos(!) durch moderne, noch zu konstruierende Geräte ersetzt wurden. Ich rede zum Beispiel von Kühlschränken. Oder beleuchteten Vitrinenschränken. Hier sind teilweise durch die Bauart bedingt derartige Lampenformen zwingend, die keine Energiesparlampe auch nur näherungsweise erreichen könnte. Ersatz könnten vielleicht LED-Lampen schaffen, aber dafür müssten wohl viele Geräte oder Schränke umgerüstet werden – sofern das überhaupt möglich ist. Und sofern das überhaupt sinnvoll erscheint. Bei einer 10-Watt-Funzel, die immer nur dann Strom verbraucht, wenn ich die Kühlschranktür öffne, sehe ich kein Atomkraftwerke überflüssig machendes Einsparpotential. Ehrlich nicht.

Zudem haben Kompaktleuchtstofflampen auch ein paar Nachteile, Wikipedia zählt mindestens drei auf, die vor allem in speziellen Einsatzbereichen eine Energiesparlampe durchaus disqualifizieren:

  • temperaturabhängige Helligkeit: Erst nach einer ein bis zwei Minuten dauernden Aufheizphase entfalten sie ihre volle Helligkeit, bis dahin sind sie deutlich dunkler.
  • längere Einschaltzeit: Moderne hochwertige Lampen erreichen eine höhere Schaltfestigkeit auf Kosten einer verzögerten Einschaltzeit zwischen 0,1 und zwei Sekunden.
  • Energiesparlampen und Dimmer vertragen sich nicht: Es gibt nur wenige, teure Modelle, die sich dimmen lassen. Es gibt aber auch Lampen, die sich durch schnelle Ein-/Ausschaltfolgen auf eine bestimmte Helligkeit einstellen lassen.

Auf Tagesschau.de gibt es denn auch gleich passend zur Meldung eine (nicht-repräsentative) Umfrage unter den Webseiten-Besuchern: Nach aktuellem Stand fänden 68,8 Prozent aller Teilnehmer ein solches Glühbirnen-Verbot gut, 5,6 Prozent seien unentschieden. Somit gehöre ich zu den 25,6 Prozent, die so einen Quatsch in Form einer weiteren Gängelung des mündigen Bürgers nicht brauchen und auch nicht wollen.

Und an die 68,8 Prozent der Umfrage-Teilnehmer kann ich dann abschließend nur noch meine Frage richten: Wenn ihr das doch alle so toll findet, warum habt ihr euren Haushalt nicht auch schon weitgehend auf Energiesparlampen umgestellt? Oder, noch einen Schritt weiter gedacht: Sollten diese ganzen 68,8 Prozent tatsächlich schon selbst ausschließlich Energiesparlampen einsetzen und an so einem Gesetz gut finden, dass auch der andere Teil der Bevölkerung zu derartigen Umstellungsmaßnahmen gezwungen würde, hielte ich die geschätzten Angaben zum Energie-Einspar-Potenzial für um das mindestens 3-fache überzogen – denn dann würden ja nur noch gut 30 statt 100 Prozent der Deutschen ihren Energiebedarf für Beleuchtung um 80 (nicht 90, Herr Scheer!) Prozent reduzieren.

Mittwoch, 21. Februar 2007

Pack schlägt sich

Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. Und sollte einer aus dem Reigen mit dem Ausstieg drohen oder den Kodex verraten, wird kurzer Prozess gemacht. Ganz einfach. Das war schon vor neunzig Jahren in Chicago so, erfreut sich immer noch großer Beliebtheit in Sizilien und – macht neuerdings auch vor der Wirtschaft nicht halt.

Seit Jahr und Tag jammert die Musik- und Filmindustrie (Music And Film Industry Association – MAFIA™) über rückläufige Umsätze und die bösen bösen Raubkopierer, die es wagen sich Tonnen von MP3s auf den heimischen PC zu laden statt die schnöde Mucke für teuer Geld im CD-Shop oder heimischen Blödmarkt zu erstehen. Es wird von Umsatzeinbußen berichtet jenseits von Gut und Böse, getreu dem Motto: Alles was auf privaten PCs an „extern gespeicherten Sicherheitskopien“ lagert, hätte ohne den Status einer Kopie den Musikbossen fetten Reibach beschert.

Dabei ist nicht jeder MP3-Liebhaber wirklich böse. Viele möchten einfach nur ihre Lieblingsmusik gerne unterwegs hören. Und da sind Disc- oder gar Walkman einfach überaltert. MP3-Player lautet das Zauberwort. CDs, die nicht dem Standard entsprechen und somit auf einer Vielzahl von Stand-alone-Geräten den Dienst versagen, nur um das Kopieren der Musik zu erschweren, schüren nicht gerade Liebesausbrüche bei der Kundschaft.

Aber statt dass die Musikbonzen sich endlich mal auf neue Vertriebwege besinnen, sitzen sie fleißig weiter im Tal der Jammerlappen und schimpfen auf alles, was „Nero“ oder „Tauschbörse“ schneller anklicken als aussprechen kann.

Tatsächlich gibt es den einen oder anderen Music-Shop im Internet, wo man aktuelle Mainstream-Musik in digitaler Form kaufen und legal auf den heimischen PC holen kann. Allein, das ganze hat einen kleinen Haken: Damit die Musikkonzerne – allen voran die vier größten Sony-BMG, Universal, Warner und EMI – überhaupt grünes Licht für die Vermarktung ihrer „Software“ auf solchen Marktplätzen geben, fordern sie strenge Restriktionen. Diese manifestierten in Form des so genannten „DRM“ (Digital Restrictions Rights Management), welches dem Käufer solcher Musik gestattet, das Musikstück genau x Mal oder maximal bis Datum y bzw. ausschließlich auf Gerät z abzuspielen.

Findige User sind mittlerweile dazu übergegangen, z.B. die im iTunes-Shop von Apple gekauften Songs gemäß DRM-Erlaubnis ein Mal auf CD zu brennen und diese dann wieder zu rippen und in MP3s (ohne DRM) zu konvertieren – damit sie das Lied endlich auch im Auto oder im Wohnzimmer statt nur auf dem iPod oder im Arbeitszimmer hören können. Kundenfreundlichkeit sieht anders aus.

Das hat jetzt auch Apples Big Boss Steve Jobs erkannt. Das heißt… erkannt hat er es vielleicht sogar schon viel früher, aber jetzt ist er damit an die Öffentlichkeit gegangen. Er plädiert in einem Artikel namens „Gedanken zu Musik“ („Thoughts on music“) dafür, das Rechtemanagement namens DRM zu Grabe zu tragen und die Musik ohne jegliche Restriktionen im allgemein geliebten MP3- und vielleicht noch dem zusätzlich recht weit verbreiteten OGG-Format zu verkaufen.

Recht hat der Mann, denn wer ein bestimmtes Lied unbedingt für Umme haben will, der kriegt es auch, wenn es legal nur mit Kunden-Gängelung zu haben wäre. Würde diese Gängelung aber wegfallen, wären viel mehr Kunden bereit, auch wieder Geld für ihre Musik auszugeben. Ich übrigens auch. Irgendwie nachvollziehbar, oder? Aber ob die Musikindustrie das auch kapiert?

Tatsächlich… zwei Tage später geisterte eine Meldung durch den Ticker, dass der Musikriese EMI tatsächlich die DRM-Geschichte noch einmal überdenken und gegebenenfalls auf Online-Verkäufe ohne Kopierschutz umschwenken will. Es tut richtig gut zu lesen, dass es Menschen gibt, die auch mal anfangen ihr Hirn zu benutzen und die Kunden ihrer geführten Unternehmen nicht als raubkopierendes Dummvieh ansehen.

Aber wie war das noch gleich? Pack schlägt sicht, Pack verträgt sich, und spurt einer nicht, wird er kaltgestellt. Tschüss, EMI.

Dienstag, 20. Februar 2007

Rauchen gefährdet…

rauchen.jpg… Ihre Gesundheit? Schnee von gestern! Ganz neu jetzt: Rauchen gefährdet Ihre IT-Sicherheit!

Nein, damit ist nicht gemeint, dass der Zigarettenqualm CD- und DVD-Laufwerke unbrauchbar macht, weil die Linse „erblindet“. Damit ist auch nicht gemeint, dass eine auf der Tastatur abgelegte und dann vergessene Zigarette dem Eingabegerät etwas – nun ja , sagen wir mal – schaden könnte. Raucher sind, was die „Verwaltung von Kennwörtern“ auf Unterseiten von Tastaturen oder Mäusen angeht, auch nicht dümmer als nichtrauchende „Experten“.

Es ist viel profaner, aber wohl weniger offensichtlich: An immer mehr Arbeitsplätzen, in immer mehr Bürogebäuden ist das Rauchen nicht mehr so gerne gesehen, größtenteils sogar verboten. Im öffentlichen Dienst mittlerweile sowieso.

Was macht also der gestresste Raucher, wenn er sich mal wieder dem Nikotin-Konsum hingeben will? Er geht auf den Balkon… äh… vor die Tür. Dabei werden zuweilen auch schonmal Türen, vorzugsweise an Hintereingängen, die eigentlich aus Sicherheitsgründen abgeschlossen sind, durch Holzklötze am Zufallen gehindert oder sonstwie der Rückweg ins Gebäude auf irgendeine Art und Weise offen gehalten.

Genau darauf hat jetzt laut einem Bericht auf Heise.de ein Sicherheitsdienstleister aufmerksam gemacht. Zugegebenermaßen gefährdet nicht einmal das Rauchen an sich die Sicherheit, sondern gar das Rauchverbot. Von Rauchern, die nach draußen verbannt wurden, offen gelassene Hintertüren laden Kriminelle geradewegs dazu ein, in das Gebäude einzudringen und böse Dinge™ zu tun. Und damit sind nicht nur Kleinkriminelle gemeint, die „mal eben“ eine Geldbörse, Speicherstifte oder Jacken mitgehen lassen, sondern es geht teilweise auch um Wirtschaftsspionage, Verwanzung und Ausspähen von Kennwörtern.

Also, liebe Firmen aus der IT-Branche: Verbannt die Raucher nicht nach draußen. Wenn Ihr ihnen schon nicht den Qualmgenuss am Bildschirm zugestehen wollt (was ich in gewisser Weise verstehen kann), dann schickt sie doch wenigstens nicht vor die Tür. Gönnt ihnen eine kleine Enklave in Form eines abgetrennten Bereichs, wo sie ihren Gelüsten frönen können. Vielleicht schauen sie dort auch ab und zu mal an die Decke…

Sonntag, 18. Februar 2007

Auf Augenhöhe

Nach Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, BKA-Chef Jörg Ziercke, diversen Polizeigewerkschaftsvertretern, anderen Innenministern und Streifenpolizisten bei uns umme Ecke hat jetzt auch Generalbundesanwältin Monika Harms in das selbe Horn gestoßen und der Forderung nach einer gesetzlichen Grundlage für Online-Durchsuchungen von privaten Inhalten auf Festplatten in privaten PCs einmal mehr Nachdruck verliehen.

So nach dem Motto: Je mehr große Tiere sich umso lauter dafür aussprechen, desto wahrscheinlicher wird, dass die treudoofe Schafherde Wählerschaft das ganze auch ungesehen glaubt und am Ende nicht Amok läuft, wenn das Gesetz dann einmal da ist.

Und immer wieder kommen die gleichen Argumente. So auch diesmal wieder:

Wir müssen technisch auf Augenhöhe mit den Terroristen bleiben und dürfen nicht nur hinterherhecheln.

Auf Augenhöhe mit den Terroristen? Kein Problem. Mit einem solchen Gesetz stellte sich der Staat völlig problemlos mit Terroristen und Diktatoren auf eine Stufe. Augenhöhe erreicht.

Ein paar aktuelle Beiträge zu diesem Thema auf Heise.de:

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