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Archiv: Januar 2007  

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Donnerstag, 4. Januar 2007

Phishers Fritz phisht dumme Bauern

Nenene… Was musste ich da kürzlich in einem schon Mitte letzten Monats erschienenen Artikel lesen?

Jeder zwölfte Bundesbürger ist bereits Opfer von Phishing-Attacken geworden.

Phishing… Das ist, wenn man eine E-Mail bekommt, die einem in meistenfalls (teilweise aber auch nicht) grottenschlechtem Deutsch aufträgt, einen Link zu klicken, der einen angeblich zur Loginseite der eigenen Bank führt, wo man dann unbedingt alle Konto-Zugangsdaten und ein paar der zur Absicherung von Transaktionen notwendigen TANs eingeben soll.

Man will mir also weismachen, dass wirklich schon jeder zwölfte Bundesbürger nicht einfach nur so eine Dumm-Mail bekommen hat, sondern auch schon tatsächlich Opfer eines solchen „Angriffs“ wurde, sprich durch die gutgläubige Angabe von vertraulichen Kontodaten auf der vermeintlichen Seite der eigenen Bank, die man durch einen Link in einer aus obskurer Quelle stammenden E-Mail erreichte, Geld verloren hat?

Das ist starker Tobak. Ich habe dem Volk ja viel Dummheit zugetraut, aber das schlägt alles bisher von mir Angenommene. Jeder zwölfte… das heißt, mindestens acht Komma drei Prozent der Bürger (und das ist eine optimistische Angabe, schließlich hat nicht jeder einen PC, geschweige denn einen Internetzugang, geschweige denn nutzt er Online-Banking) sind so doof, dass sie noch nicht einmal in Milch schwimmen…

Dann wundert es mich ehrlich gesagt, dass die Rechten bei Wahlen nur vier Komma drei acht Prozent erreichen.

Mittwoch, 3. Januar 2007

Das Glas ist halb voll

Tun wir mal mathematisch: Gegeben sei ein Trinkglas. Der Inhalt des Glases bestehe zu fünfzig Prozent aus Atemluft und zu fünfzig Prozent aus dem Lieblingsgetränk. Jetzt gibt es – ihr kennt das sicherlich schon – folgende Fallunterscheidung aus der Welt der Psychologie: Es gibt solche, die von dem Glas behaupten, es sei halb voll, und solche, für die wäre das Glas halb leer. Je nachdem, welche Formulierung man bevorzugt, wird man eher als Optimist oder eher als Pessimist eingestuft. (Was muss man eigentlich sagen, damit man als Realist gilt?)

Heute geisterte mal wieder die regelmäßige Meldung über die Arbeitsmarkt-Daten durch die Medien. Haben dabei vor noch nicht allzu langer Zeit die Halb-Leer-Typen die Oberhand gehabt, die die aktuelle Lage mit einer Meldung wie „Schon wieder mehr als 4 Millionen Arbeitslose!“ kommentiert hätten, habe ich heute fast ausnahmslos solche Meldungen gehört und gelesen, die sogar ausnahmsweise mal die Millionen bis auf drei(!) Nachkommastellen genau angaben und gleichzeitig nicht müde wurden, darauf hinzuweisen, dass die achttausend Arbeitslosen, die über der Viermillionenmarke residieren, nur daher kommen, dass es nur zwölftausend mehr wären als im letzten Monat. Klingt wie ein „Das Glas ist halb voll“-Typ, nicht wahr?

Also, ich finde diesen einem überall entgegen schlagenden Zweckoptimismus extrem auffallend. Aber warum nur diese positive Darstellung auf Biegen und Brechen, wo noch vor wenigen Monaten jedes Blatt und jeder Sender in das Sprachrohr einer imaginären Opposition geblasen hätte?

Vielleicht, um das zarte Wirtschafts- und Arbeitsmarkt-Konjunkturpflänzchen nicht gleich wieder zu zerreden zertrampeln? Oder steckt mehr dahinter? Sind die Medien vielleicht doch nicht so ganz unabhängig und überparteilich wie sie es einem gerne glauben machen möchten? Ist denen daran gelegen, dass diese Große Koalition nicht gleich wieder schlecht gemacht wird? Will man mit derart positiven Meldungen von dem ablenken, was eine Brigitte Zypries mit ihren Hacker-, Softwarepatent- und Urheberrechtsgesetzen, ein Wolfgang Schäuble mit seinen die Grundrechte abschaffenden und die Verfassung missachtenden Gesetzen oder eine Ulla Schmidt mit ihrer mit der heißen Nadel gestrickten und völlig unausgegorenen Gesundheitsreform anrichten?

Wie sagt Fritz Eckenga in seiner Assauer-Satire immer so schön? „Da kannze in der nächsten Halbzeitpause mal ne Viertelstunde drüber nachdenken. Viertelstunde? Schaffst du schon!“

Dienstag, 2. Januar 2007

Bei ARD und ZDF reihern Sie in die ersten Sitze

Na, heute schon den Fernseher an gehabt? Ach, du hast gar keinen Fernseher? Naja, macht nichts. Kann ich verstehen, bei den horrenden GEZ-Gebühren und den laschen Inhalten. Aber das Radio läuft doch bestimmt irgendwo? Ach, auch nicht? Medienkonsum-Verweigerer also? Nur, damit die GEZ-Abzocker keinen Cent von dir zu Gesicht bekommen? Naja, Rundfunk-Abstinenz kann auch was Feines sein.

Ach so, du bist am Arbeitsplatz und hast dort gar kein Fernsehen oder Radio zur Verfügung? Na, dann ist doch alles klar. Wer kuckt auch schon beim Arbeiten fern? Okay, es gibt Leute, die können während der Arbeit Radio hören, aber die meisten können es nicht — aus vielfältigen Gründen.

Ach ja, bevor ich es vergesse und dich wieder in Ruhe lass: Ich hätte gerne fünf Euro zweiundfünfzig von dir. Wofür? Na, GEZ-Gebühr natürlich! Oder dachtest du, als Medien-Asket oder Büro-Hengst um die Rundfunkgebühren herum zu kommen? Ha! Da hast du aber die Rechnung ohne die GEZ-Mafia gemacht! Wusstest du denn nicht, dass man im Besitz eines „neuartigen Rundfunkempfangsgeräts“ seit gestern ebenfalls Gebühren, wenn auch nur die für Radioempfang, zahlen muss?

Wie, du hast kein solches Gerät? Na, das weiß ich aber besser. Alleine schon die Tatsache, dass du diesen Text hier liest, beweist, dass deine Schutzbehauptung unwahr ist, denn jeder internetfähige PC oder Handy zählt als Rundfunkempfangsgerät (neuartig). Ja, ich weiß, ich verstehe das auch nicht so genau. Ich hab mit meinem PC auch noch keinen Rundfunk empfangen können.

Du armer Kerl bist auch noch Freiberufler oder Selbstständig? Ja, dumm gelaufen, dass man als Gewerbetreiber gesetzlich dazu verpflichtet ist, seine Steuererklärung nur noch per Internet abgeben zu können. Das so zwangsläufig notwendige Internet hat sich dann sehr schnell als GEZ-Gebührenfalle entpuppt. Und im beruflich genutzten, häuslichen Arbeitszimmer, das dir das Finanzamt schon lange nicht mehr anerkennt und das sich daher nicht mehr von der Steuer absetzen lässt, ist auch noch mit einem Radio bestückt, damit du den Kasten in der Küche nicht immer auf volle Pulle drehen musst? Na, wie praktisch. Dann kannst du mir ja gleich nochmal fünf Euro zweinundfünfzig geben, schließlich zählt das im Sinne des Rundfunkstaatsvertrags als zusätzlicher Firmenstandort.

Kein Gegenwert, sagst du? Na komm! Guck doch mal hier oder hier oder hier. Da ist doch jede Menge schönes Zeugs. Manchmal kriegt man da sogar Live-Inhalte. Du wolltest das gar nicht? Die Infrastruktur haben wir gar nicht selbst finanziert, sondern sind selbst nur Nutznießer? Dein Internettarif erlaubt dir von den Kosten her gar nicht, ständig Radio-Streams abzurufen, weil geschäftlich genutzte Flatrates nicht zu haben oder unbezahlbar sind? Das ist uns doch sowas von scheißegal!

Aber weißt du was: Wir kommen dir entgegen. Wir schaffen das vielleicht bald wieder ab und denken uns ein neues Gebührenmodell aus. Vielleicht ist das sogar fairer, einfacher, durchsichtiger. Aber glaub bloß nicht, du kämst dann billiger weg! Sooo einfach geht das nicht.

Montag, 1. Januar 2007

Glückwunsch zum Nachwuchs

Herzlichen Glückwunsch den frischgebackenen Eltern! Das meine ich ernst.

Als dreifacher Papa weiß ich eure Aufopferung für den Sozialstaat, für sichere Renten und gegen das Aussterben der Deutschen weiß Gott zu würdigen! Und stellt euch vor: Wenn euer Einkommen eine gewisse Grenze nicht überschreitet, erhaltet ihr sogar bis zu 300 Euro monatlich – mindestens in den ersten sechs Lebensmonaten eures neugeborenen kleinen Wonneproppens!

Ach ne… Momentchen… im neuen Jahr wird ja alles anders. Ab sofort kann man ja bis zu 1.800 Euro monatlich von Vater Staat an Elterngeld kassieren, und das bis zu 14 Monate lang. Ja, da kann man wirklich gratulieren. Das ist ja fast wie monatliche Sofortrente von der Glücksspirale. Jetzt müsst ihr nur noch dafür sorgen, dass das Kleine dann in einem Jahr einen Krippenplatz bekommt. Aber vielleicht tut unsere Regierung bis dahin ja auch noch was dafür.

Ich verrate auch niemandem, dass euer Balg eigentlich schon Silvester um 21:46 Uhr das Licht der Welt erblickte, weil die Mittelchen zum Hinauszögern der Geburt nach 2 Tagen einfach keine Wirkung mehr zeigten, und die Hebamme sich nach Winken mit drei grünen Scheinchen – hoffentlich nicht aus dem eigenen Tintenstrahldrucker – bereit erklärt hatte, in die amtlichen Unterlagen als Geburtstermin 0:01 Uhr an Neujahr einzutragen.

Aber nur unter uns, unter vier Augen: Wir wissen bescheid ;-)
Frohes Neues Jahr!

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