Haus-Icon

Archiv: Januar 2007  

Fundstücke

Blogrolle

Andere

Egoload - Analytischer Denker

TopBlogs.de

bloggerei.de - deutsches Blogverzeichnis

Add to Technorati Favorites

Dienstag, 16. Januar 2007

Willkommen im Informationszeitalter

Ich fange diesen Beitrag gleich mal mit einer indiskreten Frage an: Bist du zufällig vor ca. einem Jahr mal von der Polizei kontrolliert worden? Hattest du zufällig dabei ein bisschen oder auch ein bisschen mehr Alkohol intus? Oder vielleicht ne kleine Dröhnung Shit? Oder warst du ohne Führerschein oder gar ohne Aufenthaltserlaubnis unterwegs und bist dabei aufgefallen? Hast du vielleicht einen ganzen Batzen unversteuerter Zigaretten bei dir gehabt, als die Polizei dich schnappte? Alles nicht? Ehrlich? Na, dann ist ja gut!

Moment, ich schau noch mal kurz nach, ob du auch wirklich die Wahrheit sagst… Hmmm… na gut, wenn ich mal gnädigerweise annehme, dass du auch wirklich der bist, der du vorgibst zu sein, so tauchst du zumindest nicht in den Akten der Hessischen Polizei von Anfang Februar 2006 auf. Aber das will ja nix heißen…

Woher ich die kenne, wo ich doch gar kein Polizeibeamter bin? Tja… die Polizei, dein Freund und Helfer. Die war so freundlich, und hat die Datei gleich öffentlich ins Internet gestellt. Da kann – bzw. konnte – jeder auf 13 Seiten nachlesen, wer so vor ungefähr einem Jahr mit den schon beschriebenen Delikten im Straßenverkehr im Süden Hessens im Darmstädter Raum aufgefallen ist. Samt Autokennzeichen, Namen (inklusive die der Beifahrer!), Geburtsdatum, vollständiger Adresse, begangenes Delikt, evtl. schon vorhandene Vorstrafen oder Vorhandensein auf irgendwelchen Fahndungslisten.

Am Montag war einem Kölner Rechtsanwalt bei einer Recherche mit Google zufällig das Dokument in der Trefferliste aufgefallen und entsprechend groß war die Überraschung als er bemerkte, was da schon seit Februar 2006 für jeden frei zugänglich und sogar in Google indexiert im Internet auf Abruf wartete. Nachdem das Dokument vom Webserver der Hessischen Polizei alsbald gelöscht wurde, konnte der verantwortliche Leiter des Präsidialbüros Südhessen, Karlheinz Treusch, bis heute Nachmittag nur tatenlos zusehen, wie die im Google-Cache gespeicherte HTML-Version des PDF-Dokuments weiterhin abrufbar war und jeder, der aktuell über diese peinliche informiert war und in diversen Internet-Foren und Chats sich mit anderen darüber austauschte, diese Kopie des kompletten Dokuments abrufen und privat speichern, bzw. im Falle ganz gemeiner Zeitgenossen auf anderen meist ausländischen Servern weiterveröffentlichen konnte. Sogar in den Peer-to-Peer-Netzwerken („Internet-Tauschbörsen“) sollen schon Kopien des Dokuments gesichtet worden sein.

Was soll ich dazu sagen? Ich kann nur hoffen, dass du nicht zu den geschätzt 60 Personen (41 Polizeiberichte, bei denen teilweise auch Beifahrer aufgeführt wurden) gehörst, deren Adresse in diesem Dokument steht. Mittlerweile ist der Google-Cache entfernt worden, einen funktionierenden Link auf eine Kopie zu finden, dürfte daher im Vergleich zu heute Nachmittag ungleich schwerer geworden sein – unmöglich ist es aber mit Sicherheit nicht.

Probiert doch einfach mal in Google eine Suche nach der Wendung (Um Google nicht zu verwirren, habe ich hier den Text nicht als Text, sondern als Grafik gesetzt). Ich glaube nicht, dass es lange dauert, bis die ersten Kopien von der Google-Suche erfasst und mit diesem Suchbegriff auffindbar sein werden.

Aber warum erzähle ich den ganzen Mist eigentlich? Immerhin sind das doch alles Straftäter, Kriminelle, deren Daten da jeder einsehen kann. Uns kann doch nichts passieren, wir haben doch nichts zu verbergen. Oder?

Ich erzähle es hauptsächlich, um euch ein Gefühl dafür zu vermitteln, wie der Staat mit kritischen, personenbezogenen Daten umgeht. Natürlich, das war ein Fehler. Menschen machen Fehler, so etwas kann schon mal passieren. Aber sagt das nicht mir, sagt das bitte Herrn Schäuble, der uns seine in der Bevölkerung mit großer Mehrheit befürwortete Anti-Terror-Datei aufschwatzen konnte und seit Beginn der deutschen EU-Ratspräsidentschaft auch schon massiv Werbung dafür in der gesamten EU macht.

Ich erzähle es also hauptsächlich, damit die Schafe da draußen, die sich von der „fortwährend zunehmenden Terrorgefahr“, die von unserem Bundesinnenminister ausgeht propagiert wird, einlullen lassen, endlich aufwachen!

Ach ja, eine klitzekleine Anmerkung wollte ich dann doch noch loswerden. Weder „heute“, noch die „Tagesschau“, weder „heute-journal“, noch die „Tagesthemen“ haben auch nur ein Wort über diesen Vorfall verloren. Als zwischen 12:00 Uhr und 13:00 Uhr heute Mittag die Nachrichtenticker im Internet aufgrund dieser Neuigkeit heiß liefen, berichtete zwar hr-online – die Webseite des Hessischen Rundfunks – halbwegs ausführlich von dem Vorfall, aber auf tagesschau.de, der eigentlichen Hauptanlaufstelle für Leute, die sich mit Nachrichten aus dem Internet auf dem Laufenden halten wollen, schaffte man es bis nach 16:00 Uhr, also ganze vier Stunden(!), das Thema totzuschweigen. Klingelt’s langsam?

Montag, 15. Januar 2007

Pinguine erlaubt

Wenn in diesem Land der Winter einfach nicht Winter sein will, dann hat Bayern ein Problem, ist es doch auf den Wintersport und den damit verbundenen Tourismus angewiesen. Aber dieses Jahr ist das anders. Die einen sagen, wir haben immer noch Herbst, andere sagen bereits, wir hätten schon Frühling. Jedenfalls hat der Winter dieses Jahr irgendwie verpennt. Und selbst die Ballerei an Silvester hat ihn anscheinend kein bisschen wach rütteln können.

Also brauchen die Bayern anderweitig Beschäftigung. Die CSU-Basis probt den Aufstand und rebelliert gegen Stoiber, welcher selbst kaum zwei ganze Sätze fehlerfrei hintereinander aufgesagt bekommt (und sowas wird mit absoluter Mehrheit auf den Landesthron gewählt!). Und in den Gerichtssälen, insbesondere am bayerischen Verfassungsgerichtshof, fällen die Richter mal wieder vor lauter Langeweile ein paar Urteile.

Heute war eine Entscheidung zum umstrittenen Kopftuchverbot fällig. Das Gericht sollte entscheiden, ob das Verbot für muslimische Lehrerinnen, im Unterricht Kopftücher zu tragen, verfassungswidrig sei. Im Kern ging es um einen Absatz im Bayerischen Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen, der da lautet:

(2) 1 Die Lehrkräfte haben den in Art. 1 und 2 niedergelegten Bildungs- und Erziehungsauftrag sowie die Lehrpläne und Richtlinien für den Unterricht und die Erziehung zu beachten. 2 Sie müssen die verfassungsrechtlichen Grundwerte glaubhaft vermitteln. 3 Äußere Symbole und Kleidungsstücke, die eine religiöse oder weltanschauliche Überzeugung ausdrücken, dürfen von Lehrkräften im Unterricht nicht getragen werden, sofern die Symbole oder Kleidungsstücke bei den Schülerinnen und Schülern oder den Eltern auch als Ausdruck einer Haltung verstanden werden können, die mit den verfassungsrechtlichen Grundwerten und Bildungszielen der Verfassung einschließlich den christlich-abendländischen Bildungs- und Kulturwerten nicht vereinbar ist. 4 Art. 84 Abs. 2 bleibt unberührt. 5 Für Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst können im Einzelfall Ausnahmen von der Bestimmung des Satzes 3 zugelassen werden.

Der Bayerische Verfassungsgerichtshof hat die Klage der „Islamischen Religionsgemeinschaft e.V.“ heute als unbegründet abgewiesen.

Im Grunde wird diese Entscheidung damit begründet, dass die Bayerische Verfassung nunmal vorsieht, dass die lieben Kinderchen der Bayerischen Staatsbürger auch alle brav mit christlichen Werten erzogen werden. Von daher widerspricht das beanstandete Gesetz nicht der Verfassung und alles andere, z.B. die Entscheidung, welche religiösen Symbole nun eigentlich zu beanstanden wären (von „Kopftüchern“ wird ja direkt gar nicht gesprochen), sei gar nicht Sache des Verfassungsgerichts, sondern die der Fachgerichte. Thema gegessen, Mittagspause gerettet, aus.

Und ich verstehe es nicht. Ich dachte bisher eigentlich immer, dass Religionsfreiheit auch so etwas wie das Tragen eines Kopftuches mit einschließe. Und vor der Verfassung sind alle Menschen gleich. Aber manche sind eben gleicher als gleich, und darum darf so ein christlicher Pinguin problemlos vor eine Klasse mit 30 Prozent Kindern muslimischen Glaubens unterrichten, während einer Muslim-Lehrerin das Tragen eines Kopftuchs im Unterricht verboten wird.

Wie sieht das eigentlich mit Juden aus? Dürfen jüdische Lehrer während des Unterrichts eine Kippa tragen? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Wenn man den obigen Absatz streng auslegt, dürfte kein Lehrer außer einem christlichen ein religiöses Symbol im Unterricht tragen. Aber kann man es sich denn erlauben, auch bei Juden derart streng auf diesem Gesetz zu beharren? Oder hat man nicht doch eher Angst vor negativen Reaktionen der Judenverbände?

Ich sage es ganz klar, und ich bin mir im Klaren, dass ich damit eher nicht die Meinung der Mehrheit des Volkes teile: Ich habe weder etwas gegen Kopftuch-tragende Lehrerinnen, noch gegen Kippa-tragende Lehrer, geschweige denn etwas gegen eine Lehrerin mit einem Schleier, der sie wie ein Pinguin aussehen lässt.

Denn ich sehe das eigentlich so wie die Klägerin in dem heute entschiedenen Fall: Wenn die Lehrerin meiner Kinder ein Kopftuch trägt, heißt das doch noch lange nicht, dass sie dadurch automatisch nach islamistischen Werten erzogen oder gar zu bombenlegenden Terroristen erzogen würden. Viele Gespräche mit Eltern aus Kindergarten oder Schule meiner Kinder haben leider gezeigt, dass die Toleranz gegnüber anderen Religionen in unserer Gesellschaft scheinbar doch noch nicht so weit ist, wie ich es bis dato immer angenommen hatte.

Aber vielleicht wird’s ja bald endlich Frühling…

Sonntag, 14. Januar 2007

Zehn Minuten

Es brodelt in Bayern. Und hat am Anfang der Woche noch das Präsidium der CSU voll und ganz hinter Problember Stoibär gestanden, so zeichnet sich jetzt, nur wenige Tage später, ab, dass da in Wildbad Kreuth ganz kräftig die Kacke am dampfen war.

Die „schöne Landrätin“ (Diffamierungsversuch seitens der Boulevard-Presse) Dr. Gabriele Pauli hat es scheinbar geschafft: Die Gerüchte einer baldigen Ablöse Stoibers als bayerischer Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender mehren sich von Stunde zu Stunde.

Ich meine, nicht, dass dadurch irgend etwas besser würde. Wenn Beckstein Ministerpräsident und Seehofer Parteivorsitzender werden, ist das so, als treibe man den Teufel mit dem Beelzebub aus. Oder wie man in Westfalen so schön sagt: Da kommze vom Regen inne Traufe.

Und eigentlich ist es ja nicht mehr wirklich eine Frage, ob Stoiber geht, sondern nur noch, wann. Also, ich gebe ihm vielleicht noch 10 Minuten.

Freitag, 12. Januar 2007

Apfelsaft, Olivenöl, Mandellikör, Holzwein

Also, ich kann es nicht mehr halten. Ich gehöre ab sofort auch zu denen, die nicht nur auf Baustellen-Beschilderern herumhacken, sondern zudem die typischen Schwächen der Mitbürger in unserer Rechtschreibung öffentlich anprangern.

Ihr habt mich sozusagen dazu genötigt. Allenthalben Deppenapostrophen, Deppen-Esszets, Deppenleerzeichen und Plenks, wohin das Auge blickt. Von Preisauszeichnungen à la „0,99 Cent“ will ich schon gar nicht reden (die Kassiererin mit dem temporären Chamäleon-Blick konnte mir auf einen ganzen Cent einfach nicht rausgeben).

holzwein.jpgDa habe ich dieses Preisschild auf der Suche nach einem geeigneten Untersatz für unseren neuen Drucker entdeckt und habe für einen kurzen Moment tatsächlich gestutzt. Fiel mir doch erst gar nicht auf, was da nicht stimmte – nur dass da was nicht stimmte, das war offensichtlich.

Jedenfalls konnte ich dann ruhigen Gewissens an diesem Angebot vorüber gehen, immerhin brauche ich für so etwas kein Regal.

Donnerstag, 11. Januar 2007

Tja, das kommt davon…

… wenn man den Mund nicht voll genug bekommen kann. Dann kriegt man eben gar nix!

Was waren wir alle überrascht, als im Juni des letzten Jahres die ARD mit einem Paukenschlag verkündete, Sabine Christiansen wolle dieses Jahr ihren Polittalk im Ersten aufgeben und den Staffelstab an Günther Jauch weiterreichen. Hat die ARD es damit also doch wieder geschafft, dachte ich mir da so, mich am Sonntag abend wieder vor ihr Programm zu locken.

Bestandteil dieser Meldung waren auch schon die ersten großen Bekundungen, dass Jauch auch weiterhin für RTL arbeiten dürfe. Dass sie dabei nicht konkret gesagt haben, welche Arbeit sie damit meinten, hätte einen ja schon stutzig machen können…

So gingen dann bisher gute sechs Monate ins Land und immer wieder schwappte ein Informationsbröckchen in die aktuelle Berichterstattung, und jedes Mal ging es um irgendwelche Sanktionen, die die ARD dem neuen Lieblingsmoderator und zweiten großen Zugpferd nebst Harald Schmidt aber auferlegen will: Keine Werbeverträge für Bier mehr hier, keine Werbung für Lotterien mehr da, dann passt irgendeinem die Quizsendung nicht, die dem Ansehen von „seriösem Journalismus“ schaden könnte, dann ist man trotz drastisch gestiegener GEZ-Einnahmen nicht bereit, für gute Arbeit auch gut zu bezahlen, und am Ende hat man Bauchschmerzen, dass Herr Jauch mit Stern-TV beim Konkurrenzsender ebenfalls sehr erfolgreich ist.

Ich glaube, die ARD wusste gar nicht so recht, was sie eigentlich wollte. Und das ist auch kein Wunder, wenn man genauer hinsieht. Denn ARD – das ist nicht irgend so ein Fernsehsender, der einfach nur seinem Grundversorgungsauftrag gemäß dem Rundfunkstaatsvertrag nachkommt. ARD ist ein Zusammenschluss aus vielen kleinen Klitschen und ein paar großen (WDR, NDR, BR). Alle wollen was zu sagen haben, alle wollen ihre Seilschaften durchpauken, keiner will sich den Teil des Ruders, den er schon erklommen hat, wieder aus der Hand nehmen lassen. Bis zum Abschied. (Apropos: Tschüss, Herr Pleitgen, schönen Gruß von Herrn Roth!)

Auf Spiegel Online ist denn auch zu lesen, es habe gar nicht an den Werbeverträgen, an „Wer wird Millionär?“, an den Gagenforderungen oder gar an „Stern-TV“ gelegen. Zumindest nicht direkt. Aus- und auflösendes Element soll letzten Endes der Umstand gewesen sein, dass Günther Jauch sich genau diesen Sesselpupsern hätte unterordnen, sich von denen in die redaktionelle Arbeit der Sendung hätte reinreden lassen müssen.

Ich muss es einmal klar und in aller Deutlichkeit sagen: Herr Jauch, ich bewundere Sie. Die sympathische, ja teilweise fast naive Art, mit der Sie auf Ihre Mitmenschen, Gesprächspartner und Kandidaten zu- und mit ihnen umgehen, beeindruckt mich immer wieder aufs Neue. Die ARD hat das mit ihrem jeden Abend aus der Glotze triefenden Jörg Pilawa (ist das deren einziger Show-Moderator?) in den letzten 10 Jahren nicht geschafft. Herzlichen Glückwunsch! Ja, dazu auch.

Mittwoch, 10. Januar 2007

Diplomatie in Reinkultur

Das Öl fließt wieder, jippie! Zumindest soll es das ab morgen. Nach einem Bericht auf WDR2 haben Russlands Präsident Putin und sein Weißrussischer Amtskollege Lukaschenko in einem Telefongespräch eine Lösung für den Konflikt gefunden.

Und diese Lösung ist so einfach wie genial: Weißrussland kriegt die geforderten Transitgebühren einfach nicht, muss das Öl trotzdem durch die Pipeline auf eigenem Staatsgebiet Richtung Westeuropa durchleiten. Ich überlege schon die ganze Zeit, wie dieses Gespräch vielleicht verlaufen sein könnte…

„Hallo Alexander, alter Haudegen, Wladimir hier.“
„Ach, du bist’s. Und, rufst du an, um mir zu sagen, dass du mein Geld schon überwiesen hast?“
„Fast. Ich hab einen viel besseren Vorschlag für dich. Ich geb dir die Kohle in bar. Wie wär das?“
„In bar? Ist das nicht ein bisschen umständlich? Bargeldlos ist es zudem auch noch viel sicherer. Und außerdem steht für die nächste Zeit doch gar kein Staatsbesuch von dir hier an.“
„Njet, ich komme doch nicht selber, und um die Sicherheit habe ich mir auch schon Gedanken gemacht. Ich schicke dir einfach meine beste Armee-Eliteeinheit. Die hat auch gleich die richtigen Mittelchen dabei, um die Zahlung zu schützen. So ein paar Panzer in Minsk machen dir doch nichts, oder? Ach ja… Nicht, dass du dir Sorgen machst, aber es könnte sein, dass die das eine oder andere Gramm Polonium im Gepäck haben. Das macht dir doch nichts aus, oder?

Naja, und den Rest kennen wir ja bereits. Wenn Politik doch nur immer so einfach wäre, gell, Herr Schäuble?

Dienstag, 9. Januar 2007

Reise ins Ungewisse

Ihr kennt doch diese komischen Plastikdinger, die in Kaufhäusern, Elektronikmärkten, Boutiquen und sonstwo an den Ausgängen stehen, die immer dann wie wild zu piepsen anfangen, wenn man mit vermeintlich unbezahlter, aber eigentlich nur durch eine dusselige Kassiererin nicht korrekt entwerteter Ware das Geschäft verlassen will.

Die meisten werden auch schon herausgefunden haben, dass dazu so kleine knapp einen Millimeter dicke Etiketten existieren, die meist vorgeben, raffiniert versteckt zu sein, es aber nicht sind, teilweise aber auch schon in verschweißten DVD-Hüllen anzutreffen sind, eine Klebeschicht haben, die wie Sau haftet und kaum Rückstandsfrei zu entfernen ist, wenn die Ware nicht zufällig eh in einer entsorgungsfähigen Umverpackung steckt.

Und das ganze System basiert auf Funk. Diese Torbögen senden unablässig definierte Signale ähnlich Rundfunkwellen in die nähere Umgebung und diese kleinen Etiketten – nennen wir sie mal Chips – antworten darauf. Mal so, mal so – abhängig von der Programmierung, die sich durch Funkwellen oder Magnetisierung an der Kasse ändern lässt. Zumindest vom Prinzip, so ganz genau stecke ich in der technischen Materie jetzt auch nicht drin. Jedenfalls braucht ein Etikett dafür keine Batterie, denn die notwendige Energie zum Antworten holt es sich aus den empfangenen Funkwellen selbst, ähnlich wie damals™ aus wenigen Elementen aufgebaute Radioschaltungen ihre Stromspeisung über die Antenne erhielten.

Und das ganze nennt sich RFID. Das Etikett ist der Chip und die Diebstahlmelder sind RFID-Lesegeräte.

So, das war jetzt eine lange Überleitung zum eigentlich Thema, aber ich will sicher gehen, dass auch jeder kapiert, worum es hier geht, sonst nicken wieder alle den Schäuble nur ab und denke, der wird schon wissen, was er tut, schließlich gehört er ja zu den Guten™.

Schon jetzt enthalten Reisepässe sogenannte biometrische Daten in digitalisierter Form auf solchen RFID-Chips. Bisher zwar nur das Foto, vielleicht auch noch Größe, Haar- und Augenfarbe, aber das ist ja schonmal was. In Zukunft soll in Reisepässen zusätzlich ein Fingerabdruck des Inhabers elektronisch gespeichert werden. Zusätzliche Erweiterungen in naher oder ferner Zukunft nicht ausgeschlossen. Theoretisch ließe sich bei weiter fortschreitender Miniaturisierung der Technik, insbesondere von Speicherbausteinen, in Zukunft das komplette Genom eines Menschen in so einem RFID-Chip speichern. Fix und fertig verpackt und bereit, von auf dem Weg des Besitzers liegenden oder stehenden Lesegeräten unbemerkt angefunkt und ausgelesen zu werden.

Ist doch sicherlich schön, oder? Man geht über die Straße und wird von der Ampel freundlich beim Namen gegrüßt („Es war mir eine Freude, Ihnen Grün gezeigt haben zu dürfen, Herr Brostedt.“ – Douglas Adams lässt grüßen), braucht an Kassen nicht mehr zu zahlen, weil die Gendaten den Schlüssel für die automatische Datenverbindung des Supermarkts zum Konto bei der Hausbank darstellen und sollte mal ein Tatverdächtiger oder Verurteilter oder vielleicht Tatverdächtiger flüchtig sein, verrät einem das gespannte Sicherheitsnetz von RFID-Sendern, wo der Missetäter sich jeweils aufhält und alles wird ja so sicher. DAS schwebt den Dumpfbacken im Berliner Innenministerium vermutlich vor (wir wollen ja nicht paranoisch werden und denen im-Namen-des-Volkes-Gott-weiß-was-Schlimmes zutrauen), auch wenn sie es nicht öffentlich zugeben wollen und immer nur ganz pauschal vom „Kampf gegen den allgegenwärtigen Terror“ sprechen.

Bedenkenträger, die es nicht gerade toll finden, mit einem Pass ihre biometrischen Merkmale digital und unbemerkt lesbar mit sich herum zu tragen, werden totgeredet, Hinweise auf gravierende Sicherheitsmängel werden einfach beiseite gefegt. Das Bedrohungsszenario eines unbefugten Auslesens des sogenannten ePasses hält die Regierung grundsätzlich für „rein theoretisch“. Insbesondere die Fingerabdrücke würden mit Schutzmechanismen versehen, „die weit über die Gültigkeitsdauer des Passes hinaus als nicht überwindbar eingeschätzt werden können“. Es werde auf „technisch hohem Niveau sichergestellt, dass nur berechtigte hoheitliche Lesegeräte die Daten auslesen können“.

Zum einen möchte ich zur Formulierung „weit über die Gültigkeitsdauer hinaus unüberwindbar“ eine Anmerkung machen. Das erinnert mich nämlich an geschichtsträchtige Aussagen wie „Die Erde ist eine Scheibe“, „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“, „Es gibt einen Weltmarkt für maximal fünf PCs“, „Kein Mensch braucht je mehr als 640 Kilobyte Speicher“, „Die Renten sind sicher“ oder „Die neuen Euroscheine sind absolut fälschungssicher“. (Ich glaube, die ersten Euro-Blüten waren schon unterwegs, da war die neue Währung für den gemeinen Bundesbürger noch gar nicht erhältlich.)

Zum anderen scheint den Damen und Herren Volksverarschern eine andere Sache nicht bewusst zu sein (oder sie denken, wir merkten das nicht), auf die im Heise-Leserforum der User bzw. wohl eher die Userin Luise_Koschinsky hinweist:

Reisepässe werden nicht im Inland, sondern im Ausland benutzt. Das ist der Zweck eines Reisepasses. Es macht keinen Sinn in RFID-Chips Daten zu hinterlegen, wenn die niemand lesen kann. Die Bundesregirung hat aber genau null Einfluss darauf, was mit den Daten passiert, wenn diese in den USA, Weissrussland, Somalia oder sonstwo gelesen werden. Von daher ist die ganze Argumentation der Bundesregierung völlig substanzlos, denn die Daten werden außerhalb ihres Einflussbereiches verarbeitet.

Dem mag ich nichts mehr hinzufügen.

Montag, 8. Januar 2007

Folter oder Kinderpornos?

Erinnert ihr euch noch an den Fall der Entführung und Tötung des Jungen Jakob von Metzler? Da wurde dem mittlerweile rechtskräftig verurteilten Mörder Magnus Gäfgen nämlich durch die Polizei unter der Verantwortung des Beamten Wolfgang Daschner die Folter angedroht, um den Aufenthaltsort des entführten Jungen in Erfahrung zu bringen, in der Hoffnung, er sei noch am Leben.

Eine physische Folter fand nicht statt, man muss bei der bekannt gewordenen Androhung von Schmerzen wohl eher von psychischer Folter sprechen. Ein Gericht sollte im November 2004 die Zulässigkeit bzw. Unzulässigkeit solcher Verhörmethoden klären. Schon damals war die Meinung wie sie geteilter nicht hätte sein können. Auf der einen Seite die Gegner jeglicher dem Rechtsstaat widersprechenden Mittel, auf der anderen Seite die Befürworter von so genannter „Nothilfe“, das Mittel Folter, das der Zweck heilige, da das Leben eines Menschen auf dem Spiel stand.

Das Gericht hatte damals das in meinen Augen einzig erlaubte Urteil gefunden. Der Zweck darf die Mittel nicht heiligen, Wolfgang Daschner musste die Konsequenzen tragen und wurde der Verleitung zur Nötigung für schuldig befunden. Andererseits fiel das Strafmaß vergleichsweise milde aus, was der Tatsache Tribut zollt, dass auf die Art und Weise nunmal ein unschuldiges Leben hätte gerettet werden können (tragisch genug, dass Jakob von Metzler zu dem Zeitpunkt bereits tot war). Nicht nur ich konnte mit diesem Urteil gut leben. Ein gelungener Kompromiß, sozusagen.

Heute berichtete Spiegel Online über einen ganz anderen Fall. Es geht nicht um Entführung und Tötung. Es geht nicht um Androhung von Folter gegen den oder die mutmaßlichen Täter. Es geht es Kinderpornographie und die Überprüfung von mehr 22 Millionen Bundesbürgern.

Aber genau wie im Falle des Jungen Jakob verabscheue ich auch in diesem Fall die Gewalt gegen Kinder. Aber auch wie im Falle des Beamten Wolfgang Daschner verwehre ich mich gegen die Anwendung freiheitliche Grundrechte und rechtsstaatliche Grundsätze verletzender Ermittlungsmethoden.

Wie nämlich heute berichtet wurde, haben die Ermittlungsbehörden die Daten aller mehr als 22 Millionen Kreditkarten im Besitz von Bundesbürgern auf verdächtige Überweisungen ins Ausland hin überprüft. Also nicht nur die Kreditkartenkonten von Verdächtigen, sondern auch meine Mastercard, die Visacard meiner Frau und eure Visa, Master, Diner’s oder American Express Card oder was es sonst noch alles für Karten gibt. Ja, auch deine Karte wurde geprüft. Eigentlich kaum zu glauben.

Was nun? Darf im Zuge von Ermittlungen von Kinderschändern ein Pauschalverdacht gegen alle Kreditkarteninhaber erhoben werden? Noch dazu, ohne die betroffenen 22 Millionen Personen darüber zu informieren? (Oder zählt die Veröffentlichung des Sachverhalts auf Spiegel Online und im Nachlauf auch in den anderen Medien jetzt als Benachrichtigung der Betroffenen?)

Und wie im Fall Gäfgen ./. Daschner bin ich zwar der Meinung, dass alles Notwendige gegen Kinderpornographie unternommen werden sollte, andererseits aber auch hier der Zweck noch immer nicht die Mittel heiligen darf. Es gibt schon genug Anzeichen, dass dieser Rechtsstaat den Bach runter geht und sich in Richtung eines Polizei- und Überwachungsstaats entwickelt.

Ganz abgesehen davon: Ich glaube nicht, dass die so stattgefundene Ermittlung von 322 Verdächtigen mit nach folgender Durchsuchung ihrer Wohnungen, die im September 2006 stattgefunden haben soll, besonders effektiv geschweige denn besonders effizient gewesen ist.

Sonntag, 7. Januar 2007

Das wahre Killerspiel

„Es war doch nur ein Spiel!“, könnte der kleine 10-jährige Junge aus den USA vor dem Tor gesagt haben, das ihm Petrus an Silvester geöffnet hatte, damit er eintreten (und aus unserer Welt wegtreten) kann.

Er hatte im Fernsehen Berichte über Herrn Husseins Hinrichtung gesehen und wollte das ganze in seinem Kinderzimmer „nachspielen“. Also nahm er einen Strick, hängte den wo-auch-immer auf, stellte sich auf sein Hochbett, steckte den Kopf in die Schlinge und… rutschte aus. Pech gehabt.

Traurig für den Jungen, traurig für die Eltern. Und es tut mir ebenfalls in der Seele weh, so etwas lesen zu müssen. Andererseits liegt mir ein Spruch auf den Lippen à la: „Ein Land, dessen Bevölkerung die Todesstrafe noch immer derart befürwortet und im Grunde genommen die Hinrichtung Saddam Husseins zu verantworten hat, hat es nicht besser verdient als mit solchen Schicksalsschlägen konfrontiert zu werden.“

Aber ich glaube, ich verkneife es mir besser.

Freitag, 5. Januar 2007

Eins Live alias 1Live

Mein Ex-Lieblingsradiosender hat sich mit dem heutigen Tage gewandelt.

Warum „Ex“? Nun, es ist nicht die erste Verwandlung dieses ersten Hörfunkprogramms des Westdeutschen Rundfunks. Hieß der Sender früher einmal WDR1 und rangelte noch mit dem großen Bruder WDR2 mit gemeinsamen verwischenden Strukturen und Überschneidungen (und zwar nicht nur in Randbereichen) beim Zielpublikum, habe ich seitdem so ca. vier „Relaunchs“ (so nennt man mediale Neustarts) des Senders mitgemacht.

Zunächst wurde das Programm verjüngt. Das war der Punkt, ab dem ich als Mitglied der Hauptzielgruppe diesen Sender zu meinem Lieblingssender erkor. Jede Sendung hatte einen Namen (z.B. „Riff, der Wellenbrecher“), manchmal (bzw. insbesondere bei der „Schlagerrallye“ oder „London Calling“) konnte man sogar Musik mitschneiden – das Pendant unserer Generation zu heutigen Internet-Tauschbörsen. Zum Sendeschema gehörte auch eine vierstündige Info-Sendung am Vormittag mit mehr Wortbeiträgen und weniger Musik und Comedy. Der Name der Sendung war „WDR1 - 1 Live“.

Dann – ich glaube, das war am 1. April 1995, aber kein Aprilscherz – wurde der Sender erneut umgekrempelt. Ab jetzt wurde der Name der morgendlichen Info-Sendung zum Motto des gesamten Programms, das sich fortan komplett „Eins Live“ (im Logo pfiffig abgekürzt mit „L1VE“) nannte. Einige liebgewonnene Sendungen fielen weg, andere kamen hinzu. Es gab neue Comedy-Reihen (u.a. die erste Radio-Soap „Eins Live Ponyhof“ oder die genialen „Eins Live Retter“), und Jürgen Domian, bis dahin noch nicht homosexuell geoutet und noch „ganz normaler“ Radiomoderator, startete mit seiner Nachtfalken-Sendung und wollte fortan nur noch „Domian“ genannt werden. Vor allem in der Musikauswahl mit dem typischen 90er-Sound („Umtz-umtz-umtz“) entsprach der neue Sender noch mehr meinem Geschmack.

Mit dem Jahrtausendwechsel kam der Niedergang. Ein Komiker(?)-Duo, das sich selbst „Onkel Fisch“ nennt, begann, den Sender mit unlustigen Spots, von denen es behauptet, es sei Comedy, zu infiltrieren. Gleichzeitig wandelte sich die bevorzugt gesendete Musik in Richtung nächste Generation, die weniger auf Umtz-umtz denn mehr auf Hey-Jo-Masafacka Frankfurter-Würstchen-Rap steht. Aber ich blieb hartnäckig dabei, schließlich muss auch ein Onkel-Fisch mal ertrinken und die Deutschrap-Welle würde auch irgendwann mal dem Techno in die ewigen Jagdgründe folgen.

Dann kam der nächste „Relaunch“. Ein neues Sounddesign und vor allem ein neues Programmschema. Plötzlich hießen die Sendungen wie die Uhrzeit, zu der sie ausgestrahlt wurden. Nur „Domian“ und der „Lauschangriff“ behielten ihre Namen und Sendeplätze. Altgeliebte Moderatoren wie Felix Parbs, Michael Gantenberg, Steffi Neu und andere waren schon längst zu WDR2 gewechselt oder hatten dem WDR komplett den Rücken gekehrt. Die Comedy-Sparte auf Eins Live bestand im Grunde nur noch aus so seltsamen Sendungen wie „Grillstube Saloniki“, „Satan“ oder „Der kleine junge Mann von nebenan“ und vielen (örgs) weiteren, allesamt von „Onkel Fisch“, die ich derart hassen gelernt habe, dass die Änderung im Sendeschema mich endgültig zum Stammhörer von WDR2 machte.

Jetzt weiß ich seit einigen Tagen, dass Eins Live ab dem heutigen Tage nicht mehr „Eins Live“ heißen wird, sondern „1Live“, womit jetzt sogar die Pfiffige Idee mit der I-ersetzenden 1 im Logo wieder im Nirvana verschwindet – schade eigentlich. Das Programmschema wird mal wieder komplett umgebaut, es gibt neue Moderatoren, die Sendungen haben aber weiterhin keine eigenen Namen (bis auf „Domian“ und das den „Lauschangriff“ ersetzende „Plan B“), das bedeutet: Jetzt heißen die Programme nicht mehr wie ihre Sendezeit, sondern wie ihr(e) Moderator(en).

Moderatoren? Plural? Oh ja, noch so ein Schwachsinn, der sich durch unsere Republik gefressen hat und jetzt auch beim WDR angekommen zu sein scheint: Zwei Moderatoren in einer Sendung, die sich gegenseitig ins Wort fallen, sich Stichwörter für flache Kalauer an den Kopf knallen und bei Dialogen mit Hörern am Telefon diese zu zweit auf einen Einzelnen in Grund und Boden quatschen. Private Hörfunksender wie FFH oder FFN höre ich aus eben diesem Grund schon Ewigkeiten und grundsätzlich nicht mehr. Und wenn ich eine solche Doppel-Moderatoren-Sendung auf meinen Fahrten durch Deutschland trotzdem noch zu hören bekomme, ändere ich mittlerweile fluchtartig die Frequenz oder schalte gleich auf CD um.

Langer Rede kurzer Sinn: Wäre Eins Live nicht schon vor Jahren bei mir in Ungnade gefallen – jetzt wäre es das. Schade, denn ich hatte mir von dem angekündigten Re-Design erhofft, in Zukunft wieder einen Sender mehr regelmäßig einschalten zu können.

Aber immerhin: Onkel Fisch scheint – wenn ich die neue 1Live-Homepage richtig interpretiere – endlich und endgültig untergegangen zu sein. Denn das war wirklich Folter!

Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: