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Dienstag, 21. November 2006

Alles nur ein (Killer-)Spiel?

Schon isses wieder passiert. Ein Jugendlicher rennt, nachdem er jahrelangem Mobbing durch Mitschüler und womöglich auch Lehrer ausgesetzt war, mit Gewehren und Bomben bewaffnet sowie einen Sprengstoffgürtel tragend in seine ehemalige Schule und will aus lauter Frust über sein perspektivloses Leben „Rache“ üben. Besonders zynisch könnte man dazu anmerken: Bis hierhin ganz normal.

Denn die Art und Weise, wie jemand mit solchem Konfliktpotenzial umgeht, ist von Mensch zu Mensch verschieden und in meinen Augen zudem stark abhängig von Veranlagung und Erziehung. Und wenn das Wort schon gefallen ist: Erziehung ist nicht — auch wenn mancher Lehrer das heutzutage gerne predigt, um jegliche Verantwortung auf andere abwälzen zu können — ausschließlich Sache der Eltern. Immerhin verbringt ein Kind oder ein Jugendlicher ein Gutteil seiner Zeit außerhalb des Einflussbereichs seiner Eltern beziehungsweise im Einflussbereich der Pädagogen. Ach ja, das Wort Pädagogen sagt’s ja eigentlich auch schon. Das heißt nämlich, wörtlich übersetzt, Erzieher.

Einen weiteren Teil seiner Zeit kann ein Schüler aber auch zu Hause am Computer verbringen. Dabei liegt es in der Natur der Sache, dass die Möglichkeiten dort, bezogen auf die Frage, was man da überhaupt alles anstellen kann, zunächst einmal unbegrenzt scheinen. Und in Bezug auf den aktuellen Fall des Zivilversagers aus Emsdetten, der in seiner ehemaligen Realschule zahlreiche Personen verletzt, aber gottlob niemanden getötet hat, gab es ja auch mannigfaltige Möglichkeiten, die er genutzt hatte. Hmmm…

Da wäre zum einen der Begriff „Killer-Spiel“, der deswegen mal wieder durch die Medien geistert und eine neuerliche Diskussion aufgeworfen hat. Das ach so böse „Doom“ und das abgrundtiefböse „Counterstrike“ sollen plötzlich dafür verantwortlich sein, dass ein Halbstarker ausflippt und um sich ballert. Wer sagt denn, dass der Typ nicht auch jeden Tag Nachrichten geguckt und dort gesehen hat, wie Tausende von westlichen Soldaten die Menschenrechte teils unschuldiger Iraker oder Afghanen missachten? Wer sagt denn, dass er nicht jeden Tag die Hassparolen in der „Bild“ gelesen hat? Nein, im Zweifel sind’s immer die bösen™ Computerspiele und Gewaltvideos. Dass die eigene Gesellschaft grundsätzlich Mitschuld trägt an derartigen Problemen, darauf kommt irgendwie keiner. Das ganze Problem auf die „Killer-Spiele“ abzuwälzen ist jedenfalls zu einfach und keinesfalls ausreichend, eigentlich sogar genau der falsche Weg.

Außerdem, die Spiele „Doom“ oder „Counterstrike“ oder wie sie alle heißen (es gibt noch zig andere Titel, nur mal so nebenbei — ich kenne sie selbst nicht alle) sind bestimmt nicht nur 50 oder 100 Mal verkauft worden, auch nicht, wenn man sich nur auf Deutschland beschränkte. Es handelt sich hier um Auflagen von mehreren Hunderttausend, wenn nicht gar Millionen. Huch, da steh ich ja auch auf der Liste. Nach der Logik derer, die jetzt wieder laut nach dem Verbot solcher Spiele rufen, müssten die alle potenzielle Serienmörder, Amokläufer oder Selbstmordattentäter sein. Ich geh mal eben meine Schrotflinte absägen…

Nur, um das noch mal klarzustellen: Da rennt einer mit Waffen und Sprengstoff, deren Besitz an sich schon verboten ist, aus lauter Frust und Hass in eine Schule und ballert umher, und nur weil er zufällig — wie Millionen anderer Kiddies auch — ein paar Ballerspiele auf dem Computer hat, sind natürlich wieder die Killerspiele schuld. Leute, der Typ hat mit realen Waffen und realem Sprengstoff auf reale Menschen geschossen, hat reale Videos in einem realen Wald gedreht und mit realer Montur auf realen Fotos posiert. Hat von den Pappnasen, die jetzt wieder das Verbot dieser so genannten Killer-Spiele fordern, auch nur einer mal darüber nachgedacht, woher der Typ diese realen Gegenstände eigentlich alle hatte? Die haben bestimmt der Counterstrike-Schachtel als Gimmick beigelegen…

Zum anderen will mir gerade eine andere Sache einfach nicht aus dem Schädel. Da war doch dieser gar allzu üble Terroranschlag vor gut fünf Jahren in… wie hieß die Stadt noch gleich?… Ach ja, New York glaube ich, war’s. Mann, was hat sich seitdem unsere Welt verändert. Aber das wurde damals ja schon prophezeit. Auch bei uns wurde viel gegen den Terror unternommen. Erst Schily, und jetzt Schäuble, sorgen praktisch jeden Tag aufs Neue dafür, dass neue Gesetze erlassen werden, die unseren Staat noch sicherer machen sollen.

Mal ganz davon abgesehen, dass es nicht einmal geholfen hat, trotz Rundum-Kamera-Überwachung und trotz glasklarer Aufzeichnung der Attentäter auf Video die Beinahe-Anschläge mit Kofferbomben auf Regional-Express-Züge in Nordrhein-Westfalen zu verhindern. Lediglich die Aufklärung wurde durch die massive Einschränkung unserer Bürgerrechte um ein paar Tage verkürzt. (Oder glaubt ihr, die Polizeibehörden hätten die Täter nicht auch ohne die Maßnahmen gefasst, die seit dem 11. September 2001 vom Innenministerium eingeführt wurden?) Der Amoklauf gestern fand ebenfalls trotzdem statt.

Hat nicht Herr Schäuble selbst vor kurzem noch gesagt, er will das Internet (das ist ja auch ach so böse™!) und alle daran angeschlossenen Rechner stärker überwachen? Es hätte nicht einmal einer 132 Millionen Euro teuren Überwachungssoftware bedurft, die frei zugänglichen Webseiten ausfindig zu machen, auf denen Sebastian B. — der Emsdettener Amokläufer — in Videos Tötungen unter freiem Himmel inszeniert und auf Fotos in Kampfkleidung posiert, von den Ankündigigungen seiner gestrigen Tat in Textform ganz zu schweigen! Hat irgendeine von Schäubles Maßnahmen oder die seines Vorgängers dazu beigetragen, den gestrigen Vorfall nicht stattfinden zu lassen?

Lasst’s gut sein… das war ‚ne rhetorische Frage…

Montag, 20. November 2006

Definitiv Jein!

Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln. Hü oder hott? Oben oder unten? Ja oder Nein. Die Antwort ist definitiv: Jein!

Man könnte meinen, Christoph Daum habe seine Drogenphase noch immer nicht überwunden, stecke im Gegenteil sogar noch mittendrin.

Ich bin kein fanatischer Fußballfan. Eigentlich habe ich kaum Ahnung von diesem Sport, war in der Schule immer letzte Wahl, wenn auf dem Schulhof oder im Sportunterricht die Mannschaften ausgesucht wurden, bekam den wenig ruhmreichen Titel „Joker“, wenn ich mal wider Erwarten den Ball ins Tor gestolpert hatte. Heutzutage freue ich mich lokalpatriotisch, wenn Schalke (erster Tabellenplatz, heißa!) oder Bochum (die „Unabsteigbaren“ — haha) gewinnen, und klinke mich vergnügt in die Grabenkämpfe zwischen Schalkern und Nord-Lüdenscheidern (nennen sich selbst Dortmunder) nicht ganz parteilos mit ein. Naja, und über Köln… da lach ich über! Zweite Liga, höhö. Wenn Bochum am Ende der Saison wieder absteigen sollte, dann doch nur, wenn Köln wieder aufsteigt — damit der VfL nicht zum Auswärtsspiel an den Rhein fahren oder Kölner ins eigene Stadion lassen muss.

Trotzdem blieb mir dieses Daumsche Hickhack natürlich nicht verborgen. Erst das Gezerre und Abwägen am letzten Wochenende. Montag wollte Herr Daum seine schlussendliche Entscheidung bekannt geben. Am Dienstag dann hat er’s getan: Trotz persönlicher und sportlicher Verbundenheit mit „seinem“ 1. FC werde er „definitiv nicht“ als neuer Trainer zur Verfügung stehen.

Wie soll man diese Kehrtwende jetzt, da er doch einen dreieinhalb-Jahres-Vertrag unterschrieben hat, werten? Ganz einfach: Unüberlegtes Handeln, keine Standfestigkeit, Inkonsequenz. Alles negative Eigenschaften. Die Kokain-Affäre Daums wollte ich eigentlich gar nicht zusätzlich erwähnen. Aber es überkam mich einfach — nein, was bin ich inkonsequent.

Naja, hauptsache, ich kann weiter auf Köln herumhacken. Und Schalke steht an der Tabellenspitze. Und Bochum hat auf der Kellertreppe den Weg nach oben entdeckt. Allet andere is doch ejaal.

Freitag, 17. November 2006

Strafe muss sein

Gestern habe ich noch auf Frau Zypries herumgehackt — zu Recht, wie ich weiterhin finde —, aber heute muss ich der Frau mal ein Lob aussprechen. Sie ist nämlich schon wieder mit einem Gesetzesvorstoß an die Öffentlichkeit getreten, diesmal aber mit einem, der zumindest in die richtige Richtung geht.

Nein, es geht nicht um die MAFIA (Music And Film Industry Association). Es geht um die dubiosen Praktiken so mancher Abmahnanwälte, die sich darauf spezialisiert haben, mangels redlicher Mandantschaft ihren Lebensunterhalt mit der Hilfe von Massenabmahnungen zu „verdienen“.

Demnach sollen Abmahnungen in „einfach gelagerten Fällen außerhalb des geschäftlichen Verkehrs“ (das bezieht sich zum Beispiel um die Verwendung von Stadtplanausschnitten auf privaten Homepages oder geringfügige Urheberrechtsverletzungen) nicht mehr nach BRAGO unter Berücksichtigung eines fiktiven (und meist viel zu hoch angesetzten) Streitwerts berechnet, sondern grundsätzlich auf 50 Euro, nicht mehr und nicht weniger, festgeschrieben werden.

Um die Bedeutung dieser Summe mal vor Augen zu führen: Bei derartigen Vergehen ist es derzeit nicht unüblich, dass ein abmahnender Anwalt in seiner Kostenrechnung „mal eben“ 2.500 Euro oder noch mehr verlangt.

Leider geht mir dieser Vorstoß der Frau Zypries aber nicht weit genug. Zwei Dinge habe ich daran zu bemängeln. Zum einen: Wer bestimmt, ob etwas „außerhalb des geschäftlichen Verkehrs“ stattfindet oder nicht. Genug Beispiele, wo die Auslegung von Seiten der Gerichte extrem undurchsichtig vorgenommen wurde, gibt es ja, unter anderem sogar eines in diesem noch recht jungen Blog.

Zum anderen sind auch 50 Euro noch zu viel. Wer hindert denn jetzt die Anwälte, denen durch diese Neuregelung der Lebensunterhalt wegbräche, daran, statt einer Abmahnung zu 2.500 Euro einfach 50 Abmahnungen zu versenden? Und dass man bei beliebigen Leuten beliebige Punkte findet, die man mit so einer Abmahnung bedenken kann, hat doch erst kürzlich der Media-Markt-Haus-und-Hof-Anwalt Joachim Steinhöfel unter Beweis gestellt. Es wird dann in zwei bis drei Jahren keinen Bundesbürger mehr geben, der nicht mindestens zwei Abmahnungen pro Jahr in seinem Briefkasten finden wird.

Den absoluten Klopps aber hat sich ein anderer Anwalt im Vorfeld dieser Thematik vor ein paar Tagen geleistet. Auf Spiegel Online gab er zu der Abmahnproblematik und insbesondere der Frage, wie hoch so eine Abmahngebühr denn sein dürfe, folgendes Statement ab:

Die Anwaltslobby hält derlei Gebaren für völlig in Ordnung - und will den Zypries-Vorstoß verhindern. Mitunter verlangten Kollegen tatsächlich zu hohe Gebühren, aber darunter dürfe nicht die gesamte Anwaltschaft leiden, heißt es bei der Bundesrechtsanwaltskammer. Zwar seien 700 Euro plus Lizenzgebühr für „eine Stadtplankachel“ etwas viel, räumt Urheberrechts-Experte Paul Hertin ein. Für angemessen hält der Rechtsanwalt etwa 250 Euro. Aber weniger dürfe es nicht sein, denn „Strafe muss sein“.

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. „Strafe muss sein“… Die Anwälte in unserem Land spielen sich also neuerdings als Richter auf. So weit ist es in dieser Bananenrepublik schon gekommen.

Nur mal so zur Info: Die Abmahngebühr ist keine Strafe, sondern soll eine Art Aufwandsentschädigung für den Abmahnenden darstellen. Nicht mehr, nicht weniger. Aber wenn ich diese Anmaßungen lese, könnte ich gar nicht so viel essen wie ich kotzen möchte.

Update: Mittlerweile (19.11.) ist der Artikel auf Spiegel Online, auf den sich das Zitat  bezieht, kostenpflichtig. Tut mir leid, aber eine andere Quelle habe ich leider nicht.

Update 2: Eine Kopie des Artikels (nur, damit mein Zitat auch überprüft werden kann) findet sich hier.

Donnerstag, 16. November 2006

Schluss mit Schluss

Nachdem Berlin vorgelegt hat, darf die andere der beiden deutschen Metropolen nicht zurückstehen: Das Ruhrgebiet — eigentlich ja sogar ganz Nordrhein-Westfalen — hat jetzt ebenfalls den Ladenschluss weitestgehend abgeschafft. Nur Sonn- und Feiertags ist weiterhin Schicht im Laden.

Wer sich von diesen Veränderungen jetzt gewaltige Umbrüche erhofft, der wird wohl arg enttäuscht sein. 24 Stunden öffnende Läden haben sich bisher nicht angekündigt, und viele der wenigen Geschäfte, die die neuen Freiheiten ausnutzen wollen, machen gerade mal zwei Stunden länger. Wird also vorerst nix mit Schuhe kaufen Nachts um drei.

Obwohl ich mir das ja so richtig vorstellen kann, zumindest als Sonderaktion: An ausgewählten Tagen wird dann regelmäßig ein Mitternachtsshoppen bis zum Morgengrauen angeboten: „Jeden ersten Freitag im Monat machen wir durch“. Na, ich lass mich mal überraschen, wann die ersten Werbeaktionen dieser Art angepriesen werden. Gerade jetzt im bevorstehenden Weihnachtsgeschäft wird so etwas garantiert nicht ausbleiben.

Und dann könnte es Nachts um vier im Supermarkt folgenden Dialog zwischen einem Kunden und dem Verkäufer geben:

Kunde: So, Sie haben jetzt auch in der Nacht geöffnet. Lohnt sich das denn überhaupt?

Verkäufer: Nunja, wenn wir länger geöffnet haben, sind da natürlich Mehrkosten, vor allem im Personalbereich.

Kunde: Ja, das kann ich mir vorstellen. Wie viel ist das denn so ungefähr?

Verkäufer: Ich hab das mal ausgerechnet. Wenn man alle Kosten zusammen- und den Umsatz gegenrechnet, dann machen wir unterm Strich pro Kunde ungefähr 10 Euro Verlust.

Kunde: Oh, das ist aber schlecht.

Verkäufer: Alles halb so wild, ich habe schon darauf reagiert. Wir öffnen das Geschäft jetzt nur noch Nachts — da kommen von denen nicht so viele.

Mittwoch, 15. November 2006

Zypressenalarm (schon wieder!)

Da dachte ich doch bis vor ein paar Minuten, mich in meinen Weblog mit stinkenden Fluggästen auseinanderzusetzen würde für heute ausreichen, doch weit gefehlt! Jetzt muss ich mich doch auch noch über stinkende Bundesjustizministerinnen auslassen!

Vorratsdatenspeicherung, kennt ihr doch? Kennt ihr nicht? Keine Ahnung? Irgendjemand? Könnte daran liegen, dass der deutsche Michel sich, wie eigentlich bekannt, nicht (mehr) um die kriminellen Machenschaften der Staatsführung schert.

Also nochmal zum Mitlesen: Hinter dem Begriff „Vorratsdatenspeicherung“ verbirgt sich die Absicht, Internetdienstanbieter (neudeutsch: Provider) dazu zu verpflichten, sämtliche Verbindungsdaten (also auch solche, die zum Beispiel aufgrund einer Pauschalabrechnung, neudeutsch: Flatrate, gar nicht erfasst werden müssten) für drei, sechs oder sogar besser für zwölf Monate (warum nicht gleich 20 Jahre?) zu speichern und beliebigen Behörden (nicht mehr nur dem Verfassungsschutz und mit entsprechenden Sicherungsmechanismen wie Genehmigungen) auf Anfrage zur Verfügung zur stellen. Selbst der Privatwirtschaft soll der Zugriff auf die so verdachtsunabhängig erhobenen Verbindungsdaten gewährt werden. Allein was das für Folgen haben kann, will ich hier jetzt nicht breittreten…

Unsere allseits geliebte Bundeszypries lässt aber auch keine Gelegenheit aus, ihre Inkompetenz unter Beweis zu stellen. Jetzt ist nämlich der „Referentenentwurf zur Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung“ allgemein verfügbar, und dem ist laut Heise Online zu entnehmen, dass auch sogenannte Anonymisierungsdienste, also Dienste, die es jemandem ermöglichten, sich trotz Vorratsdatenspeicherung halbwegs anonym im Netz der Netze zu bewegen, als Internetdienstanbieter einzustufen seien (was ich zugegebenermaßen tatsächlich auch so sehe) und sie demzufolge ebenfalls sämtliche Verbindungsdaten wie ein normaler Zugangsanbieter zu speichern und abrufbar zu halten haben (was ich wiederum für hanebüchen halte).

Und dann E-Mails: Die Frau wünscht sich doch tatsächlich, dass E-Mail-Konten in Zukunft nur noch nach Identifizierung durch Vorlage eines Personalausweises (und am besten nur noch in beschränkter Zahl — jeder nur ein Kreuz — oder wie?) herausgegeben werden sollen. Dienste wie zum Beispiel von Web.de mit kostenlosen Mail-Adressen werden dann voraussichtlich der Vergangenheit angehören. Mal eben schnell eine neue Mail-Adresse bei irgendeinem Dienstleister einrichten ist dann nicht mehr. Dafür gehört dann jede Mail-Adresse einem staatlich geprüften Personalausweisinhaber. Toll.

Mal ganz ehrlich: Die Motivation dieser Frau mag ja redlich sein (was ich persönlich aber nicht glaube, dazu hängt sie meiner Meinung nach zu sehr an der Nabelschnur der Musikindustrie-Lobby), aber Ahnung von der Thematik hat die Frau nicht im Geringsten.

Wann lernt die Frau endlich, dass das Internet an der deutschen Grenze nicht zu Ende ist und die Daten dort nicht wie Schiffe vom Rand unserer Erdscheibe einfach runterfallen?

Für mich bedeutet es letzten Endes (neudeutsch: am Ende des Tages — was für ein bescheuerter Anglizismus), dass ich mir meine anonymen E-Mail-Konten bei Bedarf eben bei nicht-deutschen Dienstleistern (gibt’s Hotmail noch?) einrichten werde. (Da ich selbst Besitzer meiner Namensdomain bin, zu dem auch ein durch mich konfigurierbarer Mailserver gehört, habe ich sowieso beliebig viele — aber eben nicht anonyme — E-Mail-Adressen.) Und sollte ich mal einen Dienst benötigen, der mein Surfverhalten oder meine sonstigen Zugriffe im Internet anonymisieren soll, nutze ich halt ebenfalls entsprechende Angebote im restlichen Teil der Welt.

Dort ist die Welt zwar bei weitem auch nicht in Ordnung, aber dort gibt’s zumindest keine Brigitte Zypries — und das ist doch schon mal was…

Mittwoch, 15. November 2006

Stinkflug

Na, da habe ich ja wieder was Anrüchiges im Radio gehört. (Aber wie das so ist mit Radiobeiträgen: Erwarte man eine Zusammenfassung oder weiterführende Informationen auf den Webseiten des Sender, wäre das wohl tatsächlich zu viel verlangt. Darum also vorerst kein Link von mir, sorry.)

Jedenfalls geht es um einen Rechtsanwalt, der mit seiner Frau einen Urlaubsflug bei British Airways gebucht hatte. Ob er auf dem Weg in den Urlaub oder zurück war, habe ich nicht mitbekommen, aber das ist eigentlich auch nicht wichtig. Jedenfalls soll es sich so verhalten haben, dass der gute Mann unterwegs umsteigen musste, um sein Ziel zu erreichen. Dummerweise hat aber das BA-Bordpersonal ihn nach Beschwerde eines Mitpassagiers aufgefordert, die Maschine zu verlassen. Warum? Der Mann stank!

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Dienstag, 14. November 2006

Eierschalensollbruch­stellenerzeuger

Diesmal ein kleiner Beitrag mit kleinem Blick über den Tellerrand. Ein Leidensgenosse (zumindest, wenn ich seinem Blog glauben darf) sammelt nämlich viel und gerne Bandwurmwörter. Schade, dass „Bandwurmwort“ nicht auch ein richtig schönes Bandwurmwort ist, aber Eierschalensollbruchstellenerzeuger ist es definitiv. Gibt’s nicht? Doch! Hab ich gerade im Radio auf WDR 2 gehört.

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Montag, 13. November 2006

Schöne Aussichten

Habt ihr’s gemerkt? In den Vereinigten Staaten (von vielen gerne nur kurz „Amerika“ genannt) gab’s kürzlich Wahlen. Senat und Kongress wurden neu bestimmt und dabei gab es erdrutschartige Änderungen in der Mischung aus den dort vorherrschenden Parteien der Demokraten und Republikanern. Erstere haben nämlich letzteren die Mehrheit entreißen können. Jetzt steht der republikanische Ober-Cowboy Schorsch Dabbelju mit dick Gegenwind auf absteigendem Posten.

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Samstag, 11. November 2006

Vorsicht, Dummheit!

Es ist schon ein Weilchen her, dass ich meinen Führerschein erworben habe. Das dürften derzeit so ungefähr sechzehneinhalb Jahre sein. In der Zwischenzeit hat sich in der Straßenverkehrsordnung das eine oder andere geändert. Ich denke da zum Beispiel an die Kindersitze, die irgendwann Pflicht wurden. Oder die Verpflichtung, bei entsprechender Witterung Winter- oder Ganzjahresreifen zu verwenden, die erst kürzlich inkrafttrat und diesen Winter das erste Mal richtig greift. Auch das eine oder andere Verkehrszeichen hat sich zwischenzeitlich geändert (bei Geschwindigkeitsbegrenzungen ist zum Beispiel das „km“ weggefallen) oder ist gar neu dazu gekommen.

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Donnerstag, 9. November 2006

Unser Riesenbaby

Ich darf’s ja mal verraten (aber nicht weitersagen): Ich gehöre auch schon zu den alten Knackern — zumindest, was das „hipp sein“ angeht. Mit meinen 37 Lenzen kann ich hübschen 20jährigen auch nicht mehr den Kopf verdrehen. Muss ich auch nicht. Ich hab Familie und bin glücklich. Besonders stolz bin ich auf die große meiner drei Kinder (ja, ich hab auch noch andere Hobbys), die dieses Jahr tatsächlich schon eingeschult wurde. Ganz am Rande bemerkt: Sie heißt Stefanie. Mit Eff, nicht mit Pe-Ha.

Hatte ich schon erwähnt, dass ich dreifacher Papa bin? Ja? Sorry, bei dem Stress mit den Süßen kann man schonmal den Faden verlieren. Die können manchmal aber auch sowas von zickig sein. Da muss man schon gut aufpassen, dass man sie auf dem rechten Weg behält. Eine kleine Notlüge hier, ein kleiner Faustschlag da. Nichts Wildes. Solange es im Rahmen bleibt. Aber dafür versuchen wir als Eltern natürlich auch zu sorgen (nicht für die Hiebe, sondern dass sowas im Rahmen bleibt). Und wenn dann mal der Wille der Kleinen nicht so ganz den Vorstellungen der Vormundschaft entspricht, lernt man auch schon mal, wie zickig so zwei- bis knapp sechsjährige Mädchen werden können.

Aber das kennt man ja auch als Nicht-Eltern, zum Beispiel aus dem Kaufhaus, wenn zwischen den Gängen, bevorzugt in der Spielwarenabteilung, so ein Viertelwüchsiges wütend erst mit rechtem, dann linkem Fuß aufstampft, ein lautes „Ich will aber!“ herausbrüllt und dann die Sirene mitsamt der Augenlidsprinkleranlage einschaltet.

Jede Mutter, jeder Vater geht damit anders um. Den einen rutscht dann mal die Hand aus. Die anderen brüllen entsprechend lautstark zurück (das Kind muss doch übertönt werden). Noch andere geben vielleicht gar nach und beugen sich dem Willen des Blags. Man könnte ja seine Menschenrechte verletzen, wenn man es angemessenerweise einfach ignoriert oder schief anguckt. Ja, auch ich ernte manchmal seltsame Blicke, wenn ich zugebe, ab und zu mal eine Ohrfeige verteilt zu haben. Oder noch schlimmer: Ich lasse das Kind einfach stehen und schreien. Muntere es gar noch auf: „Lauter, Steffi, die Oma in Heidelberg kann dich noch nicht hören.“ Dann spür ich förmlich in der Luft, wie um mich herum, insbesondere hinter meinem Rücken, mindestens fünf Leute kopfschüttelnd die Hände überm Kopf zusammenschlagen („Das arme Kind…“).

Diese seltsame Einstellung zu Kindererziehung hat vielleicht auch dazu geführt, dass die nachfolgenden Generationen noch einen Tacken schlimmer geraten scheinen als wir es selbst schon waren. Antiautoritäre Erziehung ist nunmal eben leider nicht alles. Ein bisschen Herz und Verstand muss auch noch mitspielen.

Aber was erzähle ich eigentlich von Kindererziehung? Das Riesenbaby, das da kürzlich störrisch mit dem Fuss aufstampfte und bockig, ja gar schelmisch grinsend, auf den Nasen seiner Aufpasser herumtanzte, ist doch immerhin auch schon 36 Jahre alt. Äh, ja, also so alt wie ich, kann man sagen. Dummerweise ein (mutmaßlich) pädophiles noch dazu.

Aber statt, dass die „Eltern“, die eigentlich schon genug Dummheit bewiesen haben, das Blag einfach so aufs Dach klettern zu lassen; also, statt dem Kind einfach seine Phase zu lassen und es eben kein Abendbrot und keinen Nachtisch gibt, und es ruhig die Erfahrung machen können darf, dass es Novembernachts im heimischen Bett eben doch gemütlicher ist, als auf Papas Dachterasse, fragen die Deppen auch noch höflich nach, ob es vielleicht eine kuschelige Decke und einen leckeren Mama-gebrauten Tee haben möchte, bevor es sich endlich nach 20 Stunden Rumpöbeln entschließt, wieder auf sein Zimmer zu gehen.

Und da wundern sich die Leute über zunehmende Gewalt, verweichlichte Jugendliche, respektlose Halbstarke und unsere Politiker. Super…

Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: