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Archiv: November 2006  

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Donnerstag, 30. November 2006

Wahlbetrug, geschehen

Zu einem meiner Lieblingsthemen sind heute gleich zwei beachtenswerte Meldungen durch den Newsticker von www.heise.de gegangen. Ich habe mich über dieses Thema eigentlich schon genug aufgeregt. Genug Anlass hätte ich heute auch schon wieder. Aber diesmal berichte ich nur und verweise außerdem auf die neue Funktionalität meines Blogs, das aktuelle von mir besonders gekennzeichnete Lesezeichen links im Seitenmenü auflistet. Wer will, kann darüber weitere Informationen erlangen.

Eigentlich sind es aber nicht zwei, sondern drei Anmerkungen, die ich heute machen möchte. Eine bezieht sich nämlich auf die im Oktober eingereichte Petition gegen den Einsatz von Wahlcomputern in Deutschland. Mittlerweile ist die Zeichnungsfrist verstrichen und ich musste heute nach einem Kontrollblick auf die Unterzeichnerlisten feststellen, dass nur rund 45.000 diese Petition unterzeichnet haben. 5.000 mehr wären besser gewesen, so hätte das ganze mehr Gewicht bekommen. Aber nun gut. Wer sich über den fortschreitenden Status der Petition informieren möchte, kann das hier tun.

Aber die Petition war ja nicht alles, was das Volk so drauf hat. Es gab da auch noch einen Einspruch gegen den Einsatz von Wahlcomputern bei der letzten Bundestagswahl. Dieser wurde jetzt vom Wahlprüfungsausschuss abgelehnt, wie heise Online berichtet. Man beachte dabei diese klitzekleine Kleinigkeit: Der Wahlprüfungsausschuss wird vom Deutschen Bundestag gebildet. Alles klar? Wie schön, dass Ulrich Wiesner, besagter Beschwerdeführer, jetzt höchstinstanzlich Klarheit schaffen will — er will jetzt damit vors Bundesverfassungsgericht.

Und schließlich ein kleiner Blick über den Tellerrand: Denn nicht nur Deutschland, Holland und die USA setzen Wahlcomputer ein. Auch so fortschrittliche und über jeden Verdacht von Korruption, organisierter Kriminalität oder Manipulation von Medien zur Machtausübung erhabenen Nationen wie Sizilien… — pardon, Italien — haben schon erfolgreich Wahlmanipulatio… — Mist, schon wieder vertippt, soll nicht wieder vorkommen… — Wahlcomputer eingesetzt.

Wusstet ihr, dass in Italien Wahlpflicht herrscht? Also das, was ich hier eigentlich auch gerne hätte? Ja, ich weiß, es stört euch, dass ihr euch dann am Wahlsonntag von eurem dicken faulen Arsch erheben und ins nächste Wahllokal dackeln müsstet, obwohl doch eh keine Partei eure Stimme verdient hätte. Trotzdem hinderte euch dann ja niemand daran, einfach einen leeren Stimmzettel abzugeben. Genau das hat sich in Italien so eingebürgert. Eigentlich nett, wenn die Politiker die Wahlverdrossenheit nicht auf sonniges Wetter, regnerisches Wetter, stürmisches Wetter, fesselndes Fernsehprogramm, krankmachende Grippeviren oder sonstwas Abstruses abwälzen könnten, sondern es in Form von ungültigen Stimmen direkt unter die Nase gerieben bekämen. (Eigentlich bräuchten wir dafür keine Wahlpflicht. Aber da redet man bei den meisten Nichtwählern ja gegen eine Wand. Schade eigentlich.)

Wie auch immer. In Italien ist das so. Wird eben ein sogenannter weißer Zettel abgegen und gut ist. Auch in Italien hat sich die Zahl der Verdrossenen stetig erhöht. Bis zuvorletzt ist die Zahl der weißen Stimmzettel bis auf 1,6 Millionen angestiegen. Und bei der letzten Wahl? Nunja, wie durch ein Wunder gab es plötzlich nur noch 450.000 davon. Über 66 Prozent weniger! Seltsamerweise ist die Zahl der Stimmen für die rechte Berlusconi-Partei „Forza Italia“ in gleichem Maße nach oben geschnellt, obwohl doch sämtliche Meinungsforschungsinstitute vor der Wahl eindeutig die Linken als klare Sieger gesehen haben wollen. Die Überleitung zum Thema Wahlcomputer findet ihr sicherlich selbst, nicht wahr?

Immerhin: Die italienische Regierung hat — wohl vor allem vor diesem Hintergrund — einen wichtigen Schritt für die Demokratie unternommen und den Stopp aller Projekte zur Implementierung von Wahlmaschinen bekannt gegeben, wie heise Online ebefalls berichtet. Ganz abschaffen wäre konsequenter gewesen.

In unserem Land gleichsam derartige Entscheidungen wären hochgradig begrüßenswert gewesen. Aber vielleicht ist ja noch nicht alles verloren…

Mittwoch, 29. November 2006

Dihydrogenmonoxid

Umfragen sind eine feine Sache. Statistiken auch. Man kennt ja die Lebensweisheit „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“. Im Grunde besagt diese Weisheit nur, dass man die Ergebnisse statistischer Erhebungen immer korrekt aber doch den eigenen Interessen entgegenkommend präsentieren kann.

Umfragen verhalten sich da ganz ähnlich. Eigentlich sind Umfragen sogar noch schöner, weil man da nicht gezwungen ist, harte Fakten auszuwerten und in eine dem eigenen Ansinnen genehme Form zu bringen, sondern man hat die direkte Möglichkeit, schon bei der Fragestellung eine Meinung zu bilden, die dann nur noch abgerufen und aufgeschrieben werden muss.

Beispiel gefällig? Stellt euch vor, ihr macht einen Einkaufsbummel und plötzlich steht ein Mensch mit Klemmbrett vor euch und stellt euch, nachdem er sich vorgestellt und erzählt hat, was er macht, folgende Frage: „Unsere Umwelt is durchsetzt von Dihydrogenmonoxid. Wo man nur hinsieht, überall findet man dieses Zeug. Selbst in Babynahrung kann es nachgewiesen werden. Jeder Mensch nimmt täglich beträchtliche Mengen davon zu sich. Sind Sie für ein Verbot von Dihydrogenmonoxid?

Mal ganz ehrlich: Was würdet ihr antworten? Okay, wenn ich schon derart auf der Lauer liegend nachfrage, werdet ihr natürlich sofort stutzig, aber mal ganz objektiv betrachtet, tendiert doch wohl jeder Nicht-Chemiker sofort dazu, ein solches Verbot zu befürworten. Und wie verhielte sich das ganze, wenn man in obiger Frage einfach nur das Wort Dihydrogenmonoxid durch Wasser ersetzte? Na klar, kein Mensch würde Wasser verbieten wollen.

Jetzt dürft ihr drei Mal raten, was Dihydrogenmonoxid für eine chemische Verbindung ist… aber die ersten beiden Male zählen nicht!

Anderes Thema… Am 23. und 24. November, also drei Tage nach dem Amoklauf des Sebastian B. in Emsdetten, der eigentlich kein Amoklauf war, hat das Forschungsinstitut Forsa im Auftrag des Stern eine Umfrage durchgeführt. Die Befragten sollten angeben, ob ihrer Meinung nach „‚Killerspiele‘, wie sie auch der Amokläufer von Emsdetten nutzte, für die zunehmende Gewalt an Schulen mitverantwortlich sind“. Ich denke, man kann sich an seinen zehn Fingern abzählen, wie das Ergebnis ausgefallen ist. Darum wiederhole ich diesen Schwachsinn hier auch nicht — der geht eh schon wieder viel zu medienwirksam durch die Presse.

Ich bin mir aber sicher: Frage anders formuliert, zeitlich anderer Zusammenhang — und schon sähe das Ergebnis komplett anders aus.

Geht doch mal in die nächste Fußgängerzone, greift euch wahllos ein paar Leute heraus, die euch über den Weg laufen und stellt ihnen folgende Frage: „Sind Sie der Meinung, dass Computerspiele, bei denen Geiseln aus der Gewalt von Terroristen befreit werden müssen, die Sozialkompetenz von Oberstufen-Schülern fördern und bei deren Aggressionsabbau mithelfen können?“ Ich wette, auch hier würden 72 Prozent der Befragten mit „Ja“ antworten. Das ist ja ein Ding…

Ich wiederhole es aber gerne noch einmal: Wann fangen die Leute (und allen voran die Medien!) endlich an, sich mit den Ursachen des Emsdettener Amoklaufs statt mit den Symptomen zu beschäftigen? Hat irgendwer von denen, die lautstark das Verbot von „Killerspielen“ fordern, eigentlich schonmal Sebastian B.s Abschiedsbrief gelesen?

Dienstag, 28. November 2006

Unter Lehrter Dächern

Es gibt Meldungen, über die kann ich wirklich nur noch den Kopf schütteln. Da fällt mir nix mehr zu ein. Naja, ein bisschen vielleicht.

Auf den Tag genau vor einem halben Jahr ist doch in unserer supertollen immer mehr arroganten Charme versprühenden Hauptstadt der neue Hauptbahnhof eingeweiht worden. Der alte Lehrter Bahnhof ist für rund 700 Millionen Euro von der Bahn in ein kolossartiges Vorzeige-Prestige-Monstrum umgebaut worden. Dabei wäre das Geld in der Modernisierung des Schienennetzes, des Fuhrparks und anderer kleinerer Bahnhöfe sicher besser aufgehoben gewesen. Aber statt dass die Bahn das Geld in Maßnahmen investiert, die sie vom Image der ständigen Verspätung befreien, muss da so ein Glas-Beton-Klotz am Humboldthafen hochgezogen werden.

Der 28. Mai 2006 war da, der Bahnhof wurde seiner Bestimmung übergeben und alle waren glücklich. Naja, fast alle. Die Berliner waren wohl nicht sehr angetan davon, dass der Bahnhof gegen ihren Willen von „Lehrter Bahnhof“ in „Berlin Hauptbahnhof“ umbenannt wurde. Ach ja, und der Architekt natürlich. Denn die Bahn hat sich doch tatsächlich erdreistet, ein Dach nicht ganz so auszuführen wie er sich das in seinem schnuckeligen kleinen Atelier ausgedacht hatte.

Und was macht man, wenn man sich ungerecht behandelt fühlt? Genau, man zieht vor Gericht. Das — genauer gesagt, das Berliner Landgericht — hat heute geurteilt: Die Bahn habe mit der eigenmächtigen Änderung der baulichen Situation die Urheberrechte des Architekten verletzt.
Strafmaß: Umbau der fraglichen Dachkonstruktion. Laut Architekt für 20 Mio. Euro zu machen, laut Bahn für weniger als 40 Mio. Euro nicht realisierbar. Nach Adam Riese wird der Umbau demnach 60 Mio. Euro kosten. Na, da sehe ich doch schon die nächste Preiserhöhung nach dem 1. Januar 2007 auf uns zu kommen.

Irgendwie sind da wohl wieder ein paar Leute versehentlich durch eine geschlossene Glastür gerannt, oder was soll der Scheiß jetzt? Urheberrecht verletzt? Geht’s noch? Dabei will uns doch Frau Zypries und ihre MAFIA™ seit Jahr und Tag Glauben machen, die killerspielenden, raubmordkopierenden Tauschbörsenkiddies wären die wahren und einzigen Urheberrechtsverletzer.

Soll das etwa heißen, dass ich Urheberrechte verletze, wenn ich einen Architekten bitte, mir mein demnächst zu bauendes Einfamilienhaus zu entwerfen und ich dann aber statt des von ihm vorgesehenen Rundbogens zwischen Esszimmer und Küche einfach die komplette Wand weg lasse? Immerhin wäre dies — nach Auffassung der Berliner Richter — eine tief greifende Verfälschung des ursprünglichen Entwurfs.

Aua. Ich glaube, dann bleibe ich lieber Mieter oder kauf mir ein Fertighaus.

Dienstag, 28. November 2006

Goldener Herbst

Dieser November. Küchentisch. Kreuzworträtsel.

Sie: „Sag mal ein anderes Wort für ‚Goldener Herbst‘.

Er: „Klimakatastrophe?

Montag, 27. November 2006

Frühstücksfleisch

Von Heise Online:

Europa leidet immer noch unter illegalen Online-Aktivitäten aus EU-Mitgliedsstaaten und Drittländern, obwohl geltende EU-Vorschriften Spam verbieten. Zu diesem Fazit kommt die EU-Kommission in einer Mitteilung […]

Ach!

Samstag, 25. November 2006

Bock und Gärtner

Da ist doch kürzlich so ein russischer Agent im britischen Exil gestorben. Unter ganz mysteriösen Umständen. Vergiftet worden soll er sein. Behauptete er selbst, bevor er in Koma fiel und schließlich dahin schied. Scotland Yard nahm den Fall auch in die Hand — allerdings zunächst nicht wegen Mordes, sondern wegen „Todes mit unbekannter Ursache“. Ja, so kann man das auch nennen.

Immerhin haben die Ärzte jetzt endlich (nachdem schon vor 6 Tagen eine Thallium-Vergiftung in Betracht gezogen, dann aber wieder verworfen worden war) herausgefunden, dass Alexander Litwinenko wohl doch mit einer radioaktiven Substanz (Polonium-210) vergiftet wurde. Bleibt nur noch die Frage: Durch wen?

Das soll nun Scotland Yard klären. Schaffen sie aber scheinbar nicht alleine, immerhin scheinen da ein paar Geheimdienste ihre Finger im Spiel gehabt zu haben. Darum haben die britischen Behörden jetzt den russischen Präsidenten Putin um Mithilfe bei der Aufklärung des Falles gebeten.

Wie bekloppt ist das denn? Das ist ja so, als hätte man die Gestapo darum gebeten, dabei zu helfen, eine jüdische Familie aus Deutschland hinauszuschmuggeln.

Freitag, 24. November 2006

Grande Nazion

Nach einem Fußballspiel gehen rund 150 aufgebrachte Fans, zum Teil in der Welt als gewalttätig bekannt, auf die Straße und auf Fans des „gegnerischen“ Vereins los. Ein ziviler Polizeibeamter ist zufällig in der Nähe und will einschreiten. Zu dumm nur, dass seine Haut von besonders starker Pigmentierung ist (im Klartext: er ist schwarz). Die Masse geht auf ihn los, er versucht sich zu verteidigen und im allgemeinen Tohuwabohu schießt er in Notwehr auf zwei Angreifer: Der eine wird schwer verletzt, der andere stirbt.

Quizfrage: Wo ist das ganze passiert? Nein, nicht in Dresden. Leipzig auch nicht. Mit Anklam liegt man auch weit daneben. Es geht schlicht um Paris. Kennt ihr doch, dieses beschauliche Städtchen der Liebe(!) an der Seine. Hauptstadt des doch eigentlich zivilisierten Volkes der Franzosen. (Ich hab zugegebenermaßen auch nicht viele Berührungspunkte mit den Franzosen. Ich kann zwar Französisch, aber mit der Sprache hapert’s. Und Franzosen habe ich in meinem bisherigen Leben vielleicht drei kennengelernt.)

Und dort hat sich jetzt ein Ausbruch von Fremdenhass und nationalsozialistischer Gewalt ereignet. Eigentlich unvorstellbar.

Aber wenn ich ehrlich sein soll: Ich finde so etwas zwar auf der einen Seite beschämend für eine Nation wie Frankreich, vor allem wenn man zusätzlich noch die Vorstadtkriege (das waren doch schon Kriege, anders kann man die brennenden Autos in den Pariser Vororten nicht mehr nennen) berücksichtigt. Andererseits möchte ich jetzt eigentlich nicht mit dem Finger da hinüber zeigen. Und das nicht, weil Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg immer noch demütig um Gnade flehen statt das Wort erheben sollte (diese Meinung teile ich nicht), sondern weil es garantiert nicht mehr lange dauert, bis auch bei uns wieder gewalttätige Hooligans in den Schlagzeilen auftauchen.

Donnerstag, 23. November 2006

Ist doch logisch

Heute im Prominentenspezial von „Wer wird Millionär“, während dessen ich nach langer Zeit mal wieder mitgespielt habe, lautete die 8000-Euro-Frage an Ralf Schumacher:

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„Wer lebt auch heute noch vereinzelt in der Nähe von Düsseldorf?“ mit den Antwortmöglichkeiten: Dinosaurier, Mammuts, Säbelzahntiger oder Neandertaler?

Ich hab einen Moment gebraucht, um es zu begreifen, aber dann wurde es mir schlagartig klar: Neandertaler! Klassisches Ausschlussverfahren: Die anderen drei Vorschläge ergeben für die Kölner ja überhaupt keinen Sinn…

Mittwoch, 22. November 2006

R.A.C.H.E.

Ist euch eigentlich bei der ganzen Diskussion um die so genannten First-Person-Shooter (von Politikern derzeit gerne als „Killerspiele“ tituliert) etwas aufgefallen? Noch am Anfang der Woche, als die Ereignisse noch frisch waren und das Entsetzen groß, wurden in den Medien beispielhaft kurze Auszüge aus seinem im Internet veröffentlichten Abschiedsbrief gebracht. Sehr kurze Ausschnitte, denn Sebastian B, der Amokläufer von Emsdetten, hatte viel mehr zu sagen als die beiden kurzen Sätze, die in den meisten Artikeln zitiert wurden.

Schon am Montag wollte ich mir eigentlich ein genaueres Bild machen und begab mich auf die Suche nach diesem Brief. Gefunden hatte ich nichts. Mittlerweile habe ich erfahren, dass seine Videos und der Brief wohl schon gelöscht waren. Warum?

Diese Frage stellen sich mittlerweile immer mehr. Selbst Bild.de (die Online-Ausgabe der Bild) hat in der Zwischenzeit zumindest Auszüge aus diesem Text veröffentlicht — dummerweise mit redaktionell hinzugefügten Hervorhebungen, um mal wieder Meinungen zu bilden. Eine vollständige Version habe ich mittlerweile auch gefunden. Angeblich rekonstruiert von Bekannten und/oder Verwandten, die nach der Löschaktion den Text noch in Caches diverser Suchmaschinen gefunden haben. Auch die Videos sollen bei YouTube wieder verfügbar sein.

Tut mir einen Gefallen. Lest euch seinen Brief durch. Er zeigt nämlich vor allem, dass Sebastian B. kein „hirnloser Prolet“ war. Vieles von dem, was man da liest, ist richtig. Dummerweise sind die Schlussfolgerungen, der er daraus zieht, völlig falsch — was letztlich auch seine Tat von Montag belegt. Aber man kann ein bisschen verstehen, wenn auch nicht gutheißen, wie es so weit kommen konnte.

Also bitte: Nicht einfach den Brief löschen und totschweigen, sondern lesen und darüber reden. Und vielleicht werden dann auch die Killer-Spiel-Gegner in der Diskussion wieder etwas sachlicher.

Dienstag, 21. November 2006

Verbietet Brot

Ein kleiner Nachtrag zum vorangegangenen Beitrag.

Neueste Studien haben gezeigt, dass 85 Prozent aller Amokläufer innerhalb der letzten zwei Stunden vor ihrer Tat Mischbrot gegessen haben. Der Verband der Nudelesser fordert daher das sofortige Herstellungs- und Verbreitungsverbot von Roggen- und Vollkornbrot. Das ist Schwachsinn? Na, dann passt mal auf…

Denn jetzt werden nicht nur unkonkret und pauschal die Killer-Spiele verteufelt, sondern es gibt erste Vorstöße, sie tatsächlich verbieten zu lassen. Und das nur, weil Millionen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen diese auf ihren PCs haben. Zu dumm für diese Spiele, dass Amokläufer sie zufällig auch auf ihren PCs haben. Aber das schrieb ich ja bereits.

Der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (42) will jetzt mit einer Bundesratsinitiative ein Herstellungs- und Verbreitungsverbot von gewaltverherrlichenden Computerspielen erreichen. Zudem will er die USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle) durch staatliche Aufsichtsbehörden ersetzt wissen. Alles klar, Uwe. Kriech bitte in dein Loch zurück, aus dem du gekommen bist.

Denn was für ein Heuchler Herr Schünemann ist, wird vielleicht etwas deutlicher offenbar, wenn man sich auf der Seite des niedersächsischen Innenministeriums folgende Passage genauer ansieht:

schunemann.gif

Mitglied im Sportschützen-Club? Oh-oh… Ein Wunder, dass Herr Schünemann noch nicht ausgerastet und Amok gelaufen ist. Immerhin hätte er sogar schon eine Waffe, im Gegensatz zu den Millionen Jugendlichen, die ja nur in virtuellen Welten rumballern. Obwohl, wenn ich mir so ansehe, was er gerade vorhat — vielleicht ist er ja kurz davor…

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